Beiträge von KozKalanndok

    Offenkundig war am Vorabend ein Ausnahmeantrag gestellt worden - sicher, das hätte auch früher passieren dürfen -, aber den 51 Minuten von Spielbeginn, also zu einer Zeit, in der sich die Mannschaften für gewöhnlich bereits im Stadion befinden, abzulehnen, schon obskur, noch merkwürdiger aber, dass man es nicht schafft, das hatte ich ja bereits ausgeführt, die Sache noch vor Spielbeginn zu regeln

    Nun...die Behörde darf aber mal davon ausgehen, dass wenn ein Ausnahmeantrag gestellt wird, dass dann der Antragssteller auch die Entscheidung über den Antrag abwartet.

    Das alleine schon haben die betroffenen Spieler nicht gemacht.


    Nicht vergessen: Die betroffenen Spieler waren seit Einreise zur Quarantäne verpflichtet und erst einen Tag vor dem Spiel werden die Behörden gefragt, ob man denn eine Ausnahme bekommt.

    Dann befinden sich aber die Spieler plötzlich außerhalb des Hotels obwohl der Ausnahmeantrag abgelehnt wurde und der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass sie die Quarantäne schon geebrochen haben müssen, bevor über den Ausnahmeantrag überhaupt beschieden wurde.

    Dass bei sowas dann die Exekutive Schnappatmung bekommt und sofort und medienwirksam eingreift, finde ich da jetzt nicht mal beanstandenswert sondern sogar gut.


    Natürlich wissen wir nicht, was wirklich an Kommunikation gelaufen ist. Meine Einschätzung basiert nur auf dem, was bisher von beiden Seiten veröffentlicht wurde und die Aussagen widersprechen sich noch nichtmal. Wenn da noch andere nicht veröffentlichte Sachen gelaufen sind, dann kann die Einschätzung auch wieder komplett umschwingen.

    ein guter Schiri vor dem Einwurf dem einwerfenden Spielger gesagt hätte, dass es schön wäre, im Sinne des Fairplay den Ball dem Gegner zurückzugeben

    Damit verletzt Du aber meiner Meinung nach die Neutralitätspflicht des SR.

    Ein SR sollte den Spielern nicht vorzuschreiben und auch nicht "empfehlen", wie sie zu spielen haben solange es im Rahmen der Regeln ist und die Verwertung des Einwurfs ist nunmal im Rahmen.

    In dem Fall könnte man (wie von max_hb schon vorgeschlagen) den Drittliga-SR einfach mal fragen, welcher Spieler denn genau welche Regel verletzt haben soll, deren Einhaltung Du hättest durch zurückpfeifen einfordern können.

    Wenn dann sowas kommt, dass das ja ungeschriebene Regeln sind, dann fragt man beim Verband (mit namentlichen Verweis auf den Drittliga-SR) von diesen ungeschriebenen Regeln einfach mal ein Exemplar zum Nachlesen an...der Verband meldet sich dann schon bei Deinem Kollegen :)

    Der Regelgeber will aber explizit die "LETZTE BALLBERÜHRUNG" bewertet haben

    Und wenn man Korinthen für einen VAR kackt, dann geht es sogar noch konkreter um den BEGINN der letzten Ballberührung, aber das ist wie gesagt nur für den VAR relevant :)


    Strafbare Abseitsposition nur, wenn es um eine Ballabgabe innerhalb der eigenen Mannschaft geht

    Das ist weitgehend richtig, aber da gibt es auch noch irgendeinen Klopper bei Abwehrreaktionen eines Verteidigers, die ich selbst nicht ganz verstehen kann (glaube wenn der Ball von einem Gegenspieler kommt ist die Abseitsstellung nicht strafbar, wenn der Ball aber aus einer Abwehrreaktion raus von einem Gegenspieler kommt, ist es doch wieder strafbar).


    Abseitsposition bei Eckstößen

    Gibt es nicht, auch nicht wenn der Ball vom Eckstoß nach vorne zu einem Mitspieler gestoßen wird, weil in den Regeln ausdrücklich definiert ist, dass die Abseitsstellung bei Eckstößen nicht strafbar ist. Das, was uns die Schiedsrichter im EM-Spiel letztens gezeigt hatten, war ein klarer Fehler des SR-Teams und ein Bärendienst der TV-Kommentatoren...

    also wenn also Ball bereits näher am gegnerischen Tor, nicht gegeben

    Du musst unterscheiden (versuch in Deinen Formulierungen mal bewusst zu unterscheiden zwischen Abseitsstellung und Abseitsvergehen):

    Ein Spieler steht entweder im abseits (heisst: Er ist im Moment des Beginns des letzten Ballkontakts durch einen Mitspieler in der gegnerischen Hälfte und dort der Torlinie näher als der vorletzte Abwehrspieler und der Ball) oder eben nicht. Das ist erstmal nicht verboten. Und meiner Meinung ist das sogar der einfache Teil der Regel.


    Ein Vergehen wird es aber erst dann, wenn dieser Spieler aus seiner Abseitsstellung salopp gesagt auf irgendeine Weise ins Spiel eingreift. Und letztendlich dreht sich der ganze Rest der Abseitsregel um die Definition, was eben ein solches Eingreifen genau ist und was nicht.


    Jetzt zu dem Spieler der hinter dem Ball steht: Da der nicht in einer Abseitsstellung ist, braucht man über ein Abseitsvergehen gar nicht nachdenken :)

    Manfred

    Es kommt darauf an, ab wo die Kontrolle des Balles mit der Hand beginnt. Beim reinen drauflegen möglicherweise noch nicht. Aber der Punkt, an dem wir die Kontrolle mit der Hand annehmen ist der Beginn der 6 Sekunden. Wenn der TW sitzt und die Hand auf den Ball legt, dann ist das Aufstehen in den 6 erlaubten Sekunden enthalten, weil er den Ball da schon mit der Hand kontrolliert.


    Beim "ewig lange drauf liegenbleiben" sehe ich auch die Unsportlichkeit.



    Kaef

    Wenn wie in 2b wegen Unsportlichkeit gepfiffen wird, dann geht an Gelb kein Weg vorbei.

    Aber ich glaube wir brauchen da die Unsportlichkeit nicht für:

    Zitat

    Der Torhüter kontrolliert den Ball mit der Hand/den Händen, wenn er ihn:mit beiden Händen festhält oder mit einer Hand gegen eine Oberfläche hält (z. B. am Boden, gegen den eigenen Körper) oder mit einem Teil der Hand oder des Arms berührt, es sei denn, der Ball springt vom Torhüter ab oder der Torhüter hat den Ball abgewehrt

    Wenn er jetzt nicht gerade mit abgespreizten Armen drauf liegt, dann ist das Ballkontrolle und die 6 erlaubten Sekunden laufen los. Das Hochwerfen kurz vorm Abschlag (sind ja auch schonmal 1-2 Sekunden) ist übrigens auch Ballkontrolle mit den Händen und ebenfalls in den 6 Sekunden. Also eigentlich dürfte ein TW nicht liegenbleiben sondern müsste richtig fix aufspringen oder eben Ball loslassen.


    In Fall 2a halte ich Manfreds gelbe Karte aber durchaus auch für vertretbar. Die gibt es ja nicht wegen "Verzögerung einer Spielfortsetzung" sondern wegen "wiederholtem Verstoßen gegen die Spielregeln".

    Wenn ich aber so recht überlege...mit der Begründung dürfte man einem Spieler, der mehrfach Abseits steht auch Gelb zeigen...bei "wiederholtem Verstoßen gegen die Spielregeln" sind doch tatsächlich Abseitsvergehen nicht ausgenommen...

    Moment mal...ich glaube hier reden einige Leute aneinander vorbei.


    Einige reden vom Abstoß, da ist ganz klar bei Spielverzögerung Gelb und nachspielen lassen.


    Die Situationsbeschreibung aus 2. redet davon, dass der Torwart den Ball im laufenden Spiel übermäßig lang in den Händen hält. In diesem Fall sehe ich auch nur die Möglichkeit für einen idF ohne persönliche Strafe und ohne nachspielen. Ball ist ja noch im Spiel.


    Was man nachspielen lassen kann ist die darauffolgende Rudelbildung mitsamt Mauercheck etc, aber wenn die Angreifermannschaft auf zack ist, dann hat sie den idF schon ausgeführt :)

    Für mich trifft das die Definition von "made their body unnaturally bigger".

    Wohlgemerkt es geht nicht um die Körperfläche sondern um den Körper als solches.


    Meiner Meinung nach wäre ein in der natürlichen Bewegung seitlich pendelnder Arm wenn er getroffen würde nach der neuen Regel nicht strafbar, das krampfhafte Vermeiden der Pendelbewegung mittlerweile hingegen schon (weil unnatürlich).

    Ehrlich gesagt will ich hier jetzt nicht schon wieder mit dem Handspiel anfangen, das wäre glaube ich zu stark Off-Topic.


    Aber wenn es um den Willen des Regelgebers geht, dann wollte der eben, dass ein Strafstoß wiederholt wird, wenn ein Angreifer zu früh in den Strafraum läuft. Genauso wie er es wollte, dass eine Mannschaft einen indirekten Freistoß bekommt, wenn der gegnerische Torwart den Ball mehr als 6 Sekunden mit der Hand kontrolliert. Wenn der Regelgeber gewollt hätte, dass der Torwart den Ball 10, 15 oder 20 Sekunden mit der Hand kontrollieren darf (wie es im Moment üblich ist), dann hätte er eben diese 10, 15 oder 20 Sekunden in die Regeln schreiben sollen und eben nicht die 6 Sekunden, die aktuell drin stehen.


    Gerade folgendes Beispiel vor einigen auf unserem Sportplatz gehört...

    Torwart hält den Ball, SR fängt laut an zu zählen... "5...6...7...8..." - Abschlag, Spiel geht weiter.

    Eigentlich ein klarer Regelverstoß mit Potenzial zur Spielentscheidung (idF am 5er), denn dass er es als 8 Sekunden wahrgenommen hat, hat der SR sogar selbst über den Platz gerufen.


    Wenn man die Regeln mal genau liest, dann wird man feststellen, dass der Schiedsrichter (obwohl der Teil mit dem Richter anderes vermuten lässt) lediglich ein Exekutiv-Organ im Fußball ist.

    Überall steht nur geschrieben, was der Schiedsrichter wann genau zu tun hat.

    Bei einem Foul ist das Spiel zu unterbrechen (und nicht, darf es unterbrochen werden).

    Ein Spieler, der das Spiel verzögert ist zu verwarnen (nicht darf verwarnt werden).

    Gegen einen Torwart, der den Ball länger als 6 Sekunden mit der Hand kontrolliert ist ein idF zu verhängen (und nicht kann ein idF verhängt werden).


    Der Ermessensspielraum kommt ausschließlich aus der Wahrnehmung. Aber wenn ein Vergehen wahrgenommen wurde, dann ist der Schiedsrichter durch die Regeln, denen er selbst unterstellt ist, gebunden.

    Also wenn man diese "Torwart hält Ball 20 Sekunden in der Hand"-Sachen nicht mit einer extrem verzerrten Wahrnehmung (ich hab das als 5 Sekunden wahrgenommen) erklären kann, dann reden wir hier nicht von Ermessensspielraum sondern von Regelverstößen. Und wenn dann auch noch wie bei der EM für jedes Spiel extra eine Hundertschaft Schiedsrichter für die Feststellung von Zehennagelabseits abgestellt wird, dann ist es mir noch unverständlicher, warum da nicht auch bei den Strafraumgrenzen bei der Strafstoßausführung genauso auf den Zehennagel geachtet wird (wohl aber beim Torwart auf der anderen Seite des Strafraums).

    Das was Du am Ende beschreibst ist tatsächlich eine Verteidigungstaktik namens "Abseitsfalle".

    Dort erwartet die auf einer Linie stehende Verteidigung beispielsweise einen Steilpass der Angreifer auf einen Stürmer und macht unmittelbar vor dem Abspiel geschlossen einen Schritt nach vorne.


    Selbst wenn der Stürmer hier seinen Antritt unterbricht, mit der Abwehr zusammen den Schritt zurück macht und dann losrennt und trotzdem noch an den Ball kommt, ist es immer noch strafbar wenn er im Moment des Abspiels im Abseits gestanden hat. Er hat nämlich dann aus seiner Abseitsstellung einen Vorteil erlangt.


    Die Abseitsstellung ist übrigens nicht nur strafbar, wenn man den Ball annimmt.

    Sie ist auch strafbar, wenn man beispielsweise mit einem Gegner in den Zweikampf geht ohne den Ball zu berühren oder wenn man einen Gegner beeinflusst. Beispielsweise wenn man dem Torwart die freie Sicht nimmt greift man ins Spiel ein und die Abseitsstellung wird strafbar.



    Jetzt zur Frage, warum die Verteidiger nicht einfach geschlossen zum gegnerischen Strafraum stürmen um die Gegner Abseits zu stellen:

    1. Eine Abseitsstellung ist erst strafbar, wenn man sich der Angreifer im Moment des Abspiels in der gegnerischen Hälfte befindet.
    2. Eine Abseitsstellung ist nicht strafbar, wenn sich der annehmende Angreifer im Moment des Abspiels hinter dem Ball befunden hat.
    3. Wer den Ball hat, kann selbstverständlich auch selbst mit dem Ball dribbeln. Ein strafbares Abseits ist es nämlich nur, wenn der Ball von einem Mitspieler(!) kommt...der dribbelnde Spieler ist nicht sein eigener Mitspieler :)

    haben die doch nicht wirklich noch gecheckt, ob der linke Fuß vielleicht nicht doch schon eine Millisekunde zu früh einen cm vor der Linie war?

    Also wenn man das beim Elfmeterschießen vom VAR prüfen lässt (potenziell spielentscheidende Situation möglicherweise), dann muss er eigentlich auch bei jedem Strafstoß im laufenden Spiel prüfen, ob alle Spieler im Moment des Stoßes auch korrekt außerhalb des Strafraums (sprich: mit keinem Körperteil mit dem man den Ball regelkonform spielen darf auch nur eine Haaresbreite über der Linie) stehen...ist ja in den meisten Fällen eine genauso potenziell spielentscheidende Situation wie beim Elfmeterschießen...

    Die Einhaltung der 6-Sekunden-Regel, nun, damit wird es im Profi-Bereich analog zu den falschen Einwürfen offenkundig nicht so genau genommen.

    Das mit der 6-Sekunden-Regel fällt mir nicht erst seit dieser EM auf...


    Das ist tatsächlich wie mit den falschen Einwürfen oder den Streckenbegrenzungen in der Formel 1 (soll heissen: Der Fußball ist mit Regeln, die nicht so genau genommern werden nicht alleine)...steht zwar in den Regeln, juckt aber keinen und wenn sich doch mal einer traut die Regel regeltechnisch umsetzt, dann wird er medientechnisch zerrissen...


    Warum funktioniert das beim Basketball? 3-Sekunden-Regel, 24-Sekunden-Regel, 8-Sekunden-Regel, 5-Sekunden-Regel und keiner meckert, wenn der Schiri nach Zeitablauf ohne Vorwarnung pfeift.

    Gleiches gilt, wenn durch das Handspiel der Ball dem Stürmer auf den Fuß fällt, der den Ball nur noch einschieben muss.

    Exakt das wollte der Regelgeber aber ausdrücklich nicht mehr verboten wissen (Erklärungen zu den Regeländerungen):

    Ein unabsichtliches Handspiel eines Mitspielers, infolgedessen das Team dieses Spielers ein Tor erzielt, oder ein unabsichtliches Handspiel, infolgedessen es zu einer Torchance kommt, sind keine Vergehen mehr.



    Und zur Textanalyse:

    Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler ins gegnerische Tor trifft unmittelbar nachdem er den Ball mit der Hand/dem Arm berührt hat


    Da ist genau das formuliert. Ausschließlich der Spieler, der mit der Hand dran war, wird bestraft, wenn er unmittelbar danach einlocht. Genau das, was der Regelgeber wollte.


    Die Frage mit dem Torwart, der die Fingerspitzen dranhält ist jetzt nur noch:

    Ist es noch der (Hand-)Spieler, der ins gegnerische Tor trifft oder nicht. Und das wird meiner Meinung nach am ehesten durch die Antwort auf die Frage "Wer würde denn als Torschütze im Spielbericht stehen?" gelöst, auch wenn es dafür keine explizite Regel gibt.


    und hier steht das "er", obgleich da eigentlich "ein Spieler" stehen müsste.

    Abgesehen davon, dass der Regelgeber selbst geschrieben hat genau das nicht zu wollen, würdest Du mit der Formulierung ein Spieler zwei absolut groteke Grenzfälle schaffen, die der Regelgeber beim besten Willen nicht gewollt haben kann:

    1. Der Spieler, der das Handspielvergehen begeht, wäre derjenige, der das Tor erzielt. Der würde für ein Handspielvergehen bestraft ohne jemals mit der Hand am Ball gewesen zu sein.
    2. Der Torwart von Blau (fällt doch wohl klar in die Definition von ein Spieler) versemmelt einen Abwurf, der Ball kommt zu einem Stürmer von Rot, der zieht ab, Ball im Tor, aber Handspielvergehen des Stürmers, weil ein Spieler unmittelbar vorher mit der Hand dran war.

    Nr.23 Meiner Meinung greift genau dann der "unmittelbar danach"-Punkt nicht.

    Es hilft hier ungemein, die Stichpunkteliste mal aufzulösen und jeden Stichpunkt zu einem eigenen vollwertigen Satz zusammenzusetzen. Dann kommen insgesamt vier Konditionen zustande, unter denen ein Handkontakt strafbar ist.


    1. Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand/dem Arm berührt [...].
    2. Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit der Hand/dem Arm berührt und seinen Körper aufgrund der Hand-/Armhaltung unnatürlich vergrößert. [...]
    3. Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler ins gegnerische Tor trifft direkt mit der Hand/dem Arm [...]
    4. Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler ins gegnerische Tor trifft unmittelbar nachdem er den Ball mit der Hand/dem Arm berührt hat [...].


    Für 1 und 2 treffen wir für das konkrete Fallbeispiel einfach die Annahme, dass diese Punkte nicht vorliegen.

    Punkt 3 liegt nicht vor. Der Spieler mit dem Handkontakt trifft nicht direkt ins gegnerische Tor.

    Punkt 4 liegt ebenfalls nicht vor. Dazu müsste der Spieler mit dem Handkontakt selbst ins gegnerische Tor treffen, tut er aber nicht. Das macht der gegnerische Torwart.

    Was wohl ebenso nicht mehr strafbar ist: Ein Spieler berührt den Ball erlaubterweise mit der Hand und der Ball springt von der Hand direkt zu seinem Mitspieler, der den Ball volley versenkt.


    Die englische Fassung ist da aber nochmal etwas anders. Dort ist nirgendwo die Rede von "direkt". Dort heisst es nur "scores in the opponent's goal". Von daher würde ich sagen: Je nachdem, ob wir den Torwart als Eigentorschützen sehen oder den Handspieler als "Torschützen" ist es entweder nicht strafbar oder strafbar. Aber wenn das Tor zählt, dann muss es ein Eigentor des Torwarts gewesen sein.

    VORWORT EDIT:

    Mark hat mich darauf hingewiesen, dass ich tatsächlich noch mit dem 2020/2021-Regelwerk argumentiere. Mir war das bisher nicht wirklich bewusst und ich werde die gleiche Analyse nochmal durchführen mit dem neuen Regelwerk. Dennoch lasse ich die Ausführungen hier stehen eben mit dem Vermerk, dass das für 2020/2021 gilt.




    Tut mir Leid, aber mein Sprachverständnis ist da wohl anders.


    with full awareness of what one is doing : in a way that is intended or planned heisst für mich:


    In vollem Bewusstsein darüber sein was man tut bzw. auf eine Art und Weise, die beabsichtigt oder geplant ist und damit eben gerade nicht in einem Anflug geistiger Umnachtung nicht daran gedacht, dass ein Ereignis eintreten könnte.


    Zumal (sollte mit dem deliberately der bedingte Vorsatz vom Regelgeber eingeschlossen sein) ja alle drei anderen Punkte, die ein Handspiel definieren obsolet wären, weil jeder dieser Punkte über einen bedingten Vorsatz ohnehin erfüllt wäre.


    Aber jetzt zerlege ich das mal richtig indem ich auf jedes der 6 Kriterien für ein Handspiel eingehe. Und zwar nicht anhand von praktischer Anwendung sondern rein akademisch wie es geschrieben steht.

    Ein Spieler begeht ein Handspiel, wenn einer der folgenden Punkte erfüllt ist:

    1. Er plant den Ball mit der Hand zu spielen (nach meinem Sprachverständnis im Sinne von Ich will jetzt, dass meine Hand den Ball berührt)
    2. Er mit der Hand ein Tor erzielt
    3. Er ein Tor erzielt unmittelbar nachdem er oder einer seiner Mitspieler den Ball mit der Hand gespielt hat (Wenn man die Regel genau liest: Die Regel bestraft den, der auf das Tor schießt, nicht den, der die Hand dran hatte, aber in den meisten Fällen ist der Handkontakt durch die nachfolgende Regelung bereits unter Strafe!)
    4. Für eine Torchance sorgt (ohne Einschränkung auf welcher Seite), unmittelbar nachdem er oder einer seiner Mitspieler den Ball mit der Hand gespielt hat
    5. Den Ball mit der Hand berührt während die Hand den Körper unnatürlich vergrößert hat
    6. Den Ball mit der Hand berührt, während die Hand über der Schulter ist, es sein denn er springt ihm von einem erlaubten Spiel dran


    Punkte 2-4 ignoriere ich jetzt mal, weil das nur Spezialisierungen sind, bei denen ein eigentlich erlaubter Handkontakt doch strafbar wird. Da wir hier nicht über eine anschließenden Torchance oder Torerzielung diskutieren, sind die in meiner weiteren Betrachtung irrelevant, sind aber auf dem Platz durchaus auch zu prüfen.


    Bei der Sackhand haben wir keine Absicht im Sinne von ich will mit der Hand an den Ball. Also fällt 1. weg. Wenn der Spieler jetzt nicht gerade Körperproportionen hat, die so gar nicht dem Bild eines Menschen entsprechen, fällt 6. auch raus. Bleibt noch 5. und die Frage ob die Hand am Sack den Körper unnatürlich vergrößert. Die Frage ob die Handhaltung selbst natürlich ist oder nicht, spielt in der Handspielbewertung eigentlich überhaupt keine Rolle. Das Argument, dass wenn die vorne angelegte Hand den Körper unnatürlich vergrößern würde, dies auch für die seitlich angelegte Hand gelten würde, ist aber ein guter Hinweis darauf, was unter einer Vergrößerung des Körpers zu verstehen ist. Und das muss ich dann in beiden Fällen verneinen.


    Jetzt zur Hand vor der Nase:

    Im Prinzip für die Punkte 1. bis 5. die gleiche Argumentation, aber bei der Hand vor der Nase greift 6., denn die Hand ist in der Regel über Schulterhöhe und damit strafbar.


    Mein Fazit jetzt nach genauerem überlegen:

    • Hand über den Kopf um ihn Volleyballmäßig wegzupritschen: Handspiel, absichtlich
    • Sackhand: kein Handspiel, außer es entsteht eine Torchance
    • Hand vor Brust: kein Handspiel, außer es entsteht eine Torchance
    • Hand vor Gesicht: Handspiel, weil Hand über Schulter
    • Einhaken in der Mauer: Handspiel, weil unnatürliche Vergrößerung des Körpers
    • (aus einem anderen Thread) Torwart wirft Ball zur Mittellinie, wo ihn ein Stürmer mittels Seitfallzieher weiterspielt und der Ball direkt ins gegnerische Tor kullert: Handspiel, ich bin mir aber nicht sicher ob vom Stürmer (wie in 3. beschrieben) oder schon vorher vom Torwart (wie in 4. beschrieben). und zwar vom Stürmer nach 3. Eigentlich schon vom Torwart nach 4., aber der kann für Handspielvergehen in seinem Strafraum nicht bestraft werden. Bleibt noch das Vergehen nach 3., welches aber, so wie es geschrieben steht, tatsächlich der Stürmer begeht.


    Ok, dann analysieren wir mal den Wunsch des Regelgebers.


    Der Regelgeber hat die Regeln in englischer Sprache formuliert, daher ist anzunehmen, dass die Formulierung in dieser Sprache dem Wunsch des Regelgebers am nächsten kommt.


    Zitat

    It is an offence if a player:

    • deliberately touches the ball with their hand/arm, including moving the hand/arm towards the ball


    Was bedeutet das Adverb deliberately?

    in a deliberate manner: such as

    a : with full awareness of what one is doing : in a way that is intended or planned

    b : in a way that is not hurried : slowly and carefully


    Definition b ergibt in diesem Zusammenhang meiner Meinung nach keinen Sinn, daher beziehe ich mich hier auf Definition a.

    Der Regelgeber wollte ein (in der deutschen Übersetzung) absichtliches Handspiel also gerade nicht bei bedingtem Vorsatz oder ähnlichem bestraft wissen sondern ausschließlich bei full awareness. Die Annahme, der Regelgeber hätte hier auch den bedingten Vorsatz bestrafen wollen, lässt sich aus dem von ihm verfassten Regeltext nicht ableiten. Dass es im Rahmen der Übersetzung dieser Regel zu einer Mehrdeutigkeit gekommen ist, will ich nicht mal bestreiten. Aber wenn man sich auf den Willen des Regelgebers berufen will, dann muss man dies zwingend auch in der Sprache des Regelgebers tun. Und dort hat die Annahme, dass nur bedingter Vorsatz notwendig wäre um das deliberate zu erfüllen, nunmal keine Grundlage.

    SixthSCTF

    In einem entscheidenden Punkt ist aber Manfreds alter Post nichtmehr zutreffend:

    Wenn man über die Schiene "unnatürliche Handhaltung" argumentiert, ist mittlerweile im Regelwerk fest verankert, dass damit zwingend auch eine Vergrößerung des Körpers erfolgen muss.

    Eine unnatürliche Handhaltung mit Handkontakt reicht für sich alleine nicht mehr um auf "Handspiel" zu entscheiden.