Doppelberührung Torwart

  • Hallo liebe Kollegen,

    ich lese seit einiger Zeit schon immer mal wieder im Forum mit, habe jetzt aber auch ein Konto erstellt, weil mich nach dem letzten Spiel 2 Fragen plagen.


    Erste Situation:

    Ein zu langer Ball vom gegnerischen Team dotzt rechts neben dem Tor in Richtung Toraus. Der Torwart eilt hin und verhindert mit den Händen, dass der Ball ins Toraus geht, da er sonst nicht rangekommen wäre. Nun führt er den Ball mit den Füßen weiter. Nach ein paar Metern nimmt er ihn auf und will abschlagen. Ich gebe ind. FS wo er ihn aufgenommen hat. War das richtig?


    Zweite Situation:

    Strafstoß für Mannschaft A. Der Ball geht ins Tor, obwohl sich der TW zu früh von der Linie bewegt. Direkt nach der Ausführung machen mich Spieler der Mannschaft B aufmerksam, dass ein Spieler der Mannschaft A von Anfang an weit im Halbkreis stand. Als ich sofort hinschaute stand er immer noch da und ich bemerkte auch, dass ich darauf bei Ausführung gar nicht geachtet habe. Ich erklärte den aufgebrachten Spielern von Mannschaft B, dass auch ein Vergehen vom Torwart vorliegt und das diese sich ausgleichen. Das wurde dann auch von vielen akzeptiert und es ging weiter mit Anstoß. Klar hätte ich vorher kontrollieren sollen, ob Spieler im Strafraum oder Halbkreis stehen, aber meine eigentliche Frage ist, ob meine Entscheidung regelkonform war.


    Vielen Dank für eure Antworten.

  • Erste Situation:


    Hier kommt es darauf an, ob der TW den Ball bei der ersten Berührung kontrollierte oder nur abklatschen ließ. Bundesligatorhüter Rune Jarstein tat 2018 genau das, was Du beschrieben hast und kassierte dafür einen indirekten FS. Daraufhin wurde die Regel dahingehend geändert, dass ein Abklatschen noch nicht als Kontrolle zählt.


    Zweite Situation:


    Hier ist es etwas tricky. Hättest Du beide beschriebenen Vergehen wahrgenommen, so wäre eine Wiederholung richtig gewesen, da ein Vergehen der ausführenden Mannschaft vorlag. Andererseits hast du das Vergehen der ausführenden Mannschaft aber gar nicht wahrgenommen, kannst es also auch nicht ahnden. So greift natürlich die Vorteilsregel und es gibt trotz des TW-Vergehens Tor, Anstoß. Deine Begründung an die Spieler war aber falsch!

  • Hm, ich denke, das muss man weiter sezieren:

    Der Torwart eilt hin und verhindert mit den Händen, dass der Ball ins Toraus geht, da er sonst nicht rangekommen wäre.

    Hier geht es also zunächst um den Rückpass - und die Beschreibung liefert keinen Anhaltspunkt dafür, dass ein Rückpass im Sinne der Regel vorlag. Entscheidend ist aber: Was bedeutet mit den Händen verhindern?


    a) Wenn er der Ball kontrolliert, also festhält, gilt das auch als Ballkontrolle, er darf den Ball also dribbeln, aber eben nicht erneut in die Hand nehmen.

    b) Lässt er den Ball hingegen abklatschen, so gilt das - ich meine, das wäre letztes Jahr geändert worden - nicht mehr als Ballkontrolle, also darf er dribbeln und den Ball in die Hand nehmen.

    Welcher der beiden Fälle vorliegt, musst Du selbst entscheiden.


    In der zweiten Situation war Deine Entscheidung nicht regelkonform - aber nicht in der Sache sondern wegen der Begründung.

    Hättest Du wahrgenommen, dass Spieler beider Mannschaften gegen die Regeln verstoßen haben, hätte es bei Ball im Tor zwingend die Wiederholung geben müssen; die Vergehen des Spielers und des Torwartes gleichen sich insoweit zwar aus, aber die Spielfortsetzung wäre eine andere als die, die Du gegeben hast.

    Nun hast Du aber den Angreifer nicht wahrgenommen (und wo der nach Erzielung des Tores steht, ist belanglos, da Du eben nicht weißt, wo der vorher stand), ergo bleibt die Torerzielung und das Fehlverhalten des Torwartes, mithin Tor. Die korrekte Begründung wäre gewesen, dass Du den Spieler nicht gesehen hast.

  • Alles klar. Vielen Dank für eure Antworten und in der zweiten Situation hab ich mir so etwas schon gedacht. Jetzt weiß ich zumindest was ich falsch gemacht habe und was ich nächstes mal anders mache bzw. sage

  • P.S.

    Herzlich Willkommen hier im Forum - und ich hoffe, es bleibt nicht bei der einmaligen Anfrage … Und so weit weg bist Du ja gar nicht, in der Gegend habe ich schon öfter gepfiffen.

  • Ein zu langer Ball vom gegnerischen Team dotzt rechts neben dem Tor in Richtung Toraus.

    Hier geht es also zunächst um den Rückpass - und die Beschreibung liefert keinen Anhaltspunkt dafür, dass ein Rückpass im Sinne der Regel vorlag.

    Rückpässe vom gegnerischen Team dürfen in allen Fällen vom Torwart mit der Hand berührt werden...:totlach:

  • Hättest Du wahrgenommen, dass Spieler beider Mannschaften gegen die Regeln verstoßen haben, hätte es bei Ball im Tor zwingend die Wiederholung geben müssen

    Nur zur Klarstellung: Verstoßen nach Deiner Wahrnehmung Spieler beider Mannschaften gegen die Regeln, gibt es immer Wiederholung. Außer es handelt sich dabei um den Schützen und Torhüter.

  • Hm, ich denke, das muss man weiter sezieren:

    Hier geht es also zunächst um den Rückpass - und die Beschreibung liefert keinen Anhaltspunkt dafür, dass ein Rückpass im Sinne der Regel vorlag. Entscheidend ist aber: Was bedeutet mit den Händen verhindern?


    Da scheinst Du zwei Regeln durcheinanderzuwerfen.


    Wenn ein absichtlicher Rückpass der eigenen Mannschaft vorlag, ist jeder Ballkontakt des Torhüters mit der Hand verboten und führt zum indirekten Freistoß. Ob eine Ballkontrolle oder nur ein Abklatschen vorlag, spielt dann keinerlei Rolle.


    Wenn der Ball vom gegnerischen Team kam, ist der erste Handkontakt unproblematisch. Hier geht es dann um den zweiten Handkontakt, der als Doppelberührung ausgelegt werden muss, wenn es sich beim ersten Kontakt schon um eine Ballkontrolle gehandelt hat.

  • Ist es jetzt wirklich zielführend, die Rückpassregel zu debattieren? Bekanntlich ist nicht jedes Zuspiel des Balles zum Torwart, selbst wenn es mit Absicht geschieht, ein Rückpass im Sinne der Regel. Und die Frage, welche Qualität der erste Ballkontakt hatte, habe ich doch wohl deutlich herausgearbeitet. Keine Angst, ich werfe da keine Regeln durcheinander.

  • Nein, es ist nicht zielführend, die Rückpassregel zu debattieren, da in der Ausgangssituation gar kein Rückpass beschrieben ist. Den Rückpass hast du selbst ins Spiel gebracht, Manfred. ;)

    In einer Aktion prallten Grevelhörster und Gerick zusammen. Der FC-Stürmer blutete aus der Nase, aber Schiedsrichter Stefan Tendyck aus Gelsenkirchen konnte mit einem Taschentuch aushelfen. Gericks Torriecher wurde nicht in Mitleidenschaft gezogen: Er markierte das 1:3.


    Westfalen-Blatt (29.5.2017) :D

  • Ist es jetzt wirklich zielführend, die Rückpassregel zu debattieren? Bekanntlich ist nicht jedes Zuspiel des Balles zum Torwart, selbst wenn es mit Absicht geschieht, ein Rückpass im Sinne der Regel. Und die Frage, welche Qualität der erste Ballkontakt hatte, habe ich doch wohl deutlich herausgearbeitet. Keine Angst, ich werfe da keine Regeln durcheinander.


    Ich habe keine Ahnung, was Du damit meinst. Du (!) hast die Rückpassregel ins Spiel gebracht, sie ist aber für die beschriebene Situation eben völlig irrlevant. Genau darauf habe ich in Post #8 drauf hingewiesen, weil Deine Aussage "Hier geht es also zunächst um den Rückpass" in Bezug auf die beschriebene Situation irreführend ist. Was Dein Posting #9 soll, verstehe ich nicht, aber ich sehe es wie Stefan: Nein, das ist nicht zielführend, und daher ist mir ja gerade rätselhaft, warum Du es nun zum zweiten Mal tust...