Beiträge von Manfred

    Es freut mich, wenn Du Dich freust ...


    Wer etwas länger als Schiri unterwegs ist, hat eben die diversen Änderungen und deren Auslöser mitbekommen und womöglich ein anderes Verständnis dessen, was der Regelgeber intendiert hat - auffällig ist seit vielen Jahren, dass möglichst wenig Unterbrechungen und viele Tore erwünscht sind (übrigens gibt es heute im Kontrast zu früher auffällig mehr Tore), zudem soll das Spiel spannend sein; dafür hat man einiges getan, angefangen von der früher ganz einfachen Abseitsregel (gleiche Höhe ist Abseits), die sieht heute vollkommen anders aus, über die Rückpassregel bis hin zum jüngsten Streich, dass der Torwart beim Strafstoß nur noch mit einem Fuß auf der Linie sein muss (früher durfte der sich noch nicht einmal bewegen).

    Also Lena, bügel schon mal Dein Abendkleid auf und putze die hohen Schuhe ...


    Nein, Quatsch, komm einfach ganz normal, für meine Begriffe sogar bevorzugt in "zivil" (also eher nicht Vereins- oder Schiedsrichtertrainingsjacke, wobei das Geschmackssache ist), d.h. unauffällig, alltagstauglich und sportgerecht (also ohne extravagant aufwändige Frisur oder superdicke Schminke - und damit das jetzt gendergerecht bleibt: Jungs kommen bitte sauber rasiert oder mit gepflegtem Bart, das aufdringliche Rasierwasser wird ebenfalls nicht benutzt und die Haare sehen nicht aus, als bräuchten die dringend einen Ölwechsel), der wichtigste Punkt aber: Wie Du bist und wie Du Dich wohlfühlst, das hat mit Ausstrahlung zu tun. Natürlich solltest Du fit wirken (bitte keine Augenringe von der letzten Partynacht) und, da bin ich voll bei BRiT, pünktlich (sogar tendenziell lieber zu früh) kommen.

    Ich denke, dass wir uns einig sind, dass hier nicht auf Tor entschieden werden darf, weil ein solches eben nicht mit der Hand erzielt werden darf - insoweit ist meine Formulierung, dass die Regelwidrigkeit des anderen Regelverstoßes entfällt, nicht (ganz) korrekt, es müsste tatsächlich heißen, dass diese (zunächst) nicht weiter verfolgt wird.


    Aber: Der Regelgeber will, dass das Spiel möglichst selten unterbrochen wird, dazu nimmt er, schließlich hat er die Gleichzeitigkeit exakt geregelt, explizit in Kauf, dass die leichtere Regelübertretung eben (zunächst) nicht weiter verfolgt wird, mithin wird, soweit sich (siehe Tor mit der Hand) keine anderen Hindernisse in den Weg stellen, faktisch aber dennoch so getan, als sei der zweite Verstoß nicht passiert, zumindest - hier setzte ich jetzt noch eine Präzisierung an - soweit es sich um die reine Spielstrafe handelt; damit ist eben auch eine Vorteilsentscheidung möglich, denn der Regelgeber will den Ball im Spiel halten und Tore sehen.


    Anders sieht die Sache aus, wenn wir über zwei Vergehen mit persönlichen Strafen reden - auch dann richtet sich die Spielstrafe nach dem schwereren Vergehen (also der Kombi Spielstrafe und persönlicher Strafe), das schließt aber - selbst nach einer Vorteilsgewährung - die Verhängung der persönlichen Strafe auch für das Vergehen, welches eben zunächst nicht weiter verfolgt wurde, nicht aus.

    Zu 1:
    Rechne zunächst einmal damit, dass Du angesprochen wirst, ob Du der Schiri bist - wenn ja, weißt Du auch, wen Du bezüglich Örtlichkeit der Kabine und Schlüssel fragen kannst. Ansonsten schnappe Dir jemand, der eine Vereinjacke trägt, gehe zum Verkaufsstand oder frage eine Spielerin des Heimvereins - und pilgere nicht von Pontius zu Pilatus, denke daran, ohne Dich fangen die nicht an ...


    Zu 2:

    Abhängig von der Spesenordnung Deines Verbandes, aber 30 Cent/km sind üblich, dabei werden die gefahrenen Kilometer abgerechnet (also echt zurückgelegte, nicht die reinen Entfernungskilometer).


    Zu 3:
    1. Tasche in die Kabine - damit hat man freie Hand und muss nicht mehr darauf aufpassen.

    2. Platz checken - bei Mängeln hat der Heimverein dann die maximale Zeit, die zu beheben; ganz nebenbei beginnt damit auch Deine Strafgewalt, ich habe das zwar noch nie gebraucht, es ist im Zweifelsfall aber gut, die schon zu haben.

    3. Trikotfarben abklären (Trikot und Stutzen), im Zweifel besser zeigen lassen, reine Farbbezeichnungen sind des Öfteren nicht ausreichend - und zwar (gut, ist verbandsabhängig) zuerst Gast, dann Heim, weil Heim im Regelfall wechseln muss.

    4. Ankommen, den Platz und das Umfeld einwirken lassen, einfach ein paar Blicke schweifen lassen und vielleicht auch etwas Smalltalk halten.

    5. Um den Spielbericht etc. kümmern (meist ist der nicht freigegeben, die Trainer brauchen da gerne einen Schubs).

    6. Quittung ausfüllen, Spielnotizkarte vorbereiten.

    7. Umziehen - und anschließend ganz bewusst kontrollieren, ob man alles dabei hat.

    8. Kontrollieren, ob die Mängel (siehe 2) behoben wurden.

    9. Je nach Zeitplan in unterschiedlicher Reihenfolge - aufwärmen und, soweit vorgeschrieben, Passkontrolle machen

    10. Kritisch prüfen, ob man noch einmal auf die Toilette gehen sollte - eine Halbzeit mit zwickender Blase oder drückendem Darm zieht sich wie Kaugummi.

    11. Ball geben lassen

    12. Soweit die Mannschaften nicht bereits "draußen" sind: Herbei pfeifen (je nach Örtlichkeit durch lauteren Pfiff draußen oder nicht ganz so lautem Pfiff in den Kabinengang), ich hole die grundsätzlich nicht ab.

    Und los geht es - daran denken, dass jeder mal klein angefangen hat und alles in Ordnung ist, wenn Du weniger Fehler machst als die Spielerinnen. In der Halbzeit runterkommen, sich überlegen, wie man auf der Spielnotikarte die Halbzeiten trennt (wichtig bei den persönlichen Strafen), bevor man die Kabine verlässt checken, dass man alles dabei hat - auch den Ball! - und ab zur zweiten Hälfte. Nach dem Abpfiff runterkommen, duschen, Spielbericht machen, ggf. noch ein wenig Smalltalk halten, Spesen kassieren, nach Hause fahren und - elementar - selbstkritisch prüfen, was gut und was noch nicht so gut lief sowie überlegen (oder hier Rat suchen), wie man bestimmte Dinge besser machen kann.

    Ach Mark, kannst oder willst Du es nicht verstehen:

    Wenn beide Mannschaften offenkundig gleichzeitig gegen die Regeln verstoßen, wird unterbrochen. Wir kommen ohne offizielle Auslegung nicht weiter.

    Die offizielle Begründung, die Du suchst, ist das Regelwerk selbst - man muss es eben im Sinne des Fußballs auslegen. Grundsätzlich hat der Regelgeber ein Interesse daran, dass das Spiel läuft und nur dann unterbrochen wird, wenn es unbedingt erforderlich ist. Daraus resultiert, nicht umsonst hat man die Vorteilsgewährung zur Pflicht erhoben, dass immer ein Vorteil gewährt werden kann - wie deutlich die Intention ist, wird doch daran deutlich, dass selbst bei rüdesten Fouls der Vorteil zu gewähren ist, wenn eine klare Torchance besteht ...

    Und hier die passende Regelfrage: Der Stürmer erzielt unabsichtlich mit der Hand ein Tor. Bei der Berührung wird er allerdings gleichzeitig brutal mit dem Ellenbogen durch den Torwart am Kopf getroffen. Tor, Strafstoß oder Freistoß?

    Die Lösung ist doch ganz einfach: Der Stürmer erzielt unabsichtlich (= grundsätzlich sogar erlaubt) mit der Hand ein Tor (= nur deswegen liegt überhaupt ein Vergehen vor), die Spielfortsetzung lautet direkter Freistoß ohne persönliche Strafe. Der Torwart trifft gleichzeitig brutal mit dem Ellenbogen am Kopf, was mit Strafstoß und Feldverweis zu ahnden ist. Was ist also das schwerere Vergehen? Eindeutig das des Torwartes, mithin ist dieses zu ahnden. Eine Vorteilsgewährung scheidet hier doch nur deswegen aus, weil der Vorteil nicht eintreten kann - das ist entscheidend -, ist die Torerzielung mit der Hand doch verboten. Wenn ich als Schiri die Gleichzeitigkeit feststelle, ist eben ganz genau so zu verfahren - da damit dann eine Entscheidung getroffen ist, entfällt die Regelwidrigkeit des anderen Verstoßes, mithin kann, das ist im Geist des Fußballs, auch die Vorteilsbestimmung zur Anwendung kommen ( zettelbox : Leider ist nicht klar, wer die Einträge im Schiriwiki zu verantworten und geprüft hat, alleine der Umstand, dass dort in der Anmerkung 2 von der Vorteilsregel gesprochen wird - wir wissen, dass das der Klassiker eines NoGo ist -, lässt aber Zweifel an der Fundiertheit aufkommen).

    Für den Fragesteller sollte jedoch beim Weiterspielen grundsätzlich klar sein, dass er es niemals mit „beide, weiter“ begründen darf.

    Ist doch unstrittig, das hatte ich im Post #9 doch auch schon so dargelegt - und zettelbox sieht das ebenso.

    1. Das ist eine logische Abfolge. Zunächst muss ich festlegen, welches der (potenziellen) Vergehen selbiges schwererer Natur ist, um festzustellen, welches zu ahnden wäre - das leichtere Vergehen ist in diesem Moment erledigt, damit ist klar, dass sich die Vorteilsgewährung nur noch an dem relevanten (schwereren Vergehen) orientiert.


    2. Wenn ich einen zeitlichen Unterschied feststelle, ist das erste Foul das zu ahndende Foul, die Vorteilsgewährung wird dadurch aber nicht ausgeschlossen. Wenn der Gefoulte selbst unmittelbar im Anschluss gegen die Regeln verstößt, ist allenfalls zu prüfen, ob der Vorteil eingetreten ist (genauer: ob der überhaupt entsprechend der Spielsituation eintreten konnte), falls ich das bejahe, wird das Foul des zunächst Gefoulten geahndet (es sei denn, es besteht dann für die andere Mannschaft eine Vorteilssituation).


    3. Doch, genau das macht den guten Schiedsrichter aus, dass er den - zwingend zu gebenden - Vorteil immer anwendet, wenn sich ein solcher ergibt. Die Ahndung erfolgt tatsächlich durch die Vorteilsgewährung (der Vorteil soll ja einen größeren Vorteil gewähren als die zu verhängende Strafe, spätestens damit ist klar, dass wir von einer Ahndung reden), zumal ja auch noch der Vorbehalt besteht, dass nachgepfiffen wird, wenn der erwartete Vorteil nicht eintritt.


    Deine Schlussfolgerung ist schlicht und einfach falsch und spricht eher für ein nicht sinnhaftes Regel- und Spielverständnis. Der gute Schiedsrichter muss seit der Regeländerung, dass im Zweifelsfall das schwerere Vergehen zu ahnden ist, gar keinen zeitlichen Unterschied mehr erkennen, auch wenn er das in der Realität sicher tun wird.

    Mark

    Die Vorteilsbestimmung hat sich vor einiger Zeit geändert, das ist jetzt ein klares "muss" ("Der Schiedsrichter hat ...", früher sollte der SR nur so handeln). Daraus folgt, dass auch in solchen Fällen Vorteil möglich ist, denn wenn ich mich entsprechend der Regel (das schwerere Vergehen ist zu bestrafen) dafür entscheide, wer jetzt zu bestrafen wäre, die andere Mannschaft aber einen Vorteil hat, muss der Vorteil auch gewährt werden.


    udo1982

    Ich habe durchaus die Option das Spiel nicht zu unterbrechen, wenn ich zu dem Ergebnis komme, dass beide Seiten hart, aber eben regelkonform agiert haben (formal, pragmatisch, aber eben nicht regelkonform, kann man sich Deinem Gedanken anschließen), nur darf es dann eben nur "weiter", aber nicht "Beide" heißen.


    @alle

    Bitte denkt daran, dass es hier leider abstrakt bleiben muss, da jeder implizit ein eigenes Bild über das Geschehen vor Augen hat und diese Bilder sich definitiv unterscheiden.

    Zwei Mal derselbe Artikel im Link?!?


    Aber egal, denn das spricht für sich:

    Zitat

    ... zudem von Mats Baur, dem Schiedsrichterobmann aus dem Kreis Rotenburg. Er war als Beobachter vor Ort ...

    Ist jetzt halt dumm gelaufen, wenn ein neutraler Beo vor Ort war und die Angaben des Schiris bestätigt - schlechte Karten für Spieler und Verein.

    Und ergänzend zu jambala:

    Das sind Situationen, die man auf dem Platz spontan und regelmäßig richtig entscheidet. Für die Regeldiskussion braucht es hingegen echte Bilder, denn da hat sonst jeder sein eigenes Kopfkino - aber unterschiedliche Vorstellungen führen eben auch zu unterschiedlichen Entscheidungen.

    Was sagt die Spiel- und die Schiedsrichterordnung in Deinem Verband dazu? Vermutlich wenig bis nichts. Kommen wir dann also zu den formalen Regularien - und auch dort ist nichts dazu gesagt, eher im Gegenteil, ein Trauerflor zählt nicht zu den Dingen, die im Kontext Schiedsrichter genannt werden. Merke: Es ist nicht explizit verboten, aber auch nicht erlaubt, von daher wäre ein Anfrage bei Deinem Obmann schon ratsam.


    Aber:
    Ich rate Dir dennoch davon ab. Ein sehr guter Freund hat zunächst keinen Bezug zum Fußball, Du machst Dich aber potenziell angreifbar und noch mehr zum Außenseiter als wir Schiris das ohnehin schon sind, weil viele Beteiligte eher dazu neigen werden, Dir das als Schwäche auszulegen. Wenn Dir die Sache so wichtig ist/Dich so mitnimmt, gib lieber das Spiel zurück, ansonsten sollten wir SR lieber "mitschwimmen", also Trauerflor o.ä. nur nutzen, wenn eine "große Persönlichkeit" im Fußball verstorben ist und alle Trauerflor tragen (oder zumindest alle Schiesrichter).

    Dieser Artikel legt nah, dass es beim DFB des Öfteren nicht mit rechten Dingen zuging (zugeht?). Auf jeden Fall möchte ich nie wieder hören, dass für *beliebige Maßnahme, auch im SR-Wesen, einsetzen* kein Geld da sei.

    Leute, an dieser Stelle möchte ich präventiv darauf hinweisen, dass wir bitte sachlich bleiben und es auch keine Pflicht zu einer einheitlichen Meinung gibt, auch wenn das bei der Regelauslegung wünschenswert wäre.


    Inhaltlich verweise ich einfach mal hierauf. Wir müssen uns daran erinnern, wie die Schmuckregel entstanden ist, das ist für das Verständnis extrem hilfreich. Es fing damit an, dass Schmuck zunächst überhaupt nicht geregelt war, aber immer öfter Magnetarmbänder etc. aufkamen, weil die kraftfördernd sein sollten - die einzige Eigenschaft, die diese Teile definitiv hatten, war eine gewisse Gefährlichkeit, ergo verbot der Regelgeber nicht etwas Schmuck, sondern gefährliche Gegenstände. Das war gut gedacht und schlecht gemacht, denn damit ging natürlich die Diskussion los, welcher Gegenstand denn nun gefährlich sei ... Die Sache zog dann noch eine weitere Runde und dann war da der Fall eines Spielers, der nach einem Tor am Zaun hoch kletterte, mit dem Ehering hängen blieb und sich den Finger abriss, letztlich verbot also der Regelgeber jeglichen Schmuck, weil das die einzig - vermeintlich - klare Lösung war, gleichzeitig erlaubte er jedoch ungefährliche Ausrüstungsgegenstände zum "Schutz". Letztlich sind wir hier also in der nächsten Runde der Unklarheiten, denn weder lässt sich per generalis definieren, was nun wirklich wovor schützt und der Regelgeber hat bei den Torwartmützen selbst erkannt, dass die nun wahrlich nicht schützen, aber dennoch sehr sinnvoll und auch ungefährlich sind. Wie weit das geht wird doch auch daran deutlich, dass der Regelgeber geklärt hat, dass sogar "Kopftücher", die nun definitiv keinen Schutzcharakter haben, zulässig sind, um muslimischen Mädchen die Spielteilnahme zu ermöglichen, sofern diese so beschaffen sind, dass sie die Spielerin nicht gefährden (also kein klassisches Kopftuch, sondern eine Sonderanfertigung, die dem Umstand gerecht wird, dass sich selbiges im Ernstfall löst, beispielsweise durch einen Klettverschluss).


    Wenn wir dies berücksichtigen, dann ist es wenig sinnhaft, am Buchstaben der Regel zu kleben, sondern wir sind aufgefordert, in deren Sinn zu entscheiden. Wenn also ein Schweißband am Arm ohne Zweifel dazu dient, dass sich ein Spieler damit den Schweiß von der Stirn wischen kann, liegt zweifelsfrei eine - durchaus sinnvolle - Funktionalität vor, die ungeschickt formulierte Schutzfunktion muss an dieser Stelle sehr weit ausgelegt werden und ist daher als gegeben anzusehen, kann damit doch - per saldo nicht vollkommen ungefährlicher - Eintritt von Schweiß in die Augen verhindert werden.

    Vielleicht greift hier aber auch der Grundsatz, dass im Sinne des Geistes der Regel und des Fußballs zu entscheiden ist? Wir hatten vor einigen Jahren doch eine grundlegende Neustrukturierung des Regelwerkes, die seinerzeit mit einer erfreulichen Entschlackung einherging - und nun stören sich einige daran, dass nicht jede denkbare Option erwähnt ist, obgleich die sich aus dem Sinn der Regelung bzw. analoger Anwendung zweifelsfrei ergibt (übrigens laufen parallel zwei weitere Diskussionen, wo ich dies ebenso posten könnte)?


    Meiner Meinung nach sollte das Regelwerk noch weiter ausgedünnt werden: Das fängt damit an, dass die ganzen Regularien zum VAR meines Erachtens in ein eigenes VAR-Regelwerk gehören, damit muss man das Regelbuch nicht unnötig aufblähen, geht über zweifelhafte, aber ungemein detaillierte Dinge wie etwa beim Strafstoß (Kernanliegen: Der soll eine Torchance bringen bzw. wieder herstellen) und endet mit sinnlosen Aufzählungen bei diversen Sachverhalten wie beispielsweise zu erlaubten Ausrüstungsgegenständen.


    Ich vermisse hingegen eine Darstellung, warum man etwas so geregelt hat, wie es geregelt wurde, weil man damit leicht den Sinn der Regel nachvollziehen und sie eben auch in nicht beschriebenen Detailfällen korrekt anwenden könnte. Aktuell ist es doch so, dass die "Alten" im Vorteil sind, weil die beispielsweise erlebt haben, was die ewige Rückspielerei zum Torwart bewirkte oder der reine Aufenthalt auf gleicher Höhe für eine Abseitsstellung reichte, während die "Jungen" das nur vom Hörensagen kennen - und damit geht einher, dass man ein unterschiedliches Verständnis vom Sinngehalt der Regel bekommen kann, nebenbei würde es dem Regelgeber auch mach Eskapade ersparen, würde er selbst sofort merken, dass die Regel so nicht durchdacht/sinnvoll anwendbar ist.


    Ergänzend hätte ich gerne eine online verfügbare Lehrsammlung, die gerne auch auf alle möglichen Detailkonstellationen eingehen kann - damit wäre vermieden, dass wir zu unterschiedlichen Lehrwartauffassungen - auch das gibt es ja immer wieder - kommen können, ebenso könnte man die Zahl der Anfragen beim Lehrwart wegen unklarer Fallkonstellationen reduzieren, weil jede Frage entweder schon in der Sammlung enthalten ist oder dann eben aufgenommen wird. Allerdings sehe ich auch die zwei Probleme dieser Lösung: Problem Nummer 1 sind wir Schiedsrichter selbst, wir müssten uns viel intensiver mit den Regeln beschäftigen (gut, wir Forenteilnehmer sind da sicher schon überdurchschnittlich, aber jeder wird die Problembären aus seiner Vereinigung kennen, deren Regelstand noch Achtzehnhundertdickmilch ist), Problem Nummer 2 läge beim DFB, denn eine solche Datenbank müsste bei Regeländerungen natürlich gepflegt werden, was Aufwand bedeutet - und hier zeigt sich, dass der Amateurfußball doch kein hohes Ansehen genießt, denn für so etwas bräuchte man eine hauptamtliche Kraft, die will man aber nicht engagieren.

    Also nix Tomate, Brille und sonstige Nettigkeiten. Danke.

    Ach Sepp, könnte es sein, dass Du gar kein Schiri bist? Unter uns Schiris ist der Umgangston doch regelmäßig rau, aber herzlich - und Sepp lässt nun eher auf den süddeutschen Raum schließen, wo es sprachlich meist noch eine Spur deftiger zugeht ...


    Und jetzt mal ganz ernsthaft:

    Leider ist mein Regelheft offenbar defekt, so ist auf Seite 73 überhaupt kein Text, sondern nur eine Grafik. Sachen gibt's.

    Mit solchen Aussagen entsteht nicht gerade ein seriöser Eindruck. Entweder verwendest Du eine alte Ausgabe des Regelwerkes oder Du schaust in der PDF-Datei nach den Seitenzahlen des PDFs, nicht aber des Textes (die Handspiel-Grafik ist in der PDF-Seitenzählung die Seite 73, unten rechts in der Ecke aber eindeutig Seite 71) - aber ich möchte das für die User nachvollziehbar halten, die das Regelwerk in (aus)gedruckter Form in den Fingern halten.

    Hab mir halt nur gedacht, dass Mannschaften ja dann mal schnell einen Gelbverwarnten zum Kapitän machen können weil der sich dann beim Schiri ein ticken mehr erlauben darf.

    Genau das steht aber nicht im Regelwerk, tendenziell sogar eher das Gegenteil (genießt keine Privilegien, ist aber für das Verhalten seiner Mannschaft verantwortlich) - aber auch hier wird das in der Praxis oft anders gehandhabt ...

    Wobei ich die Grauzone so nicht sehe - ich erinnere ans Abseits.


    Beim Abseits ist es vollkommen eindeutig, dass jeder Ballkontakt eines im Abseits stehenden Spielers zur "Strafbarkeit" der Abseitsstellung führt. Warum also soll ich das beim Rückpass anders handhaben? Wenn ein Angreifer den Ball berührt, egal wie, ist der Rückpass nicht mehr direkt, ergo nicht mehr regelwidrig - meinetwegen nenn es Dummheit des Angreifers.


    Der einzige Graubereich, den man sehen könnte, wäre der, dass der Angreifer den Ball ungewollt berührt - aber das buche ich unter dem Willen des Regelgebers, dass Finten zum Fußball gehören und wenn es jemandem beim Rückpass gelingt, den so auszuführen, dass der Angreifer den Ball berührt, ohne aber eine Einflussmöglichkeit zu haben, ist das m.E. ein Klassiker einer Finte.

    Ach tillongi, Du bist wieder so destruktiv pragmatisch ...


    Natürlich werden wir alle auf einem Spielführer bestehen und der hat verdammt und zugenäht auch auf dem Feld zu sein - und dank DFBnet kommt auch keine Mannschaft auf eine andere Idee. Daraus folgt auch, dass der Spielführer wechseln kann, nicht nur in der Halbzeit, theoretisch in jeder Spielunterbrechung (obwohl ich das nicht zulassen würde).


    Rein regeltechnisch sieht die Welt aber eben etwas anders aus, wie in Post #4 dargelegt. Nur weil etwas "schon immer" so war bzw. gemacht wurde, muss das nicht zwingend regelkonform sein (wobei regelwidrig ist es ja auch nicht, sondern schlicht gar nicht klar geregelt).

    Hui, ganz so einfach ist es dann doch nicht.


    In den Regeln steht zu dem Thema erst einmal: Wenig! Regel 03.10 beschreibt ihn so:

    Zitat

    Der Teamkapitän/Spielführer genießt weder einen Sonderstatus noch Privilegien, trägt aber eine gewisse Verantwortung für das Verhalten seines Teams.

    Dazu wird in Regel 4 noch die Spielführerbinde als Ausrüstungsgegenstand beschrieben. Wirklich aussagekräftig ist das also nicht.


    In zwei DFB-Anweisungen werden dann die Aufgaben des Kapitäns etwas genauer beschrieben:

    Einmal in der Anweisung Nr. 2 zur Regel 14 (bei Weigerung des Torwartes beim Strafstoß) sowie in der Anweisung Nr. 6 zur Regel 3:

    Zitat

    Ein Spieler jeder Mannschaft ist der Spielführer (Teamkapitän). Obwohl er für das Benehmen seiner Mannschaft verantwortlich ist, genießt er keine Sonderrechte.

    Also: Der Typ hat im Ernstfall eine konkret beschriebene Aufgabe und ist für das Benehmen seiner Truppe verantwortlich, wobei sich durchaus die Frage stellt, ob diese Regelgrundlage ausreichend wäre, um ihn bei schlechtem Benehmen seiner Mannschaft zu verwarnen. Irgendwie wenig aussagekräftig ...


    Zumindest in meinem Verband kommt dann die Spielordnung dazu (Achtung: Tante Verbandsspezifisch, so oder ähnlich dürfte es aber überall sein):

    Bringt uns jetzt auch nicht wirklich in der zur Erörterung stehenden Frage weiter und wir stellen fest, dass hier viel Usancen und Pragmatismus mitspielen, aber nichts explizit geregelt ist.


    Nirgendwo ist beschrieben, dass der Spielführer auch am Spiel teilnehmen muss, der kann seiner Aufgabe grundsätzlich auch von der Reservebank aus nachkommen - aber selbstverständlich ist es sinnvoll(er), wenn der auf dem Feld ist; dennoch gibt es keine zwingende Notwendigkeit der Weitergabe der Funktion bei einer Auswechslung. Anders sieht das nur aus, wenn der Spielführer den Innenraum verlässt oder verlassen muss, weil er dann seiner Aufgabe nicht mehr nachkommen kann.


    Es bleibt also festzuhalten:
    Wirklich festgelegt ist beim Spielführer nur, dass es ihn geben muss. Dennoch ist es im Sinne des Fußballs, wenn der auch aktiv am Spiel mitwirkt. Zudem ist es im Sinn der Spielordnung, dass der Wechsel der Spielführereigenschaft zulässig sein muss, denn wenn ein Spieler einen schlechten Tag hat und sich nicht als besonnen und zuverlässig erweist, ist es letztlich doch auch in unserem Interesse als SR wenn wir einen anderen Ansprechpartner bekommen. Sofern also die Spielführereigenschaft nicht exzessiv wechselt, bestehen dagegen keine Einwände.

    Vielleicht stehe ich ja auf dem Schlauch und es gibt irgendeine Schutzwirkung, dann wären diese Gegenstände erlaubt. Mir fällt aber nicht wovor diese Gegenstände schützen.

    Ich sagte doch bereits, dass ich da vollkommen unproblematisch eine Schutzwirkung definieren kann: Ein Schweißband um die Stirn verhindert, dass unkontrolliert Schweiß in die Augen läuft, was die Verletzungsgefahr wegen unkontrollierter Kollision mit anderen Spielern, Nichterkennung von Löchern im Boden, stolpern über den Ball etc. mindert, außerdem ist es, das ist üblicherweise ja ein ganz wichtiges Ziel des Regelgebers, der Spielqualität förderlich. Beim Schweißband am Arm ist das ähnlich, niemand hätte ja etwas dagegen, wenn man den Trikotärmel dafür benutzen würde, der ist bei Kurzarmtrikots aber womöglich zu kurz ...

    Tomaten von den Augen pflücken, Brille putzen und lesen!


    Was steht aus Seite 72 unten?

    Zitat

    Ein indirekter Freistoß wird gegeben, wenn ein Torhüter innerhalb des eigenen Strafraums den Ball:

    mehr als sechs Sekunden lang mit der Hand/dem Arm kontrolliert, bevor er ihn freigibt,

    mit der Hand/dem Arm berührt, nachdem er den Ball freigegeben hat und bevor dieser von einem anderen Spieler berührt wurde,

    Hier suchst du, was in der dritten Zeile steht.


    Weiter geht es auf seite 73 oben:

    Zitat

    mit der Hand/dem Arm berührt, es sei denn, er hat den Ball bei einem Klärungsversuch eindeutig mit dem Fuß gespielt oder zu spielen versucht,

    nach:

    einem absichtlichen Zuspiel eines Mitspielers mit dem Fuß zum Torhüter,

    einem direkt zugespielten Einwurf eines Mitspielers.

    Hier ist nur der erste Halbsatz der ersten Zeile von Interesse.


    Jetzt klarer?