Wo ich dir recht gebe, ist dass diese nicht Grundlage einer Entscheidung seind dürfen.
Und genau das ist die Zielrichtung des Beitrages - ich muss nach Regelwerk entscheiden und da ist eben eine "Notbremse" eine solche, auch wenn der Verteidiger dem Angreifer vollkommen aus Versehen von hinten auf den Schuh tritt, mit allen Konsequenzen, selbst wenn nicht zu übersehen ist, dass das alles andere als Absicht war.
Wir hatten am gestrigen Bundesliga-Spieltag übrigens zwei Situationen, die geradezu klassisch waren - und wo die Kollegen das auch richtig gemacht haben:
Einmal "fällt" ein Angreifer im Strafraum und zeigt unmittelbar, gewissermaßen in tätiger Reue, dass das kein Foul war, dennoch bekam er die Verwarnung, weil es eben keine tätige Reue im Regelwerk gibt. Im zweiten Fall rutscht ein Spieler, aber der Ball kommt dann an den anderen (nicht den abstützenden) Arm, der zudem noch recht hoch aufzeigt - sicher keine Ansicht, aber eben ein Strafstoß im Sinne der Regeln.
Ich habe es aber oft genug selbst erlebt - und noch Öfter von betroffenen, meist jüngeren, Schiris gehört, dass sie nicht so entschieden hatten, wie es richtig gewesen wäre, eben weil sie das aus der Position Spieler betrachtet hatten, mithin hatten die Verständnis für die Situation gehabt.
Mitgefühl, Rücksicht und vor allem Verständnis sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Spielleitung.
Nein - Punkt. Eine erfolgreiche Spielleitung zeichnet sich dadurch aus, dass sie berechenbar ist - und das ist sie primär, wenn der Schiri die Regeln anwendet; sie wird übrigens noch besser, wenn alle Schiris die Regeln gleich anwenden. Natürlich gibt es Spielräume, aber die beziehen sich meist eher auf Dinge wie "liegt ein Vorteil vor" oder die Frage, ob eine persönliche Strafe sinnvoll ist - bitte nicht mit den Fällen verwechseln, in denen die zwingend ist - oder ob es eben auch eine Ansprache tut, nur sollten diese Entscheidungen eben gerade nicht aus Dingen wie Mitgefühl, Rücksicht oder Verständnis gespeist werden, sondern von Faktoren wie beispielsweise dem Spielcharakter, denn in einem Spiel kann ich viel mit Ermahnungen regeln, in anderen Spielen sind für gleiche Situationen Karten das Mittel der Wahl, aber eben, wie bereits geschrieben, nur da, wo auch wirklich Spielräume bestehen.
Nebenbei:
Wir sind hier im Bereich für Neulinge - und die haben es oft schwer genug und tun sich selbst auch schwer. Wenn die anfangs erst einmal stringent(er) sind, halten die sich viele Probleme vom Leib, der Rest ergibt sich aus Erfahrung. Dazu kommen weitere Faktoren wie Auftritt, Typ, Schlagfertigkeit etc., als alter Hase mit lockerem Mundwerk kann ich manches anders lösen als ein frisch gebackener Schiri, weil ich besser erkenne, was ich zu tun habe und man mir das auch "abkauft"; gleichwohl darf ich, womit ich der Kreis schließt, meine Entscheidung eben nicht von Dingen wie Verständnis und Mitgefühl beeinflussen lassen.
Auch hierzu ein Beispiel:
Ich habe vielleicht Grütze gepfiffen und der Trainer beschwert sich lautstark. Klar, mein Gefühl sagt, der hat recht - aber darf ich das deshalb zulassen? Bei der nächsten Situation, bei der ich sicher bin, dass ich richtig liege, meckert der wieder lautstark - und nun?