Vorteil ...und nicht angenommen!

  • Aus einem Vorteil darf kein Nachteil entstehen! Wenn ich eine Vorteilssituation erkenne und erst einmal laufen lasse, muss sich auch ein tatsächlicher Vorteil ergeben.
    Ich hatte am Wochenende wieder so einen Fall: der Stürmer wird kurz vor der Strafraumlinie klar gefoult. Der Ball springt zu Seite, wo kein Spieler mehr steht, so dass der Stürmer auf einmal freie Schussbahn an der Strafraumlinie hatte.
    So einen Vorteil hat er nicht mehr, wenn eine 9,15 m entfernte Mauer vor ihm steht. Da er aber außer Atem war und es ihm offensichtlich an Schusskraft fehlte, schoss er nicht gleich, sondern schaute mich mit großen Augen an. Da ich unmittelbar daneben stand zeigte ich auch noch auf`s Tor. Er schoss halbherzig daneben.


    Nach Spielende fragte er mich, was er hätte tun müssen, um den Freistoß zu erhalten. Ich antwortete, dass Kraftlosigkeit kein Grund ist, den Vorteil abzupfeiffen. Müde wäre er auch gewesen, wenn er nicht gefoult worden wäre. Der Pfiff wäre nur dann gekommen, falls er nach dem Foul am Boden geblieben wäre.
    Was hättet Ihr geantwortet?

    Viele Grüße


    Thomas!


    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel , aber nicht jeder hat den selben Horizont:rolleyes:


    :bsc:

  • gebi;74297 schrieb:

    Seit wann kann ein Spieler einen Pfiff verlangen? Gut, bei den Pflichtpfiffen nach persönlichen Strafen etc.
    Ich bin der Meinung, wenn ein Spielre zu dumm oder sonst was ist, eine Vorteilssituation anzunehmen, dann hat er Pech gehabt. Uns wird beigebracht, das Spiel so oft wie möglich laufen zu lassen.
    Dazu eine Beispielsituation: Ein Spieler wird angespielt und dabei von hinten geschubst, der Ball springt ihm dabei vom Fuss, Der Ball bleibt aber etwa einen Meter vor ihm liegen, ausser seinen Gegenspiler, der hinter ihm steht, ist der nächste etwa 10 m weit weg. Anstelle nun den Schritt auf den Ball zuzugehen sagt der Spieler "Schiri, was is nun?" Ich sage zu ihm, "Der Ball ist doch für Sie frei". Er bleibt aber stehen und sagt, "Pfeif doch endlich." Dass inzwischen auch der andere Gegenspieler mitbekommen hat, dass der Ball rumliegt, kann man ihm nicht verübeln. Und dann war die Situation nach etwa 6 Sekunden nicht mehr so vorteilhaft.


    Genau so sehe ich das auch! :top:


    Wer anfängt, auf Verlangen der Spieler zu pfeifen, wird bis zum Abpfiff viel Spaß mit notorischen Reklamierern haben. :flop:

    "Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit."
    (Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin, *1830 +1916)


    "Mancher ist für die Wahrheit, solang die Wahrheit für ihn ist."
    (Charles Tschopp, schweizer Schriftsteller, *1899 +1982)

  • almiko;74249 schrieb:

    Wer den gewährten Vorteil (ich rufe in so einem Fall "Weiter!") - wie im o.g. Fall - absichtlich nicht annimmt, sondern lieber auf einen Pfiff wartet, oder diesen gar verbal einfordert, hat bei mir Pech, da ich dann konsequent weiterspielen lasse. Es ist für mich ein klarer Unterschied, ob ein Spieler keinen Vorteil erlangen kann (z.B. dem Ball hinterläuft, ihn aber nicht mehr erlaufen kann) oder keinen Vorteil erlangen will (z.B. einfach stehenbleibt).


    Den Unterschied gibt es regeltechnisch nicht.


    Und aus Trotz mal eben nicht zu pfeifen, obwohl es dem Spieler zustünde, ist genau das Falsche und führt zur falschen Wahrnehmung des Schiedsrichters. Wenn man sich als SR in seiner "angenommenen Wichtigkeit" ein bisschen mehr zurücknimmt und mehr das Spiel leitet, kommt man mit den Spielern auch viel besser klar. Wir sind doch nicht auf dem Platz, um Spieler in Umgangsformen zu erziehen (das können wir aber ja immerhin mit persönlichen Strafen tun), sondern um über das Spielgeschehen zu richten.


    Foul ist Foul, und wenn sich kein Vorteil ergibt, ist das abzupfeifen. Ein Vorteil kann also ausbleiben, indem ein Spieler den Ball doch nicht mehr erreicht, oder indem er stehen bleibt und signalisiert, dass er den Vorteil nicht wahrnimmt.


    Dir. FS am Ort des Foulspiels.


    Eine Lösung nach deiner Art gäbe es natürlich: Man sagt dem Spieler einfach, dass das gar kein Foulspiel war. Das ist mit unserem Ermessensspielraum ja denkbar einfach - allerdings muss das dann auch zur Spielleitung passen.


    Gruß
    -ae-

  • redrefer;74295 schrieb:

    .....und wo steht jetzt, dass der Schiedsrichter nicht mehr den Vorteil zurück pfeifen darf, wenn der Schütze den Ball ins Torout schießt? Dann ist ja der erwartete Vorteil nicht eingetroffen und der Schiedsrichter könnte wieder zurück zum Tatort gehen und Strafstoß pfeifen?


    Ich weiß schon, dass wir das nicht tun dürfen, aber wo stehts geschrieben?


    Sobald der Ball im Aus ist, kannst du nicht mehr zurück.


    Im Regelheft des DFB, Seite 32, ist die Vorteilsauslegung näher erläutert. Dort steht: "Bei der Beurteilung, ob die Vorteilsregel angewandt wird, oder das Spiel unterbrochen wird..." Der SR kann also entweder unterbrechen, oder weiterspielen lassen. Geht der Ball ins Aus, HAT SICH DAS SPIEL dadurch ALLEIN unterbrochen, und nicht der SR hat es per Pfiff unterbrochen. Da es nun unterbrochen ist, muss es gemäß der Unterbrechung weitergehen, also mit Einwurf oder entsprechendem.


    Das ist bei Vorteilsauslegungen in der Nähe der Seitenauslinie ganz kniffelig. Da kann der Ball anschließend schnell mal ins Aus gehen. Aber man kann sich da damit behelfen, dass alles sehr schnell geht, und unter Umständen dann doch noch den Freistoß geben.


    Wenn ein Spieler den Ball aber nach einer Vorteilsauslegung neben das Tor ins Aus schießt, geht das nicht mehr.


    Gruß
    -ae-

  • Man muß das Regelbuch aber auch nicht immer 1 zu1 in die Tat umsetzten, dann hatte der Ball halt die Linie noch nicht im vollen Umfang überquert oder so, man muß sich in diesen Fällen nur zu helfen wissen, dann geht das alles irgendwie...
    Das wichtigste an einer Vorteilssituation ist doch immer, dass diese dem eigentlich Bevorteiligten nicht direkt zum Nachteil wird, darauf sollten wir achten und hinwirken...

  • Thomas G.;74325 schrieb:

    Aus einem Vorteil darf kein Nachteil entstehen! Wenn ich eine Vorteilssituation erkenne und erst einmal laufen lasse, muss sich auch ein tatsächlicher Vorteil ergeben.


    Und was bitte ist dann ein tatsächlicher Vorteil?
    Erhaltung des Ballbesitzes?
    Angriff in Überzahl?
    Torschuss?
    Torerzielung?


    Ich stehe der Vorteilsregel auch relativ kritisch gegenüber und pfeife fast alles ab, womit ich bis jetzt auch noch nie wirkliche Probleme bekommen habe.

    Spieler nach Schlusspfiff: "Danke Schiri, fast hätte ich gesagt "Gut gepfiffen!", aber jetzt haben wir doch noch verloren." :confused:

  • Ich persönlich halte sehr viel von der Vorteilsregel, man kann das Spiel damit schön laufen lassen und der Spielfluss bleibt somit erhalten, man muß diese Regel halt nur richtig anwenden und in den entscheidenden Situationen halt auchmal zurückpfeifen, dann klappt das auch, wenn einige Spieler das halt nicht verstehen, dann müssen die es halt lernen.


  • Okay, Du (und mein Lehrwart, mit dem ich gerade telefoniert habe;)) hast mich überzeugt: Ich werde künftig nur auf den Eintritt des Vorteils achten, unabhängig davon, ob der Vorteil ggf. absichtlich nicht genutzt wird. Allerdings habe ich noch einmal meine Erinnerungen strapaziert und festgestellt, dass ich tatsächlich nur einmal letzte Saison bei einem Spiel der untersten Herren-Spielklasse wiederholt das Problem hatte, dass eine Mannschaft partou den gewährten Vorteil nicht nutzen wollte und lieber Freistösse einfordern wollte.

    "Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit."
    (Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin, *1830 +1916)


    "Mancher ist für die Wahrheit, solang die Wahrheit für ihn ist."
    (Charles Tschopp, schweizer Schriftsteller, *1899 +1982)

  • Ich weiß auch nicht, ob es in der untersten Herrenklasse überhaupt eine Vorteil gibt. Können die damit überhaupt umgehen? :totlach:

  • Nee, eben nicht, das war ja das Problem! ;)

    "Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit."
    (Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin, *1830 +1916)


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    (Charles Tschopp, schweizer Schriftsteller, *1899 +1982)

  • almiko;74514 schrieb:

    Okay, Du (und mein Lehrwart, mit dem ich gerade telefoniert habe;)) hast mich überzeugt...


    Gern geschehen, almiko.


    -ae-


    PS: Ich bin hier in meinem Kreis ja auch ein Lehrwart... :)

  • Da war ich bei Deinem Foren-Untertitel "Lehrwart" echt nicht allein drauf gekommen :D:ironie:

    "Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit."
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    (Charles Tschopp, schweizer Schriftsteller, *1899 +1982)

  • Ich hatte gestern ein noch extremeren Fall erlebt. Ein Spieler wird leicht gefoult, kann aber weiterlaufen und hat die nächsten 15 Meter vor sich keinen Gegenspieler. Er bleibt jedoch nach zwei Metern stehen, nimmt den Ball mit der Hand auf, will zwei Meter zurückgehen und den Freistoß ausführen, obwohl kein Pfiff kam. Was ist denn nun zu tun?

  • Udo;74552 schrieb:

    Ich weiß auch nicht, ob es in der untersten Herrenklasse überhaupt eine Vorteil gibt. Können die damit überhaupt umgehen? :totlach:



    Mein Problem dabei ist immer, wenn ich den Vorteil gebe, können sie nicht mit umgehen und meckern rum.
    Dadurch geht der Vorteil in 80% der Fälle flöten.


    Pfeife ich eine Situation zu schnell ab, wird wieder gemeckert, weil ich den Vorteil abgepfiffen habe. Völlig hirnrissig also.

    Religionskriege sind Konflikte zwischen erwachsenen Menschen, bei denen es darum geht, wer den cooleren imaginären Freund hat.


    03/2008 Schein bestanden
    2008 1. - 3. Kreisklasse
    2009 Kreisliga
    2010 Regionalklasse
    2011 " "

  • Das ist doch genau die Kunst ein Spiel "lesen" zu können und zu erkennen, ob die Spieler mit einer großzügigen Vorteilsauslegung umgehen zu können. Heisst jetzt nicht, dass mir das auch immer gelingt ;-)

    'Dann würden einigen Stammtischen die Themen ausgehen.' (Hoffenheims Verteidiger Christian Eichner über die Folgen einer Einführung des TV-Beweises)

  • djjayb;74802 schrieb:

    Ich hatte gestern ein noch extremeren Fall erlebt. Ein Spieler wird leicht gefoult, kann aber weiterlaufen und hat die nächsten 15 Meter vor sich keinen Gegenspieler. Er bleibt jedoch nach zwei Metern stehen, nimmt den Ball mit der Hand auf, will zwei Meter zurückgehen und den Freistoß ausführen, obwohl kein Pfiff kam. Was ist denn nun zu tun?

    Ganz einfach: gelbe Karte und direkter Freistoß :D Du hast auf Vorteil entschieden und der Spieler hat durch seine Handlung gegen die Spielregeln verstoßen.
    Blöd ist es natürlich, wenn du erst pfeifst, nachdem der Spieler den Ball in die Hand genommen hat und den Freistoß für das Foul gibst.

  • Hm...


    Ich frage mich da gerade, welches Vergehen das erste war, denn das wird ja mit der Spielstrafe geahndet. Und das war sicher das Foulspiel. Es war ja nicht so, dass du auf weiterspielen entschieden hattest, weil kein Foul vorlag, sondern weil die dur den Vorteil ansehen wolltest. Und es war auch nicht so, dass du einfach zu langsam an der Pfeife warst. Sondern es war so, dass der Spieler das Vorteil nicht annehmen wollte.


    Trotzdem darf der Spieler natürlich nicht so einfach den Ball in die Hand nehmen.


    Hm...


    Diskussionsentwurf: Wie wäre es mit Gelb für den Spieler wegen des Handspiels und direktem Freistoß für dieselbe Mannschaft am Ort des Foulspiels?


    -ae-