Erster Elfmeter gesehen durch den Video Assistant Referee (VAR)

  • Viktor Kassai hatte nun das Vergnügen und durfte bei der FIFA Klub WM das erste Mal auf seinen Video Assistant Referee zurückgreifen.


    Was sagt ihr dazu?


    Die Zeitspanne von 2-3 Minuten zwischen Pfiff und Entscheidung. Der Ablauf allgemein...


    http://footballrefereeing.blog…s-first.html#.WFFPWFyF9j4

  • Zunächst einmal Cool, hier einmal von einer ersten Video-SR Entscheidung zu hören.


    Was mich stört: Habe ich es richtig verstanden, das es 3 Minuten gebraucht hat um diese Entscheidung zu finden?


    Was mich zu einer weiteren Fragestellung anregt, die ich schon einmal an anderer Stelle gestellt habe.


    Offenbar (so lese ich dies zumindest aus dem Artikel heraus) befand sich der gefoulte Spieler in einer Abseitsposition.
    Das wirft erneut eine generell Frage bezüglich der Abseitsbewertung auf, die ich nochmals in Form einer Regelfrage stellen möchte.

    Zitat

    Der im Abseits befindliche Spieler versucht den Ball zu erreichen und wird durch Foulspiel daran gehindert. Da zum Zeitpunkt des Foulspiels noch unklar ist ob der Spieler auch in´s Spiel eingreift bleibt der Abseitspfiff zunächst aus.

    Um es auf diese Situation einmal anzuwenden, die ich folgendermaßen anpasse und vereinfache:


    Hypothese A:
    Bleibt das Foulspiel aus, kann der Stürmer den Ball vor dem herauslaufendem TW erreichen. Es entsteht eine strafbare Abseitsposition.
    Hypothese B:
    Durch das Foulspiel kann der Stürmer den Ball nicht mehr erreichen und er TW sichert diesen. Also Strafstoß? (Disziplinarstrafe lasse ich mal weg weil für die Diskussion unerheblich)


    Nun könnte ich wie folgt (Regeltechnisch) argumentieren:

    • Weil das Spiel nicht unterbrochen ist findet das Foulspiel vor dem eintreten der strafbaren Abseitsposition statt. Die strafbare Abseitsposition kann auch gar nicht mehr eintreten, da der TW den Ball sichert.
    • Da der Stürmer -aus sicht des Verteidigers- einen Versuch unternimmt den Ball zu erreichen wird aus dem Foulspiel, ein durch den Verteidiger "durch Foulspiel provozierter" Eingriff in das Spiel. Der Verteidiger muss schliesslich nicht wissen ob eine Abseitsposition vorliegt oder eine strafbare Abseitsposition eintreten könnte. (das habe ich mit dem Arbeitsbegriff schwebendes Abseits in meinem Beitrag beschrieben)
    • Gerade weil es den Verteidiger nichts angeht ob eine Abseitsposition strafbar ist oder werden könnte läuft für ihn das Spiel bis zur Unterbrechung durch den SR weiter. Somit wird so lange auch eine Unsportlichkeit mit einer Feldstrafe geahndet.

    Was denn nun?


    Dies bringt mich abschliessend zu meinem Hauptkritikpunkt am Videoschiedsrichter, die ich hier einmal anhand eines Beispiels exemplarisch plakativ und vor allem rein Rhetorisch darstellen möchte:

    Zitat

    Bei der Überprüfung von Videobildern stellt der Video-SR ein Foulspiel im Strafraum fest welches mit Strafstoß zu ahnden wäre - dies hat der "Feld"-SR offenbar nicht gesehen oder eben anders beurteilt.
    Gleichzeitig stellt der Video-SR aber bei Sichtung der Videobilder in der Entstehung dieser Strafraumsituation unmittelbar vorher weitere Regelverstöße fest, die ebenfalls vom Feld-SR falsch beurteilt wurden.
    Wenn ein einziger dieser Regelverstöße vorher geahndet worden wäre, wäre es überhaupt nicht zu dieser Strafraumsituation gekommen.

    Bezugnehmend auf dieses - wohlgemerkt absichtlich plakativ dargestellte - Beispiel stelle ich die Frage, welche Regelverstöße der Video-SR noch zeitlich und situativ berücksichtrigen soll und welche nicht.


    Mit der den Begriffen

    • unmittelbar oder
    • zur Entstehung der Situation zugehörig

    gebe ich mich hierbei nicht zufrieden, denn diese Begriffe sind sowohl zeitlich als auch situativ dehnbar.

  • Was mich stört: Habe ich es richtig verstanden, das es 3 Minuten gebraucht hat um diese Entscheidung zu finden?

    Kann ich dem Video nicht entnehmen. Zeitlicher Ablauf:


    27:50 Freistoß wird ausgeführt / Foul im Strafraum geschieht
    27:57 Spiel läuft noch weiter
    SCHNITT IM VIDEO
    29:27 Spiel ist offensichtlich unterbrochen, SR scheint via Headset zu kommunizieren
    29:35 SR wurde offensichtlich über Headset über den Sachverhalt benachrichtigt, signalisiert die besondere Unterbrechnung (pfeift, Handzeichen) und läuft an den Spielfeldrand
    29:50 SR ist angekommen und schaut in die Glotze
    30:03 SR läuft wieder aufs Feld und signalisiert Strafstoss


    Daher vermute ich, dass das Spiel bis ca. 29:27 nicht unterbrochen wurde, weshalb es erst zu diesem Zeitpunkt Gelegenheit gab, das Video zu prüfen. Es dauerte also nicht 2-3 Minuten, um zu entscheiden, sondern lediglich 13 Sekunden (oder von mir aus auch 36 Sekunden, wenn man die Kommunikation und das Rauslaufen mitrechnet).

  • @ Manfred
    @ Libero


    Kleine Rechen oder Interpretationsfehler? Nur um es Aufzuklären beziehe ichmich auf die Auswertungen von Libero


    • Foulspielsituation bei 27:50
    • Nach Video-Schnitt bei 29:27 ist das Spiel unterbrochen, wir wissen aber das das Spiel bei 27:57 noch lief.
    • Bei 29:35 gibt der SR erst das Signal der "besonderen Unterbrechung"

    Was also an Kommunikation oder auch nicht Kommunikation zwischen 27:50 und 29:35 passierte können wir nicht wirklich sagen.


    Fakt ist, das irgendwo zwischen 27:57 und 29:27 das Spiel unterbrochen wurde.

    • Entweder um 27:58 dann haben wir hier 1,5 Minuten irgendwelcher Kommunikation nicht mitbekommen
    • Oder erst um 29:26, dann lief das Spiel fast 1,5 Minuten weiter bevor das SR-Team letzten Endes reagierte.

    Im ersten Fall hat der Video-SR nach einer Unterbrechung fast 1,5 Minuten dafür gebraucht um den SR davon zu überzeugen sich mal die Videobilden anzusehen
    Im zweiten Fall lief das Spiel noch 1,5 Minuten weiter. Ein untragbarerer Zustand in diesem Fall.


    Die Wahrheit liegt vermutlich mal wieder irgendwo dazwischen.


    Was jedoch bleibt:
    Von der Strafstoßsituation bis zur Strafstoßentscheidung vergingen letzten Endes etwas über 2 Minuten.

    Der FC Bayern hat gegen ManU deutlich weniger Zeit benötigt um nach 1:0 Führung das Endspiel noch mit 2:1 zu verlieren.

  • Keine Angst, ich habe keinen Rechenfehler - mir ging es nur darum aufzuzeigen, dass selbst wenn es "nur" 13 Sekunden gewesen wären, dies in einem laufenden Spiel verdammt viel Zeit ist.

  • Daher vermute ich, dass das Spiel bis ca. 29:27 nicht unterbrochen wurde, weshalb es erst zu diesem Zeitpunkt Gelegenheit gab, das Video zu prüfen.

    Regeltechnisch auch gar nicht anders zu lösen. Man kann nicht noch auf Strafstoß entscheiden, wenn der Ball schon vorher mal aus dem Spiel war.
    Letzten Endes doch alles Gut. Es wurde am Ende die richtige Entscheidung getroffen.

  • Regeltechnisch auch gar nicht anders zu lösen. Man kann nicht noch auf Strafstoß entscheiden,[...]

    Da bin ich ja bei Dir.


    Aber will keiner sehen zu welchen Kuriositäten es kommen kann?


    Ja, momentan macht sich Begeisterung breit und im ersten Moment fand ich die Meldung auch ganz toll.
    Aber mit etwas Abstand und etwas Überlegung kamen mir dann doch Zweifel.


    Nehmen wir mal wirklich an, das das Spiel noch etwa 1 Minute bis zur nächsten Unterbrechung weiter gelaufen wäre und sich nach der Strafraumsituation wie folgt entwickelt hätte:


    Es kommt unmittelbar darauf zu einem Gegenangriff der Ball wird etwa 1 Minute ohne Unterbrechung hin und her gekickt und landet plötzlich im Tor (auf der anderen Seite).


    Erst jetzt haben wir die Möglichkeit genau diese die Strafstoßsituation überprüfen zu lassen. Na Toll.

    Soll jetzt wirklich auf "Kein Tor" und Strafstoß auf der anderen Seite entschieden werden? Genau dies wäre nämlich die logische Konsequenz.


    Manfred behauptet -richtiger Weise- das in solchen Situationen schon 13 Sekunden eine Ewigkeit sind....

  • Wie oft kann dieser Video-Assistent eigentlich in Anspruch genommen werden und wer veranlaßt dieses?



    Ich habe mir bei den olympischen Spielen mal das oder andere Feldhockeyspiel angeschaut. Dort wird ja schon seit Jahren mit dem Videoassistenten gearbeitet. Was mir dort besonders gefallen hat war:
    1. Nur der Spielführer -glaube ich zumindest- darf den Videoassistenten einfordern
    2. Bekommt er kein Recht, dann hat die Mannschaft für den Rest der Halbzeit keinen weiteren Anspruch mehr auf eine weitere Videoüberprüfung.
    3. Bekommt er Recht, darf die Mannschaft ein weiteres Mal den Videoassistenten anfordern.


    Vom Zeitpunkt der Spielunterbrechung bis zur Entscheidung durch den Videoschiedsrichter und Spielfortsetzung vergingen nicht selten zwei und mehr Minuten. Die Hockeyleute sind das wohl gewöhnt, für mich als Fußballer war das unerträglich lange.
    Und -auch der Videoassistent konnte nicht in jedem Fall den letzten Zweifel ausräumen.


    Ich habe große Bedenken, ob der Videoassistent der Weisheit letzter Schluß ist.

  • Ich habe große Bedenken, ob der Videoassistent der Weisheit letzter Schluß ist

    Ich ebenfalls, und von Tag zu Tag mehr.


    Seit etwa einem Jahr bereite ich mich auch auf die Prüfung als Football SR gemeinsam mit meinen Söhnen vor und habe daher auch in diese Szene reichlich Kontakt.
    (Die Saison ist von Mai bis September, passt also genau in die Fussball Sommerpause)


    Bemerkenswert dabei:
    Gerade American Football wird als Paradebeispiel für den Video-SR angeführt. Allerdings nur von denen, die so gut wie nichts mit diesem Sport zu tun haben, denn gerade von den Regelpäpsten des American Football wird immer wieder erklärt warum ein Video-SR nach dem Vorbild des American Football beim Fussball gerade nicht umsetzbar ist.


    Das Hauptargument sind übrigens nicht die vielen Spielunterbrechungen.

  • Naürlich ist das ein gutes Beispiel für eine Szene, bei der der VAR genutzt hat.


    Ich bin kein Gegner aber auch kein Befürworter der VAR. Ich stehe dem relativ neutral gegenüber, sofern es eine vernünftige und vor allem klare Regelung gibt, wann und in welchem Zeitraum der Videobeweis eingesetzt werden darf.


    Aber was mir bei der Elfmeterszene nicht gefällt, bzw. was auch in Zukunft immer wieder aufstoßen wird ist nicht unbedingt die lange Zeit zwischen Vorfall und Entscheidung, sondern die nicht vorhandene Transparenz für die Spieler.


    Denn man hat es ja hier gesehen, die Spieler wussten in dem Moment in dem Kassai auf den Punkt zeigt, überhaupt nicht mehr worum es ging.


    Und man stelle sich jetzt vor, es ist die 90. Minute, 0:0 und der SR zeigt auf den Punkt. Und du als Spieler weißt gar nicht was los ist und kannst es nicht glauben. Natürlich sagt dann der SR, ICH habe es eben gesehen. Du kannst es dir NACHHER ja gern im TV ansehen. Nur das ist sehr unbefriedigend in dem Moment für die Spieler und da kann ich dann auch nachvollziehen, wenn sich die Mannschaften ungerecht behandelt fühlen und dann durch sowas die komplette Stimmung kippt auf dem Feld.


    Das wäre halt etwas, was man vielleicht irgendwie überdenken muss. Dann müsste man wieder überlegen, ob man die entsprechenden Szenen nach der Entscheidung direkt einblendet, damit alle sehen worum es geht.



    Also man sieht, es gibt viele Punkte, die nicht ganz optimal sind, sei es die teils lange Zeitspanne zwischen Vorfall und Entscheidung, Unklarheiten, ob die Entscheidung durch den VAR auch noch NACH einer Spielfortsetzung geändert werden darf und einfach wie transparent man das ganze für Spieler und Zuschauer gestalten kann oder will. Und vor allem auch, bei welchen Entscheidungen der VAR eingreifen darf und bei welchen Entscheidungen eine womöglich falsche Entscheidung in Kauf genommen werden muss und wie weit zurück man in einer Szene gehen kann (z.B. SR gibt Einwurf für A obwohl eigentlich B den hätte bekommen müssen und daraus resultiert kurz darauf ein Strafstoß etc....)



    Es bleibt spannend ;)

    Dem Schiedsrichter zu widersprechen, das ist, wie wenn man in der Kirche aufsteht und eine Diskussion verlangt. (Dieter Hildebrandt)

  • Wie oft kann dieser Video-Assistent eigentlich in Anspruch genommen werden und wer veranlaßt dieses?


    Der Video-Assistent steht in Funkverbindung mit dem Schiedsrichter. Insofern können sich die beiden im Prinzip jederzeit austauschen und das Gespräch kann von beiden Seiten initiiert werden. Allerdings soll der Video-Assistent nur bei besonders wichtigen Situationen eingreifen. Die Entscheidung, ob der Schiedsrichter an den Spielfeldrand geht um die Szene selbst zu betrachten oder sich direkt auf das Urteil des Assistenten verlässt, liegt dann beim Schiedsrichter (möglicherweise wird es dazu dann Richtlinien geben).


    Eine Begrenzung, wie oft der Video-Assistent zu Rate gezogen wird, gibt es meines Wissens nach nicht - und wäre auch nicht wirklich sinnvoll.
    Die Mannschaften haben im Gegensatz zu anderen Sportarten kein Recht den Videobeweis einzufordern.


    Generell sollte man bei der Bewertung der heutigen Situation bedenken, dass es sich um eine Testphase handelt, so dass zum einen die Abläufe eventuell noch nicht reibungslos sind und zum anderen die FIFA (hoffentlich) Erkenntnisse sammelt, um das Verfahren noch zu optimieren.

  • so dass zum einen die Abläufe eventuell noch nicht reibungslos sind und zum anderen die FIFA (hoffentlich) Erkenntnisse sammelt, um das Verfahren noch zu optimieren.

    Das ist auch zwingend notwendig.


    Denn je häufiger ich mir die Szene aus dem Eingansthread ansehe, desto mehr Regelwidrigkeiten meine ich zu erkennen.

    • Inzwischen habe ich schon 3 Foulspiele an weissen Spielern im Strafraum erkennen können, wobei ich mir bei einem nicht ganz sicher bin ob es bereits im Strafraum ist.
    • 4 weisse Spieler (davon gehen 3 defnitiv zum Ball, einer Spielt sogar den Ball und einer verhindert, das ein schwarzer Spieler zum Ball gehen kann) stehen bei der Freistoßausführung m.E im Abseits. Könnte man vielleicht schon Abseits geben bevor die Strafstoßsituation kommt. Aber gut "Wait and see" war vom SRA hier richtig dennoch hätte die Abseitsbeurteilung bei der Videoanalyse eventuell zu einer anderen Entscheidung geführt.
    • Weiterhin meine ich (mindestens) weitere 2 Foulspiele durch weisse Spieler gesehen zu haben, die zeitlich vor den Foulspielen im Strafraum waren. Somit wäre zumindest hier der Strafstoß obsolet gewesen.

    Wenn man die wenigen Sekunden dieser Szene von der Freistoßausführung (Ball im Spiel) bis der Ball den Strafraum wieder verlässt mal genau unter die Lupe nimmt hat man Stoff für die nächsten vier Regelabende.


    Ja, das muss/kann man als SR in Originalgeschwindigkeit und Gedränge nicht alles sehen und wenn man es sieht muss man auch nicht jede kleine Regelwidrikeit (Rempler, Zupfen etc.) auch gleich pfeiffen.
    Die Herausforderung entsteht erst dann, wenn man eine Szene mit zig Zeitlupen, Standbildern und Vergrösserungsglas auseinandernimmt.


    In der vorletzten Saison hat unser damaliger Lehrwart eine 10 Minütige Videosequenz eines Bundesligaspiels gezeigt. Welches Spiel weis ich nicht mehr, jedenfalls spielten Rote gegen Weisse (es waren nicht die Bayern und auch nicht der HSV damit wir nicht durch die Lokalpatriotische Brille beeinflusst sind). Unsere Aufgabe war es nur, jeden möglichen Regelverstoß aufzuzeigen.
    Am Ende der Veranstaltung kamen wir -bei wirklich kleinlicher und konsequenter Regelanwendung- auf 82 Regelverstöße in 10 Minuten. Das sind im Schnitt alle 7,3 Sekunden ein Regelverstoß. Dabei waren diese 10 Spielminuten nur wenig spektakulär, völlig ohne Aufreger und das Spiel wurde durch den SR völlig souverän geleitet.


    Klar, keiner von uns hätte wohl die vielen Kleinigkeiten gepfiffen geschweige denn überhaupt alle gesehen. Erst recht nicht in Originalgeschwindigkeit auf dem Feld.
    Aber sobald wir uns über eine Spielentscheidende Szene per Videosequenz unterhalten wollen und diese für eine Spielentscheidende SR-Entscheidung herhalten soll, müssen wir uns auch über diese Kleinigkeiten unterhalten.


    Regelverstoß heist nämlich Regelverstoß weil gegen eine Spielregel verstoßen wird - und im Zweifel ist eine Grauzone dann je nach Brille eben nicht Grau, sondern Schwarz oder Weiss.


    Das bedeutet dann aber auch, nicht nur das -nicht geahndete- Foul im Strafraum unter die Lupe zu nehmen, sondern ebenfalls dessen Entstehungsgeschichte bei dem der Stürmer vielleicht nicht ganz Regelkonform zu Werke gegangen ist.


    Denkt mal d´rüber nach wozu das führen kann!

  • Und das sehe ich auch als ein Hauptargument gegen den Videobeweis. Er nimmt uns SR einen gewissen Ermessensspielraum. Bei gewissen Sachen im Strafraum pfeifen wir nicht, weil uns die plgen durchaus bewusst sind. Mit Videobeweis geht das wohl nicht mehr. Und ich versprech euch eins: Wenn der Videobeweis wirklich flächendeckend kommt, dann wird es oben viel mehr Platzverweise geben. Ob das alle wollen, glaube ich nicht.

  • Nehmen wir mal wirklich an, das das Spiel noch etwa 1 Minute bis zur nächsten Unterbrechung weiter gelaufen wäre und sich nach der Strafraumsituation wie folgt entwickelt hätte:


    Es kommt unmittelbar darauf zu einem Gegenangriff der Ball wird etwa 1 Minute ohne Unterbrechung hin und her gekickt und landet plötzlich im Tor (auf der anderen Seite).


    Erst jetzt haben wir die Möglichkeit genau diese die Strafstoßsituation überprüfen zu lassen. Na Toll.

    Soll jetzt wirklich auf "Kein Tor" und Strafstoß auf der anderen Seite entschieden werden? Genau dies wäre nämlich die logische Konsequenz.

    Ja. Natürlich.


    Erinnert sich noch jemand an die folgende Situation bei Neustrelitz-Neugersdorf (das Spiel, in dem der Schiri die Nerven verlor und einen Spieler umschubste):

    • SRA signalisiert Handspiel Angreifer Nähe Mittellinie per Fahnenzeichen
    • SR misinterpretiert das Zeichen als Foul Verteidiger und gibt Vorteil - Spiel läuft weiter
    • Im Zuge dessen kommt es zu einem Foul im Strafraum, SR entscheidet Strafstoß
    • SRA steht immer noch mit offener Fahne an der Mittellinie
    • Nach Klärung des SR mit SRA erfolgt Entscheidung: Freistoß Verteidiger (statt Strafstoß Angreifer)

    Kein Videobeweis, aber vom Ablauf her exakt das gleiche. Solange nicht klar ist, was passiert ist, läuft das Spiel erstmal weiter. In der nächsten Unterbrechung wird dann geklärt und enstsprechend entschieden.

  • Es gibt übrigens auch ein offizielles Dokument des IFABzu den Abläufen beim Videobeweis.


    Die Prinzipien:
    1. nur für klare Fehler und vom SR verpasste schwerwiegende Vorfälle in den Situationen: Tor, Strafstoß, direkte Rote Karte, Verwechslung
    2. endgültige Entscheidung bleibt beim SR
    3. Informationen vom Video-Assistenten werden wie Infos von den regulären Assistenten behandelt.
    4. Der SR muss immer zuerst eine Entscheidung fällen und darf diese nicht direkt an den Video-Assistenten abgeben.
    5. Für eine Änderung der Entscheidung muss diese klar falsch sein
    6. Nur der SR kann dafür sorgen, dass er ein Vorfall untersucht wird, die Video-Assistenten können dies nur empfehlen
    7. Genauigkeit ist wichtiger als Geschwindigkeit
    8. Der SR darf während des Prozesses von den Spielern nicht gestört oder beeinflusst werden. Das Fordern des Videobeweises per Geste gibt Gelb, ebenso wenn man sich dem SR nähert, wenn dieser die Bilder betrachtet
    9. Der SR soll während des Anschauens des Videomaterials "sichtbar" bleiben.
    10. Persönliche Strafen zwischen Vorfall und engültiger Entscheidung bleiben bestehen, außer Karten für "taktische Fouls" und Notbremsen.
    11. Es gibt eine maximale Zeitspanne um den Vorfall, der betrachtet werden kann.
    12. Der Prozess folgt den Prinzipen der Fußballregeln


    Prozessablauf:
    - Video-Assistent schaut Spiel am Bildschirm
    - er überprüft jede Situation, ob ein Eingreifen notwendig ist
    - wenn nicht, gibt es keine Kommunikation
    - wenn ja, wird der SR direkt informiert
    - auch der SR kann eine Überprüfung anfragen
    - der SR entscheidet, ob er sich die Szene selbst anschauen will oder sich auf das Urteil des Video-Assistenten verlässt
    - in beiden Fällen wird das Spiel (wenn nötig) unterbrochen, sobald der Ball in einer neutralen Zone ist
    - der SR muss das Nutzen des Videobeweises deutlich signalisieren
    - Für Tatsachen wie z.B. die Position eines Vergehens oder Abseits sollte der SR sich die Bilder nicht selbst ansehen
    - Video in Normalgeschwindigkeit oder Zeitlupe verfügbar; für die Intensität eines Fouls und die Absicht eines Handspiels sollte Normalgeschwindigkeit benutzt werden
    - die anderen Assistenten schauen sich die Bilder nur auf speziellen Wunsch des SRs an
    - Für Rote Karte (außer Notbremse) wird nur der Vorfall selbst betrachtet
    - Ansonsten kann der SR die Szene vom Beginn des Angriffs betrachten
    - am Ende trifft der SR die engültige Entscheidung, zeigt diese deutlich an und verhängt/streicht persönliche Strafen, wenn nötig

  • Kein Videobeweis, aber vom Ablauf her exakt das gleiche. Solange nicht klar ist, was passiert ist, läuft das Spiel erstmal weiter. In der nächsten Unterbrechung wird dann geklärt und enstsprechend entschieden.


    Das kann aber theoretisch dazu führen, dass das Spiel danach zuende ist.
    Nehmen wir an die Szene passiert in der 80 min. danach gibt es keine Unterbrechung mehr. (unwahrscheinlich aber nicht unmöglich)
    Soll dann nach dem Schlusspfiff noch ein Elfmeter gegeben werden?


    Und was ist mit den 10 minuten dazwischen, müssen die nochmal gespielt werden?

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Das kann aber theoretisch dazu führen, dass das Spiel danach zuende ist.
    Nehmen wir an die Szene passiert in der 80 min. danach gibt es keine Unterbrechung mehr. (unwahrscheinlich aber nicht unmöglich)

    Ja, vielleicht ist Dein Beispiel wirklich unwahrscheinlich, aber genau in dieser Übertreibung liegt die Veranschaulichung.


    Wobei ich hier nur die Provokante Frage wiederholen möchte, ob wir es wirklich wollen, das erst 2 Minuten (oder wieviel auch immer) nach einer Situation irgendeine Entscheidung getroffen wird weil bisher keine Unterbrechung war?


    Was dann vielleicht überhaupt nicht verstanden wird erklärt sich erst, wenn ich folgende Situation mal nur geringfügig umbaue und den Video SR einfüge.

    • SRA signalisiert Handspiel Angreifer Nähe Mittellinie per Fahnenzeichen
    • SR misinterpretiert das Zeichen als Foul Verteidiger und gibt Vorteil - Spiel läuft weiter
    • Im Zuge dessen kommt es zu einem Foul im Strafraum, SR entscheidet Strafstoß
    • SRA steht immer noch mit offener Fahne an der Mittellinie
    • Nach Klärung des SR mit SRA erfolgt Entscheidung: Freistoß Verteidiger (statt Strafstoß Angreifer)
    • Das Handspiel des Angreifers in der Nähe der Mittellinie wird nicht wahrgenommen es gibt also kein Fahnenzeichen.
    • Der SR sieht ein Foulspiel eines Verteidigers und entscheidet auf Vorteil
    • Es kommt zu einem Foulspiel im Strafraum welches ebenfalls vom SR-Team nicht wahrgenommen wird
    • Entfällt weil der SRA das Handspiel unter Punkt 1 nicht wahrgenommen hat
    • Entscheidung SR entfällt an dieser Stelle zunächst und kommt erst bei Punkt 7 zum Tragen
    • Der Ball wird aus dem Strafraum herausgeschlagen, es kommt zu einem Konter der mit einem Torerfolg gekrönt ist. Erst jetzt ist das Spiel erstmalig unterbrochen.
    • Der Video-SR Signalisiert dem SR die Unregelmäßigkeit im Punkt 3 der SR muss eine Entscheidung fällen.

    Obwohl der Video SR nun den Strafstoß als unregelmässigkeit anführt und zur Überprüfung dem SR gibt.....

    Es gibt übrigens auch ein offizielles Dokument des IFABzu den Abläufen beim Videobeweis.


    Die Prinzipien:


    1. nur für klare Fehler und vom SR verpasste schwerwiegende Vorfälle in den Situationen: Tor, Strafstoß, direkte Rote Karte, Verwechslung
    [...]

    ... müsste dennoch die Entscheidung auf Handspiel (Punkt 1) lauten


    Oder sehe ich da etwas falsch?


    Wenn wir dann aber schon bei der Überprüfung des Videomaterials sind müssten wir aber auch all das überprüfen was vor Punkt 1 so alles abgelaufen ist. Das wäre nämlich nur gerecht.


    Prinzipiell also alles was zwischen 2 Spielunterbrechungen passiert. Und genau so sind die Durchführungsbestimmungen einer Challenge im American Football.


    Übrigens: Was wir in den Übertragungen sehen ist allerdings meist nur die strittige Szene weil alle anderen möglichen Regelwidrigkeiten bereits vorher abgearbeitet wurden. (Stichwort Yellow-Flags z.B.)