Schiedsrichter wegen eines Pfiffs angeklagt

  • Der Kollege wollte nach dem Bericht eine Rudelbildung beenden und pfiff dafür, leider wohl relativ knapp neben dem Ohr eines Spielers. Sollte das durchgehen, hätte das für uns Schiedsrichter massive Konsequenzen - und wir müssten ernsthaft überlegen, ob wir unser Hobby nicht aufgeben müssen.

  • Da kann man nur hoffen, daß der Verband den Schiri nicht im Stich lässt!

    Wenn dieser Schiri bestraft wird, wird vermutlich der Schirimangel noch größer werden.

  • Da fällt mir echt nichts mehr ein. Wenn das Schule macht, können wir doch einpacken. Werden wir künftig auch die Spieler verklagen, wenn sie uns beleidigen.

    80 Stunden Soziale Arbeit. Der Richter ist komplett weltfremd. Das ist total bescheuert. Und entschuldigt hätte ich mich auch nicht. Hätten die Spieler sich benommen, wäre es doch zu der Situation gar nicht gekommen.

    Für mich wäre jedenfalls die Schiedsrichtertätigkeit sofort beendet.

  • Ich lese es eher so, als hätte der SR hier die Pfeife absichtlich so nah an das Ohr gebracht, um ihn durch die Pfeife „zum Schweigen zu bringen“.


    Denn wenn hier von 10-20-30cm gesprochen wird, ist das schon deutlich näher, als bei den „Unfällen“ die wir hier so kennen.


    Aber leider ist das aufgrund der Berichte nicht wirklich herauszubekommen, wie die ganze Szenerie wirklich war.

    Dem Schiedsrichter zu widersprechen, das ist, wie wenn man in der Kirche aufsteht und eine Diskussion verlangt. (Dieter Hildebrandt)

  • Wenn man bedenkt, dass ein einmaliger kurzzeitiger Spitzenschalldruck von >137 dB(C) ausreicht um einen irreparablen Hörschaden zu verursachen, kann der SR froh sein, dass er so "billig" aus der Nummer rausgekommen ist, insbesondere auch weil hier wohl Absicht im Spiel war und das Ganze in einem minimalen Abstand zum Ohr passierte. Schlimmstenfalls wäre hier auch eine Verurteilung wegen Körperverletzung, Schmerzensgeld und bei dauerhaften Hörschaden die Kosten für Hörgeräte möglich gewesen. Und bei Vorsatz greift dann auch keine Haftpflichtversicherung.

    Schiri zeigt gelb und sagt: "Ich verwarne Ihnen!"
    Willi: "Ich danke Sie!"
    Schiri zeigt rot.


    Zitat: Willi 'Ente' Lippens am 02.05.65 zu Schiedsrichter Udo Zuchantke im Spiel Rot-Weiss-Essen gegen Westfalia Herne

  • Ich wage zu bezweifeln, dass hier Vorsatz bezüglich der Schädigung anzunehmen ist. Ich gehe davon aus, dass der Schiedrichter im Durcheinander andere Probleme hatte als zu gucken, ob jemand durch seine Pfeife verletzt werden könnte.

  • Hier wurde ein Täter zum Opfer gemacht und derjenige der instinktiv macht was er gelernt und erzählt bekomme hat wird bestraft.


    Wie beim gefilmten Einbrecher dessen persönlichkeitsrechte Rechte verletzt wurden.

  • insbesondere auch weil hier wohl Absicht im Spiel war

    Natürlich war Absicht im Spiel: Der Kollege wollte das Rudel auflösen - und ein probates Mittel ist es tatsächlich, da auch mal laut pfeifend "reinzugehen". Merke: Was bzw. welches Verhalten ist denn der Auslöser für die Intervention des Schiris? Künftig lassen wir also die Rudel besser in Ruhe, wobei ich mir überlege, ob ich dann nicht jeden am Rudel beteiligten Spieler verwarne - regeltechnisch wäre das mehr als korrekt -, was dann wiederum dazu führen wird, dass wir ein neues Rudel haben (dabei stehe ich dann im Mittelpunkt) und dort darf ich dann aus Notwehr entsprechend laut pfeifen, alternativ habe ich dann einen solchen Strauß Ampelkarten, dass das Spiel beendet ein wird. Ist es das, was gewollt ist?


    Übrigens gibt es in jedem Spiel Situationen, die diesbezüglich bedenklich sind, der Klassiker ist der Anstoß, wo oft genug auch Spieler sehr nahe beim Schiri stehen. Ich bin schon lange dazu übergegangen, die Spieler zu warnen, dass das laut werden - und oft genug bedanken die sich und halten das Ohr zu oder bestätigen hinterher, dass ich recht gehabt hätte (die, die sich das Ohr nicht zugehalten haben). Aber wollen wir jetzt dazu kommen, dass ich bei jedem Pfiff mich erst einmal umschauen muss, dass kein Spieler zu nahe bei mir steht? Bei einem Freistoß habe ich mit dem Mauerabstand, dem Abstand zur Mauer, Abseits und Co. wahrlich genug zu tun, da kann ich mich nicht noch einmal umschauen (dann stimmt der Rest schon wieder nicht mehr). Und wie oft kommt es vor, dass ich aufgrund der Spielsituation sofort pfeifen muss, egal, wer mir da wie nahe steht - obwohl man auch da argumentieren könnte, dass ich mit dem Pfiff ja warten könne, bis wieder mehr Platz sei.

  • Moin zusammen - wir waren nicht dabei. Wir wissen nicht, was genau abgelaufen ist. Oder hast Du nähere Informationen Manfred, es klang so an, als säßest Du an der Quelle? Und warum will der Kollege das Rudel auflösen? Das war das Erste, was mir beigebracht wurde - wegbleiben und beobachten, denn als Schiedsrichter kannst Du im Rudel nur verlieren. Die Kollegen aus den Profiligen können dazwischen gehen, da gibt es genügend Kameras, die zeigen, dass die sich nichts zuschulden kommen lassen, aber auf dem Dorfplatz kann es immer einen Spieler geben, der behauptet, der Schiedsrichter hätte ihn angefasst, getreten, geschlagen oder ihm absichtlich aus 10 cm Entfernung ins Ohr gepfiffen.

    Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr
    wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung
    angesehen.

  • Nein, ich habe noch keine näheren Informationen - wie auch, in Corona-Zeiten ist auch die Kommunikation gehemmt.


    Unabhängig davon ist es immer eine Sache der Intuition, ob ich in ein Rudel hineingehe (kann durchaus sinnvoll sein, insbesondere, wenn es sich noch in der Entstehungsphase befindet oder eine erhebliche Zahl an Spielern versucht, die Kontrahenten zu trennen), außerdem gibt es die Fälle, in denen ich mich unversehens in einem Rudel vorfinde - man kann als SR dabei nicht nur verlieren, manchmal ist es durchaus von Vorteil, wenn man so etwas schnell auflöst, denn je schneller das Spiel weitergeht, desto weniger Zeit gibt es, in denen Konflikte erneut aufflackern können.


    Das Risiko, dass ein Spieler irgendetwas behauptet, gibt es ohnehin immer, dafür bedarf es keines Rudels.

  • StefanP hat es doch schon gesagt. Keiner von uns war dabei, deshalb sollten wir hier keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wenn der Schiedsrichter vorsätzlich nah am Ohr des Spielers in die Pfeife bläst und er dadurch den Spieler verletzt, ist er natürlich auch haftbar zu machen. Aber auch das ist alles nur Spekulation.

  • Verzeihung aber wildes spekulieren hilft echt nicht!


    Aber bei Rudelbildung spiele ich nicht den Ringrichter und auch nicht den Posaunisten.

    Was mir aufgefallen ist, das unabhängig von dieser dummen Geschichte, fällt mir auf das einige Kollegen, meinen durch zu lautes pfeiffen Autorität zu erzeugen. Insbesondere durch noch lautere Pfeifen FOX 40 , FOX Ultra usw.


    Immer den Rahmen wahren!

    Es gibt Leute, die denken Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist. (Bill Shankly)

  • Spekulieren hilft natürlich nicht, aber da das Gericht eben keinen Vorsatz gesehen hat, sollten wir uns zumindest fragen dürfen, ob die Teilnahme an einem Fußballspiel nicht dazu führt, dass man sich mit dem Risiko einer Verletzung einverstanden erklärt, und ob eine Verletzung im Ohr durch die Pfeife des Schiedsrichters nicht dazu gehört.

  • ob die Teilnahme an einem Fußballspiel nicht dazu führt, dass man sich mit dem Risiko einer Verletzung einverstanden erklärt

    Das ist jetzt etwas plump ausgedrückt, aber genau so ist es.


    Die Rechstsprechung geht regelmäßig davon aus, daß man sich mit der aktiven Teilnahme an einer Sportveranstaltung gewissen sportartbedingten Risiken aussetzt, die zu Verletzungen führen können.


    Man erklärt sich zwar nicht "mit dem Risiko einer Verletzung einverstanden" (wie Du hier ausführst)t, sondern man muss damit rechnen, das es bei der Ausübung eines Sports halt eher zu einer Verletzung kommt, als wenn man morgens aus dem Bett aufsteht.


    Und jetzt bitte keine Haare in der Suppe suchen:

    Somit sind alle Regressansprüche die durch eine übliche Ausübung der Sportlichen Betätigung entstehen können gegenüber anderen zunächst einmal ausgeschlossen. Es sein denn ..... (und das könnt Ihr Euch jetzt selber denken)


    Bezogen auf den Fall bedeutet das:


    Der Pfiff eines Schiries gehört bei vielen Sportarten einfach dazu.

    Da es sich hierbei offenbar um einen Strafprozess handelt, kann man guten Gewissens feststellen, das der Geschädigte gegenüber der Staatsanwaltschaft angegeben hat, das der Kollege Schiri mit seiner Pfeiffe nicht wie üblich umgegangen ist (er unterstellt also Absicht)

    Ob das dann tatsächlich so gewesen ist bedarf der Beweisführung gem. StPO im Verfahren.


    Etwas anderes ist an diesem Fall viel bedeutsamer:

    Dieser Fall führt uns vor Augen, das wir eben nicht durch die Regel 5 Abs. 7 einen generellen "Persilschein" haben, der uns vor jedweder juristischen Verfolgung schützt.

    Wer sich da mal etwas genauer Schlau machen möchte findet hier einen Link zur Vorlkesung an der Uni Köln "Der Schiedsrichter im Sportrecht", in der Alex Feuerherd (Collinas Erben), Prof. Dr. Jan F. Orth (Universität Köln) und Sascha Stegemann (DFB-Schiedsrichter) sehr detailliert auf die Haftung eines Fussballschidsrichters eingehen.



    Erwarte das unerwartete bedeutet, das irgendwann einmal jeder von uns in eine Situation kommen kann, in der er plötzlich als Schiri vor einem Strafrichter steht, weil sich irgendein Spieler auf dem Feld ungerecht behandelt gefühlt hat und jetzt irgendeinen Grund sucht dem Schiri nachträglich eins auszuwischen.


    Wir sollten darauf achten, das derartige Anzeigen keine Schule machen.

  • Ein kurzer Einwurf direkt aus dem VSA bzw. eine sinngemäße Wiedergabe der Worte des VSOs zu diesem Fall heute morgen auf der digitalen Lehrwartetagung:


    Der Schiedsrichter sowie sein Rechtsanwalt, der gleichzeitig DFB Vize-Präsident ist, haben das Urteil dankend angenommen. Das Urteil wurde nach freier Beweisführung getroffen, ist für die Schiedsrichter nicht erfreulich, muss aber so hingenommen werden, gerade da der Angeklagte sowie dessen Rechtsvertreter keine Unangemessenheit in dem Urteil sehen. Es ist ein Einzelfall und jede Nachfrage hierzu wird beantwortet mit: Es ändert sich nichts, wir machen weiter wie zuvor.

  • Kann mir das jemand auf juristischer Ebene erläutern?


    Einstellung des Verfahrens heißt, dass kein Urteil gesprochen wurde?


    In dem Artikel ist von "fahrlässigem Handeln" die Rede, was ja nicht die Bezeichnung für einen Straftatbestand ist. Ist der Artikel einfach ungenau?