• Sicherlich etwas konstruiert aber ist folgende Frage auch mit einem Regeltext zu beantworten?


    Auf Höhe des Strafraums verlässt, der von einem Verteidiger berührte Ball das Spielfeld. Wie geht das Spiel weiter, wenn der/die Schiedsrichter nicht gesehen hat/haben, wer den Ball zuletzt berührt hat?

    a) Einwurf für das angreifende Team
    b) Offener SR-Ball mit beiden Mannschaften
    c) Einwurf für das verteidigende Team

  • Das Regelwerk regelt nicht, dass im Zweifel für die Verteidiger zu entscheiden ist. Beim Einwurf bzw. Abstoß oder Eckstoß mag das oft die taktisch sinnvollste Lösung zu sein.


    In der Regel warte ich hierbei erst einmal ab, ob es die Spieler nicht automatisch selbst regeln. Nur wenn beide den Einwurf wollen, zeige ich selbstbewusst in eine Richtung und zwar so, wie ich es „wahrgenommen“ habe.


    Theorie: Sollte das komplette SR-Team tatsächlich kurzfristig unpässlich gewesen sein, würde es theoretisch mit Schiedsrichterball weitergehen und zwar an der Stelle, wo die letzte Berührung eines Spielers auf dem Spielfeld wahrgenommen wurde mit einem Spieler dieses Teams (Ausnahme Strafraum).

  • Es fehlt Kontext. Der Schilderung nach kommen nämlich auch Eckstoß und Abstoß als Spielfortsetzungen in Betracht, je nachdem wo der Ball das Spielfeld verlässt.

    Dann ist die Regelfrage in sich widersprüclich. Entweder der Entscheider hat wahrgenommen, dass der Ball vom Verteidiger berührt wurde oder es ist unbekannt wer dran war. Beides zusammen ist nicht möglich. Dass der Verteidiger dran war, es aber nicht wahrgenommen wurde, hat für die Beantwortung der Frage keinerlei Relevanz.


    Die Frage ist meiner Meinung nach nicht lösbar und damit fällt auch die Definition von c als "richtig" komplett raus.

  • Entweder habe ich den entsprechenden Passus im Regelwerk nicht gefunden oder es gibt wirklich keinen.


    Daher würde ich hier "5.2 Entscheidungen des Schiedsrichters" zu Rate ziehen:

    Der Schiedsrichter entscheidet nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne der Spielregeln und des Fußballs. Er trifft die Entscheidungen basierend auf seiner Einschätzung und darf die in seinem Ermessen angebrachten Maßnahmen im Rahmen der Spielregeln durchsetzen.


    Die Spielfortsetzung heißt hier definitiv Einwurf, da der Ball ja über die Seitenauslinie rausgegangen ist (so verstehe ich die Frage). Ein SR-Ball ist hier nicht möglich (Regel 8: Wenn der Schiedsrichter das Spiel unterbricht und gemäß Spielregeln keine der obigen Spielfortsetzungen zur Anwendung kommt, wird das Spiel mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt.) Wenn auch kein weiterer Spieloffizieller gesehen hat, wer zuletzt dran war, dann hat der SR quasi die Möglichkeit im Sinne des Fußballs zu entscheiden (siehe oben).


    In der Praxis würde ich schauen, wie sich die Spieler verhalten und dementsprechend das Zeichen in die entsprechende Richtung geben. Sind diese sich uneinig, dann geht es vom Tor weg.

  • Es gilt hier selbstverständlich pragmatisch abzuwarten, ob sich das von alleine regelt.


    Habe ich als SR das aber nicht wahrgenommen - ob real oder ob ich nur so tue, wäre wiederum Teil einer pragmatischen Lösung - kann es nur den SR-Ball mit der Mannschaft an dem Ort geben, wo der ball zuletzt berührt wurde, war das im Strafraum, dann mit dem TW der Mannschaft, zu der der Strafraum gehört.

  • Beim Einwurf gibt es keine direkte Regelung. Wenn man allerdings die Analogie zu zwei gleichzeitigen Vergehen sieht, dann müsste die „taktische Auswirkung“ maßgeblich für die Spielfortsetzung sein und das wäre der Einwurf für die Angreifer.😀

  • Jetzt mal ganz simpel gesehen. Wir haben eine Einwurfsituation, bei der wir nicht wahrgenommen haben, wer zuletzt am Ball war. Der Ball ist aus dem Spiel, somit scheidet für mein Empfinden der SR-Ball aus, vor allem wissen wir ja nicht wer zuletzt am Ball war. Somit muss ich eine Entscheidung treffen im Bewusstsein, dass ich gar nicht weiß ob sie richtig ist. Und auch die Regeln helfen mir nicht weiter. Nächste Hoffnung ist, dass sich nur eine Mannschaft zum Einwurf begibt, weil die Spieler genau wissen, wer zuletzt am Ball war. Sind aber die sich uneins, bin ich wieder am Zug. Und dann gibt es genau zwei Möglichkeiten: Einwurf für die Verteidigung oder Einwurf für die Angreifer.


    Und ich würde es so machen, wie ich es seit 20 Jahren bei solchen Situationen mache, ich entscheide vom Tor weg, demnach Einwurf für die Verteidiger. Warum ? Weil dann die Gefahr geringer ist, dass aus einer evtl. falschen Entscheidungen ein Tor fällt. Das ist für mein subjektives Empfinden dann im Sinne des Fußballs.


    Aber im Endeffekt würde ich in der vorliegenden Situation intuitiv entscheiden und auf mein Bauchgefühl hören.

  • Was für eine eigenartige Frage - wenn der Verteidiger zuletzt am Ball war, geht das Spiel natürlich mit Einwurf (bzw. Eckstoß) für die angreifende Mannschaft weiter. Ob der SR diese Berührung gesehen hat oder nicht ist doch völlig wumpe. In der Praxis kommt das doch auch eigentlich in jedem Spiel mal vor, dass ich den letzten Kontakt nicht wirklich wahrnehme, die Spieler sich aber einig sind. Dann geh ich doch nicht dazwischen und sage "kann sein dass ihr Recht habt, aber ich hab den Kontakt nicht gesehen, also muss das verteidigende Team einfwerfen".


    Hä? Bin verwirrt. Wo kommt die Frage her?

  • Hä? Bin verwirrt. Wo kommt die Frage her?

    Die Frage des TE´s ist wohl eigener Erfahrung des TE´s (und auch der Erffahrung eines jeden SR) geschuldet und gehört wohl in den Bereich "Es ist etwas passiert, ich habe es aber nicht wahrgenommen". Leider lässt sich aber im beschriebenem Fall der Grundsatz: "Was der SR nicht wahrgenommen hat ist nicht paassiert" nicht anwenden.


    Das Regelwerk geht grundsätzlich davon aus, das Wahrnehmung des SR identisch mit dem tatsächlichem Geschehen ist, Oder -besser- Umgeklehrt, der Ideal-SR hat (im Idealfall) genau das wahrgenommen was tatsächlich Vorgefallen ist.
    Für alle anderen Fälle greift dann das Wort "Tatsachenfeststellung". Bedeutet: Die Wahrnehmung des SR legt die Tatsache fest, die es zu Beurteilen gilt.


    Der TE beschreibt nun eine Situation, in der der SR zwar eine Wahrnehmung (Ausball) hatte nach der er eine Spielfortsetzung (Einwurf) aus dem Regelwerk ableiten kann, jedoch fehlt ihm die Wahrnehmung des "Schuldigen" um eine Richtig des Einwurfes festzulegen.


    Die beschriebene Situation ist im Regelwerk aber nicht vorgesehen.


    Es gibt nämlich immer jemanden, der den Ball als letzter berührt hat.


    Was bleibt ist also eine pragmatische Lösung die dem Geist des Fussballspiels möglichst nahe kommt.


    Mein (nicht ganz ernst gemeinter) Vorschlag: "Einwurf und Münzwurf (für die Richtung)"

  • Was für eine eigenartige Frage - wenn der Verteidiger zuletzt am Ball war, geht das Spiel natürlich mit Einwurf (bzw. Eckstoß) für die angreifende Mannschaft weiter. Ob der SR diese Berührung gesehen hat oder nicht ist doch völlig wumpe.

    Eine gefährliche Argumentation, denn jetzt stelle Dir einfach mal vor, der Ball hat das Spielfeld in Richtung Tornetz verlassen; das Lehrwesen ist sich einig, dass ein solches Tor nicht zählen darf und das Spiel mit SR-Ball fortzusetzen ist, zumindest dann nicht, wenn der SR nicht gesehen hat, wie der Ball ins Tor gelangt ist ...

  • Gerade das hat ja keiner der Spieloffiziellen wahrgenommen.😀😉


    Irgendeine Ballberührung wird man ja wahrgenommen haben, bevor der Ball ins aus geht. Schlimmstenfalls ist das eben die Spielfortsetzung davor, wenn man danach nichts sicheres mehr weiß. Wenn die Heimmannschaft einen Abstoß hat, diesen irgendwo hinspielt, wo 2 Spieler um den Ball kämpfen und der Schiedsrichter nicht sicher ist, wer von beiden den Ball ins Aus spielt, dann ist die letzte wahrgenommene Berührung eben die des Spielers, der den Abstoß ausgeführt hat und es gibt Einwurf für die Gastmannschaft.


    Zumindest in der Theorie. Ob das dann in der Praxis so gehandhabt wird, oder man "im Zweifel Richtung Mittellinie" macht, muss jeder für sich selbst sehen.

  • Die Frage ist meiner Meinung nach nicht lösbar und damit fällt auch die Definition von c als "richtig" komplett raus.

    Der Schiedsrichter muss allerdings immer eine regelkonforme Entscheidung treffen, da das Spiel ja fortgesetzt werden muss.

  • Nemata Das wäre dann auch eine pragmatische Tatsachenentscheidung. Der Schiedsrichter hat im letzten Zweikampf eben keine Berührung wahrgenommen, dann ist die letzte wahrgenommene eben maßgeblich.


    Der Fragesteller will wahrscheinlich darauf hinaus, ob man hier im Zweifel für die Abwehr oder die Angreifer entscheidet. Da mag es Lehrwarte geben, die „weg vom Tor“ raten. Je nach Spielcharakter kann allerdings auch die andere Richtung im Einzelfall cleverer sein.

  • Da mag es Lehrwarte geben, die „weg vom Tor“ raten

    Genau das ist das generelle Problem bei Regelschulungen:
    Es wird viel zu viel Pragmatismus, Fingerspitzengefühl und sonstiges Geschwurbel mit der Eindeutigen Regelkunde vermischt sodaß am ende des Tages 20 Teilnehmer eines Lehrabends mit 25 verschiedenen Lösungen nach Hause fahen.

    Die Richtige Antwort auf die eingangs gestellte Frage wäre also:

    Das Regelwerk hat für die beschriebene Situation wegen unzureichender Informationen keine Lösung.


    Damit wäre die Regelfrage vollumfänglich beantwortet.


    (Wie man das dann "aufm Feld" löst ist eine andere - aber eben keine Regelfrage mehr)

  • Muss die Antwort nicht sein "Einwurf gegen die Mannschaft, die nach Wahrnehmung des SRs zuletzt den Ball berührt hat."? Ich habe als Alleinpfeifer in jedem Spiel einen Haufen Situationen, wo ich Berührungen nicht direkt sehen konnte und nach Bewegungsablauf der Spieler oder Richtungsänderungen des Balles entscheide. Selbst in Spielen mit diskussionsfreudigen Spielern werden solche Entscheidungen zu weit über 90% akzeptiert, und daraus schließe ich, dass sie entweder richtig waren, oder eine etwaige Berührung so minimal, dass sie auch dem direkt mit Blick auf den Ball danebenstehenden Gegner entgangen ist.


    Und wenn es dann doch mal über das übliche Ballyhoo hinausgehende Proteste gibt, kann ich immer noch den Spieler fragen. Wenn der dann sagt, er war nicht dran, oder er weiß es nicht, dann gilt meine Wahrnehmung. Den Rest sollen die unter sich ausmachen...

    Der Klügere gibt nach.


    Das erklärt, warum die Welt von den Dummen regiert wird.