Brauchen wir doch das "technische Tor"?

  • Wenn ich diesen Bericht lese, stellt sich mir doch die Frage, ob man die Regeln bei der Verhinderung einer klaren Torchance nicht ändern müsste. Eigentlich wäre es ja ganz einfach, denn wenn die Entscheidung auf Rote Karte wegen Verhinderung einer klaren Torchance lautet, müsste neben :pfiff_rot:auch auf Tor entschieden und das Spiel mit einem Anstoß fortgesetzt werden.


    Und es sage keiner, dass ein auf regelwidrige Art verhindertes Tor nur im Ausnahmefall bedeutend ist, oft genug ist das überhaupt nicht absehbar, kann doch ein Tor mehr oder weniger am ersten Spieltag am Ende der Saison über Auf- oder Abstieg entscheiden.

  • Na ja, bei Verhinderung einer Torchance, wo man noch gar nicht wissen kann ob die überhaupt genutzt wird, sehe ich das ganze sehr problematisch. Da müsste man bei jeder verhinderten Torchance, auch wenn's unabsichtlich ist, auf Tor entscheiden. Für mich ist das auch ein taktisches Mittel, was aber zu Recht mit Rot bestraft wird. Viel schlimmer finde ich hier die Heroisierung des Spielers. Da müsste die Gerichtsbarkeit ein deutliches Zeichen setzen.

  • Na ja, bei Verhinderung einer Torchance, wo man noch gar nicht wissen kann ob die überhaupt genutzt wird, sehe ich das ganze sehr problematisch.


    [...] verhinderten Torchance, auch wenn's unabsichtlich ist, auf Tor entscheiden.[...] ein taktisches Mittel, was aber zu Recht mit Rot bestraft wird.


    Viel schlimmer finde ich hier die Heroisierung des Spielers. [...]

    Sehe ich änhnlich. Die Verhinderung einer Torchance (also die Notbremse) geht ja nicht vom 100% Fall aus. Der liegt bspw beim "Handspiel auf der Linie" vor, aber eine wirklich klare Grenze gibt es nicht ab wieviel % es denn nun eine klar Torchance ist. Wir kennen schliesslich alle auch die sogenannten "1.000 Prozentigen, die meine Oma mit Rollator reingemacht hätte".


    Die Heroisierung fimnde ich hier auch unangebracht. Etwas mehr Demut wäre angemessener gewesen.

  • Sehe ich auch so.


    Spannend finde ich auch diesen Teil im Artikel:

    "Real Madrids Kapitän Sergio Ramos wiederum herzte Valverde und brüllte ihm "¡de puta madre!" ins Ohr, ein "ganz ausgezeichnet!", nur halt in der unmissverständlichen Diktion des Rasens."


    Das zeigt, dass auch die offensichtlichste Beleidigung nicht immer als Beleidigung gemeint ist und es auch auf den Kontext ankommt.

  • Wie ich in einem anderen Thema schon geschrieben habe, ist meine Meinung, dass es für eine Notbremse als Spielstrafe mindestens einen Strafstoß geben sollte.


    Eine Notbremse als taktisches Mittel zu sehen widerstrebt mir, da ich es nicht gutheißen kann, wenn jemand absichtlich gegen die Regeln verstößt, um sich damit einen Vorteil zu verschaffen.

  • Hallo.


    Wobei das sich über den Strafraum regeln ließe : Verhinderung im Strafraum führte automatisch zum Tor und nicht mehr zum Strafstoß. Aber alles, was weiter weg passiert automatisch zum Tor umzuwandeln finde ich auch nicht verhältnismässig, da bei mehr als 30 Metern noch alles mögliche passieren kann.

    "Kondition ist nicht alles, aber ohne Kondition ist alles nix."
    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

  • Wir veranstalten jedes Jahr ein Gauditurnier. Rote Karten gibts da quasi nicht. Vor ein paar Jahren hat sich dann eingeschlichen dass vor allem die Torhüter ausserhalb des Strafraums durch ein Handspiel ein mögliches Tor verhinderten. Daraufhin habe ich vor 2 Jahren das technische Tor eingeführt. Bei der Premiere gab es 6 technische Tore, letztes Jahr 3 und dieses Jahr im 1. Spiel eins. Da dieses Tor der Siegtreffer war, hatte es wohl seine Wirkung erzielt. Nach dem Spiel wurde kurz diskutiert, dass der Ball sehr wahrscheinlich nicht ins Tor gegangen wäre. Ich hab dann konkretisiert, dass die Absicht des Torwarts mir reichte.

    Für dieses Biotop ist die Regel goldrichtig. Ich denke ein durchdachter Versuch hätte eine Chance verdient.

  • Eine Notbremse als taktisches Mittel zu sehen widerstrebt mir, da ich es nicht gutheißen kann, wenn jemand absichtlich gegen die Regeln verstößt, um sich damit einen Vorteil zu verschaffen.

    Genau das war auch mein Gedanke - und ja, wir haben ein Spannungsfeld zwischen "normalen" Fouls, die umständehalber eben eine Notbremse darstellen und den Fällen, in denen die Notbremse mit voller Absicht geschieht; besonders gravierend, wenn das dann auch noch (wie hier) spielentscheidenden Charakter hat oder sich, wie eingangs erläutert, am Ende der Saison als wichtig erweist.


    Natürlich kann man jetzt darüber diskutieren, ob mit einem Strafstoß - wohlwissend, dass die auch des Öfteren versemmelt werden - die Torchance wieder hergestellt wird, spätestens wenn es nur ein Freistoß ist, ist das regelmäßig nicht der Fall. Die Abschaffung der "Dreifachbestrafung" war diesbezüglich ein Signal in die falsche Richtung, auch wenn das rein regeltechnisch bei einem vorsätzlichen "von den Füßen holen" meist nicht greifen dürfte.


    Wer mehr "Fair Play" auf dem Platz haben will, muss die passenden Rahmenbedingungen schaffen - und dazu zählt, dass unfaire Praktiken - übrigens zähle ich auch manch "taktisches Foul" dazu - so bestraft werden müssen, dass sie sich nicht mehr "lohnen".

  • Wer mehr "Fair Play" auf dem Platz haben will, muss die passenden Rahmenbedingungen schaffen - und dazu zählt, dass unfaire Praktiken - übrigens zähle ich auch manch "taktisches Foul" dazu - so bestraft werden müssen, dass sie sich nicht mehr "lohnen".

    Dies würde im Falle de Notbremse bedeuten, das sie wieder generell ein Rotvergehen ist.


    Dafür nimmt man dann aber eine zusätzliche Sperre aus den Wettbewerbsbestimmungen heraus (was von vorne herein die bessere Lösung für die "soganannte Mehrfachbestrafung" gewesen wäre.)


    Das vereinfacht dann wieder auch das Regelwerk und legt die Verantwortung für weitere Disziplinarmaßnahmen (auch wenn es sich nur um eine Plflichtsperre handeln sollte) in die Hand des Veranstalter des jeweiligen Wettbewerbs. Das führt dann dazu, das der Veranstalter (über das entsprechende Disziplinargericht) verpflichtet wird, zu entscheiden ob es sich um eine fahrlässige oder eine vorsätzliche Notbremse gehandelt hat. Mit entsprechenden Konsequenzen.


    Und ja, das geht auch bei einem Kreis-Sportgericht, wenn der Schiri einen vernünftig formulierten Sonderbericht abgibt.


    Damit entlastet man den SR von disziplinaren Folgewirkungen und legt diese komplett in die Hand des Ausrichters des Wettbewerbs. Der Schiri Entscheidet nur noch auf Rotvergehen wegen Notbremse und macht sich keinerlei gedanken mehr über eventuelle "Folgeschäden". Gut, das sollte er sowieso nicht jedoch entsteht bei mir gefühlt der Eindruck, das es leider nur allzu oft so ist.


    Der Ausrichter des Wettbewerbs (i.d.R. Disziplinargericht) entscheidet nun darüber ob die Notbremse

    • ein fahrlässiges Foulspiel in einem "normalem Zweikampf" war (keine weitere Sperre) oder
    • ob es sich um ein vorsätzliches Foulspiel (angefangen vom "Tikotzupfer" über Handspiel auf der Linie bis hin zu rustikaleren Methoden) handelt wo man nach Katalog gerne eine längere Sperre geben kann.


    Auch hat das Sportgericht die Möglichkeit den Spiel- oder Wettbewerbsentscheidenden Charaktder des Foulspiels in seine Bewertung mit einfliessen zu lassen.


    So kann dann eine anschließende Disziplinarstrafe in einem Spiel um die "goldene Ananas" beim Spielstand von 5:0 kurz vor schluss anders ausfallen als bei einem Pokalspiel in der 120. Minute beim Spielstand von 0:0.

  • Dies würde im Falle de Notbremse bedeuten, das sie wieder generell ein Rotvergehen ist.


    Die in diesem Thema behandelte Notbremse wurde ja mit einer roten Karte geahndet und hat der foulenden Mannschaft trotzdem zum Sieg verholfen.


    Daher denke ich nicht, dass diese Änderung ausreichend wäre, um solche Aktionen in Zukunft zu verhindern.


    Für verhinderte Torchancen sollte es meiner Meinung nach einen Strafstoß geben, war die verhinderte Torchance besser als ein Strafstoß sollte es das technische Tor geben.

  • Alternativ könnte man auch (endlich) zugeben, dass Fußball einfach kein fairer Sport ist.
    Dann werde solche Dinger weiterhin bestraft aber man sagt sich halt "Gehört halt zum Sport dazu".

    Genau so ist es ja zumindest aktuell halt auch.
    Das fängt ja schon in der Jugend an.
    Taktische Fouls werden regelrecht trainiert.

    Ich glaube auch nicht, dass sich das jemals ändern wird.
    Es sei denn man fängt damit wirklich ganz oben und konsequent an und das sehe ich halt irgendwie nicht.

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Für mich käme ein 'technisches Tor' nur in Frage, wenn der Spieler ein wirklich sicheres Tor verhindert. Also z.B. Handspiel auf der Linie oder der AWS, der den Ball von der Linie kratzt. Ich erinnere mich da an Suarez' Handspiel bei der WM2010 gegen Ghana.


    In anderen Fällen der Notbremse reden wir zwar umgangssprachlich von 'Hundertprozentigen', aber wie oft trifft der allein auf den Torhüter zulaufende Angreifer wirklich? Das ist von 100% weit entfernt. Und wenn man es weiter differenziert, wird die Regel zu kompliziert.


    An dem Grundproblem, dass persönliche Strafen gegen Spielende kaum noch Einfluss auf den Spielausgang haben können, können wir nämlich nichts ändern. Wenn zB eine knapp in Führung liegende Mannschaft kurz vor Schluss den besten Spieler des drückend überlegenen Gegners, der gerade zum 3. Mal gewechselt hat, kaputttritt, sichert sie sich mit einiger Wahrscheinlichkeit auch den Sieg. Das kann man beim Strafmaß berücksichtigen, aber nicht ergebnistechnisch auf dem Platz korrigieren.


    Die Regeln können und müssen m.E. davon ausgehen, dass alle Beteiligten sich (in jedem Sinne des Wortes) sportlich messen wollen. Die das nicht wollen, muss man sportrechtlich aussortieren. Wer aber Spielregeln so macht, als würden die Teilnehmer gar nicht am sportlichen Wettkampf teilnehmen wollen, schüttet das Kind mit dem Bade aus.

  • Die Regeln können und müssen m.E. davon ausgehen, dass alle Beteiligten sich (in jedem Sinne des Wortes) sportlich messen wollen. Die das nicht wollen, muss man sportrechtlich aussortieren. Wer aber Spielregeln so macht, als würden die Teilnehmer gar nicht am sportlichen Wettkampf teilnehmen wollen, schüttet das Kind mit dem Bade aus.

    Richtig!


    Mal zurücklehnen und das Ganze aus der Ferne betrachten. Ursprünglich (Ich rede von den 1860er Jahren) ging man davon aus, das Fußball ein Sport von Gentlemen ist, das man sich nicht Foult und das es ekien Schiri braucht, weil im Zweifel die beiden Spielführer das schon regeln werden.


    Gut, davon sind wir Heute weit entfernt, aber einen "gerechten Ausgleich für entstandenen Schaden" wird es nicht geben. Zumindest nicht, wenn man das Spiel nicht unnötig verkomplizieren möchte.

  • Genau, Fußball ist und wird kein Gentlemansport mehr. Entweder es werden die Regeln sinnvoll geändert oder man muss endlich akzeptieren, dass bis auf Straftaten das „verbotene Spiel“ eine zu dieser Sportart gehörende taktische Spielweise ist.


    Wer das nicht akzeptiert, muss sich eine andere Sportart aussuchen, es gibt genügend Alternativen. Ende Gelände, aus die Maus.