Tatsächlich Strafstoß?

  • Folgende Regelfrage wurde letztens geteilt. Ein Stürmer schießt im gegnerischen Strafraum den Ball Richtung Tor, trifft aber den 2 m vor ihm stehenden Verteidiger am herabhängenden und nicht abgespreizten Arm. Also so nicht strafbar, wie es nur nicht strafbar sein kann. Nun fällt der Ball dem Verteidiger vor die Füße und der drischt den Ball mit voller Wucht aus dem Strafraum heraus. Der Ball fliegt und fliegt und fliegt direkt ins gegnerische Tor.

    Nun ist es ja so, dass ein Tor nicht zählen darf, wenn unmittelbar der Schütze oder ein Mitspieler den Ball mit der Hand berühren, egal ob Absicht oder nicht. Es würde dann also mit dF weitergehen. In diesem Falle wäre dann also tatsächlich ein Strafstoß zu geben. Aber das kann doch vom Regelgeber so nicht gewollt sein. Meines Erachtens müsste hier der Text nachgebessert werden, z.B.: Handspiel vor Erziehung eines Tores ist nur in der gegnerische Hälfte strafbar. Wie seht Ihr das oder habe ich da die Regeln nicht richtig gelesen?

    Ich stelle mir diese Szene gerade in der Kreisklasse vor beim Stand von 1-1, in der 90. Minute und es geht um den Abstieg. :flieh:

  • Strafstoß ist wohl die richtige Entscheidung, die Szene klingt aber auch äußerst unwahrscheinlich.


    Was mich bei dem Halbsatzatz "ein Spieler direkt mit der Hand/dem Arm (ob absichtlich oder nicht) ins gegnerische Tor trifft (gilt auch für den Torhüter)" vielmehr irritiert ist das nachgestellte "(gilt auch für den Torhüter)".


    Was hat man sich denn darunter vorzustellen? Der Torwart erzielt ein Tor beim Abwurf? Was wäre denn da die Spielfortsetzung? Strafstoß kann es da ja eigentlich nicht geben, es drängt sich aber auch keine andere Spielfortsetzung auf. :confused:

  • Strafstoß ist wohl die richtige Entscheidung, die Szene klingt aber auch äußerst unwahrscheinlich.

    Für so unwahrscheinlich halte ich das nicht einmal. Es gibt in den ländlichen Regionen genügend Sportplätze mit Mindestmaßen, wo so ein Schuss absolut denkbar wäre.

  • die Szene klingt aber auch äußerst unwahrscheinlich.

    Das erste was uns der Lehrwart auf meinem Schiri Lehrgang bigebracht hat ist das ich immer das unerwartete erwarten soll. Starte mal ne Suche auf Youtube, da gibts genug Tore bei denen der Ball über den ganzen Platz fliegt.


    Für so unwahrscheinlich halte ich das nicht einmal. Es gibt in den ländlichen Regionen genügend Sportplätze mit Mindestmaßen, wo so ein Schuss absolut denkbar wäre.

    @Kaef! Weist du jetzt warum Du als Schiri einen Lauftest machen musst? :flieh:


    Kaum zu glauben, aber ich komme auch auf Strafstoß gegen die Verteidiger.


    Handspiel = Direkter Freistoß am Ort des Kontakts

    Direkter Freistoß im Strafraum = Strafstoß


    Schon Kurios: Ein völlig unbedeutender Kontakt des Ball mit der Hand der nicht Strafbar ist, wird plötzlich durch den (vermeintlichen) Torerfolg strafbar.


    Ohne Worte


    Nachtrag (aus dem Gedächtnis zitiert):

    Es gibt zwar die Anweisung zur Regelauslegung, das man das Handspiel nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag zurückverfolgen soll und damit eigentlich Situationen in der eigenen Hälfte ausgeschlossen sein sollten. Dennoch (meine ich mich zu erinnern) das in dieser Anweisung zur Regelauslegung auch deutlich gemacht wurde das das Handspiel in unmittelbarem Zusammenhang mit der Torerzielung stehen soll (was hier der Fall ist)

  • Also dem Gegner am besten in dessen Strafraum an die Hand schießen und ihn dann ins Tor durchlaufen lassen...:flieh:

  • Vielleicht einmal ein anderer Ansatz, auch wenn der zum gleichen Ergebnis kommen wird:


    Da wäre also zunächst das Handspiel des Verteidigers. Hier müssen wir uns zwischen regelwidrig (= Strafstoß) und regelkonform (= weiterspielen) entscheiden. Nach der Beschreibung ist das Handspiel nicht regelwidrig, also lautet die Entscheidung zweifelsfrei weiterspielen. Damit ist dieser Teil der Aktion abgeschlossen.


    Die nächste Bewertung betrifft das Tor. Hier wiederum müssen wir entscheiden zwischen regelwidrig (= nach vorherigem Handkontakt) oder regelkonform entscheiden. Wenn der Ball die Hand berührt, auf den Boden fällt und direkt ins gegnerische Tor gedroschen wird, kommen wir um die Entscheidung "nach vorherigem Handkontakt" nicht umhin, um davon abzuweichen, wären m.E. mindestens zwei oder drei weitere Ballberührungen erforderlich, dann bestünde tatsächlich ein Bewertungsspielraum, wobei sich das Ergebnis unterscheiden könnte, ob das nun im eigenen oder im fremden Strafraum passiert.


    Letztlich müssen wir also auf direkten Freistoß, in diesem Fall also Strafstoß entscheiden. Auch wenn der Regelgeber das vielleicht so nicht gewollt hat, warum hat er dann aber nicht die Variante gewählt, einen solchen "Regelverstoß" mit einem indirekten Freistoß zu bestrafen?


    Sicher ist: Mir fällt spontan ein Sportplatz hier in der Stadt ein, bei dem so etwas problemlos vorstellbar ist. Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass der Ball direkt volley ins Tor geht, der kann ja womöglich mit letzter Kraft ins Tor kullern.

  • Natürlich ist es auf dem Großfeld ziemlich unwahrscheinlich - wenn auch nicht unmöglich.


    Aber auf dem Kleinfeld ist das durchaus nicht mehr so ganz so unwahrscheinlich

    Dem Schiedsrichter zu widersprechen, das ist, wie wenn man in der Kirche aufsteht und eine Diskussion verlangt. (Dieter Hildebrandt)

  • Natürlich ist es auf dem Großfeld ziemlich unwahrscheinlich - wenn auch nicht unmöglich.

    Wie war das mit dem Paderborner Tor vor ein paar Jahren? Bis zur hier geschilderten Situation fehlt nicht mehr viel - und bei weitem nicht alle Plätze der Betonliga haben Gardemaß … es ist also definitiv möglich, eher hätte ich auf dem Kleinfeld Zweifel, weil das ja meist nur von der jüngeren Jugend genutzt wird.

  • Natürlich ist es auf dem Großfeld ziemlich unwahrscheinlich - wenn auch nicht unmöglich.

    Letzlich ist es für eine Regelfrage auch unerheblich, OB ein Ereignis eintreten kann.



    ... Nur weil ein Ereignis höchst Unwahrscheinlich ist, heißt dass nicht das es gleich beim ersten Versuch eintritt.



    Regelfragen dienen oftmals nur dazu um eine Regelanwendung zu erklären oder zu verstehen, wie die ein oder andere Regelpassage vom Regelgeber gemeint sein könnte.


    Manchmal sind Regefragen auch ganz nützlich dafür um -wie in diesem Falle- mögliche Regel-Inkonsistenzen aufzudecken und zu erklären.


    Da geht es dann nicht mehr darum OB eine Situation eintreten kann, sondern darum, DAS eine Situation denkbar ist, die genau zu dem führt was man erklären will. - Mit etwas Phantasie, findet man dann bestimmt noch mehr Situationen die zu ähnlichen Kuriositäten in der konkret beschriebenen Regelanwendung führen und dann sind wir schon eher im Bereich von Wahrscheinlich.

  • Bin ziemlich erstaunt über die Antworten hier. Bereits zur Winterpause wurde bereits klargestellt, dass das "unabsichtliche Handspiel" in kurzer Distanz zum gegnerischen Tor stattfinden muss, damit es regelwidrig wird. Das hier ist ja nahezu ein Musterbeispiel dafür, also ist die korrekte Entscheidung natürlich: Tor, Anstoß.


    Zur Rekapitulation: Unabsichtliches Handspiel im Zusammenhang mit einer Torerzielung ist nur dann strafbar, wenn es zeitlich (wenige Sekunden) vor Torerzielung, in kurzer Distanz zum gegnerischen Tor (bislang nicht abschließend präzisiert, aber der gegenüberliegende Strafraum gehört sicherlich nicht dazu) sowie maximal 3 Ballkontakte ("Stationen") vor der Torerzielung geschieht.

  • Bereits zur Winterpause wurde bereits klargestellt, dass das "unabsichtliche Handspiel" in kurzer Distanz zum gegnerischen Tor stattfinden muss, damit es regelwidrig wird.

    In welcher Art und Weise wurde das denn kommuniziert? Ich höre jetzt das erste Mal davon.

  • Und ich ergänze:
    Ich kenne nur die Absicht des Regelgebers, dass aus einem Handspiel eben nicht (mehr oder weniger) unmittelbar ein Tor entstehen soll, alleine schon deshalb ist "Nähe zum Tor" nicht nur auslegbar sondern auch sinnwidrig.

  • Wobei die damalige Diskussion dieser nicht widerspricht: Die Abfolge Handkontakt - Schuss - Tor ist "unmittelbar", auf den Standort des Spielers kommt es dabei nicht an. An die Variante, dass das mehr oder weniger über ein ganzes Spielfeld erfolgen kann, hat wahrscheinlich niemand gedacht.

  • Wobei die damalige Diskussion dieser nicht widerspricht: Die Abfolge Handkontakt - Schuss - Tor ist "unmittelbar", auf den Standort des Spielers kommt es dabei nicht an. An die Variante, dass das mehr oder weniger über ein ganzes Spielfeld erfolgen kann, hat wahrscheinlich niemand gedacht.

    Richtig Manfred Die Diskussion kam dort zu einem ähnlichem Ergebnis. Nur halt nicht so krass.


    Wobei man (ich glaube der DFB) seinerzeit auch irgendeine Klarstellung kommuniziert hat.

    Nachtrag (aus dem Gedächtnis zitiert):

    Es gibt zwar die Anweisung zur Regelauslegung, das man das Handspiel nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag zurückverfolgen soll und damit eigentlich Situationen in der eigenen Hälfte ausgeschlossen sein sollten. Dennoch (meine ich mich zu erinnern) das in dieser Anweisung zur Regelauslegung auch deutlich gemacht wurde das das Handspiel in unmittelbarem Zusammenhang mit der Torerzielung stehen soll (was hier der Fall ist)

    Jedoch ging es seinerzeit dabei um das Beispiel, bei dem der Abwehrspieler ebenfalls durch -nicht strafbares- Handspiel in Ballbesitz kommt und der Ball dann über mehrere Stationen erst im Tor landete.

    Seinerzeit argumentierte man hier so (aus dem Kopf Zitiert) das das nicht strafbare Handspiel nur dann strafbar wird, wenn es in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Torerfolg steht.


    Das ist natürlich nicht der Fall, wenn der Ball erst einmal über mehrere Stationen bis zum Torerfolg bewegt wird.


    Jedoch findet in der von Kaef beschriebenen Regelfrage das Handspiel direkt vor dem Torschuss statt. Das Regelwerk macht hier keinen Unterschied ob dann das Tor aus Neun, Neunzehn, Neunundzwanzig oder mit einem Kunstschuss aus Neunundfünfzig oder Neunzig Metern erzielt wird.

  • Der Regelgeber hätte bei direktem Tor als Spielfortsetzung den Abstoß zuordnen sollen.


    Beim direkt verwandelten Abwurf müsste es meines Wissens den idF geben, da die Regel 12 bei unerlaubten Ballberührung des TW mit der Hand im eigenen Strafraum das so vorsieht.

  • Im Zweifel kann man ja auch mal darüber nachdenken, was für einen Blödsinn man da veranstaltet, wenn man ein "nicht strafbares, wie es nur nicht strafbar sein kann" - Handspiel dann doch ahndet und dazu mit Strafstoß noch gegen den Verteidiger, der gar nichts für sein "Handspiel" kann.

    Der Regeltext "unmittelbar" wird in Regelfragen zumeist so ausgelegt, dass nicht strafbare Hndspiele in der eigenen Spielhälfte stets als nicht "unmittelbar" zu verstehen sind. Ähnlich der Parameter "klare Torchance ja/nein"- wo auch die Entfernung bis zum gegnerischen Tor eine Rolle spielt.


    Wenn wir hier nicht im Sinn und Geist der Regeln handeln, erzeugen wir Diskussionen, die niemand braucht.

  • Aber BRiT, genau das ist hier doch das Problem:


    Will man Tore verboten wissen, die unmittelbar nach einem Handkontakt erfolgen? Oder gilt das nur für solche Tore, bei denen der Handkontakt auch in Tornähe erfolgte? Sinn und Geist der Regel sind hier eben nicht eindeutig - und der Umstand, dass man Handkontakte, die an sich nicht regelwidrig wären, ausnahmsweise dann doch als regelwidrig deklariert, lässt vermuten, dass es um den Handkontakt an sich und nicht um die Torentfernung geht.

  • Jetzt stehe ich auf dem Schlauch- der Begriff "unmittelbar" ist im Regeltext ist doch hinreichend weich.


    Handspiel

    [..]

    Ein Vergehen liegt vor, wenn:

    [..]

    • ein Spieler oder ein Mitspieler den Ball mit der Hand/dem Arm berührt (ob

    absichtlich oder nicht) und unmittelbar danach:

    •ins gegnerische Tor trifft,

    •zu einer Torchance kommt,

    [..]


    "Unmittelbar danach" ist eindeutig eine Beschreibung eines Zeitraumes- oder wie mfs67227 schreibt 'kurze "zeitliche Distanz'. Und wenn ich die Zeit "der Ball fliegt und fliegt und fliegt direkt ins gegnerische Tor" als zu lang bewerte (und das werde ich so tun)- dann habe ich doch gar kein Problem!?