Trotz erfolgtem Torabschluß Vorteil zurückgepfiffen und auf Strafstoß entschieden

  • Hallo zusammen,


    Ich habe am
    Wochenende eine Schiedsrichterentscheidung miterlebt, die zu sehr vielen
    Diskussionen bei uns im Kreis geführt hat.


    Folgendes hat sich
    ereingnet:


    Spieler A überläuft den Libero von Mannschaft B
    und dringt in den Strafraum ein. Torwart B stürmt aus seinem Tor und
    trifft Spieler A mit der Hand deutlich sichtbar am Fuß, spielt
    jedoch nicht den Ball. Spieler A kommt ins Straucheln, hält sich
    jedoch auf den Beinen und versucht weiterhin ein Tor zu erzielen. Da
    er durch dieses vom Torwart verursachte Straucheln den Ball erst zeitverzögert
    erreicht, ist der Winkel zum Torabschluß sehr spitz geworden und weiterhin hat
    Libero B es geschafft, sich am kurzen Pfosten auf der Torlinie zu platzieren, um den Torerfolg zu verhindern. Aus
    diesem spitzen Winkel kommt A zum Torabschluss, trifft jedoch nur den
    Aussenpfosten, von wo der Ball ins Toraus prallt. Der Schiedsrichter
    entscheidet nach Torabschluß nicht auf Abstoß, sondern auf Strafstoß für Mannschaft A und rote Karte für den
    Keeper von Team B. :rote_karte:


    Wie beurteilen Sie diese Situation, handelt es sich um eine Fehlentscheidung oder hat der Unparteiische die Situation regelkonform gelöst?


    Mit
    sportlichen Grüßen,


    KRZ

  • Vielen Dank für die schnellen Antworten.
    Spielt es denn eine Rolle, dass der Stürmer A noch zum Torabschluß gekommen ist?
    Ich meine in anderen Zusammenhängen gehört zu haben, dass bei erfolgtem Torabschluss ein Zurückpfeiffen eines Vorteils evtl nicht mehr möglich ist. Nach dem Motto: "Er hat doch seinen Vorteil gehabt, wenn er nicht trifft ist er selbst schuld." Dies war nämlich auch der Hauptkritikpunkt der Mannschaft B.

  • Nein, das spielt keine Rolle. Wenn der Torabschluss nicht mehr kontrolliert zu Stande kommen kann, dann ist der nachträgliche Pfiff korrekt.

    kontrolliert war der Abschluß ja schon, jedoch aus einer wesentlich schlechteren Position als es ohne das Eingreifen des Torwarts möglich gewesen wäre.
    Sorry das ich soviel nachfrage, möchte mich nur absichern, da sogar in den Spielberichten von einer "klaren Fehlentscheidung" zu lesen war. Ich würde den betreffenden Schiri gerne zur Seite springen. ;)

  • War er durch den Zusammenprall mit dem Torspieler noch weiter beeinflusst, als die schlechtere Position(Straucheln etc.)? Wenn ja würde ich pfeifen, wenn Nein, nicht, da er ja den Ball immer noch so hätte platzieren können, dass er reingeht, oder war das aus der Position nicht (wirklich) möglich? (Was ein Satz!)


    Bin für sachliche Kritik offen:



  • Ich denke hier ist es ganz deutlich beschrieben. Die Torchance wurde durch das Vergehen genommen.

    Gott sei Dank habt ihr Schiedsrichter, sonst müsstet ihr eure Fehler ja bei euch suchen !

  • "Er hat doch seinen Vorteil gehabt, wenn er nicht trifft ist er selbst schuld." Dies war nämlich auch der Hauptkritikpunkt der Mannschaft B.


    Sagen wir es mal so: Theoretisch vielleicht, praktisch aber auf keinen Fall. Der SR soll abwarten, ob ein Vorteil eintritt, sofern seiner Meining nach ein Vorteil eintreten könnte und nicht andere Umstände eine sofortige Spielunterbrechung erfordern. Diese Voraussetzungen waren hier gegeben und er hat laut Regelwerk einige Sekunden Zeit um abzuwarten, ob der mögliche Vorteil eintritt. In dem Moment, in dem er wahrnimmt, dass der Vorteil nicht eingetreten ist oder seiner Einschätzung nach nicht mehr eintreten wird, muss er das Spiel unterbrechen und entsprechend dem ursprünglichen Regelverstoß - hier also mit Strafstoß und :rote_karte: - entscheiden, es sei denn, die regeltechnische Frist "einige Sekunden" wäre schon überschritten. Wichtig ist dabei nicht der Moment des tatsächlichen Pfiffs, sondern der Moment der Wahrnehmung/Einschätzung des SR, dem auch eine angemessene Reaktionszeit (Denksekunde und auch einige Augenblicke, um die Pfeife in den Mund zu bekommen und kräftig zu pusten, denn der Pfiff muss überzeugend kommen) zuzugestehen ist. Was in dieser Zeit passiert, ist dann nicht mehr relevant - übrigens auch nicht, wenn der Ball dann noch ins Tor gehen sollte.


    Nach der Beschreibung muss sich der SR schon in dem Moment, in dem der Ball noch auf dem Weg zum Tor war, entschieden haben, dass hier kein Vorteil mehr eintreten wird. Die Entscheidungen waren daher vollkommen korrekt. Wäre der Ball doch noch ins Tor gegangen, hätte der Kollege sich auch sicher in seinen Allerwertesten gebissen, an den Folgen "Kein Tor, Strafstoß und Rote Karte" wäre dann aber nichts mehr zu ändern gewesen.


    Die Meinung von Mannschaft B wäre (nur) dann korrekt, wenn der Ball im Moment der SR-Entscheidung tatsächlich schon aus dem Spiel gewesen wäre - wohlgemerkt Entscheidung, nicht Pfiff, der kann, wie dargestellt, auch später kommen.

  • Abwarten ob ein Vorteil eintritt und Vorteil geben sind zwei verschiedene Dinge. Wenn ein Spieler frisch gefoult noch fair einen Torabschluss probiert soll ich ihn dafür schlechter stellen als den, der dann bereits die dritte Umdrehung am Boden vollzogen hat? Ich warte ab wie sich der Schuss entwickelt und entscheide erst dann auf Tor oder Strafstoß + Rot. Natürlich nur wenn die zeitliche Distanz von Foul und Schuss es hergibt.
    Dies gilt nur für Fälle des Schusses unter Foulwirkung - wenn der Spieler ungestört schießen kann kriegt er keine zwei Versuche, da pfeife ich gleich oder gebe bei einem klaren Vorteil (Frei-) oder fast sicheren Tor(Strafstoß) Vorteil, sonst Foul.

  • kontrolliert war der Abschluß ja schon, jedoch aus einer wesentlich schlechteren Position als es ohne das Eingreifen des Torwarts möglich gewesen wäre.
    Sorry das ich soviel nachfrage, möchte mich nur absichern, da sogar in den Spielberichten von einer "klaren Fehlentscheidung" zu lesen war. Ich würde den betreffenden Schiri gerne zur Seite springen. ;)

    Das finde ich sehr löblich von Dir :top:


    Die betroffene Mannschaft hat keinen Grund, den SR hier zu kritisieren. Letztendlich versucht er ja sogar, den Torhüter vor dem sicheren Feldverweis zu bewahren, falls der Stürmer es dennoch schafft, den Ball irgendwie ins Tor zu stolpern. Ansonsten kann ich mich Nummer4 nur anschließen.

  • Also ich sehe das generell so wie ihr, vielen dank für die Meinungen. Der Schiri hat besonnen reagiert und der Spieler sollte nicht dadurch benachteiligt werden, das er trotz klarem Foul versucht weiter zu laufen... Vielen Dank Männer! :thumbsup:

  • Also ich lese aus der Situation eine deutliche zeitliche Differenz zwischen Foul und Torabschluss und dass der Stürmer den Ball wieder voll unter Kontrolle hat und dann ist der Vorteil gegeben und man kann nicht mehr zurück. Hier vollen viele natürlich die Rote Karte verhindern aber dafür kann man keine gesonderte Vorteilsregelung schaffen.

  • Na dann hast du das rauslesen exklusiv. Ist doch eigentlich ziemlich deutlich geschildert, dass er deshalb nicht kontrolliert abschließen konnte.


    Und mit Vorteil hat das in diesem Moment auch nichts zu tun. Es geht hier um den verzögerten Pfiff. Dort ist keine Zeit vorgegeben, es muss nur in deutlichem zeitlichen Zusammenhang stehen und das tut es hier wohl deutlich.

    Gott sei Dank habt ihr Schiedsrichter, sonst müsstet ihr eure Fehler ja bei euch suchen !

  • Diese Stolpervorgänge dauern nicht lang genug damit man nicht nachpfeifen könnte. Ich denke jeder von uns (mit ein wenig Fußballerfahrung) hat solche vergleichbaren Szenen doch gesehen, das dauert vielleicht 2-3 Schritte, dann bleibt er entweder auf den Beinen oder fällt frei- oder unfreiwillig hin. Wobei das freiwillige Hinfallen für mich dann unter "zeigt ein Foul" fällt, nicht unter Simulation, außer er hatte sich schon wieder unter Kontrolle. (wie ein bekannter Italiener, http://www.youtube.com/watch?v=mCX9Q8e76nA )

  • Na dann hast du das rauslesen exklusiv. Ist doch eigentlich ziemlich deutlich geschildert, dass er deshalb nicht kontrolliert abschließen konnte.


    Und mit Vorteil hat das in diesem Moment auch nichts zu tun. Es geht hier um den verzögerten Pfiff. Dort ist keine Zeit vorgegeben, es muss nur in deutlichem zeitlichen Zusammenhang stehen und das tut es hier wohl deutlich.


    Also das er kontrolliert abschliessen konnte wurde doch in einem späteren Post explizit erwähnt da solltest du nochmal nachlesen. Der verzögerte Pfiff ist hier nicht möglich wenn er den Ball unbedrängt kontrolliert und ich seine Aktion zulasse.


    Und zum zeitlichen Zusammenhang muss man sehen dass zwischen Foul und Torabschluss der Verteidiger der vorher hinter dem Stürmer war es schafft sich am Pfosten zu positionieren.


    Der gute Schiedsrichter pfeift vor dem Torabschluss wenn er die verschlechterte Position erkennt.

  • Na dann hast du das rauslesen exklusiv. Ist doch eigentlich ziemlich deutlich geschildert, dass er deshalb nicht kontrolliert abschließen konnte.

    Ich befürchte auch, dass der SR hier einen kontrollierten Schuss zulässt (nach einem Straucheln wird der zeitverzögerte Schuss aus mittlerweile spitzem Winkel zugelassen). Der "Stolpervorgang" war abgeschlossen und die Wirkung des Fouls jetzt effektiv nur noch der spitze Winkel. Also kann es kein Vorteil mehr sein.

    Der gute Schiedsrichter pfeift vor dem Torabschluss wenn er die verschlechterte Position erkennt.

    Nach dem Wortlaut der Regel ist zwingend zu pfeifen. Deshalb auch der Grundsatz: Vorteil im Strafraum nur, wenn zu 100% ein Tor aus der Situation fällt. Hier hat der SR diesen Grundsatz verlassen und prompt Zirkus gehabt.