Wie die Darstellung der Presse die Meinungsbildung beeinflusst

  • Ein Spiel, welches am 01.März 2015 wegen unbespielbarkeit des Platzes abgebrochen werden musste, wird noch heute rege diskutiert.


    Was mich dabei ärgert, ist die -teilweise meinungsvoruteilbildende- Berichterstattung in der Presse.
    Hier ein beispielgebender Artikel, der -aus Schiedsrichtersicht- noch harmlos ist. Link zum Artikel in "Fussifreunde.de"


    Dieses Bild wurde als Beispiel für die "Fehleinschätzung" des SR an die Presse gegeben.
    Es soll einen Ausschnitt an der Linie zeigen.
    Ich denke so sieht nahezu jeder Grantplatz in Deutschland nach einem kurzem Regenguss aus.


    [Blockierte Grafik: http://radiohamburg.fussifreunde.de/fotos/at/full/69c3fed5-db9e-4184-a486-9a97e782f086]


    Da mir sowohl SR als auch SRA´s persönlich bekannt sind und ich mit den SRA´s noch am Abend des Spiels persönlich über die Situation sprechen konnte hier einmal eine Situationsbeschreibung -quasi aus (fast) erster Hand.


    In den Tagen vor dem Spieltag hatten wir in Hamburg ganztägig Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und so war der Platz auch am Morgen dieses Tages tief gefroren. Allerdings setzte am Spieltag selber Tauwetter ein sodaß die Oberfläche des Platzes angetaut war, darunter jedoch noch hart gefroren.
    Der Platzwart gab dennoch den Platz frei, der Schiedsrichterhielt hielt den Platz -zu diesem Zeitpunkt- für bespielbar.


    Einsetzender Regen während der ersten Halbzeit sowie die spieltypische Benutzung des Platzes verschlechterten zusehends die Bedingungen.
    Der fortdauernde Regen verursachte grossflächige Wasserlachen, es bildeten sich während der 2. Halbzeit bereits Priele, da die Drainage entweder nicht richtig funktionierte oder durch den gefrorenen Boden das Wasser nur an der Oberfläche abfliessen konnte.


    Der SR und die SRA beschireiben die Verhältnisse zur 60.min folgendermassen (sinngemäss zitiert)

    • seifig matschige und extrem rutschige etwa 2-5cm tiefe Oberfläche auf gefrorenem Untergrund.
    • es bildeten sich überall auf dem Feld grossflächige Wasserlachen und Abflusspriele
    • die Ballbewegung ähnelte der "Wasserschlacht von Frankfurt" beim WM-Spiel Deutschland-Polen 1974


    In der Hoffnung auf Besserung der Platzverhältnisse unterbrach der SR das Spiel in der 60.min. Regelkonform brach der SR das Spiel nach einer Wartezeit von 30min ab, da sich die Platzverhältnisse eher noch verschlechterten.


    Zu erwähnen wäre noch, das der Platzwart den Platz nach dem Spielabbruch sperrte und alle folgenden Spiele wegen der Sperrung des Platzes ausfielen.


    Moderne Mobiltelefone mit Kamerafunktionen machen´s möglich!
    Geistesgegenwärtig machte das Gespann noch Fotos vom Platz nach dem Spielabbruch und fügten sie dem Spielbericht bei.
    Diese oder ähnliche Fotos habe ich in der Presseberichterstattung allerdings nie gesehen.


  • Offen gestanden finde ich die Medienberichterstattung gar nicht so schlecht. Sie lässt beide Mannschaften zu Wort kommen, relativiert auch Vorwürfe gegen den SR (von wegen er habe schon nach 15 Minuten abgebrochen) und stellt durchaus zutreffend die regeltechnischen Grundlagen für den Abbruch dar. Es fehlt auch nicht die Weigerung, die Mängel am Platz zu beheben, was man übrigens nicht nur mit "wegschieben" des Wassers erreichen kann (was angeblich die Löcher vergrößert), sondern ggf. auch mit ein paar Schippen rotem Sand zur Füllung des Loches. Unbestrittener Fakt ist, dass der Platz zumindest Mängel aufwies und der "Heimverein" keine Anstalten machte, diese zu beseitigen.


    Der Bericht stellt, aus meiner Sicht vollkommen zutreffend, die durchaus berechtigte Frage, ob verschiedene Abbrüche miteinander vergleichbar sind. Darüber kann man unterschiedlicher Auffassung sein und man erkennt im Bericht auch eine Tendenz, das halte ich aber durchaus für zulässig.


    Ich kenne eine Menge Hartplätze - übrigens auch den an der Kreuzkirche, nicht wahr tillongi - und weiß darum, dass da nicht ein Platz wie der andere ist. Die Regelanforderung an uns als SR ist, dass ein ordnungsgemäßes Spiel möglich sein muss und ich habe auch schon die ein oder andere Schlammschlacht gepfiffen, bei der ich auch einen Ausfall oder einen Abbruch hätte vertreten können, aber da beide Mannschaften vorher ausdrücklich betont hatten spielen zu wollen, nun, da sollte es an mir nicht scheitern, zwingend war der Ausfall/Abbruch nicht.


    Aus der Ferne verbietet sich ein Urteil, ob der Kollege hier richtig gehandelt hat oder nicht, es scheint aber so, als habe er sich etwas unglücklich verhalten.

  • Das Problem ist doch hier einzig der Neustart. Wenn es ab Abbruchszeitpunkt losgehen würde, mit 11 gegen 10, würde 95% der Meckereien sofort enden. So wollen die einen unbedingt weiterspielen, die anderen unbedingt den Abbruch. Die Mannschaft vorne hätte sich sicher mehr Mühe gegeben, wenn daraus kein sportlicher Vorteil entstehen würde.


    Die UEFA hats vorgemacht - warum nicht überall so?

  • Ja die Keuzkirche, da ich da schon vor JAhren selbst gespielt oder sogar trainiert habe kenne ich den Platz wie meine Westentasche.
    Ein Überraschungsei ist nichts gegen den Platz, mal unbespielbar und am nächsten Tag eine trockene Wüste.
    Es ist nicht der erste kuriose Spielabbruch oder Absage des Platzes, beim Spiel der ersten Herren ist das Spiel ausgefallen weil da angeblich Eiswürfel vom Abend zuvor aus den Wiskygläser gefallen sind und der Platz war gesperrt.
    http://www.hafo.de/hafosmf/index.php?topic=836.840
    ""der permafrostboden lasse kein reguläres spiel zu. heute nacht haben zwei betrunkene anhänger ihren whisky on the rocks über den platz geschüttet. die eiswürfel haben auf der außenbahn eisplatten entstehen lassen, die eine verletzungsgefahr darstellten", so die stellungnahme der beteiligten platzkommission, die aus dem urlaub (!) ihre einschätzung gab, und des schiedsrichters, der seine lange unterhose vergessen hatte."


    http://www.fussballhamburg.de/…!/anzeigen/news_8907.html


    Ich denke auf dem Platz ist alles möglich!

    Es gibt Leute, die denken Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist. (Bill Shankly)

  • Ich finde den Artikel jetzt gar nicht so beieinflussend.
    Ist doch relativ sachlich geschrieben.


    Allein nach dem Bild zu urteilen (also ohne die genauene Platzeigenschaften zu kennen) würde ich allerdings sagen, dass das bei uns niemand abgebrochen hätte.
    Wenn auf unserem alten Platz bei solchen Pfützen immer abgebrochen/nicht angepfiffen worden wäre, dann müssten wir heute noch Spiele von 2010 nachholen vermutlich ;)


    ABER ich finde es richtig, dass nicht weitergespielt wurde.
    Viel zu oft hab ich auch schon auf Hartplätzen gespielt, bei denen das ganze nichts mehr mit Fußball zu tun hatte.
    Entweder gab es Zentimeter dicken Schlamm oder Pfützen so tief, dass der Ball da drin geschwommen ist.


    Ich find's gut, dass ein SR hier mal sagt "So geht das nicht mit Fußball spielen".
    Wird aber eh Zeit, dass die Hartplätze verschwinden, ist irgendwie nicht mehr zeitgemäß ;)

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Allein der Pfützen wegen, hätte ich nicht abgebrochen. Aber da steht ja auch, dass der Platz 2-5 cm weich war und darunter gefroren. Jetzt sieht der Fall etwas anderst aus! Es ist nun eine Gefahr gegeben, bei der sich Spieler und u.U. auch die Schiris verletzen können.


    Wenn beide Mannschaften bei solchem Wetter spielen wollen, lässt man sich als SR gerne mal überreden, obwohl man vielleicht schon befürchtet, dass es so kommt.


    Was die Presse da schreibt, ist mir immer irgendwo vorbei gegangen!

    Alle sagten das geht nicht.




    Und dann kam einer und hat es gemacht.