Regeländerungen 2018/2019

  • Die Regel schränkt die Definition ja nicht auf Spiele mit VAR ein sondern ist allgemeingültig formuliert.

    Genau das ist es was mich auch irritierte, denn es sind tatsächlich Spielsituationen mit mehrfachen Ballberührungen denkbar. Das von Dir und mir "inszinierte" Torwartabwurfabseits ist sicherlich übertrieben, aber in genau diese Übertreibung macht die Regelanwendung ja plastisch und vorstellbar.

  • Das mit dem Torwart ist tatsächlich interessant, da es bis "ganz unten" vorkommen kann - allerdings in beiden Richtungen:
    1. TW nimmt den Ball an, Spieler steht nicht im Abseits, bei der Freigabe dann aber schon --> Wir haben die tollsten Diskussionen auf dem Platz, weil jeder außer dem doofen Schiri gesehen hat, dass der Spieler doch klar im Abseits stand.

    2. TW nimmt den Ball an, Spieler steht im Abseits, im Moment der Freigabe aber nicht mehr (und das dürfte gar nicht selten sein) --> Abseits, welches wir aber, weil im Rücken, oft gar nicht sehen und wo wiederum jeder draußen sieht, dass der Spieler doch gar nicht im Abseits stand.

    Von daher: Diese Interpretation kann so nicht richtig sein und ich habe auch erhebliche Zweifel, dass der Regelgeber das so gewollt hat.

  • Dein Beispiel 1 dürfte aber eigentlich nicht so häuftig vorkommen. Der TW müsste den Ball über die Mittellinie WERFEN. Wenn er einen klassischen Abschlag macht, ist normalerweise kurzzeitig der Kontakt zur Hand gelöst und der abseitsrelevante Zeitpunkt wird der Beginn des Fußkontakts.


    Ich glaube auch nich, dass der Regelgeber diesen konkreten Aspekt der Änderung so gewollt hat.

    Aber insgesammt ist diese Regeländerung durchaus gewollt. Man wollte/musste den für die Entscheidung relevanten Zeitpunkt genauer definieren und dies ist geschehen mit all den dadurch entstehenden Nebenwirkungen.

    Persönlich hätte ich auch eher auf das Ende des Kontaktes abgestellt. Das ist eher das, was man nach außen hin unter Ball-AB-gabe versteht. Versuch doch mal einem "Normalsterblichen" plausibel zu erklären (und ohne dass dieser Dich einweisen lässt), dass die Ballabgabe mit dem AUF-nehmen des Balles beim TW beginnt...

  • Hm, wenn es der erste Ballkontakt sein soll … Gilt nicht die Ballkontrolle des Torwarts als unverändert gegeben, selbst wenn der den Ball aufdotzt? Und der TW darf auch in der Ausführung des Abschlags nicht behindert werden, er will also auch dann erst die Ballkontrolle aufgeben - solange er den Ball kontrolliert, darf er eigentlich nur theoretisch nicht angegriffen werden. Somit lägen für die vollen 6 Sekunden (und manchmal auch mehr) eigentlich die Voraussetzungen vor - aber wer von uns weiß denn, wer im Abseits stand, als der Torwart den Ball auffing?

  • Zwischen "Kontrolle" und "Kontakt" würde ich hier unterscheiden. Schlägt der TW den Ball aus der Hand ab, zählt für mich als Kontakt der Kontakt "Fuß mit Ball". Und auch hier gilt: Der Kontakt beim Schießen dauert "mehrere Millisekunden" die in Zeitlupentechnik sichtbar gemacht werden können. Zur Beurteilung der Abseitsstellung gilt dann der Erstkontakt des Fußes mit dem Ball (und nicht das Aufnehmen des Balls mit der Hand).


    Das "Torwartabwurfproblem" halte ich für nicht unmöglich: Wenn der TW den Ball fängt, während Mitspieler A (in der gegnerischen Hälfte im Abseits steht, und A während der 5 oder 6 Sekunden "Haltezeit" in die eigene Hälfte sprintet und (umgeben von Mit- und Gegenspielern) vom Torwart den Ball zugeworfen bekommt, müsste bei richtiger Auslegung der "Kontaktregel") auf Abseits entschieden werden.


    Aber dann ist das eben so, auch wenn es für Zuschauer und andere schwer nachvollziehbar bzw. verständlich ist. Dann muss sich eben der TW mit der Regel beschäftigen, und darf diesem Spieler den Ball nicht zuwerfen.


    Interessanter finde ich folgende Situation (ähnlich des weiter vorne geschilderten "langsamen Lupfers"): Spieler A (nicht im Abseits) erhält den Ball und stoppt diesen mit der Sohle. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Spieler B hinter Spieler A, demnach steht B beim Stoppen des Balls nicht im Abseits. Spieler B läuft zwischenzeitlich an Spieler A (und allen Gegenspielern vorbei), und Spieler A "rollt" (oder spielt) den Ball mit der Sohle zu B, ohne dabei den Fuß vom Ball zu nehmen.


    Hier wird jeder die offensichtlich strafbare Abseitsstellung monieren, da als "Spielen" des Balles ja die geschilderte "rollende" Bewegung wahrgenommen wird. Nach der "Kontaktregel" aber kein strafbares Abseits. Oder mache ich einen Denkfehler, und es ist als "Zeitpunkt des Zuspiels" doch das "(Weiter-)Rollen" des Balls maßgebend?


    ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    "Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus!"
    (Gerd Rubenbauer, als der FIFA-Beauftragte am Spielfeldrand eine Minute Nachspielzeit anzeigte)

  • wer im Abseits stand, als der Torwart den Ball auffing

    Das ist für die Beantwortung einer Regelfrage in einem Regeltest doch irrelevant.


    Gerade mal den Regeltext nachgesehen. Dafür musste ich die deutsche Version des IFAB Textes konsultieren und habe mal den entscheidenden Teil der Abseitsregel kopiert. Den anderen Kram der Regel 11 habe ich mal weg gelassen. dafür aber den bezug farblich markiert damit es deutlich wird.


    Ja, auf Seite 166 ist eine Erklärung beigefügt die auf eine Änderung wegen des VAR verweist. Dies ist aber nur eine Erklärung für den Grund der Regeländerung.


    Ich glaube auch nich, dass der Regelgeber diesen konkreten Aspekt der Änderung so gewollt hat.

    Aber insgesammt ist diese Regeländerung durchaus gewollt. Man wollte/musste den für die Entscheidung relevanten Zeitpunkt genauer definieren und dies ist geschehen mit all den dadurch entstehenden Nebenwirkungen.

    Somit kann ich KozKalanndok sicherlich folgen.


    In der Übertreibung der Formulierung einer Regelfrage liegt dann die Veranschaulichung. Wohlgemerkt Diese Regelfragen sollen nicht eine tägliche Spielsituation abbilden, sondern dienen dazu das zu verdeutlichen was das Regelwerk im WORTLAUT vorgibt.


    • Der TW, der den Ball fängt und 6 sec lang hält bevor der seinem zurücklaufendem Mitspieler -der sich zum Zeitpunkt des Fangens in Abseitsposition befand- zuwirft. ist da gar nicht mal so unwahrscheinlich. Ein Fußgänger legt in diesem Zeitraum immerhin (1,67m/s) 10m zurück ein trabender Spieler mehr als das Doppelte. So weit muss der TW dann auch nicht mehr werfen wenn er an der Strafraumbegrenzung steht.
    • Ebenso denkbar ist der Stürmer, der vor der Viererkette den Ball zugespielt bekommt, mit der Fußsohle stoppt, den Fuß auf dem Ball lässt und dann mit der Fußsohle weiter Rollt als sein Mitspieler sich bereits hinter der Viererkette in Abseitsposition befindet.

    Das kann sicherlich vom Regelgeber so nicht gewollt sein.


    Nachtrag:

    Selbst wenn diese Regelergänzung nur den VAR-Bereich betrifft muss sie zumindest vom VAR genau so umgesetzt werden. Das löst zwar das Problem in der Betonliga nicht aber das im Stadion des FC Bayern

  • Meines Erachtens ist die Auslegung von „gespielt oder berührt“ beim Werfen oder mit der Sohle Spielen der Zeitpunkt, ab dem die Wurf- bzw. Abspielbewegung beginnt, unabhängig davon ob der Ball vorher schon mehrere Sekunden berührt wurde.


    Jede andere Auslegung ist Unfug. Und letztlich bestimmt der SR den Zeitpunkt.


    Wenn wir jede Formulierung des Regeltextes nach dem jeweiligen Wortsinn auslegen, würde wahrscheinlich eine völlig neues Spiel dabei herauskommen;)

  • Wenn wir jede Formulierung des Regeltextes nach dem jeweiligen Wortsinn auslegen, würde wahrscheinlich eine völlig neues Spiel dabei herauskommen;)

    Dann ist die Regel aber schei#e.
    Und in diesem Fall ist die Regel sogar sehr eindeutig.
    Ich sehe nichts was darauf hindeutet, dass der Zeitpunkt erst später nach der ersten Berührung ist.

    Um mal in der Bundesliga zu bleiben:
    Was ist denn der entscheidene Kontakt für den VAR, wenn Ribery sich den Ball auf den Fuß legt, 5 Sekunden wartet, während Robben in dieser Zeit 10m hinter die Abwehr ins Abseits läuft und dann den ball bekommt?
    Es kann nur der erste oder letzte Kontakt sein und da die Regeln eindeutig vom ersten Kontakt reden ist das doch eindeutig.

    Und ich sehe nicht, warum das in der Betonliga anders sein soll.

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • [...]wenn Ribery sich den Ball auf den Fuß legt, 5 Sekunden wartet, während Robben in dieser Zeit 10m hinter die Abwehr ins Abseits läuft[...]

    Es kann nur der erste oder letzte Kontakt sein und da die Regeln eindeutig vom ersten Kontakt reden ist das doch eindeutig.

    Und ich sehe nicht, warum das in der Betonliga anders sein soll.

    • Weil in diesem Fall die Geschwindigkeitsbegrenzung der Betonliga überschritten wird und deshalb sowieso pauschal Abseits gegeben werden muss.
    • Weil es in der Betonliga keiner in 5sec schafft am Gegner mal einfach vorbei zu laufen.
    • Weil man sich in der Betonliga erst bewegt, wenn der Ball bereits gespielt ist (damit man nicht umsonst läuft)
    • Weil in der Betonliga generell bereits nach 4 Sekunden der Ballbesitz wechselt
    • Weil in der Betonliga ab Minute 10 keiner seine Füsse mehr als 3cm vom Boden weg bekommt geschweige denn einen Ball auch noch 5 sec auf dem Fuß balancieren kann
    • Weil in der Betonliga das Abseits sowieso nur "auf Zuruf" gepfiffen wird
    • Weil in der Betonliga immer Abseits ist wenn einer der Abwehrspieler die Hand hebt
    • Weil man in der Betonliga generell die "Regeln der Bundesliga" nicht anwenden darf
    • Weil es in der Betonliga niemals Ballkontakt ohne Körperkontakt gibt und deshalb sowieso immer direkter Freistoß zu geben ist. (für wen auch immer)
    • Weil in der Betonliga Regeländerungen erst dann umgesetzt werden, wenn sie mindestens bereits seit 20 Jahren veraltet sind.
    • Weil man in der Betonliga gewinnt weil man "Weltklasse" ist und verliert weil der Schiri schlecht gepfiffen hat.
    • ........
  • Beim Handspiel ist die Regel mit dem Wort „absichtlich“ auch eindeutig und trotzdem waren die meisten Handspielentscheidungen z. B. bei der WM allenfalls fahrlässige Handbewegungen und vom Täter niemals gewollte Ballberührungen mit der Hand.

  • amfa


    Der Regeltext ist eindeutig:


    „Maßgebend ist der Erste Kontakt beim Spielen oder Berühren des Balles“


    Das Wort „Berühren“ regelt nur den Fall, wenn der letze Kontakt ungewollt also kein Zuspiel bzw. ein Abfälschen war.


    Ist es ein echtes Zuspiel, ist der erste Kontakt der Zeitpunkt, wo der Ball in Abspielrichtung bewegt wird. Beim TW kann das nur unmittelbar nach der Ausholbewegung sein.

  • Ist es ein echtes Zuspiel, ist der erste Kontakt der Zeitpunkt, wo der Ball in Abspielrichtung bewegt wird.

    Das halte ich für eine gewagte Auslegung.
    Dann hätte man die Regelung auch weglassen können, wenn sie am Ende doch wieder so ungenau ist.



    Mir fällt gerade übrigens eine weiter sogar realistische Situation ein die ein Problem sein kann:
    Freistoß, der ausführende Spieler stellt seinen Fuß unter den Ball so dass dieser sich noch nicht bewegt.
    Ist das schon der erste Kontakt?
    Wenn ja kann sein Mitspieler ja ruhig meterweit ins Abseits laufen.

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Es geht hier ausschließlich drum für den VAR bei einem Zeitraum von max. ein paar Zehntel Sekunden einen exakten Zeitpunkt zu definieren, damit das entscheidende Standbild zur Verfügung gestellt wird.


    Zum abstrusen Freistoß: Der Ball muss den Boden berühren, somit wäre er zu wiederholen. Ansonsten würde der Zeitpunkt für die Abseitsbewertung gelten, wo die Ausführung beginnt bzw. sich Ball und Fuß bewegen. Der Spieler wäre im Abseits.

  • Es geht hier ausschließlich drum für den VAR bei einem Zeitraum von max. ein paar Zehntel Sekunden einen exakten Zeitpunkt zu definieren, damit das entscheidende Standbild zur Verfügung gestellt wird.

    Das steht so nicht in dem Regelwerk, sondern "NUR" in den Erklärungen warum man die Regeländerung eingeführt hat.


    Nochmal zum Verständniss. Wir sind uns darüber einig, das diese Regeländerung im Wortlaut nicht im Sinne der Abseitsbewertung gemeint sein kann. Dennoch steht sie so wie hier vielfach zitiert Wortwörtlich im IFAB Regelwerk und sollte dann auch so wie in den -sicherlich überzogenen aber durchaus möglichen - beschriebenen Situationen angewendet werden müssen.


    Darüber hinaus

    für den VAR bei einem Zeitraum

    Selbst wenn es nur für VAR spiele gilt bleibt für den VAR dennoch die Herausforderung in den beschriebenen Situationen

  • Es ist ausschließlich für den VAR eine Herausforderung den exakten Zeitpunkt zu bestimmen, wo die Abspielbewegung bei den beschriebenen Situationen exakt beginnt. Er würde aber beim Abwurf niemals den Zeitpunkt des Ballfangens hierfür festlegen.

  • Du merkst aber schon, das Du mit dieser Definition gut ein halbes Dutzend alt eingesessener Regeln und Regelumsetzungen neu definierst?

    Wieso? Wenn nach einem Abspiel noch ein anderer Angreifer den Ball, auch unabsichtlich, berührt, dann ist diese Berührung für die Abseitsbewertung maßgebend, so war das schon immer. Und welche andere Regel sollte dabei neu definiert sein?

  • Es ist ausschließlich für den VAR eine Herausforderung den exakten Zeitpunkt zu bestimmen, wo die Abspielbewegung bei den beschriebenen Situationen exakt beginnt. Er würde aber beim Abwurf niemals den Zeitpunkt des Ballfangens hierfür festlegen.

    Und nach dem aktuell (wenn er nicht zwischendrin eine Unterbrechung des des Kontakts wahrnimmt) bestehenden Regelwerk damit einen Regelverstoß begehen, der dann zu Streit, grünem Tisch, Neuansetzung, Kneipenschlägerei, das volle Programm eben führt.


    Es nicht im Regelwerk dass es nur für den VAR gilt (auch wenn das als Begründung für die Änderung herhält).

    Was auch nicht im Regelwerk steht ist, dass man vorm Freistoß den Ball nicht berühren darf bevor man ihn ins Spiel bringt. Wäre das verboten, wäre effektiv die Freistoßausführung verboten (wie will man den Ball sichtbar mit dem Fuß bewegen ohne ihn vorher damit zu berühren?). Wie lang der Kontakt des Fusses mit dem Ball beim Freistoß sein darf ist hingegen NICHT definiert.


    Ganz abgesehen, dass ich die alte Regel für definiert genug gehalten habe...für mich ist der Moment der Ball-AB-gabe eigentlich der Moment gewesen, bei dem der Ball WEG ist und nicht ein paar Frames später weg GEHT...

  • Nein, er trifft allenfalls eine falsche Tatsachenentscheidung und begeht keinen Regelverstoß.


    Ich verstehe nicht, wie man die neue Regel unbedingt derart falsch verstehen will. Es ist für mich offenkundig, dass der erste Kontakt des Spielens der Moment ist, bei dem der Ball in die Richtung bewegt wird, wo er unmittelbar danach hinrollt oder hinfliegt.