Beiträge von SixthSCTF

    Starke Analyse, Menferred. Besonders der Punkt mit der Verwarnung in der 5. Minute ist entscheidnd. Trainer sehen oft nur den 'Spielfluss', den sie durch den Pfiff gestört sehen. Wir Schiedsrichter sehen aber das Potenzial der Eskalaton, das du mit dieser Karte im Keim erstickt hast.


    Dass der Verlierer im Abstiegskampf dich lobt, sagt eigentlich alles: Du warst der Ruhepol in einem Spiel, das sonst v+llig entglitten wäre. Wer in der 89. Minute eine Rudelbildung im Keim erstickt und vorher die Ampelkarte konsequent zieht, hat das Handwerk der Spielleitung verstanden.


    Die Kritik des Gast-Trainers ist da eher ein 'Luxusproblem' eines Siegers, der den Kontext des Spiels aus seiner emotionalen Blase heraus nicht objektiv bewertn kann. Hast du das Gef+hl, dass deine frühe Karte in der 5. Minute die Spieler tatsächlcih 'erzogen' hat, oder war es eher ein Kampf gegen Windmühlen bis zum Schluss?

    Manfred erst mal Glückwunsch zum 4:2 – auch wenn der Trainer trotz Sieg Redebedarf hatte. Das ist ja das klassische Schiedsrichter-Schicksal: Was Trainer A als „zu kleinlich“ kritisiert, ist für Trainer B oft das notwendige Maß an Konsequenz.


    Dein „Deckel draufhalten“ ist im Grunde der Versuch, eine objektive Linie in ein hochemotionales Umfeld zu bringen. Am Ende des Tages ist die Sache simpel, und das sollten sich gerade die jüngeren Kollegen hinter die Löffel schreiben:

    Ein Foul ist ein Foul. Wenn du keinen Vorteil geben kannst oder die Mannschaft eben nicht sauber in Ballbesitz bleibt, musst du pfeifen. Sobald es über eine normale „Kreisklassenhakelei“ hinausgeht, haben wir die Pflicht einzugreifen. Wir können Fouls nicht ignorieren, nur um einem abstrakten Spielfluss-Ideal der Trainer zu folgen.


    Besonders spannend finde ich deinen Punkt mit dem Vorteil. Du nennst es bescheiden „Glück“, aber eigentlich war es die Hohe Kunst der Vorteilserkennung. Das Problem ist: Trainer, Spieler und Fans erkennen das oft gar nicht an. In dem Moment, in dem du den Vorteil laufen lässt, ignorieren sie das Foul und sehen nur den Spielfluss. Dass du da eine Sekundenentscheidung gegen deinen Reflex getroffen hast, sieht von außen keiner – aber genau das ist der Qualitätsunterschied bei einem erfahrenen Schiri.


    Ein Thema für die Analyse ist aber die Rudelbildung am Ende. Man muss hier aufpassen, nicht in einen Zirkelschluss zu verfallen: Kam es zur Eskalation, weil die Zündschnur der Spieler ohnehin kurz war, oder kochten die Emotionen erst hoch, weil die kleinliche Linie den Frustpegel über 90 Minuten angestaut hat? Ob das Rudel die Bestätigung für deine harte Linie war oder deren Konsequenz, kannst eigentlich nur du selbst beantworten oder ein Beobachter, der das Spiel mit dir im Detail seziert.


    Ich kenne dich ja und weiß, dass du deine Spiele ohnehin immer sehr genau und selbstkritisch analysierst – das ist genau die Eigenschaft, die einen wirklich guten Schiedsrichter ausmacht und die man sich als Anfänger abschauen sollte.

    Nur wer sich nach dem Abpfiff ehrlich fragt: „War das wirklich alles zwingender Pfiff oder hätte ich hier und da mehr atmen lassen können?“, entwickelt dieses nötige Fingerspitzengefühl. Lass dich vom Trainer-Gerede nicht beirren – man kann es bei so einer Dynamik nie beiden Seiten gleichzeitig recht machen.

    Bei aller liebe @Mark


    ich kann dieses weinerliche Gejammer über den ‚Regelungswahnsinn‘ und die ‚böse Bürokratie‘ beim besten Willen nicht mehr hören. Es ist die Standard-Ausrede für alle, die zu faul sind, ihr Gehirn einzuschalten, bevor sie Verantwortung für andere Menschen übernehmen.


    Machen wir es doch mal ganz simpel, damit es auch der letzte Hinterbänkler versteht: Ja, Deutschland ist überreguliert. Ja, wir haben für jeden Mist eine Verordnung. Aber wenn jemand sich entscheiden, ein Amt zu bekleiden – sei es als Vereinsvorstand, als Übungsleiter oder als Verantwortlicher der Gemeinde –, dann unterschreibt er damit keinen Freifahrtschein für betreutes Nichtstun.


    Verantwortung ist eine Holschuld, verdammt noch mal!


    Wer sich ‚Vorstand‘ auf die Visitenkarte druckt oder als Platzwart die Schlüsselgewalt über eine Sportanlage hat, der hat die verdammte Pflicht, sich schlau zu machen. Das ist kein optionales Freizeitvergnügen, bei dem man sich die Rosinen der Macht herauspickt und die lästigen Pflichten im Altpapier entsorgt. Man muss die Materie beherrschen, die man verantwortet. Punkt.


    Ich erwarte nicht von Karl-Heinz am Spielfeldrand, der nach der dritten Halben kaum noch die Abseitsregel von der Straßenverkehrsordnung unterscheiden kann, dass er die DIN EN 748 auswendig rezitiert. Der darf gerne ahnungslos bleiben, solange er seine Bratwurst unfallfrei verzehrt.


    Aber von denjenigen, die offiziell das Sagen haben, erwarte ich Professionalität. Es ist eine intellektuelle Bankrotterklärung, so zu tun, als kämen diese Sicherheitsvorschriften völlig überraschend wie ein plötzlicher Wintereinbruch im August.


    Und wenn ich dann als Schiedsrichter auf den Platz komme und feststelle, dass die Tore wandern wie Nomaden in der Wüste, dann will ich nichts von ‚Fingerspitzengefühl‘ hören. ‚Fingerspitzengefühl‘ ist der Euphemismus für ‚Lass uns mal ein Auge zudrücken, bis was passiert‘.


    Wenn der Schiri auf die Torsicherung hinweist, dann gibt es genau zwei angemessene Reaktionen: Strammstehen und Ausführen. Es gibt hier keinen Verhandlungsspielraum. Es gibt keine ‚gelbe Karte‘ für Sicherheit. Wer bei der Gesundheit von Kindern um Kompromisse bettelt, hat den Schuss nicht gehört.


    Entweder die Tore stehen fest, oder der Platz bleibt leer. Wer das als Schikane empfindet, sollte sein Amt niederlegen und Platz machen für Leute, die nicht nur die Ehre des Postens wollen, sondern auch die Eier haben, die damit verbundene Arbeit zu erledigen.“

    Wir wissen nicht, wie oft regelmäßig fahrlässig gehandelt wird und ein Tor glücklicherweise stehen bleibt,

    Der kalkulierte Kindstod: Warum mich die „Sportunfall“-Ausrede ankotzt

    Wisst Ihr, was mich in diesem Land wirklich zur Weißglut treibt? Es ist diese fatale deutsche Gemütlichkeit, die erst dann in betroffenes Schweigen umschlägt, wenn das Kind bereits im Brunnen liegt – oder in diesem Fall: unter hundert Kilo ungesichertem Aluminium begraben wurde.


    Immer wenn so etwas passiert, kommen sie aus ihren Löchern gekrochen, die Bedenkenträger und Achselzucker: ‚Ach, beim Sport passiert halt mal was. Wo gehobelt wird, da fallen Späne.‘

    Was für ein arroganter, verantwortungsloser Unsinn!

    Ein Kreuzbandriss beim Tackling? Das ist ein Sportunfall. Ein Ball an der Nase? Das ist Berufsrisiko. Aber ein umstürzendes Tor, das einen Jungen erschlägt? Das ist kein Unfall. Das ist unterlassene Hilfeleistung mit Ansage. Das ist das Resultat einer Kette von Ignoranz, die so lang ist wie die bayerische Landesgrenze.


    Ich sehe es doch jeden Samstag! Da stehen sie, die Mannschaftsverantwortlichen, und schauen demonstrativ in die andere Richtung, während die Auswechselspieler am hinteren Tor Klimmzüge machen. Da sind die Vereinsvorstände, die lieber dreitausend Euro für den neuen Kunstrasen-Dünger ausgeben, als fünfhundert Euro in vernünftige Kontergewichte zu investieren.

    Und ja, auch die lieben Schiedsrichterkollegen: Wenn ihr bei der Platzkontrolle nur kurz den Daumen hebt, weil ihr keinen Bock auf die Diskussion mit dem Heimverein habt, dann seid ihr Teil des Problems! Wer die Pfeife in den Mund nimmt, trägt die Verantwortung. Wer ein Spiel anpfeift, obwohl das Tor wackelt wie ein Lämmerschwanz bei Windstärke acht, der spielt russisches Roulette mit der Gesundheit von Kindern.


    Und was ist mit den Gemeinden? Mit den Platzwarten? Die verwalten ihre Anlagen oft mit einer bürokratischen Arroganz, die ihresgleichen sucht. Da wird penibel darauf geachtet, dass kein Unbefugter den Rasen betritt, aber ob die Tore nach der vorgeschriebenen DIN EN 748 gesichert sind? ‚Des passt scho, Schirii, reg dich net auf.‘


    Mich wundert es nicht, dass solche Tragödien passieren. Mich wundert es, dass sie bei dieser flächendeckenden Schlamperei nicht jeden verdammten Tag in der Zeitung stehen!


    Wir leben in einem Land, in dem man für eine falsch sortierte Biotonne standrechtlich erschossen wird, aber beim Schutz unserer Kinder auf dem Fußballplatz lassen wir die ‚Fünf gerade sein‘-Mentalität walten. Es ist zum Kotzen.

    Ich sage es euch klipp und klar: Wenn ich am Wochenende auf eurem Platz stehe und das Tor nicht bombenfest verankert ist, dann bleibt die Pfeife stumm- und das bereits seit meinem ersten Tag als Schiri.


    Und jemand dann jammert, dass der Spielbetrieb leidet? Dann ist mir das völlig egal - und das nicht zum ersten mal. Lieber ein ausgefallenes Spiel als eine Beerdigung.


    Werdet endlich wach, bevor der nächste Staatsanwalt den Spielberichtsbogen ausfüllt!“

    Diese Broschüre sehe ich zum ersten Mal

    Das ist traurig, aber als ich bei uns im Kreis auf diese Broschüre ende letzten Jahres hingewiesen war man auch sehr überrascht.

    Satt dies aber in einem Lehrbereich mit aufzunehmen (Thema, wie geht man mit dem Thema auf dem Platz um welche Eskalationsmittel wendet man an) gab es nur die übliche "Rundmail" mit dem Zusatz Bitte um Beachtung.

    Ich kenne diese Broschüre auch nur, weil ich bei einem Namhaften Torhersteller zu diesem Thema einen Halbtagslehrgang zum Thema Torsicherung hatte und seitdem auf einer Verteilerliste zu derartigen Themen stehe.

    Somit hatte ich diese Drucksache vom DFB seinerzeit quasi Druckfrisch vorliegen. Sonst hätte ich sie wahrscheinlich auch nicht.

    es gibt nur sehr wenige SR, die mit einem Federkraftmesser unterwegs sind

    Je nachdem wie man das jetzt Interpretiert ;)

    Meinst Du etwa, das nur wenige überhaupt die Torsicherung kontrollieren? ich denke ja, und da stimme ich Dir zu. Das Thema wird viel zu Stiefmütterlich gehandhabt.

    Zu diesem Thema eine Geschichte, die ich seinerzeit der Frankfurter Presse entnahm (Vielleicht kann das ja mal jemand raussuchen)

    Mit Frankfurter Bürokratie handelten hier zwei Behördenmitarbeiter richtig vorbildlich.:


    Man muss die hessische Seele einfach lieben, vor allem wenn sie in einem Frankfurter Amtszimmer Form annimmt. Stellt euch das vor: Da schickt man zwei brave Behördenmitarbeiter auf eine Fortbildung – vermutlich gab es belegte Brötchen und lauwarmen Kaffee –, und plötzlich dämmert den Herren zwischen zwei PowerPoint-Folien zur DIN EN 748, dass sie mit einem Bein im Gefängnis stehen, wenn auf dem lokalen Bolzplatz mal wieder die Schwerkraft über den Leichtsinn siegt.


    Was folgt, ist nicht etwa eine freundliche E-Mail an die Vereine. Nein, es folgt die deutsche Antwort auf Ocean’s Eleven: Eine Nacht-und-Nebel-Aktion der kommunalen Entsorgungslogistik

    .

    Während die Trainer noch von der Champions League träumten, rollte der städtische Bauhof wie eine Spezialeinheit über die Sportplätze und konfiszierte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Man stelle sich die Gesichter der Platzwarte am nächsten Morgen vor: Der Rasen ist da, die Linien sind frisch gekreidet, aber die Tore sind weg – einfach verdampft in der bürokratischen Selbsterhaltungswut.


    Zwei Wochen lang herrschte auf Frankfurts Plätzen wohl das sicherste Fußballspiel aller Zeiten: Tore schießen war physikalisch unmöglich. Ein Traum für jeden Defensiv-Fetischisten!


    Man kann über diese Beamten lachen, aber eines muss man ihnen lassen: Sie haben das deutsche Haftungsrecht verstanden. In einem Land, in dem man für eine fehlende Warnweste im Kofferraum strenger bestraft wird als für eine verpatzte Staatsreform, ist der Abtransport des Gefahrenherdes die einzig logische Konsequenz.

    Erst prüfen, dann spielen. Dass in der Zwischenzeit nur gegen imaginäre Pfosten geschossen wurde? Geschenkt. Hauptsache, das Protokoll stimmt.

    Ich überlege ernsthaft, ob ich diese beiden Herren nicht als meine persönlichen Berater anheuere. Wenn ich das nächste Mal dem Platzwart erkläre, dass seine Tore wackeln wie ein Wackelpudding bei Windstärke 8, drohe ich einfach mit der 'Frankfurter Lösung'. Ein Anruf, und der Bauhof regelt das.


    Sicher ist sicher, gell?“

    Zum Kippen brauchst du 1100Nm parallell verlaufend zum Boden, laut DIN EN 748

    Das ist fas richtig erinnert und den Prüfverlauf richtig beschrieben.

    1100Nm ist die Kraft, mit der die Kippsicherung an der Latte parallel verlaufend zum Bodengeprüft wird. Bei dieser Last darf da Tor nicht kippen. Aber das sind Details Interessant dabei, was die 100Nm als Kontergewichte bedeutet weil von den Verantwortlichen am Sonntag Vormittag auf dem Bolzplatz kaum einer, wenn ein Tor durch zwei halbvolle Alditüten voll Sand gesichert wird und dem Schiri gesagt wird "er möge sich nicht so anstellen und mal Fingerspitzengefühl zeigen".


    Dafür sind folgende Kontergewichte notwendig: https://spielt-einfach-fussbal…r/Torsicherung-DIN748.png


    Zwei Alditüten sind da kaum ausreichend, wenn man etwa acht Zementsäcke für ein 5m Tor benötigt


    Es gibt übrigens schon seit einigen Jahren eine umfassende Broschüre zu diesem Thema vom DFB

    Wir werden hier sicherlich kein Patentrezept diskutieren, mit Hilfe dessen ein Schiedsrichter die wichtigste Entscheidung „sicher“ treffen wird.

    Du hast da völlig recht,

    darüber hinaus ist eine jener Debatten, die so herrlich am Leben vorbeigehen, dass sie fast schon wieder Unterhaltungswert besitzen. Wer im Schiedsrichterwesen mit Prozentwerten hantiert – ob man sich nun zu 70, 80 oder 90 Prozent sicher sei –, erliegt einem rührenden statistischen Aberglauben.


    Sicherlich: Wer über tausend Spiele auf dem Buckel hat, mag im Rückblick über die Quote seiner Fehlentscheidungen sinnieren. Das ist das Gesetz der großen Zahl, eine nette Spielerei für den Stammtisch nach dem Abpfiff.


    Doch für den Mann auf dem Platz, der mit einem Puls von 180 nach einem 60-Meter-Sprint entscheiden muss, ist diese Prozent-Arithmetik völlig wertlos. Es gibt in der Realität des Strafraums keine Wahrscheinlichkeitsrechnung, sondern nur Tatsachen.

    Eine Entscheidung ist wie eine Schwangerschaft: Ein „bisschen“ gibt es nicht. Entweder es war ein Treffer oder es war keiner. Wer glaubt, eine Tatsachenentscheidung ließe sich in weichen Wahrscheinlichkeiten auflösen, hat das Spiel – und das Leben – nicht verstanden.

    Betreff: Ein kleiner Exkurs in die Welt der Realität für KozKalanndok


    Mein lieber KozKalanndok,

    manchmal habe ich das Gefühl, man müsste in Internetforen vor dem Absenden eine kleine Warnleuchte installieren: „Achtung, Sie verlassen gerade den Boden der Tatsachen und betreten das Reich der gefühlten Gerechtigkeit.“ Da ich aber ein Freund des betreuten Denkens für Fortgeschrittene bin, helfe ich gerne noch einmal aus – auch wenn Lesen und Verstehen heutzutage ja fast schon als subversive Akte gelten.


    Punkt eins: Die feine Kunst der Anführungszeichen. Wenn ich vom „lebenslangen Ausschluss“ schreibe, dann ist das – für die ganz Genauen unter uns – ein stilistisches Hilfsmittel. Ich nenne es: Die Abbildung einer Forderung, die hier mit einer Inbrunst vorgetragen wird, als ginge es um die Exkommunikation im Mittelalter. Dass man die rhetorische Zuspitzung heute extra deklarieren muss, damit sie nicht als juristischer Antrag missverstanden wird, sagt eigentlich schon alles über den Zustand unserer Debattenkultur aus.


    Punkt zwei: Die Realität ist leider kein Wunschkonzert. Die von mir skizzierten „drei Säulen der gerichtlichen Korrektur“ – Monopolstellung, Grundrechte, Verhältnismäßigkeit – sind keine Erfindungen meinerseits, um dir den Tag zu vermiesen. Es ist schlicht das, was wir „geltendes Recht“ nennen. Ich verstehe ja, dass die Sehnsucht nach dem totalen Bannstrahl groß ist, wenn der Puls im Stadion steigt. Aber falls dir die Gewaltenteilung in diesem Land missfällt: Der Weg zum Jurastudium steht jedem offen. Einmal durchs Staatsexamen, rauf auf den Richterstuhl am Zivilgericht, und dann darfst du die Rechtsgeschichte gerne im Alleingang umschreiben. Bis dahin müssen wir uns leider mit dem begnügen, was das BGB hergibt.


    Der kleine Hamburg-Bonus: Nur so am Rande: Diese Zusammenhänge hat mir nicht etwa mein Friseur beim Schneiden der Spitzen erläutert, sondern ein Zivilrichter am Amtsgericht Hamburg der ein Arbeitskollege meiner Frau, ebenso Schirikollege ist und zu den fleissigen "stillen Mitlesern" des Forums gehört. Also jemand der den "Verbandschimmel" seit gefühlten Ewigkeiten kennt und der beruflich auch mit jener Sorte von Urteilen zu tun hat, die regelmäßig das korrigieren, was Übereifer in den Verbandsstuben so anrichten.


    Wer jetzt noch Zweifel hegt, dem lege ich wärmstens den Spoiler ans Herz. Wer weiß, vielleicht dämmert es ja doch noch.


    Ansonsten gilt weiterhin die Einladung an die geschätzte Runde: Wer konkrete Fälle kennt, in denen Zivilgerichte die „ewige Verdammnis“ im Amateurfußball mit welcher blumigen Begründung auch immer einkassiert haben – her damit. Ein bisschen Bildung hat schließlich noch keinem Forum geschadet. Sogar KozKalanndok nicht.

    Mit den besten Grüßen aus der Wirklichkeit,

    [...]wenn ich aus meinem Spielbetrieb jemanden ausschließe, weil er gegenüber anderen Mitgliedern des Spielbetriebs Straftaten verübt hat, dann finde ich es gar nicht diskriminierend, dass eine solche Person ihre charkterliche Eignung nachweisen muss, [...]

    So oft wir das hier schon diskutiert haben - in Einzelfällen sogar den "Lebenslangen Ausschluss"

    Und so oft wir uns schon darüber einig waren, das dies so durchgesetzt werden sollte.

    Das Monopol der Teilhabe: Warum lebenslange Sperren rechtlich ins Leere laufen


    Die Debatte um den lebenslangen Ausschluss bei schwerwiegenden Verfehlungen kehrt mit verlässlicher Regelmäßigkeit zurück. In der Theorie herrscht Einigkeit: Wer die Grundregeln des sportlichen Miteinanders fundamental verletzt, hat sein Recht auf Teilhabe verwirkt. Doch in der Praxis offenbart sich hier ein grundlegendes Spannungsfeld zwischen der Autonomie der Verbände und der staatlichen Rechtsprechung.

    Es ist eine nüchterne juristische Realität, dass Verbandsgerichte zwar drakonische Strafen aussprechen, diese vor ordentlichen Gerichten jedoch selten Bestand haben. Das Problem ist struktureller Natur:

    • Die Monopolstellung: Sportverbände wie der DFB agieren nicht als rein private Clubs, sondern als Monopolisten. Wer dort ausgeschlossen wird, kann seinen Sport faktisch nirgendwo anders organisiert ausüben.
    • Das Übermaßverbot: Die Rechtsprechung sieht im lebenslangen Ausschluss oft einen unverhältnismäßigen Eingriff in die allgemeine Handlungsfreiheit. Ein dauerhafter Entzug der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – und als solcher wird der organisierte Fußball gewertet – wiegt schwerer als das Disziplinarinteresse des Verbandes.
    • Die zivilrechtliche Schranke: Sobald ein Hobby den Charakter einer wesentlichen gesellschaftlichen Betätigung annimmt, unterliegt der Ausschluss einer strengen Inhaltskontrolle durch staatliche Gerichte.

    Man könnte sagen: Die Verbände besitzen zwar die moralische Deutungshoheit über ihr Regelwerk, aber nicht die absolute Macht über die Biografie ihrer Mitglieder. Die Gerichte kassieren diese Urteile nicht aus Sympathie für die Täter, sondern zum Schutz des Individuums vor der Allmacht eines Monopolisten. Es wäre in der Tat aufschlussreich, die entsprechenden Präzedenzfälle zur „Unverhältnismäßigkeit von Dauersperren im Amateursport“ noch einmal präzise zu exzerpieren.

    Kann irgendjemand mal die Fallbeispiele über die wir uns seinerzeit aufgeregt haben heraussuchen? Ich habe auf die Schnelle nur was allgemeines gefunden:


    Tante Edith: Nachtrag im Spoiler


    Handelt es sich durch die Ballkontrolle des Torwartes, [...] tatsächlich um eine neue Spielsituation? Dann wäre der Rest meiner Überlegungen entbehrlich.

    Die fabelhafte Welt der Ballkontrolle: Warum du Dir das das Grübeln sparen kannst

    Man neigt ja im deutschen Regelwesen dazu, aus einer Mücke einen mittelschweren philosophischen Elefanten zu machen. Doch im Gehäuse des Torwarts liegt die Wahrheit meistens simpler, als es die dialektische Abseitsdebatte vermuten lässt.

    Halten wir es kurz: Sobald der Keeper die Hand am Leder hat und den Ball "einklemmt", ist die Messe gelesen. Er hat dann exakt zwei Möglichkeiten:

    1. Er spielt den Ball mit der Souveränität eines Weltmeisters kontrolliert ab.
    2. Er vermurkst den Abwurf so grandios, wie es sonst nur die Berliner Verwaltung bei Großprojekten tut.

    Eines bleibt jedoch in beiden Fällen gleich: Eine vorherige Abseitsposition ist damit Geschichte (weil Ballkontrolle des Gegners vorliegt). Jegliche intellektuelle Akrobatik Deinerseits über den Tatbestand des „Eingreifens“ ist hier also schlicht entbehrlich. Warum? Weil man einen Torwart mit Ballkontrolle ohnehin nicht attackieren darf – das gebietet schon der sportliche Anstand (und das Regelwerk).


    Der einzige Haken an der Sache: Mit der Kontrolle beginnt die Uhr zu ticken. Ab jetzt laufen die 8 Sekunden.

    Als Schiedsrichtermusst Du also nicht die Intention des Keepers deuten oder seine motorischen Fähigkeiten bewerten. Du must lediglich feststellen: Hatte er die Kontrolle? Wenn ja, ist die Abseitsfrage erledigt und die Zeit läuft. Den Rest überlassen wir den Sportreportern.

    Die gelbe Karte als Urlaubsantrag: Warum wir den moralischen Zeigefinger stecken lassen sollten

    Man muss die Aufregung im deutschen Fußball-Feuilleton ja fast schon bewundern. Da holt sich Joshua Kimmich – unser aller Musterknabe des gepflegten Mittelfeld-Geplänkels – die fünfte Gelbe Karte ab, und die Republik diskutiert, als hätte er gerade das Grundgesetz geschreddert.

    Der Vorwurf wiegt schwer: Strategisches Foulspiel! Kalkulierte Sperre! Eine Frechheit, finden die Tugendwächter in den Sportredaktionen. Ich finde: Es ist eine der letzten Bastionen der praktischen Vernunft.


    Die weiße Weste des Profis

    Alle Jahre wieder – es ist ein bizarres Ritual – entdecken wir schockiert, dass Profisportler rechnen können. Dass man die Zwangspause lieber gegen einen schlagbaren Gegner absitzt, um danach mit „weißer Weste“ in die entscheidenden Partien zu gehen, gilt in Kreisen, in denen man „Fairplay“ für eine Naturkonstante hält, bereits als moralischer Sittenverfall.

    Dabei ist das Phänomen so alt wie die Regel selbst. Kimmich ist ja nur deshalb das Gesicht der Debatte, weil er im hellen Scheinwerferlicht der Allianz Arena steht. Würden wir den Blick ein wenig senken, dorthin, wo der Fußball noch ehrlich und der Rasen ungemäht ist, sähen wir die nackte Wahrheit.


    Mallorca ist nur einmal im Jahr

    In der Kreisklasse gehört das taktische Gelb zum guten Ton wie das Kaltgetränk nach dem Abpfiff. Ich habe es selbst erlebt: Da wird in der Halbzeitpause kurz überschlagen, ob man gegen den Tabellenletzten wirklich auf dem Platz stehen muss, wenn zeitgleich der Billigflieger nach Palma abhebt. „Ich hol mir kurz vor Schluss noch Gelb, bin nächste Woche eh auf Malle“ – das ist kein Skandal, das ist effiziente Freizeitgestaltung.


    Die Sehnsucht nach dem Überwachungsstaat

    Was ist nun die Konsequenz der Empörten? Natürlich der Ruf nach dem Schiedsrichter als Ersatz-Ethikrat. Man will den Unparteiischen nun auch noch aufbürden, die Absicht hinter einem Foul zu bewerten. Als ob die armen Kerle nicht schon genug damit zu tun hätten, im VAR-Chaos ihre Würde zu bewahren.

    Es ist die typisch deutsche Krankheit: Wo immer eine Regel existiert, suchen wir nach Wegen, sie bis zur Grenze auszureizen – und sofort danach rufen wir nach einer neuen Regel, um genau das zu verhindern. Wir schießen hier mit Kanonen auf Spatzen. Angesichts der tausenden Spiele, die jedes Wochenende klaglos über die Bühne gehen, ist die „freiwillige Enthaltsamkeit“ einiger weniger Strategen statistisches Rauschen.

    Lassen wir den Spielern doch ihre kleinen Fluchten. Wer in einer Welt der totalen Optimierung noch die Chuzpe besitzt, sich für einen freien Samstag eine Verwarnung abzuholen, der hat eigentlich keinen Platzverweis verdient, sondern ein Glas Champagner.

    So gut und so richtig die Beiträge von TimBalsiger und Manfred auch sind, es muß darauf geachtet werden, daß sich hier nicht eine neue "gefühlte" Regel durchsetzt.


    Dazu mein durchaus ernst gemeinter Kommentar, den man immer in seine Überlegung mit einbeziehen sollte.

    Die neue Regelkunde: Einmal Grätschen ist Menschenrecht

    Man muss die psychologische Raffinesse des modernen Amateursportlers bewundern. In den Köpfen unserer Freizeit-Athleten hat sich eine Rechtsauffassung festgesetzt, die man sonst nur aus dem Berliner Mietrecht oder den Sitzungen des grünen Bundesvorstands kennt: Das Recht auf den ersten Straffreien Fehltritt.


    Es ist das Dogma vom „einen Schuss frei“. Sobald der Schiedsrichter die Gelbe Karte zückt, folgt der obligatorische Blick tiefster moralischer Kränkung, garniert mit dem Satz: „Schiri, das war doch erst mein erstes Foul!“


    Was wir hier sehen, ist die totale Infantilisierung des Spielfelds. Die Ermahnung wird nicht mehr als großzügige Geste eines souveränen Spielleiters verstanden, sondern als einklagbarer Rechtsanspruch auf eine Gratis-Unverschämtheit. Man möchte fast fragen, ob der Spieler demnächst eine schriftliche Begründung in dreifacher Ausfertigung verlangt, warum seine Grätsche auf Knöchelhöhe nicht mehr unter die Rubrik „pädagogisches Erstgespräch“ fällt.


    Natürlich faseln wir alle gerne vom „ausgewogenen Maß“. Das klingt nach Mäßigung, nach Vernunft, nach alter Schule. Aber seien wir ehrlich: In einer Zeit, in der jeder zweite Innenverteidiger seine Regelkenntnis aus YouTube-Tutorials und dem Beschwerdemanagement von Amazon bezieht, braucht der Schiedsrichter weniger „Fingerspitzengefühl“ und mehr die kühle Entschlossenheit eines preußischen Rechnungsprüfers.


    Erfahrung ist eben das, was man hat, kurz nachdem man sie gebraucht hätte. Oder wie ich es halte: Wer einmal ordentlich durchgreift, spart sich das lange Diskutieren mit Leuten, die „Fairplay“ für eine Option in den Datenschutzeinstellungen halten.

    Die Stoppuhr-Phantasien der Fußball-Bürokratie


    Ich ahne natürlich, woher der Wind weht, wenn wir über den ominösen „Zeitnehmer“ im Fußball sprechen. Und um die Schnappatmung der üblichen Verdächtigen gleich zu unterbinden: Ja,@ Manfred, ich schaue in Deine Richtung. Du bist ja bekanntermaßen der Lord Siegelbewahrer derer, die den Schiedsrichter bloß nicht mit der profanen Aufgabe des Zeitstoppens behelligen wollen. Den Unparteiischen auch noch zum Buchhalter der Nettospielzeit zu degradieren? Ein herrlicher Einfall, wenn man das Spiel unbedingt gegen die Wand fahren will. Und ja @ Manfred ich bin das voll auf Deiner Seite.

    Das Luxusproblem der Eliten

    Hier beginnt das, was man in den klimatisierten VIP-Logen wohl für „Fortschritt“ hält. In den Profiligen, wo sich neben dem Schiedsrichter und seinen zwei Assistenten noch ein vierter Offizieller, zwei Torrichter (die architektonische Meisterleistung der Nutzlosigkeit) sowie ein VAR samt Gehilfen die Klinke in die Hand geben, wäre die Nettospielzeit ein Kinderspiel. Man drückt die Stoppuhr einfach einem der vielen „Unterbeschäftigten“ aufs Auge, die ohnehin nur das Protokoll verzieren.

    Willkommen in der Realität: Die Betonliga

    Doch hier kommt der Haken, den die Herren in den Verbandszentralen gerne übersehen: Ein Regelwerk muss nicht nur im gleißenden Flutlicht der Allianz Arena funktionieren, sondern – wie der geschätzte Kollege @amfa völlig richtig anmerkt – auch am Sonntagmorgen um zehn Uhr in der Kreisklasse C, kurz bevor die Welt überhaupt richtig wach ist.

    Eigentlich müsste man sagen: Vor allem dort. Denn dort, in der sogenannten „Betonliga“, findet das echte Leben statt. Das sind die gefühlten 99,9 Prozent des Weltfußballs, weit weg von Schampus und HD-Kameras.

    Wer soll das bezahlen?

    Die Umsetzung solcher Schnapsideen bleibt natürlich, wie immer im föderalen Deutschland, an den unteren Verbänden hängen. Es ist ja so herrlich einfach, auf dem Papier einen offiziellen Zeitnehmer für jedes Spiel zu fordern. Aber bleiben wir mal kurz bei der Realität:

    • Die Qualifikation: Was muss der Mann können? Reicht es, unfallfrei eine Uhr zu bedienen, oder brauchen wir dafür demnächst ein Zertifikat der UEFA-Akademie? So lächerlich es vielleicht klingt, denkt mal nach so einfach lässt sich diese Frage nämlich gar nicht beantworten. (Anmerkung, im American Football ist der Zeitnehmer ein Ausgebildeter Schiedsrichter -benötigt Ausbildung zum Backjudge- auf dem Feld mit einer Zeitnehmerqualifiketion)
    • Die Verfügbarkeit: Woher nehmen wir diese neutrale Person, wenn wir schon froh sind, wenn überhaupt elf Mann pro Team erscheinen geschweige denn einen Schiedsrichter zu finden?
    • Der schnöde Mammon: Wer bezahlt den Spaß?

    Für die Vereine der Betonligen ist das ein weiterer Griff in die ohnehin klamme Kriegskasse. Und wenn wir mal ganz groß denken: Wie stellen sich die Reform-Eiferer das eigentlich in den sogenannten "Fußball-Entwicklungsländern" vor? Dort, wo ein ebener Platz mit zwei halbwegs geraden Pfosten schon als infrastrukturelles Weltwunder gilt, wird man auf die Nachricht, dass man nun auch noch einen Zeitnehmer mit geeichter Stoppuhr benötigt, sicher nur mit einem müden Lächeln reagieren.

    @ Manfred


    Wenn ich das was Du erklärst mal in den chronologischen Kontext setze:

    1. Foul von Rot wäre an dieser Stelle dF und Rot wegen DOGSO
    2. SR lässt aber Vorteil laufen weil er erkennt das der Ball in´s Tor rollt
    3. Die Foulspielsituation von Blau ist dreigeteilt:
      • Wenn Blau nicht foult erreicht Rot den Ball und kann wegschlagen, Ergebnis dF bei (1) und FaD
      • Wenn Blau nicht foult und Rot erreicht den Ball nicht, bzw. kann den Torerfolg nicht verhindern. Ergebnis: Tor/Anstoß kein DOGSO
      • Blau foult Rot. Damit verhindert Blau die eigene Vorteilssituation durch Foulspiel. Ergebnis: Kein Vorteil, daher Entscheidung wie bei (1), Foul von Blau bleibt unberücksichtigt, weil es zeitlich deutlich nach dem Foulspiel von Rot passiert.
    4. Das der Ball dennoch ins Tor rollt ist irrelevant, weil Vorteil durch Foulspiel Blau aufgehoben und wenn das Foulspüiel von Rot nicht gewesen wäre hätte der SR hier auf dF Rot entscheiden müssen , Ergebnis DOGSO mit dF bei (1)


    Hab ich das so richtig verstanden?

    Auf folgende Szene (Videosequenz auf Youtube Shorts) des internationalen Fussballs bin ich heute gestoßen, ist vielleicht schon etwas länger her, aber beim Versuch mir die Szene und die SR Entscheidung zu erklären scheiter ich immer wieder.

    Ver kann das ganze mal aufdröseln und zwar mit Regelbegründung für jede einzelne Detailsituation.

    Zusammenfassung:

    Ball wird aus der eigenen Hälfte (als Steilpass oder Torschuss so genau kann man das zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen) gespielt. Der TW von Rot befindet sich am gegnerischem Strafraum und kann nicht mehr eingreifen

    1. Wenn es kein Foul (durch Rot) gibt, dann erreicht der Blaue den Ball und kann ins leere Tor einschieben. Damit wäre das Foul vom Roten ein DOGSO vergehen.
    2. Da der Rote den Blauen festhält kann dieser den Ball nicht mehr vor dem Roten erreichen. Der Rote würde aber den Ball erreichen und könnte den Ball wegschlagen. Immer noch DOGSO vergehen
    3. Jetzt verhindert der Blaue durch Foulspiel, das der Rote an den Ball kommt. Ohne Vorgeschichte wäre der Fall einfach, Foulspiel durch Blau und dF für Rot. Wenn da nicht Punkt 4 wäre
    4. Der Ball rollt ungehindert und ohne Eingreifen ins Tor. Tor wird aber nicht gegeben und es gibt FaD für Rot

    Spielfortsetzung (vermutlich da in der Videosequenz nicht sichtbar) dF für Rot

    Fühlt sich irgendwie falsch an, wer kann das mal aufklären?

    Die 8-Sekunden-Regel hat sich bei den Torhütern geräuscharm sehr gut durchgesetzt, das Zeitspiel beim Abschlag hat sich ziemlich erledigt, ohne großes Tam Tam

    Sehe ich genau so. Lediglich wenn der Ersatz-TW des 2. Ersatz-TW einspringen muss, der sonst nie TW spielt kommt es noch vor das man die 8sec Regel pfieffen muss.

    Ach und die 8 Sekunden Regel für Abstöße und Einwürfe finde ich prinzipiell auch OK. Aber funktioniert halt nur wirklich in den Profiligen. Das war ja mein Einwand.

    Ich befürchte halt, dass genau diese Konkretisierung fehlen wird.

    8 sec Regel für diese Spielfortsetzungen finde ich ebenfalls gut. Konkretisierung muss hier sein, das "sobald Spielfortsetzung Ausführbar". Also sobald Ball bei Eckstoß/ Abstoß liegt und sobald Einwerfer den Ball am Einwurfort Werfen kann. Dann ist das auch in den Nicht-Profi-Ligen umsetzbar. Damit entfallen die "Stutzen-hochzieh- und Ballabwischen-Rituale" die man sooft sieht.


    das ein Spieler bei Behandlung auf dem Feld eine Mindestzeit draußen bleiben muss gefällt mir auch nicht

    Ich finde das gut. Dadurch entfällt die "Wundersame Schnellheilung" oder das "theatralische Bodenwälz-Zeitschinden". Schließlich soll dem Team ja auch die Zeit gegeben werden den verletzten Spieler zu behandeln :ironie: . Wie oft bin ich mir sicher, das die gesehene Situation nicht zum "vorgetäuschtem Schmerzbild" passt. Ich wundere mich oft, warum sich das rechte Knie gehalten wird obwohl für mich klar ersichtlich der linke Knöchel getroffen wurde (Beispiel).

    Oder vielleicht...


    Treffer am Arm aber das Gesicht halten als wäre man da getroffen worden.


    Aber dieses Zitat von amfa trifft es besonders:


    Aber wie in den letzten Jahren immer im Prinzip fast nur Regeln für den Top Profibereich.

    Der Fußball wird getragen durch den Breiten und Amateursport mit hunderttausenden Spielen jedes Wochenende Weltweit. Ich muss zunehmend feststellen das viele Regeln in ihrer geforderten Detzailtreue weder für den Solo-Schiri noch für das Amateur Gespann so umsetzbar sind wie sie der Regelgeber in den Profiligen angewendet haben möchte.

    Die Illusion des Fortschritts am Reißbrett (Abseitsdiskussion hört nicht auf)


    Man muss den Optimismus der Regelhüter beinahe bewundern. Da wird uns nun also die Revolution des Abseits als der Weisheit letzter Schluss verkauft – eine Idee, die am grünen Tisch der Funktionäre zweifellos von bestechender Eleganz wirkt.


    In der Praxis dürfte sich diese Diskussion jedoch als das erweisen, was derartige Neuerungen meistens sind:

    Kosmetik für ein Problem, das gar keines ist. Denn machen wir uns nichts vor: Ob wir uns künftig, wie bisher, darüber echauffieren, dass der legendäre Hoeneß-Zeh hauchzart im Abseits steht, oder ob wir nächtelang darüber philosophieren, ob zwischen ebendiesem Zeh und dem Verteidiger noch ein Sauerstoffmolekül Platz findet, ist für die deutsche Debattenkultur herzlich egal.


    Der Streitgegenstand verschiebt sich lediglich um wenige Zentimeter, die Leidenschaft der Erbsenzählerei bleibt uns glücklicherweise erhalten. Es ist eben wie so oft in der Politik: Man ändert die Vorschriften und hofft, damit die Realität zu überlisten. Das klappt selten, aber es beschäftigt immerhin die Experten.

    Zum Glück wird offenbar nur darüber diskutiret und eine mögliche Regeländerung ist noch lange nicht spruchreif.