Elfmeter oder nicht

  • Hi Leute,


    folgende Situation hat sich heute ereignet wo ich mir nicht ganz sicher war.


    Spieler läuft mit dem Ball am Fuß in den Strafraum des Gegners. Wird von 2 Verteidigern verfolgt. Der Stürmer kommt zum torabschluss (ohne Erfolg) und wird dann gefoult und fällt hin. Ob ein Foul vorlag kann ich nicht genau sagen.


    Die Frage ist wenn der Spieler schon geschossen hat und dann gefoult wird. Ist es dann Elfmeter? :/


    Ich gab kein Elfmeter weil ich nicht genau sehen konnte ob überhaupt ein Foul vorlag.


    Danke

  • Wenn der Ball noch nicht die Auslinie übertreten hat und ein Foul vorlag, kannst bzw. musst du auf Elfmeter entscheiden.

    Dem Schiedsrichter zu widersprechen, das ist, wie wenn man in der Kirche aufsteht und eine Diskussion verlangt. (Dieter Hildebrandt)

  • 1. Gegenfrage: Wenn ein Spieler im Mittelfeld einen Pass spielt und unmittelbar danach gefoult wird, gibst du dann Freistoß?

    Antwort: Ja, außer du hast auf Vorteil erkannt.


    2. Grundsätzlich gilt: Wenn du dir nicht sicher bist, ob da etwas war oder nicht, dann bleibt die Pfeife stumm.

  • Ich bin mir nicht sicher ob man das regeltechnisch noch unter "Vorteil" abhandeln kann.

    Das Foul passiert NACH dem eigentlichen Schuss.

    Wenn der Ball dann rein geht kann man noch sagen "Vorteil, Tor, Anstoß".

    Wenn er aber nicht rein geht...was wäre dann der Vorteil, der TROTZ des Fouls entstanden ist? Das Foul hatte doch mit dem Schuss nichts mehr zu tun und ist daher doch unabhängig davon zu bewerten.

  • Wie schon gesagt wurde, wenn du es nicht genau gesehen hast, dann lieber laufen lassen. Und wenn ich genau gesehen habe, dass der Schütze beim Schuss direkt oder eben eine Zehntelsekunde danach gefoult wird, dann gibts für mich direkten Freistoss (oder eben Strafstoss). Falls eine längere Zeitspanne zwischen Schuss und Foul liegt, gibts Abstoss.


    Jetzt könnte man noch diskutieren, wie es aussieht, wenn das Foul gelb- oder rotwürdig wäre.

  • Hier kommt es ganz genau auf die Reihenfolge an:
    Erfolgte das Foul, so es denn eines war, erst zu dem Zeitpunkt, als klar oder klar absehbar war, dass kein Torerfolg eintreten wird, kommt nur ein Strafstoß in Frage (es sei denn, der Ball war dann schon aus dem Spiel).

    Kam es zu dem Foul, als der Spieler schon geschossen hatte, aber noch offen war, ob es zu einem Torerfolg kommen wird, gibt es vier Varianten:
    - potenziellen Vorteil abwarten und geht der Ball ins Tor ist alles prima, im anderen Fall ist der Schiri ein Depp (aber regeltechnisch die saubere Variante)

    - potenziellen Voteil abwarten, aber noch bevor der Ball abgewehrt oder aus dem Spielfeld ist erkennen (hier ist Erfahrung und Bauchgefühl gefragt), dass es zum Tor (Tor abwarten) oder eben nicht kommen wird (Pfiff und Strafstoß) - tritt die Erwartung nicht ein, bist Du wieder der Depp, aber regeltechnisch ist auch dies in Ordnung

    - potenziellen Vorteil abwarten und erst pfeifen, wenn sicher ist, dass der Ball nicht ins Tor geht (klare Abwehr oder vor allem bei Ball aus dem Spiel), Pfiff und Strafstoß und sich dabei auf die "Schaltsekunde" berufen - regeltechnisch nicht ganz sauber, aber das Gegenteil kann Dir im Normalfall niemand beweisen, dennoch bist Du für die Verteidiger der Depp

    - potenziellen Vorteil nicht abwarten und gleich pfeifen und auf Strafstoß entscheiden - regeltechnisch durchaus vertretbar, geht der Ball aber ins Tor (und das Risiko ist größer, da nach dem Pfiff unter Umständen das Spiel eingestellt wird), bist Du wieder der Depp

    Welcher Depp also möchtest Du sein?

  • Bei diesen Situationen gibt es kein Patentrezept und vieles sind sicherlich auch Erfahrungswerte. Es gibt nur so ein paar Anhaltspunkte aus der Praxis:


    Kommt es zum strafstoßwürdigen Kontakt im Strafraum und der Stürmer hat den TW noch vor sich, wird er durch die Berührung sicherlich beim potentiellen Torschuss nicht 100%ig konzentriert sein. Hier liegt man mit einem frühen Pfiff meistens nicht verkehrt. Wenn man den Torabschluß abwartet und dann nachpfeift, kann man das sicherlich noch irgendwie regeltechnisch verargumentieren, in der Außenwirkung ist das eher suboptimal.


    Wenn der gefoulte Spieler zum Abschluß kommt und er das leere Tor nicht treffen sollte, dann ist das nicht mehr das Problem des SR.


    Generell sollte man weder Vorteil rufen noch anzeigen, damit schränkt man sich selbst bzgl. der verzögerten Entscheidung ein.

  • Hmmm...Wenn ich die Frage richtig verstanden habe, dann geht es um ein Foulspiel, das unmittelbar nach einem Torschuss erfolgt noch während der Ball im Spiel ist. Der mögliche Pfiff würde hier aufgrund der Reaktionszeit immer erst erfolgen nachdem der Ball im Toraus ist, vom Torwart gehalten wird oder zurückprallt.


    Hier sehe ich keine Begründung den Strafstoß nicht zu geben. Ein Vorteil durch die Wirkung des vor dem Foulspiel erfolgten Schusses ist nicht eingetreten.


    Ausnahme wäre hier nur, wenn ein Mitspieler des Gefoulten nach einen möglichen Abpraller eine Torchance hat. Und selbst dann sollte man noch pfeifen bevor dieser den Ball kontrolliert oder schießt.

  • und ergänzend füge ich noch hinzu: In den allermeisten Fällen ist der Strafstoß der größere Vorteiil. Ausnahme : Der Ball ist auf direktem Weg ins Tor und kann auch nicht mehr aufgehalten werden.

    Bei allen anderen Fällen bist du mit dem Strafstoßpfiff auf der sicheren Seite.

  • Nachdem hier (fast) alles gesagt wurde noch eine Ergänzung zur Disziplinarstrafe - weil sowas dann immer wieder auch auf dem Feld gefordert wird.


    Wegen einer NOTBREMSE darf es in diesem Fall keine Disziplinarstrafe geben, da der Abschlussversuch als solches ja nicht verhindert wurde. Das der Angreifer bei der Aktion den "Atem seines Gegners im Nacken" spürte bevor er auf´s Tor schoss ist kein Argument für eine Notbremse.


    Davon unberührt bleiben natürlich alle Entscheidungen für Disziplinarstrafen wegen des regelwidrigen Kontakts die nichts mit einer Notbremse zu tun haben.