Abseits - Zeitpunkt des Eingriffs

  • Folgende Situation, die sich gestern sehr ähnlich in meinem Spiel zugetragen hat:


    Flanke nach vorne, aber nicht sehr präzise. Ein Angreifer steht in Abseitsposition, jedoch ist ein Verteidiger deutlich besser positioniert. Der Verteidiger schirmt den Ball mit seinem Körper ab, der Angreifer möchte den Ball natürlich erreichen, allerdings kommt es zu keinem Körperkontakt, weshalb ich hier auch noch keinen Zweikampf sehe. In dem Moment, in dem der Angreifer am Verteidiger vorbei will, lässt dieser ihn, wenn auch unabsichtlich, über die Klinge springen - und das natürlich im Strafraum.


    Liegt ein Eingriff bereits vor, weil der Angreifer jetzt wirklich aktiv zum Ball geht und wäre damit auf Abseits zu entscheiden oder heißt es hier nicht doch noch weiterhin "wait and see", so dass die Lösung Strafstoß heißen muss?

  • Für mich ein klares Abseits, da der Angreifer den Verteidiger angreift, um den Ball spielen zu können. Muss ein Zweikampf zwingend einen Körperkontakt beinhalten?

    Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr
    wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung
    angesehen.

  • StefanP
    Solange der Verteidiger gewissermaßen präventiv den Ball abschirmt, sehe ich definitiv noch keinen Zweikampf - und schon gar nicht, wenn hier noch ein "deutlicher" Abstand zwischen beiden Spielern besteht.


    Kaef
    Zu dem Foul kommt es, als der Spieler versucht, den Verteidiger zu "umrunden". Genau hier hakt es ja bei mir, ob da zuerst die Abseitsstellung wirksam wird oder zunächst noch die "Unschuldsvermutung" (wait and see) greift und damit das Foul die Spielfortsetzung bestimmt.

  • Wenn der Verteidiger den Angreifer daran hindert, die vom Angreifer angestrebte Position auf direktem Wege zu erreichen, handelt es sich selbstverständlich um einen Zweikampf und damit um eine strafbare Abseitsposition. Das ist dem Regelwortlaut auch unmittelbar zu entnehmen.

  • Die Abseitsposition war im Moment der Ballabgabe vorhanden, wenn ich das richtig verstanden habe.

    Dann muss es nach denn Regeln einen indirekten Freistoß wegen Abseits geben, da der Stürmer ja aus der Abseitsposition eingreifen will .


    Das hätte ich wohl so entschieden...

    aber wir wissen ja alles wir haben keine Zeitlupe :-)

  • Ist schon etwas länger her, da habe ich versucht mit einer etwas allgemeiner gehalteneren (fiktiven) Situationsbeschreibung derartige Situationen zur Diskussion gestellt.


    Zu dem Foul kommt es, als der Spieler versucht, den Verteidiger zu "umrunden". Genau hier hakt es ja bei mir, ob da zuerst die Abseitsstellung wirksam wird oder zunächst noch die "Unschuldsvermutung" (wait and see) greift und damit das Foul die Spielfortsetzung bestimmt.

    Genau darauf zielte letzten endes meine Frage in diesem Beitrag ab.


    Ist der Versuch, einen momentan zwar noch nicht unmittelbar spielbaren Ball zu erreichen bereits ein Eingreifen in das Spiel wenn es dadurch zu einem Laufduell oder- wie in diesem Fall- sogar zu einem Kontakt mit einem Verteidiger kommt?


    Nungut: Ich kann damit Argumentieren, das Abseits (für die Spieler) erst dann strafbar ist, wenn der SR dies durch seine Wahrnehmung entschieden hat. In dem von Manfred beschriebenem Fall darf sich also der Verteidiger nicht darauf verlassen das ein strafbares Abseits vorliegt oder der SR es auch so wahrgenommen hat.


    Läuft der Angreidfer ungehindert durch - Abseits

    Wird er am laufen gehindert.....


    Man kann ja argumentieren, das er "nur am Verteidiger vorbei laufen" und gar nicht zum Ball gehen wollte. We never Know..... Unschuldsvermutung?

  • Liegt Abseits nicht dann vor, wenn der Angreifer ins Spielgeschehen eingreift? Das kann meiner Meinung nach sowohl verbal mit taktischen Anweisungen wie "ich steh abseits, geht du" als auch, wenn er den Verteidiger zwingt, den Ball abzuschirmen, erfolgen. Für mich ein Abseits sobald der Verteidiger bedrängt wird.

  • Wann "zwingt" ein Angreifer einen Verteidiger zu etwas? Das Eis wäre mir zu dünn ...


    Ich stelle fest, dass wir uns weitgehend einig sind, dass der Eingriff unterschiedlich interpretiert werden kann, hier aber in weit überwiegender Meinung doch vorgelegen hätte.


    Zur Auflösung:
    Ich habe auf Strafstoß entschieden - aber vor allem, weil ich mir nicht sicher war, ob wirklich eine Abseitsstellung vorgelegen hatte (und da geht es im Zweifel eben weiter). Dennoch stellte sich mir in der Nachbetrachtung die Frage, welche Entscheidung denn richtig gewesen wäre, wenn der Spieler sicher im Abseits gestanden hätte. Einerseits will der Regelgeber, dass wir erst so spät wie möglich auf Abseits entscheiden, andererseits ist das in bestimmten Situationen aber mehr als unglücklich ...

  • Sry, aber da würde ich mich als Verteidiger über den Pfiff mehr als nur leicht aufregen..

  • Zitat

    Liegt Abseits nicht dann vor, wenn der Angreifer ins Spielgeschehen eingreift?

    Ja, aber was ein "Eingriff" ist (in den Regeln heißt "Aktive Teilnahme am Spiel, indem ..."), wird in den Regeln festgelegt: Zweikampf, Ball spielen, Sicht versperren (TW), Beeinflussung (durch einen Versuch, einen Ball in der Nähe zu Spielen - z.B. Kopfballversuch bei einer knapp zu hohen Flanke).

  • Um die Frage von mfs67227 zu beantworten: Nein, sonst wäre es ja noch komplizierter (oder einfacher), weil unterschieden werden müsste, ob die Berührung "gewollt" oder "versehentlich" war (Torabwehr scheidet hier ja aus).

  • kurzer Auszug aus dem Regelheft:


    Wenn:

    • Sich ein Spieler in einer Abseitsstellung mit der Absicht zum Ball bewegt,

    diesen zu spielen, und dieser gefoult wird, bevor er den Ball spielt oder

    versucht, den Ball zu spielen oder bevor er mit einem Gegner einen Zweikampf

    um den Ball führt, wird das Foul bestraft, als ob es vor dem Abseitsvergehen

    geschehen wäre;


    • ein Vergehen gegen einen Spieler in einer Abseitsstellung begangen wird, der

    bereits den Ball spielt oder versucht, den Ball zu spielen oder der mit einem

    Gegner einen Zweikampf um den Ball führt, wird das Abseitsvergehen

    bestraft, da es vor dem Foul geschehen ist.


    Manfreds Schilderung der Szene lässt eher auf den ersten Fall schließen. Somit wäre die Entscheidung auf Strafstoß korrekt.


  • Moment, ich schrieb ausdrücklich, dass der Abwehrspieler präventiv abschirmte - und genau "das Moment" Zweikampfbeginn (= Beginn des Eingriffs) fand ich hier interpretationsfähig. Bei einem Kontakt (korrektes Bedrängen) hätte der zweifelsfrei vorgelegen, nur gab es den Kontakt eben (noch) nicht - und damit genau die entscheidende Frage, deretwegen ich das Thema eröffnet hatte ...


    Wobei ich noch einen draufsetzen könnte:
    Wie lange dürfte der Spieler eigentlich abschirmen, bis die Abseitsposition "verjährt"? Einerseits ist der Ball natürlich für die übrigen Spieler spielbar, so dass es keinen Grund für eine "Verjährung" gäbe, andererseits ist es m.E. aber auch nicht im Sinne des Fußballs (und zur Regelauslegung in dessen Sinn wird ja ausdrücklich aufgefordert), wenn es hier keine "Verjährung" geben sollte. Im Extremfall standen alle 10 Feldspieler einer Mannschaft im Abseits, so dass regelkonform nur der TW (der den Ball abgespielt hatte) engreifen könnte und die verteidigende Mannschaft den Ball gewissermaßen liegen lassen könnte, da jeder Ballkontakt (mit Ausnahme TW) ja zwingend zu einem Freistoß führen würde; im Sinn des Fußballs wäre das für mich ohne jeden Zweifel nicht mehr.

  • Präventiv abschirmen ohne Zweikampf ist nicht erlaubt. Wenn es sich lediglich um ein Sperren des Laufwegs und anschließend ein Foul gehandelt hat, gibt's natürlich den Strafstoß. Hat es sich aber um ein regelkonformes Abschirmen gehandelt, nennt man sowas eben Zweikampf und damit greift der Angreifer aktiv ein, die Abseitsstellung wird also strafbar.


    Eine Verjährung gibt es defintiv nicht. Wenn halt 10 Spieler im Abseits standen, waren 10 Spieler zu doof. Entweder geht der Torwart zum Ball, oder es geht ein anderer Spieler zum Ball und verursacht damit eine Spielstrafe gegen seine Mannschaft oder niemand geht zum Ball und das Spiel geht nicht mehr weiter. Für letzteres braucht es aber keine 10 Spieler im Abseits. Der Gedanke einer Verjährung der Abseitssituation ist komplett absurd und der Argumentationsansatz mit dem "Sinn des Fußballs" ein Beispiel dafür, wie unbrauchbar dieser für die Regelauslegung ist.

  • Zitat

    Moment, ich schrieb ausdrücklich, dass der Abwehrspieler präventiv abschirmte - und genau "das Moment" Zweikampfbeginn (= Beginn des Eingriffs) fand ich hier interpretationsfähig. Bei einem Kontakt (korrektes Bedrängen) hätte der zweifelsfrei vorgelegen, nur gab es den Kontakt eben (noch) nicht - und damit genau die entscheidende Frage, deretwegen ich das Thema eröffnet hatte ...

    Für die Entscheidung ist also relevant, ob das Foul "auf dem Weg" passiert oder ob der Spieler in den Zweikampf geht oder versucht, den Ball zu spielen (Regeltext aus Post #14).


    Ein Zweikampf ist ein Kampf um den Ball in spielbarer Distanz. "Versuch, den Ball zu spielen" ist zwar nicht näher konkretisiert, aber mMn fängt man damit die Situation ab, dass kein Verteidiger in der Nähe des Balles ist bzw. kein Abschirmen vorliegt. Das erscheint mir die sinnvollste Auslegung entsprechend dem Begriffssystems der Regeln zu sein. Wenn der Verteidiger den Ball korrekt abschirmt (also in spielbarer Distanz), dann handelt es sich um einen Zweikampf und damit ist das Abseits zu bestrafen.


    Zur "Verjährung" siehe zettelbox.