Neue Abseitsregelung geplant?

  • Man muss es testen. Natürlich wird es auch dann Fälle geben, wo der Zehennagel entscheidet.


    Allerdings wird es für die Verteidiger jetzt riskanter auf Abseits zu spielen, wenn der Angreifer legal ca. 1m Vorsprung bekommt. Das könnte die Anzahl der knappen Abseitssituationen natürlich deutlich reduzieren.

  • Undurchdachter Unfug - statt nach dem Zehennagel wird man also künftig nach der Augenbraue schauen, man ersetzt eine knappe Sache durch eine andere knappe Angelegenheit, die nebenbei für Alleinpfeifer faktisch gar nicht mehr angemessen zu entscheiden ist.

  • Ich halte das eher für einen durchdachten Unfug!

    Und das mit den 50% mehr Toren ist auch wieder so ne Journalistenschlagzeile von Redakteuren, die sich mit dem sinnentnehmenden Lesen schwer tun.

    ob Optimist oder Pessimist, der Mist ist immer der gleiche

    Einmal editiert, zuletzt von gebi ()

  • Ich sehe das ähnlich wie @gebi und @Manfred


    1. Es ist Prinzipiell völliug Egal wo ich die "Rote Linie" ansetze wenn es um die berühmte "Zehnagel-Diskussion" geht. Ob ich nun die "kalibrierte Linie an der Ferse , dem Zehnagel der Augenbraue oder dem ausgestreckten Hintern anlege ändert nämlich nichts an der Millimeterdiskussion und macht es für die Enmtscheider somit keineswegs einfacher.


    2. Ob mehr Tore erzeilt werden setzt auch Vorraus das die (geschätzt) 20-50cm Vorsprung für den Stürmer auch tatsächlich in Zählbares umgesetzt werden können. Es ändert nämlich nichts daran, das der Ball unter kontrolle gebracht werden und im Tor versenkt werden muss. Mathematisch lässt sich das bestimmt auch vorhandenen Statistiken berrechnen (Quelle Siehe auch- für Fussballtheoretiker sehr zu empfehmen-: Metin Tolan "Manchmal gewinnt der Bessere" ) Ich denke aber nicht, das dadurch der BVB in dieser Saison nicht trotzzdem die Meisterschaft im letztem Spiel verkackt hätte oder der HSV aAufgestiegen wäre.


    3. Vor allem glaube ich nicht, das sich auf unserer Amerteurebene viel ändern wird. Nach einer - mehr oder wenioger - kurzen Eingewöhnungsphase haben die meisten Schiries sich daran gewöhnt und die Diskussion der "Abseits-Schreihälse" wird genau so weitergehen wie bereits gelebt.

  • Das größte Problem aus SR-Sicht wäre meiner Ansicht nach, dass die Assistenten (natürlich auch die Alleinpfeifer) die Abseitsbewertung noch mal neu lernen müssen. In dem Sinne, dass dann die Erfahrungswerte (z.B. Stichwort "Muscle Memory") und die Instinkte bei der Beurteilung neu antrainiert werden müssen.


    Aus Fußball-Sicht ist es viel zu einfach zu sagen, dass dadurch mehr Tore fallen, weil die Defensiven sich sicherlich auch anpassen werden, z.B. weniger auf Abseits spielen werden. Vielleicht kehrt auch der Libero zurück.

    Zumindest führt es vermutlich dazu, dass die Defensivreihen tiefer stehen - und das macht das Spiel bestimmt nicht attraktiver.

  • und die Diskussion der "Abseits-Schreihälse" wird genau so weitergehen wie bereits gelebt

    Mit einem elementaren Unterschied: Die Schreihälse werden weitaus häufiger richtig liegen als heute - schlecht für die Akzeptanz der Entscheidungen.


    Ansonsten bleibe ich dabei:
    Wer mehr Tore will, muss das Abseits ganz abschaffen - und um zu verhindern, dass da Spieler vor dem Tor herumlungern, könnte man ein solches Verhalten als unsportlich klassifizieren, das macht ein Spieler also maximal zwei Mal, dann ist der draußen, so man überhaupt riskiert, faktisch mit einem Spieler weniger zu spielen.

  • Warum muss man das eigentlich unterbinden, dass ein Spieler vorm gegnerischen Tor rumlungert?

    Lasst das doch Aufgabe der Verteidiger sein.

    Entweder man lässt ihn rumlungern (mit dem Risiko dass ein Ball zu ihm kommt) oder man stellt eben einen Verteidiger gegen ihn ab.

  • Da bin ich ganz bei meinem "Vorschreiber"

  • die nebenbei für Alleinpfeifer faktisch gar nicht mehr angemessen zu entscheiden ist.

    Der Alleinpfeifer ist egal wie der Dumme, weil das Regelwerk nicht für ihn gemacht ist. Ich sehe es eher positiv, Abseits ist, wenn der Alleinpfeifer pfeift und das ist jetzt eben noch seltener bzw. nur noch, wenn es aus seiner Sicht ganz klar ist.


    Im Endeffekt ist doch diese Regel nichts anderes als, was man früher unter „gleicher Höhe“ verstanden hat.

  • Im Endeffekt ist doch diese Regel nichts anderes als, was man früher unter „gleicher Höhe“ verstanden hat.

    Sorry Mark, als Schiri, der angefangen hat, als gleiche Höhe noch Abseits war, muss ich Dir da energisch widersprechen - damals hat sich kein Aas Gedanken um solche Dinge gemacht, standen zwei Spieler auf ungefähr gleicher Höhe, war das Abseits, fertig, da kam niemand auf die Idee zu fragen, ob der Zehennagel, die Augenbraue oder der Pferdeschwanz einzubeziehen ist oder nicht. Der Kollege Schröder hat dies in seinem Buch "Ich pfeife" sehr schön beschrieben: Der Schiri pfiff, der Kommentator sagte "Abseits" und weiter ging das Spiel, selbst wenn aus heutiger Sicht das eine klare Fehlentscheidung war.

  • Im Endeffekt ist es doch nur eine Verschiebung der Grenze und somit wird es weiterhin Grau-Entscheidungen geben. Aber wo gibt es die ? Dort wo man sich das Ganze noch 5 mal anschaut und irgendwelche kalibrierten Linie ansetzt. Für den Alleinpfeifer in der Betonliga ändert sich doch fast nichts. 90 % der Abseitsentscheidungen treffen wir doch nicht mit dem genauen seitlichen Einblick, sondern schräg versetzt oder von hinter der Abseitslinie. Und da kann ich beim besten Willen nicht entscheiden, ob jetzt der Arm, das Knie oder der Fingernagel vom rechten Daumen näher zum Tor sind als das linke Augenlid des Verteidigers. Bei Standardsituationen geht das vielleicht noch, aber auch da sehe ich das Ganze einmal und entscheide intuitiv, gleiches gilt für die neutralen SRA. Und ich wage zu behaupten, dass gerade mit ein wenig Erfahrung die Quote der korrekt entschiedenen Abseitssituationen überraschend hoch wäre.

  • Die Überlegungen der FIFA werden m.E. für uns Normalos auf dem Platz keine großen Auswirkungen haben. Wir werden weiterhin mit den bekannten Einschränkungen (Laufwege, Sichtwinkel, etc.) leben müssen und können und für unsere Entscheidungen Kritik ernten.


    Für die Gespanne in den höheren Klassen sowie die VAR-Schiedsrichter ändert sich auch wenig, die müssen halt am anderen Ende des Körpers eines Angreifers die Messlinie anlegen.


    Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass sich für die Angreifer neue Optionen ergeben. Ob und wie sich die Gegner darauf einstellen, bleibt abzuwarten.


    Mich würden jedoch die bisherigen Erfahrungen in den Ländern, in denen die Neuerung ausprobiert wurde, sehr interessieren. Scheinbar sind die nicht so negativ, sonst hätte man die Pilotierung schon abgebrochen.

  • Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass sich für die Angreifer neue Optionen ergeben. Ob und wie sich die Gegner darauf einstellen, bleibt abzuwarten.

    Genau das. Es klingt wie eine Kleinigkeit, kann aber auf die Dynamik des Fußballs eine große Wirkung haben, eventuell ändert sich sogar das Angriffs- und Verteidigungsspiel recht wesentlich. Und genau darum geht es bei der Änderung ja - knappe Entscheidungen unterbindet man damit natürlich nicht. Dass die Regeländerung für die SR keine Verbesserung oder Verschlechterung darstellt, ist relativ klar. Damit wird dieser Änderungsvorschlag aber auch gar nicht begründet.


    Auf das ganze "undurchdachter Unfug"-Geraune hier braucht man nichts zu geben, denn Argumente sucht man da vergeblich. Leider.

  • Auf das ganze "undurchdachter Unfug"-Geraune hier braucht man nichts zu geben, denn Argumente sucht man da vergeblich. Leider.

    Sehe ich genauso. Man unterstellt förmlich, dass keiner etwas durchdacht hat. Und weil man eben alleine nur durch Denken nicht weiß, ob sich bzw. was sich ändert, wird es getestet.


    Und grundsätzlich gilt, dass die Regeln nicht für die Schiedsrichter gemacht werden, schon gar nicht für Alleinpfeifer, sondern die Schiedsrichter für die Regeln da sind. Dass insbesondere bei der Abseitsbewertung, egal wo man die Linie zieht, die Grenzen der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit nicht berücksichtigt wurde, ändert nichts daran. Bzw. es müssen sich alle Beteiligten in ihrem taktischen Verhalten darauf einstellen, dass sich die Schiedsrichter ohne VAR bei der Abseitsbewertung irren können.


    Und vielleicht führt die Regeländerung tatsächlich dazu, dass sich das Abwehrverhalten so ändert, dass es weniger knappe Abseitsstellungen geben wird.

  • Auf das ganze "undurchdachter Unfug"-Geraune hier braucht man nichts zu geben, denn Argumente sucht man da vergeblich. Leider.

    Sorry, aber das ist ein Stil, der unangemessen ist - und das wesentliche Argument, nämlich dass man eine knappe Sache durch eine andere knappe Sache ersetzt, wurde sehr wohl genannt.

    Und grundsätzlich gilt, dass die Regeln nicht für die Schiedsrichter gemacht werden, schon gar nicht für Alleinpfeifer, sondern die Schiedsrichter für die Regeln da sind.

    Hallo Problem, da bist Du ja wieder: Ja, die Regeln werden nicht für den Schiri gemacht, aber auch nicht für die Spieler, sondern für das Spiel - und der Schiri ist eben wie die Spieler Bestandteil des Spiels. Was passiert, wenn Regeln nicht (vernünftig) umsetzbar sind, erleben wir doch wunderbar beim Handspiel, wobei da die Spieler die noch größeren Probleme haben als der Schiri. Der Fußball als Sport lebt aber von einfachen Regeln, die man auch leicht anwenden kann - wir alle wissen, dass die Abseitsregel eben nur in der Theorie leicht anwendbar ist, dies in der Praxis aber eher nicht (wirklich) funktioniert, jede Änderung sollte also im Fokus haben, die Komplexität der Regeln zu verringern, genau das passiert hier aber nicht.


    Ach ja: Als Schiri, der schon lange im Geschäft ist, kann ich nur feststellen, dass heute mehr Tore geschossen werden als früher, wobei das aber vor allem daran liegt, dass das Spiel sehr viel schneller geworden ist, die diversen Regeländerungen hatten da eher einen untergeordneten bis gar keinen Anteil.

  • nd das wesentliche Argument, nämlich dass man eine knappe Sache durch eine andere knappe Sache ersetzt, wurde sehr wohl genannt.

    Auch Ball im Tor ja/nein kann eine knappe Sache sein. Abseits wird immer zu knappen Entscheidungen führen, egal wie man es definiert. Wenn man es vereinfachen möchte, muss man es abschaffen, was zu einem anderen Spiel führt. Es so zu formulieren, dass es im Ermessensspielraum des SR liegt, führt nur zu diskutieren wie beim Handspiel.


    Gebt doch der neuen Regel eine Chance, möglicherweise wird es tatsächlich weniger knappe Situationen geben und es fallen noch mehr Tore.


    Und das mit der aktuell gefühlten höheren Anzahl an Toren als früher, würde ich eher den moderneren Bällen zuschreiben, deren Flugbahn unberechenbarer und schneller erscheint als die der klassischen Lederbälle.

  • Sorry, aber das ist ein Stil, der unangemessen ist - und das wesentliche Argument, nämlich dass man eine knappe Sache durch eine andere knappe Sache ersetzt, wurde sehr wohl genannt.

    Was soll denn das für ein Argument sein? Ja, Abseits wird in Grenzfällen immer knapp sein, so ist das halt, besonders ohne SRA. Niemand will diese Regeländerung, damit Abseitsentscheidungen weniger knapp ausfallen oder der SR immer eine 100%ig richtige Entscheidung treffen kann, sondern weil sie möglicherweise eine Änderung auf die Dynamik des Fußballs bringt, die dem Sport gut tun könnte. Sie deshalb als "undurchdachten Unfug" oder "durchdachten Unfug" abzutun und den Journalisten noch eine mitzugeben, weil man denen halt wieder das sinnergreifende Lesen abspricht, ohne auf die eigentliche Argumentation, die für diesen Änderungsvorschlag spricht, einzugehen, ist halt - ich befürchte ich wiederhole mich - billiges, niveauloses Stammtischgerede.


    Hinterfragt ihr bei solchen Threadverläufen eigentlich nicht mal, warum hier kaum mehr eine Handvoll User schreibend unterwegs ist? Ich habe auf so plattes Gerede, die jede inhaltliche Auseinandersetzung kaputt machen und inzwischen in den meisten Threads zu finden ist, jedenfalls auch keine Lust mehr. Man hat das Gefühl, der Frust einiger User über das SR-Wesen und ihre eigene Rolle ist hier buchstäblich mit den Händen zu greifen.