Was ist bloß auf den Sportplätzen los?

  • Sagt mal, was passiert eigentlich für uns SR, wenn wir das Häkchen im DFBnet auf "Ja" setzten, ob es Gewalthandlungen oder Diskriminierungen gegeben hat? Geht der Spielbericht dann andere Wege oder wie läuft das?

    Ist meiner Meinung nach nur für die Statistik. Habe schon das ein oder andere Mal "Ja" angeklickt und noch nie etwas gehört.

  • kann mir gut vorstellen, dass aufgrund der Statistik dem einen oder anderen auf Bezirks- oder Verbandsebene klar wird, wie rau es auf den Plätzen zugeht. Und je schlechter die Statistik ausfällt, je härter fallen die Maßnahmen von deren Seite aus. Wenn wir also wollen, das sich was ändert, müssen wir die Dinge nach oben hin transparent machen und die Haken korrekt setzen.

  • Hallo Paddy,

    ist nicht ganz richtig. Als ich seinerzeit diesen Spielabbruch im Westerwald hatte

    ( du erinnerst dich sicher ), habe ich das Häkchen gesetzt und damit eine Maschinerie innerhalb des Verbandes in Gang gesetzt, das hätte ich nicht geahnt. Da haben sich einige Beauftragte vom Verband bei mir gemeldet, Spruchkammermitglieder etc. Und auch der Sonderbericht ging noch an andere Stellen. Aber ich weiß nicht mehr, wer im Verband den noch bekommen hat.

    Also nur für die Statistik ist es sicher nicht. Ich denke, es kommt auf den genauen Vorfall an und wie schwerwiegend dieser eingestuft wird.

  • Also der eine SRA, der da so unbeteiligt an der Linie entlangläuft und teilweise auch wegschaut, gibt mir schon zu denken.

    Das war auch mein erster Gedanke, als wollte er schon mal das Bier kaltstellen.

  • Sagt mal, was passiert eigentlich für uns SR, wenn wir das Häkchen im DFBnet auf "Ja" setzten, ob es Gewalthandlungen oder Diskriminierungen gegeben hat? Geht der Spielbericht dann andere Wege oder wie läuft das?


    Also meiner Meinung geht der Bericht dann direkt nach Frankfurt zu irgendwem auf den Schreibtisch. War zumindest bei uns im Kreis mal so, aber da war das Häkchen bei Diskriminierung und nicht bei Gewalthandlung.
    Bei uns war das damals so, dass ein SR einen einarmigen nicht einwerfen lassen wollte bzw. den Einwurf als falsch zurück gepfiffen hat. Ende vom Lied war dann, dass das Häkchen im Bericht gesetzt werden musste und der DFB in Frankfurt zwei Wochen später die Regel dahingehend angepasst hat. Also so ein Haken kann da schon Wellen schlagen.

  • Inzwischen gibt aus die Lokalpresse ihren Senf dazu



  • Das macht mich einfach nur noch traurig. Noch nicht einmal wütend, nur traurig. Das passiert ja überall in der Republik.

    Das ist nicht mehr mein Amateurfußball.

  • Und diesmal hat mein ehemaliger Lehrwart ein Spiel abgebrochen.


    http://www.fussball.de/spiel/v…000000VS54898EVUSCTAUB#!/

    Bevor ihr die Artikel lest: Es geht ihm Gut! Er hat mir geschrieben, das ich mir keine Sorgen machen soll und den Rest das Sportgericht klärt.

    Selbstverständlich ist Strafanzeige erstattet worden

    Auf Fussi Freunde hat sich Christian auch inzwischen dazu geäussert, nächsten Dienstag ist Verhandlung - werd ich hingehen, Christian und ich haben noch eine (Bier)Rechnung offen die wir nach der Verhandlung begleichen.

  • Wenn ich das heute richtig gelesen habe ist das Spiel am Wochenende von Tunesien abgesetzt worden.

    Nach der Verhandlung wird wohl neu angesetzt oder weiter abgesetzt.

    Es gibt Leute, die denken Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist. (Bill Shankly)

  • Wißt ihr, was das Schlimmste ist? Dass man diese Meldungen nur noch kurz zur Kenntnis nimmt und dann wieder zur Tagesordnung übergeht. Selbst hier im Forum wird so gut wie nicht mehr darauf reagiert. Und mir geht es ja auch so.

    Ich lese die Meldung, bin kurz erschüttert und gehe zum nächsten Thema.

    Ist das der berühmte Gewöhnungseffekt? Haben wir uns wirklich schon an solche Meldungen gewöhnt?

    Ich will mich aber nicht daran gewöhnen. Das darf nicht passieren.

  • Dass man diese Meldungen nur noch kurz zur Kenntnis nimmt und dann wieder zur Tagesordnung übergeht.

    Stimmt. Aber was wären denn die Konsequenzen?

    Allgemeine Jammerei und Erschrockenheit ist nett, mag vielleicht im Einzelfall auch helfen, aber bei der Vielzahl der Fälle, über die wir unterdessen reden, dürfte Polen an dieser Stelle bereits verloren sein.


    Herunterspielen - ja, das können die Offiziellen, da kommen dann die ominösen Statistiken über die große Zahl an Spielen, die doch störungsfrei über die Bühne gehen. Sicher ist es richtig, dass es auch heute noch Spiele gibt, die störungsfrei über die Bühne gehen, aber: Kommt es nicht in weitaus mehr Spielen zu Situationen, die so einfach nicht vorkommen dürften? In denen Mitspieler etc. einen Spieler abdrängen und von einer was-weiß-ich-denn-Attacke auf wen auch immer abhalten? Hier ist sehr wohl auch Gewaltpotenzial, welches aber eben nicht erfasst wird. Gleiches gilt für die Fälle, in denen der Schiedsrichter alleine aufgrund seiner Persönlichkeit und ggf. auch mit seiner Strafgewalt für Ruhe und Ordnung sorgt, was aber unter Anlegung strenger Maßstäbe weit über eine reine Spielleitung mit der Aufgabe für die Einhaltung der Regeln zu sorgen hinausgeht. Vom absinken der verbalen Hemmschwelle mal ganz zu schweigen. Und nicht zu vergessen: Ich habe Zweifel an der korrekten Erfassung. Am Samstag war ich zu einem Spiel angesetzt, bei dem ich schon bei der Ankunft auf dem Platz mit dem ersten Blick gesehen habe, dass die Eckfahnen um mindestens 20 cm zu kurz sind und damit eine Verletzungsgefahr darstellen. Auf Rückfrage habe ich erfahren, dass dieser Zustand schon länger besteht. Wie es der Zufall will, war ich am Montag wegen unserer Pflichtsitzung wieder bei dem Verein und aufgrund meiner Meldung im Spielbericht war der Klassenleiter bereits aktiv geworden - was aber nichts anderes heißt, als dass x SR-Kollegen dies entweder überhaupt nicht bemerkt und/oder einfach nicht gemeldet haben. Wenn ich das als Gradmesser für die Häkchen zu Gewalt oder Diskriminierung sehe, dürften die tatsächlichen Fälle um den Faktor 20 bis 30 größer sein.


    Drakonische Strafen - von den juristischen Plänkeleien der Verhältnismäßigkeit abgesehen, kommen dann auch schnell moralische Bedenken ins Spiel, da in einer Mannschaft selten alle verdorben sind oder andere Probleme bestehen. Übertragen auf den auslösenden Fall: Was kann der Sohn für seinen Vater? Doch anders herum: Nur ohne das Kind wird der Vater nicht mehr auf einem Sportplatz auftauchen, denn selbst ein Sportplatzverbot für den Vater mag ganz sinnvoll klingen, ist aber faktisch kaum durchzusetzen.


    Fazit: Ich habe auch keine Lösung, nicht einmal ansatzweise, es sei denn, man wäre bereit, auch "Nebenwirkungen" in Kauf zu nehmen und beispielsweise rigoros ganze Mannschaften oder Vereine auszuschließen und alle Spieler mit einem Spielverbot zu belegen, so dass sie auch in keinem anderen Verein mehr spielen können, wobei das verbandübergreifend gelten müsste. Aber ob das eine Lösung ist? Alternativ bliebe nur, den Fußball ganz zu liquidieren.

  • Naja, man darf nicht ganz vergessen, dass hier durch die Aggregation von Meldungen aus jedem Winkel der Republik schnell ein dunkleres Bild entsteht, als eigentlich richtig wäre. Das ist wie bei Kriminalität außerhalb des Fußballs: Durch das Internet verbreiten sich Meldungen, die man früher gar nicht mitbekommen hätte, und dadurch hat es den Anschein, dass die Welt immer schlechter werde. Wird sie aber nicht.


    Das gilt auch für so Indikatoren wie Spielabbrüche. Wir hatten im Kreis da letzte Saison auch eine Spitze. Diese Saison ist alles wieder im Normalbereich. Statistische Mittel setzen sich halt auch aus "Ausreißern" nach oben und unten zusammen, und die können auch einfach Zufall sein. Da aber immer irgendwo eine statistische Spitze ist (jetzt wohl gerade in Paderborn), kann man den Eindruck bekommen, es werde immer schlimmer, obwohl das eigentlich nicht stimmt, schon gar nicht flächendeckend.


    Ich finde die ganzen Meldungen interessant, weil sie das Problem aufzeigen und Mahnung dafür sind, dass auch die seltenen Fälle zu viel sind. Und ja, wir müssen wachsam sein, Präventionsarbeit und Sanktionen sorgsam erledigen und so weiter. Aber bitte nicht das Weltbild verdunkeln lassen.

  • Vielleicht hast Du recht. Aber ich merke schon, dass ich weitaus öfter als früher Präventionsarbeit erledigen muss, Spieler - wie beschrieben - zurückgehalten werden müssen etc. pp., so dass ich einen Sittenverfall durchaus konstatieren muss.

  • Das mag vielleicht sogar so sein, wie dennosius es beschreibt. Dennoch denke ich, dass sich die Qualität geändert hat. Wie Manfred es auch beschreibt, habe ich den Eindruck, viel mehr schlichten zu müssen als früher, was gleichzeitig aber immer schwieriger wird, weil viele Spieler nur sehr schwer zugänglich sind.

    Daß von draußen geschrien wird, ist fast so alt wie der Fussball selbst aber die Qualität ist heute eine völlig andere. Die Feindseligkeiten haben zugenommen.

    Ich kann mich nicht erinnern, jemals erlebt oder gehört zu haben, dass ein Erwachsener einen 12 jährigen Spieler des Gegners gewürgt hat. Beschimpft? sicher! Aber so angegriffen? Das war zu meiner Anfangszeit tabu.

  • Gerade lese ich einen Bericht der hessischen SR-Kollegen über zunehmende Gewalt gegen Schiedsrichter. Und wieder gibt es bei einem Verein, der natürlich nicht namentlich genannt wird, gleich 2 schlimme Vorfälle zu berichten.

    Ohne die Zustände in Hessen oder den betreffenden Verein zu kennen behaupte ich, dass bestimmte Vereine, die den Verbänden bekannt sind, deutlich gehäuft an Gewaltvorfällen beteiligt sind. Natürlich gibt es da eine Lösung. Die setzt nur niemand um.
    Deshalb- in der Tat- registriere ich solche Meldungen nur noch mit einem Achselzucken.

  • Sicher, die Welt ändert sich. Nichts ist heute mehr wie 1980, auch der Fußball nicht. Und als Volkssport bekommen wir gesellschaftliche Änderungsprozesse auch immer hautnah mit. Einer dieser gesellschaftlichen Umstände ist - und da muss man, BRiT, auch nicht mit "bestimmte" oder so andeutungsvoll drum herumreden - durchaus auch die Integrationsleistung unserer Gesellschaft, von der der Fußball ein Stückchen mitträgt.


    Sicherlich sorgt das für Herausforderungen. Bei uns gab es gerade die große Kreisfusion der Stadt mit dem Umland, also auch von urban geprägten Mannschaften mit Mannschaften aus, sagen wir, etwas konservativeren ländlichen Regionen. Da ist jede Menge (zusätzlicher) Zündstoff drin. Und das geht nicht immer gut und macht nicht immer Spaß. Ich will keine Schönfärberei betreiben. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass überall Sodom und Gomorrha ausgebrochen ist.


    Vor allem denke ich nicht, dass man mit der Attitüde auf den Platz gehen sollte, die wird nämlich schnell zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Denn, ja, es gibt Mannschaften und Spieler, die mit dicker Vereinsbrille über uns urteilen und mit einer Mischung aus Narzissmus und mangelndem Respekt vor Autorität uns das leben schwer machen. Es gibt aber auch Schiris, die auf eigentlich noch erträgliche Ausprägungen dieser Unsitten mit Übermaß reagieren und damit die Situation verschlimmern. Das ist kein Vorwurf, passiert ist mir das auch schon. Man muss halt auch in dieser Hinsicht an sich arbeiten und eine gute Linie finden, was verbindliches Auftreten, faire und (auch unterbewusst) diskriminierungsfreie Spielleitung und das richtige Maß an Autorität angeht. Wie gesagt, klappt auch bei mir nicht immer, aber ich versuche immer, daraus zu lernen, selbst wenn ich nur eine überschaubar kleine Teilschuld daran trage, dass die Stimmung auf dem Platz mal schlecht war.