Neue Abstoßregel und Rückpass

  • Und ich habe eine Antwort:
    Man rechnet zeitnah mit einer weiteren Information durch den DFB, bis dahin soll wiederholt werden (auch in der "verzögerten" Variante).

    Ich habe das num von userem Lehrwartteam bekommen:


    Werte SR-Funktionäre, Beobachter und Schiedsrichter,

    wir haben von DFB-Lehrwart Lutz Wagner folgende Klarstellung zur Regel 16 „Der Abstoß“ erhalten:

    „Lupft/chipt ein Torwart den Ball bei einem Abstoß zu einem seiner Verteidiger, dieser spielt den Ball dann mit dem Kopf oder Körper zurück und der Torwart nimmt diesen Ball mit der Hand auf, ist dies zu unterbinden. Es ist zwar weder ein unerlaubtes Zuspiel (im Volksmund Rückpass genannt) noch ein Umgehen dieser Bestimmung, da der Spieler sich nicht selbst den Ball hochlupft. Dennoch ist diese Handlungsweise nach Sinn und Geist der Regel unerwünscht. Deshalb haben IFAB/FIFA klargestellt, diese Ausführung nicht zuzulassen und den Abstoß wiederholen zu lassen, dabei aber keinerlei Sanktionen auszusprechen.“



  • Zitat

    Richten es Spieler aber so ein, dass klar ist, dass sie im Weg stehen werden, sobald der Ball im Spiel ist und ist dies mit einer Unerreichbarkeit des Balles in regelkonformer Spielweise verbunden (damit wären wir an dem Beispiel, dass ein "Riegel" die Ecke abschirmt), widerspricht das dem Geist des Fußballs, der dessen Grundsatz ist, dass der Ball in Bewegung ist und/oder regelkonform um den Ballbesitz gekämpft werden kann (faktisch also ein Missbrauch des Rechtes, im Weg stehen zu dürfen, was vorsätzlich herbeigeführt wurde) - und damit ist das regelwidrig und unter Anlegung strenger Maßstäbe sogar unsportlich.

    Aber gegen den "Geist" des Fussballs verstoßen ist ja kein regeltechnisches Vergehen.

    Oder dehnen wir jetzt einfach die Rückpassanweisung auf alle Spielweisen aus, die wir nicht anders händeln können?


    Zitat

    In beiden Fällen wird aber davon ausgegangen, dass der Ball (grundsätzlich) spielbar ist.

    Man kann sich auch mit mehreren Spielern so um den Ball stellen, dass er für alle spielbar ist.

  • Wenn aus der Spielweise klar ersichtlich wird, dass ein bestehendes Verbot umgangen werden soll, wenn gleichzeitig eine regelkonforme Spielweise möglich ist, und hieraus ein Vorteil gezogen wird, dann muss "Gegen den Geist des Spiels" als unsportliches Verhalten gewertet werden und findet somit sehr wohl Anwendung in der Entscheidungsfindung.


    Und warum sollte man sich mit mehreren Spielern um den Ball gruppieren als aus dem Grund, den Gegenspieler zu hindern, an den Ball zu kommen? Spätestens, wenn mehr als einer dieser Spieler in einen Zweikampf um den Ball geht ist aus meiner Sicht keine freie Spielbarkeit für den Gegner mehr gegeben und die Aktion wird strafbar.

    "Kondition ist nicht alles, aber ohne Kondition ist alles nix."
    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

  • Und ergänzend Regel 05.2:

    "Der Schiedsrichter entscheidet nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne der Spielregeln und im „Geist des Fußballs“. Er trifft die Entscheidungen basierend auf seiner Einschätzung und hat die Ermessenskompetenz, die angemessenen Maßnahmen im Rahmen der Spielregeln durchzusetzen."
    Wenn er die beschriebene Spielweise für unsportlich hält, so hat er diese Unsportlichkeit im Sinne der Regel 12 zu ahnden - es gibt also sehr wohl eine regeltechnische Grundlage.

  • Wenn der TW den Ball zum Mitspieler lupft und dieser ihn per Kopf zum TW zurück spielt, dann würde ich sofort unterbrechen, unabhängig davon, ob der TW den Ball fängt oder mit dem Fuss annimmt.


    Klare Ansage, direkte Wiederholung und keinerlei Gefahr des Zeitspiels ...

    Klare Ansage aufgrund welcher Grundlage?

    Ich kann hier keine Klarheit erkennen. Am Ende heißt es wieder wir Schiedsrichter machten ohnehin was wir wollten und agierten willkürlich. Dem kann ich mittlerweile auch nicht mehr widersprechen.

  • Der Satz sagt nur aus, dass es dem reinen Wortlaut nach kein Regelverstoß ist, in der Intention aber den Sinn der Regel aushebelt und daher keine zulässige Spielweise darstellt.


    Ähnlich war es ja auch mit dem Trikotausziehen mit identischen Trikots darunter, hier wäre ja auch dem reinen Wortlaut nach keine Handhabe, die Regel aber dem Sinn nach missachtet. Daher wurde hier ja auch nachgebessert und diese Handlungsweise sanktioniert.

    "Kondition ist nicht alles, aber ohne Kondition ist alles nix."
    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

  • Kann mal jemand bei seinem Lehrwart fragen, ob das jetzt NUR für den Abstoß gilt oder auch auch für einen Freistoß im 5m-Raum.
    Oder auch für jeden Freistoß im Strafraum. Und für Freistöße generell?
    Gilt das nur wenn der TW den Abstoß selbst ausführt oder auch wenn ein Spieler dies tut?

    Aktuell soll ja nur scheinbar beim Abstoß wiederholt werden.... nicht beim Freistoß vom exakt gleichen Ort.

    Wie ist es wenn der Ball am äußeren Rand des Strafraums liegt und vom TW (oder einem anderen Spieler) gelupft wird und dann zurück geköpft wird zum TW.
    Was ist mit einem Freistoß außerhalb des Strafraums, wenn Spieler 1 zu Spieler 2 lupft und der zum TW zurück köpft?


    Ich kann das doch nicht beim Abstoß verbieten und sonst erlauben.

    Aus den hier geposteten Antworten ist mir immer noch nicht klar was meine Spieler jetzt wie dürfen.

    Ich weiß im Zweifel muss ich eh das akzeptieren, was der SR pfeift, bleibt mir ja nichts übrig.

    Trotzdem ist die Sache durch diese "Klarstellung" eher noch komplizierter geworden.

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Aktuell gilt die Anweisung nur für Abstöße - wobei eine andere Vorgehensweise bei einem Freistoß im Torraum wiederum sinnwidrig wäre. Aber ich hege ja immer noch die Hoffnung, die mein Lehrwart bei mir geschürt hat, dass es in Kürze eine (hoffentlich finale) Klarstellung geben wird.

  • Gar nichts ist klar. 5 Wochen seit Inkrafttreten der Regel.

    Bananenland.

    Vielleicht einfach mal meinen Beitrag oben (Nr 121) lesen mit dem Originalzitat von Lutz Wagner.

  • Meine bisherige Erfahrung zeigt, dass sich die Spieler an die Anweisung halten.


    Sollte der seltene Fall eintreten, dass bei einer Standardsituation im eigenen Strafraum der ausführende Spieler den Ball zu einem nahestehenden Mitspieler so spielt, dass dieser risikolos den Ball ohne einen Fuß zu verwenden zum TW spielen könnte, lasse ich sofort wiederholen.


    Und ja, dass entspricht nicht dem exakten Wortlaut der Anweisung, jedoch den Geist der Anweisung. Und das Risiko einer Beschwerde gehe ich ein.


    Wahrscheinlich kommt die offizielle Regeländerung oder Legitimation bevor der Fall eintritt.


    So Jungs und Mädels, jetzt lasst uns Fußball pfeifen. :)

  • Bleibt immer noch die Frage:
    Für alle Freistöße oder nur für welche im Torraum/Strafraum?

    Ihr müsst wissen.. ich bin Informatiker und muss dauernd mit so halbgaren "Anforderungen" der Kunden arbeiten.
    Da lernt man schnell auch "Sonderfälle" zu bedenken.
    Mit dem was IFAB und DFB geliefert haben würde ich die Entwicklung gar nicht anfangen.

    Und die (oder zumindest manche) Spieler sind ja nicht blöd.
    Wenn ihr denen sagt das ist beim Abstoß verboten, machen sie es beim Freistoß, ist das bei beidem im Torraum verboten, machen sie es beim nächstne Freistoß im Strafraum usw.

    Dabei ist die Lösung so einfach: Auch wenn zwei Spieler zusammen so arbeiten ist das einfach ein Trick um die Rückpassregel zu umgehen. Fertig.
    Das würde nicht mal jemand hinterfragen glaube ich. Ich z.B. hab die Regel ja bis heute auch so interpretiert. Und damit hätte man automatisch alle diese Fälle abgedeckt und gar kein Problem mehr und es wäre im "Geiste der Regeln". Denn auch das hochlupfen aus dem Spiel heraus, damit ein Zweiter Spieler den Ball zum TW köpfen kann wiederspricht doch genau diesem Geist der Regel.

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Und ergänzend Regel 05.2:

    "Der Schiedsrichter entscheidet nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne der Spielregeln und im „Geist des Fußballs“. Er trifft die Entscheidungen basierend auf seiner Einschätzung und hat die Ermessenskompetenz, die angemessenen Maßnahmen im Rahmen der Spielregeln durchzusetzen."
    Wenn er die beschriebene Spielweise für unsportlich hält, so hat er diese Unsportlichkeit im Sinne der Regel 12 zu ahnden - es gibt also sehr wohl eine regeltechnische Grundlage.


    Auch wenn ich die Entscheidung des DFB anerkenne, so fehlt mir dennoch immer noch die Regelgrundlage dazu.


    Auf der Regelgrundlage wäre das aber Gelb (Unsportlichkeit) und IDF (kontaktloses Vergehen im laufenden Spiel).

    Wenn eine Spielweise gegen den "Geist des Fußballs" verstößt, dann ist es allein schon dadurch unsportlich. Und was sagt (sowohl der Geist, als auch der Text von) Regel 12 über unsportliches Verhalten im laufenden (der Ball ist nachdem er den Fuß des TW verlassen hat schon im Spiel) Spiel?


    Im Übrigen ist der Fall, dass ein Verteidiger zu einem anderen Verteidiger lupft und dieser köpft zum Torwart von der Anweisung des DFB nicht abgedeckt, also auch jetzt noch entweder zulässig oder unsportlich mit allen Konsequenzen. Denn andersherum: Hätte der Regelgeber denn Fall des abstoßenden Verteidigers ebenfalls regeln wollen, dann hätte er sich beim Ausführenden nicht ausdrücklich auf den Torwart beschränkt.

  • Der Regelgeber hat es schlichtweg versemmelt, sich hier hinreichend genau auszudrücken und hat offensichtlich Probleme, in den eigenen Reihen Einigkeit herzustellen. Bis dahin haben wir die Anweisung, dass wir beim Abstoß (und laut Auskunft von mfs67227 auch beim Freistoß im Strafraum) eine solche Vorgehensweise durch Wiederholung zu unterbinden haben und auch keine persönliche Strafe verhängen sollen. Grundlage hierfür ist die Mitteilung des IFAB als Regelgeber, welches das aktuell so gehandhabt sehen möchte.


    Das Regelzitat bezog sich nicht auf diesen Fall, sondern vor allem auf die Aussage in Post #122.

  • so fehlt mir dennoch immer noch die Regelgrundlage dazu.

    Die fehlt uns ja allen und das ist ja inzwischen auch hinlänglich diskutiert worden. Die Regelgrundlage interessiert aber die Spieler auf dem Platz am Sonntag auch nur bedingt, da geht es um die Umsetzung der Anweisungen, die aktuell gelten.


    Nur mal so eine Anekdote: Wir hatten am Dienstag Pflichsitzung, ein SR, der auch Trainer in der B-Klasse ist, hat von einem Auftritt eines SR bei der Kontrolle der Spielberechtigungen berichtet. Der Kollege aus dem Nachbarkreis hat den Spielern eiskalt erklärt, dass ihn die neuen Regeln nicht interessieren und er das Spiel nach den Regeln der alten Saison leiten wird ...

  • Der Kollege aus dem Nachbarkreis hat den Spielern eiskalt erklärt, dass ihn die neuen Regeln nicht interessieren und er das Spiel nach den Regeln der alten Saison leiten wird ...

    Gut zu wissen, ich bin am Sonntag in Mainz - darf ich auch die Regeln von 1980 anwenden, die waren insbesondere bezüglich Abseits wesentlich einfacher? :flieh:

  • Wir hatten am Dienstag Pflichsitzung, ein SR, der auch Trainer in der B-Klasse ist, hat von einem Auftritt eines SR bei der Kontrolle der Spielberechtigungen berichtet. Der Kollege aus dem Nachbarkreis hat den Spielern eiskalt erklärt, dass ihn die neuen Regeln nicht interessieren und er das Spiel nach den Regeln der alten Saison leiten wird ...


    Dass sich Kollegen so etwas überhaupt trauen. Für mich ein vorsätzlicher Verstoß gegen die Pflichten eines Schiedsrichters. Plädiere auf €50 Strafe und 2 Wochen Sperre.