Spieler liegt hinter der Mauer - Handspiel

  • Wir hatten diese Frage schon einmal angerissen, aber seitdem haben ich einige Dinge verändert, da die Handspielregel modifiziert wurde und vor allem, dass es selbst in der Bundesliga, wie beispielsweise am letzten Wochenende, unterdessen immer öfter praktiziert wird …


    Ein Spieler legt sich zur Absicherung der Mauer vor oder hinter dieser auf den Boden. Bis hierhin sicher keine verbotene Spielweise. Aber was ist, wenn der Ball dann so über den Spieler streicht, dass der Arm berührt wird. Die 4-Uhr-Regel ist ja nun eher für stehende Spieler gedacht und irgendwie ist der Arm einerseits durchaus körpernah, andererseits vergrößert der Arm, selbst wenn er "flach" auf dem Rumpf liegt, doch die Körperfläche - beide Argumentationsketten wären also vertretbar. Hat irgendjemand hierzu schon etwas aus dem Lehrwesen gehört? Nach dem Motto "Erwarte das Unerwartete" ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Erste von uns genau vor dieser Frage stehen wird.

  • Lieber Manfred


    Die "Uhrzeiten Regel" bezieht sich auf die Relation zur Körperachse, (sonst macht sie nämlich keinen Sinn - wer das nicht versteht, der macht sich mal ne Zeichnung und überprüft das mit Geometrie). Bei dieser Körperachse ist der Kopf die 12 und die Beine die 6


    Aber es gibt ein paar andere "Positionen", die die Körperfläche sogar vergrößern aber nicht strafbar sind (Stichwort Liegestütz).


    Und jetzt etwas pragmatisches:


    Im Zweifel entscheide ich nach dem Geist der Regel. Wenn dann jemand auf "ausgefallene Ideen" kommt muss er auch mit einer "ausgefallenen Regelinterpretation" rechnen.

  • Schauen wir dafür doch mal genauer im Regel 12 und dort relevante Zeilen.


    1.Ein Vergehen liegt vor, wenn:

    • ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand/dem Arm berührt

    (einschließlich Bewegungen der Hand/des Arms zum Ball)


    Ist in unserem Beispiel nicht der Fall, weil der Arm/die Hand nicht zum Ball geht und der Spieler definitiv kein absichtliches Handspiel begeht.


    2.• ein Spieler den Ball mit der Hand/dem Arm berührt und:

    • seinen Körper aufgrund der Hand-/Armhaltung unnatürlich vergrößert


    Wie von Manfred bereits gesagt, die Körperfläche wird vergrößert, aber der genaue Wortlaut ist hier UNNATÜRLICH, und das macht der Spieler nun wirklich nicht, wenn der Arm flach auf dem Körper liegt. Wenn der Spieler steht und den Arm flach am Körper angelegt hat, vergrößert er ja auch seine Körperfläche, aber eben nur minimal und in keinem Fall unnatürlich.


    3.

    • sich seine Hand/sein Arm über Schulterhöhe befindet


    Dies ist der einzige Diskussionsstoff! Ja, theoretisch befindet sich der Arm über Schulterhöhe. Allerdings ist das denke ich nicht im Sinne der Regeln. Ich denke, es ist gemeint, dass der Arm sich über Schulterhöhe in Richtung Kopf befindet. Dies wäre hier nur der Fall, wenn der Arm in Verlängerung des Körpers parallel zum Boden über den Kopf gestreckt würde. Ich denke, dass ist mit über Schulterhöhe gemeint.


    FAZIT: Eigentlich kein Handspiel. Leider ist es jedoch aktuell durch den Wortlaut "über Schulterhöhe" ein strafbares Handspiel. Dies bedarf einer Änderung des Wortlauts! Ich bin mir jedoch sicher, kein Bundesligaschiri würde hier auf Strafstoß entscheiden.

  • Vielleicht ist die Hand auch in der Position in gleicher Höhe wie die Schulter. Es ist aber auf keinen Fall eine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche. Je nachdem wie der Spieler liegt, ist die Hand entweder in gleicher Höhe mit der Schulter oder eben höher, also eben näher am Himmel als die Schulter.

  • Wobei sich aber schon eine Frage stellt: Einerseits gehören Finten zum Fußball, andererseits gehört es aber nicht zu Sinn und Geist des Spieles, dass sich Spieler auf den Boden legen - und schon gar nicht, dass sie billigend in Kauf nehmen, dass sie dort den Ball mit der Hand berühren.


    Denken wir mal einen Schritt weiter:

    Der Ball ist ja nun nicht gerade weit entfernt und der nächste gegnerische Spieler darf sich regelkonform einen Meter von der Mauer entfernt (zählt der liegende Spieler eigentlich dazu?) aufhalten. Reden wir also bei entsprechendem Spielverlauf nicht auch sehr schnell über die Selbstgefährdung und damit ein gefährliches Spiel?


    Mir geht es nicht darum, hier jetzt eine Regelwidrigkeit zu konstruieren, aber ich möchte es im Fall des Falles richtig machen - und aktuell bin ich mir nicht sicher, was denn richtig wäre ...

  • Ich verstehe die Frage nicht bzw. wie der Spieler seine Arme platziert.


    Vielleicht ist der Auszug aus den Regeln hilfreicher, der beschreibt, wann kein Vergehen vorliegt:


    „Die Hand/der Arm ist nahe am Körper, und die Hand-/Armhaltung vergrössert den Körper nicht unnatürlich.“

  • Paul

    Der Begriff „Schulterhöhe“ ist definiert als „oberer Rand der Schulter als Punkt der größten Höhe des Rumpfes über dem Boden.“


    Somit kann sich bei einem am Boden liegender Spieler wohl kaum irgendein Körperteil über der Schulterhöhe befinden.


    Insofern kommt als strafbares Handspiel nur die unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche in Frage und nicht der angelegte Arm, dessen Ellbogen beim Liegen vielleicht wenige cm höher ist als die Schulter ist.

  • Reden wir also bei entsprechendem Spielverlauf nicht auch sehr schnell über die Selbstgefährdung und damit ein gefährliches Spiel?

    Aber erst wenn ein anderer Spieler dadurch gehindert wird den Ball zu spielen. Bis dahin ist gefährliches Spiel nicht strafbar.

    Wenn der Spieler also da liegt und den Ball sogar aufhält, ein Stürmer dann schießen will, aber nicht kann, weil er dadurch den liegenden gefährdet kann man meiner Meinung nach dann indirekten Freistoß geben für gefährliches Spiel.

    Aber halt nur dann, nicht schon auf Grund der Tatsache, dass es ja theoretisch gefährlich werden könnte.


    Ist bei hohem Bein z.B. ja auch nicht so.. das darf ich so hoch machen wie ich möchte solange niemand in der Nähe ist.

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Das Lehrwesen macht das Handspiel unnötig kompliziert. Je mehr "Klarstellungen" da kommen, desto unklarer wird´s. Ich hoffe also, dass sich das Lehrwesen zurückhält.

    Am Ende ist absichtliches Handspiel zu bestrafen. Wie immer- nix neues.
    Also arbeiten wir die Kriterien für "Absicht" ab:


    • Unnatürliche Vergrößerung des Körpers/der Trefferfläche:

      Der Arm liegt eng am Körper an. Dass der angelegte Arm den Körper unnatürlich vergrößert ist nicht zu vermeiden. Analog zu einem Spieler, der in der Mauer steht: Wenn dieser Spieler den Ball seitlich an den angelegten Oberarm bekommt wird auch nicht auf "Absicht" entschieden. Somit ist dieses Kriterium nicht erfüllt in Bezug auf absichtliches Handspiel.


    • Arm über Schulterhöhe:

      Entfällt, da die Regel hier eindeutig einen abgespreizten Arm meint. Alles andere wäre kompletter Blödsinn und muss deshalb hier nicht weiter betrachtet werden.


    • Bewegung Hand/Arm zum Ball:

      Entfällt, da der Ball zum Arm geht und nicht umgekehrt.


    Das ehemalige Kriterium "Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwarteter Ball)" ist mittlerweile kumuliert/umgearbeitet in den Kriterien für keine Absicht, wo es um das Abspringen des Balles vom eigenen Körper oder eines anderen, nahestehenden Spielers geht. Das Kriterium können wir hier nicht anwenden (Sachverhalt trifft nicht zu).


    Also Ergebnis der Kriterienauswertung Absicht ja/nein: 3 X nein, 1x nicht anwendbar.


    Entscheidung ist also eindeutig.

  • Am Ende ist absichtliches Handspiel zu bestrafen. Wie immer- nix neues.
    Also arbeiten wir die Kriterien für "Absicht" ab


    So einfach ist es inzwischen ja leider nicht mehr. Es gibt über die Absicht hinausgehende Kriterien, die ein Handspiel zu einem strafbaren werden lassen.


    Davon abgesehen stimme ich Dir aber sowohl bei Exegese als auch im Ergebnis zu: kein strafbares Handspiel. Ob die "Sportliche Leitung" dies anders sieht - im Moment ist da irgendwie alles möglich.

  • "Exegese" - wieder was gelernt. :top:
    Ich hatte mich in Post 10 verzählt und habe es korrigiert:


    Ergebnis der Kriterienauswertung Absicht ja/nein: 3 X nein, 1x nicht anwendbar.