Beiträge von Manfred

    Ach Sixth,


    ich gehe einfach davon aus, dass es noch nicht abschließend geklärt ist, wie der DFB das umsetzen will und dies aktuell noch auf oberster Ebene ausgebrütet wird, ergo auch der Verbandslehrwart noch nichts weiß - zumindest nichts, was er schon erzählen dürfte.

    Unterdessen bin ich an dem Punkt, an dem ich jegliche Diskussion über Regeländerungen nicht mehr ernst nehme. Auf unserem letzten Lehrabend vor 8 Tagen war der Verbandslehrwart - also der ranghöchste Lehrwart des Verbandes - da und betonte ausdrücklich, dass er noch keine schriftlichen Informationen habe und sich auf die BILD-Zeitung nicht verlassen wolle; es scheint also durchaus noch Kommunikations- und Klärungsbedarf zu geben, warum also über ungelegten Eiern brüten?

    Also in meinem Regelbuch von 1980 steht das nicht mehr, die Aufhebung muss also vorher erfolgt sein …


    Tante Verbandsspezifisch hat bei uns in der Spielordnung aber einen tollen Eintrag:

    Zitat

    § 144 Handspiel

    Der Gebrauch der angelegten Hand zum Schutz des Körpers ist erlaubt, wenn unter Beachtung der Fußballregeln die Hand nicht zum Ball, sondern der Ball zur Hand geht.


    Der Satz ist zwar meines Erachtens zumindest in diesem Wortlaut völlig sinnbefreit, denn wenn die Hand nicht zum Ball geht (angelegt sein muss sie ja auch), ist das Handspiel schon nach Regelwerk nicht strafbar ...

    Aber: Die Hand geht aktiv zum Ball, sie hätte auch woanders hingehen können - und damit ist es ein klar absichtliches und damit regelwidriges Handspiel. Und ich wiederhole: Statt die Hände hin hätte er auch den Körper wegdrehen können, denn aus so kurzer Distanz kann der Schuss nicht gekommen sein, wenn es für die Hände noch gereicht hat.


    Ich räume gerne ein, dass ich das menschlich nachvollziehen kann und auch nicht unbedingt gerecht finde, aber die Regellage ist gleichermaßen logisch wie nachvollziehbar.

    Schutzhand hat man bei uns klar auf den Fall beschränkt, dass Frauen ihre Brüste mit der Hand schützen dürfen - für alle anderen Fälle gilt die Aussage unseres Lehrwartes, dass der Spieler sich eben abschießen lassen muss bzw. wenn er die Zeit hat, die Hände dahin zu ziehen, könnte er sich auch wegdrehen/-ducken. Damit bleibt nur verbotenes Handspiel mit den entsprechenden Konsequenzen.


    Anmerkung am Rande:

    Als ich selbst als kleiner Junge noch Fußball gespielt habe, kursierte auf den Sportplätzen die Weisheit "Schutzhand gibt es nicht mehr" - und das ist immerhin mehr als 40 Jahre her.

    Die Sache mit dem "geht der Ball ins Tor" bezieht sich m.E. eindeutig auf einen unmittelbar ausgeführten Schuss - sonst wäre ja alles offen, wie Nachschuss nach Abwehr oder durch einen anderen Spieler nach Treffer an Pfosten oder Latte. Oder um beim Abseits eine Anleihe zu machen: Mit der Ballannahme durch einen anderen Spieler entsteht eine neue Spielsituation, damit ist die Wirkung des Strafstoßes - hier eben: Kein Tor - eingetreten.

    Also wenn man zusammengeschlagen wird, sollte es durchaus Beweise geben, denn solche Schläge hinterlassen Spuren und jeder einigermaßen kundige Arzt kann unterscheiden, ob Hämatome nun "alt" oder "frisch" sind - und damit wäre zumindest der Beweis des ersten Anscheins erbracht, je nach Zahl und Ort auch der Beweis, dass diese Dir von Dritten zugefügt wurden; damit wird die Luft für den Heimverein stratosphärenmäßig dünn.


    So etwas muss gemeldet werden, "ausgeplant" wird man eigentlich nur, wenn man das selbst will.

    Ganz ernsthaft:
    Ich halte es nicht für die Aufgabe eines "einfachen" Schiedsrichters, tiefgründige Regelerkundungen in verschiedenen Sprachen durchzuführen. Dafür gibt es einen DFB und ein Lehrwesen (Randnotiz: Nur so kann eine einheitliche Regelauslegung und -Anwendung gewährleistet werden). Schon heute bieten die Regeln leider nicht immer die Klarheit, die in einzelnen Fällen wünschenswert wäre (wobei das wahrscheinlich auch nicht erreichbar ist), so dass nach dem Sinn und Geist der Regeln entschieden werden muss, was ganz zwangsläufig nicht immer zur gleichen Entscheidung führt. Delegiere ich jetzt aber noch die Aufgabe "im Zweifelsfall gilt der englische Wortlaut" an den einzelnen Schiedsrichter, kommt es nicht nur auf dessen Kenntnisse der englischen Sprache an, sondern auch darauf, wie sehr er damit vertraut ist, wie die Sprache jenseits der wörtlichen Übersetzung zu verstehen ist. Bewusst ein Beispiel jenseits des Fußballs: In England kann es bekanntlich Katzen und Hunde regnen, während es bei uns aus Kübeln/Eimern schüttet oder sich zum Wolkenbruch aufklärt. Schon in der deutschen Sprache wird nicht immer klar, wie etwas zu verstehen ist, ein "Ball spielen" kann mit dem Fuß meinen, muss das aber nicht.


    Von daher wiederhole ich:
    Für mich ist das deutschsprachige Regelwerk maßgebend, da ändert auch die Notiz über die Maßgeblichkeit des englischen Textes nichts. Einem milliardenschweren Verband wie der FIFA, welche beim IFAB mitwirkt und bei der die Nationalverbände Mitglied sind, muss es doch möglich sein, eine Übersetzung bereitzustellen, bei der es zu solchen Zweifelsfällen eben nicht kommt; wenn die das schon nicht schaffen, wie soll der einzelne Schiri das können?

    Wobei mir der englische Originaltext recht egal ist (es sei denn, da lässt sich etwas im deutschen Text beim besten Willen nicht klären), verbindlich ist für mich immer noch das Regelwerk des DFB - und das ist an dieser Stelle für meine Begriffe eindeutig.

    Der reine Regeltext gibt das nicht mehr unmittelbar her, aber die DFB-Anweisung Nr. 7 zur Regel 12

    Zitat

    Situationen, in welchen der Ball von einem Mannschaftskollegen mit dem Fuß zwar nicht direkt in Richtung des Torhüters, jedoch absichtlich so gespielt wird (beispielsweise neben das Tor), dass der Torhüter den Ball annehmen kann, sind im Sinne dieser Regel als absichtliche Rückpässe an den Torhüter zu werten. Berührt der Torwart in solchen Fällen den Ball

    mit den Händen, ist ein indirekter Freistoß zu verhängen. Ein indirekter Freistoß ist auch dann zu verhängen, wenn ein Mitspieler des Torhüters den Ball mit dem Fuß absichtlich stoppt und der Torhüter diesen Ball mit der Hand berührt.

    und auch der Regeltext bei den verwarnungswürdigen Vergehen:

    Zitat

    absichtlich einen Trick nutzt (auch bei einem Freistoß), um den Ball mit dem Kopf, der Brust, dem Knie etc. zum Torhüter zu passen und so die Rückpassregel zu umgehen, egal ob der Torhüter den Ball mit den Händen berührt oder nicht,

    Ich lasse mich überzeugen, dass in gewisser Weise ein Vorteil, den es wegen der Abseitsstellung eigentlich nicht gibt, durch die Verhängung des Strafstoßes eingetreten ist, die Verhinderung eines aussichtsreichen Angriffs ist damit obsolet. Aber ein einer Stelle hake ich immer noch:

    "am Bein trifft" ist für mich eindeutig oberhalb des Knöchels - und da sind wir immer in einem kritischen Bereich. Stünde da heftig am Bein trifft, wäre das eine glasklare Rote Karte, Treffer oberhalb des Knöchels sind eigentlich immer geeignet, die Gesundheit des Gegners zu gefährden und damit eine Verwarnung wert - oder handelt es sich um eine sprachliche Ungenauigkeit?

    Meines Erachtens:


    0. Abseits irrelevant

    1. Strafstoß (Regeltext wurde bereits zitiert) und damit Strafstoßmarke

    2. Gelbe Karte für den Halter wegen unsportlichen Verhaltens

    3. Gelbe Karte für den Spieler, der das erste Foul begangen hat, denn er verhindert einen aussichtsreichen Angriff - und je nachdem, wie der Text "trifft das Bein" zu lesen ist, könnte das sogar mehr sein.

    1. Ungewollt abgelenkter Schuss - spricht schon gegen einen Rückpass.

    2. Der TW nimmt den Ball seitlich außerhalb des Strafraums an, also an einer Stelle, an der üblicherweise kein Torwart steht und an der mit ihm auch eher selten zu rechnen ist - wenn der nicht die ganze Zeit schon in der Nähe stand, spricht das auch eher gegen einen Rückpass.

    3. Wie wurde der Schuss denn abgefälscht? Wenn es nicht mit den Fuß war, erübrigen sich ohnehin alle Überlegungen bezüglich eines Rückpasses (hatte ich neulich auch, da war aber Knie, ein Depp reklamiert immer und ich fragte ihn nur, ob der Ball mit dem Fuß gespielt wurde - Ruhe war).


    Die Beschreibung lässt zwar noch etwas Interpretationsspielraum, aber tendenziell deutlich kein Rückpass, also alles richtig gemacht.

    Ich glaube, ich habe den fehlenden Link:
    Es soll bekanntlich die Fälle gegen, in denen ein Tor ohnehin kein Tor gewesen wäre, also der direkt verwandelte indirekte Freistoß oder der Freistoß, Anstoß oder Einwurf der eigenen Mannschaft, der direkt ins Tor geht. Wenn hier jetzt ein Zuschauer beispielsweise auf der Torlinie eingreift und der Ball dennoch ins Tor geht, bleibt es bei der "eigentlichen" Spielfortsetzung Abstoß bzw. Eckstoß.

    Bei Wikipedia steht insoweit nichts verkehrtes, da es sich ja um ein kontrolliertes Spiel handelt - nur war die Kontrolle eben nicht so, wie der Spieler sich das vorgestellt hat. Ubbo Voss weise ich schon länger nicht mehr den Status einer seriösen Quelle zu, spätestens seit er gestorben ist.

    Na ja Daniel, wenn ich von zwei Verwarnungen und einem FaZ lese - willkommen in der Realität, die "lieben Kleinen" sind oft alles andere als "lieb"; wobei es extreme Unterschiede gibt, aber seitdem ich in der F-Jugend schon eine perfekte Schwalbe gesehen habe, ne, ne ...

    Generell:
    Die Sonderlocken beim Handspiel wurden weitestgehend abgeschafft. Von daher gilt, dass bei einem strafbaren Handspiel, egal welcher Spieler das macht, die Verwarnung erfolgt, wenn ein aussichtsreicher Angriff verhindert wurde, während bei der Vernichtung einer klaren Torchance die Rote Karte kommt.


    In Deinem Fall liegt keine der Konstellationen vor, ergo auch keine persönliche Strafe - und die Verwarnung für Dummheit gibt es leider nicht (die vermisse ich öfter mal).

    Ach dennosius, letztlich wälzt man das Problem aber schon wieder auf die Schiris ab. Einerseits gibt es die klaren Ansagen, dass nach einer Tätlichkeit Schluss ist - und schon alleine aus Gründen der Solidarität mit den Kollegen, deren Konstitution vielleicht nicht so stabil ist, sollte man das umsetzen -, andererseits weiß ich sehr wohl, dass das seitens der Spielordnung keine Verpflichtung ist.


    Persönlich handhabe ich das so, dass in leichten Fällen das eben eine (ich weiß, gibt es nicht) grobe Unsportlichkeit (d.h. der Täter geht mit :rote_karte:) aber keine Tätlichkeit war, zumindest nenne ich das auf dem Feld so.