Beiträge von Manfred

    An dieser Stelle gab es keinen Grund für eine Unterbrechung. Der SR muss das Spiel nur unterbrechen, wenn er einen Spieler für ernsthaft verletzt hält - und das war eindeutig nicht der Fall. Ergo warten bis zur nächsten Unterbrechung, Gelb und Gelb-Rot wenn nicht sogar unmittelbar Rot für den Co-Trainer (hatten wir ja bereits besprochen), den Spieler fragen, ob er eine Behandlung braucht (wenn ja, reicht es völlig, im zu erlauben - allerdings im Ton einer Aufforderung -, das Feld zwecks Behandlung zu verlassen, da er ja laufen kann, muss auch niemand auf des Feld kommen) und Spiel mit Spielfortsetzung gemäß der "neuen" Unterbrechung fortsetzen.

    Vorsicht: Drücken ist nicht schubsen - aber, um SixthSCTF zu zitieren, da hat jeder sein Kopfkino. Dennoch: Schubsen ist auch am eigenen Spieler während einer Spielruhe eine Tätlichkeit.

    Lass uns das mal zu Ende denken:


    Wenn das Spiel unterbrochen ist, gibt es keinen rational-vernünftigen Grund, einen Gegner zu schubsen. Es geht also immer darum, den Mitspieler, aus welchem Grund auch immer, gegen seinen Willen zu einer Änderung seiner Position zu zwingen, d.h. Gewalt anzuwenden - und diese Gewaltanwendung ist dabei unabhängig von der Heftigkeit. Was ich während des Spieles, soweit es im Spielgeschehen passiert, vielleicht noch unterscheiden kann und darf, weil sich beispielsweise ein Spieler dadurch einen, wenn auch regelwidrigen, Vorteil im Spiel verspricht, stellt bei ruhendem Spiel immer eine Tätlichkeit dar. Es ist schon ein Zugeständnis, wenn die Variante "leichter Schubser" nur als Unsportlichkeit gesehen wird, "richtig" ist das nicht.

    Die Diskussion bringt mich auf eine ganz andere Frage:


    Bekanntlich gibt es die verlorene Spielzeit, die zwingend nachgespielt werden muss, sowie die vergeudete Spielzeit, die nur unter Beachtung der Vorteilsbestimmung nachgespielt werden soll. Stellen wir uns jetzt einmal vor, dass es zum Ende der regulären Spielzeit 0:0 steht und wir je 2 Minuten verlorene und vergeudete Spielzeit haben. Zeige ich jetzt 4 Minuten an, bin ich verpflichtet, diese 4 Minuten auch spielen zu lassen, selbst wenn in den 2 Minuten der verlorenen Spielzeit ein Tor fällt, so dass die vergeudete Spielzeit eigentlich nicht mehr nachzuspielen wäre - irgendwie ist das nicht im Sinn der Regel, da ich die Mannschaft so um den Vorteil bringe, eine zweimalige bzw. getrennte Anzeige der Nachspielzeit ist aber auch nicht vorgesehen …?!?


    Und meine Erfahrung lehrt, dass man gerade in Spielen mit knappem Ergebnis neben der verlorenen Spielzeit, die bekanntlich durch Verletzungen und Auswechslungen entsteht, eigentlich immer auch eine Mannschaft hat, die "auf Zeit" spielt und so verlorene Spielzeit generiert.

    Lass uns den Fall doch noch einmal anders betrachten:


    Ja, da ist die Sache, dass der Co-Trainer einen Spieler auf das Spielfeld schubst - die Schubserei alleine kann ich als Gelb oder Rot ansehen.


    Für die Frage, was er denn getan habe, wäre - vorausgesetzt, man entscheidet sich vorher für Gelb - die Ampelkarte zwingend gewesen.


    Aber: Wie war das noch mit dem "einwirken"? Durch das bewusste Verbringen eines verletzten Spielers will der Co-Trainer eine Spielunterbrechung erzwingen. Und da das Spiel nicht fortgesetzt ist, erreicht er damit auch sein Ziel, denn eine Fortsetzung mit einem verletzten Spieler auf dem Feld ist extrem gefährlich für den SR. Damit aber hat der Co-Trainer mindestens eine weitere Unsportlichkeit begangen und wäre mit der Ampelkarte zu entsorgen gewesen, um die komme ich als SR nicht herum.


    Und zum Schluss:
    Selbstverständlich lässt sich auch eine Rote Karte vertreten - und hier ist es tatsächlich mal von Vorteil, wenn man nur den Sachverhalt schildert, soll das Sportgericht doch festlegen, welcher Tatbestand erfüllt ist.

    Und genau das ist falsch. Die Entstehungsgeschichte der Abseitsregel lehrt, dass es darum ging zu verhindern, dass ein Spieler mehr oder weniger tatenlos in der gegnerischen Hälfte darauf wartete, dass er einen langen Pass bekommt und dann nach Möglichkeit ein Tor erzielen kann; genau dies war unerwünscht (ob das heute noch möglich wäre, darf getrost offen bleiben). Im Umkehrschluss zeigt das aber, wie auch alle bisherigen Änderungen der Regel ganz eindeutig, dass es eben beim Abseits um einen Wechsel des Ballbesitzes ging, nicht jedoch darum, dass ein Spieler mit dem Ball über den ganzen Platz dribbelt (wobei er zwangsläufig viele Ballberührungen gibt). "Spielen" meint eben genau die Ballabgabe, bei "berührt" ist gemeint, dass der im Abseits stehende Spieler den Ball berührt.


    Um auf das Beispiel von Sixth zu kommen:
    Versperrt ein Spieler mit Absicht das Sichtfeld des Torwartes, handelt es sich grundsätzlich um eine Unsportlichkeit, weil es eben nicht um die - zulässige - Variante geht, eine möglichst günstige Position für den nächsten Ballkontakt zu bekommen, sondern darum, einen anderen Spieler ohne jede Absicht eines Ballkontaktes zu behindern. Dies ist hier aber nicht gegeben, auch die übrigen Fallkonstellationen liegen nicht vor.


    Bei meiner Frage bleibt aber nach wie vor offen, ob Inaktivität wirklich strafbar wird, insbesondere wenn klar gezeigt wird, dass man inaktiv bleiben wird.

    Moment Mark, Du verkennst, dass in der von Dir zitierten Regel immer auch die Voraussetzung gegeben sein muss, dass der Ball gespielt wird. Solange der Ball im Besitz desselben Spielers bleibt, kann es nie eine zu ahndende Abseitsstellung geben.

    Langsam:
    In dem von Sixth skizzierten Fall kann kein strafbares Abseits vorliegen, solange der Spieler S in Ballbesitz bleibt. Erst wenn S sich entschließt, entweder den Ball in Richtung A abzuspielen (hier kann der Pfiff unmittelbar erfolgen, da A der einzige Spieler ist, der den Ball erreichen kann) oder auf das Tor schießt, da man dann eine Sichtbehinderung bejahen kann. Spannend wird diese Frage vor allem dann, wenn S den Ball bis in das Tor dribbeln will oder soweit vorrückt, dass die Sichtbehinderung dann irrelevant wird - hier wäre ich der Auffassung "Kein Abseits".

    Wenn der Spieler nicht eingreifen will, soll er den Schritt aus dem Feld machen. Oder hinter den Ball gehen.

    Ja, ne, so einfach ist auch das nicht. In dem Moment, in dem sich der Spieler bewegt, kann der Eindruck entstehen, dass er am Spiel teilnehmen will, was die Voraussetzungen verändert. Der Schritt aus dem Feld ist doppelt schwierig, da der Spieler zwar vom impliziten Einverständnis des SR ausgehen darf, dass er das Feld verlassen darf, andererseits unterliegt der Spieler aber damit der Sonderregelung, dass er sich der Abseitsstellung entzogen hat und folglich warten muss, bis die Situation bereinigt ist, bevor er wieder am Spiel teilnehmen darf, er aber klar signalisiert hatte, nicht am Spiel teilnehmen zu wollen.


    Pragmatisch ist die Abseitsentscheidung natürlich, begründbar ist sie auch - aber ist das auch im Sinne der Regel? Ein Eingriff bedeutet nun einmal aktive Handlung, der passive Sonderfall ist mit der Sichtbehinderung abschließend umschrieben. Die Sache mit der Behinderung des Gegners bzw. Verhinderung des Ballspiels durch einen Gegner sind ja genau die Dinge, die Ursache meiner Frage sind: Behindern bzw. die Verhinderung des Ballspiels sind üblicherweise AKTIVE Eingriffe, ist das wirklich auch auf passives Verhalten anwendbar? Denken wir daran, dass ein Spieler auch sonst einfach stehen darf - auch im Weg - und es ein Foul des anderen Spielers ist, wenn er diesen Spieler dann "umrennt", nur aktiv in den Weg treten ohne um den Ball zu kämpfen ist verboten, ergo darf ein Spieler eben eigentlich sehr wohl stehen, wo er steht ...

    Folgende Situation (sehr ähnlich einem Fall in meinem heutigen Spiel):
    Kurz ausgeführte Ecke, es kommt zu einer drangvollen Enge nahe des Viertelkreises um die Eckfahne. Der ursprünglich ausführende Spieler steht dort noch immer und zeigt durch seine Körpersprache deutlich an, dass er nicht eingreifen will, er berührt auch nicht den Ball - nur beeinträchtigt er die Möglichkeiten des Verteidigers, den ballführenden Spieler anzugreifen.


    Reicht das jetzt schon für eine zu ahndende Abseitsstellung, denn er nimmt, wenn auch ungewollt, Einfluss auf das Spielgeschehen oder reicht das nicht, da dafür ein aktiver Eingriff vorliegen muss?

    Nun, der Text zum Bild spricht von langstieligem Unkraut und von "Wenn man da mit dem Stollen hängen bleibt, zerreißt es Dir alles." - das Bild lässt diese Aussage auch glaubwürdig erscheinen, denn da liegt deutlich sichtbar eine größere Pflanze flachgetreten (hätte man ausreißen müssen, wobei fraglich ist, ob das im zeitlichen Rahmen möglich gewesen wäre).

    Ob das von der Kollegin taktisch klug war oder ob sie sich damit zur Schiedsrichterin von letzter Woche gemacht hat - nun, das ist eine berechtigte Frage. Gleiches gilt für die Fragestellung, ob sie sich damit über Weisungen des Lehrstabes etc. hinweggesetzt hat, die nach Tätlichkeiten einen Abbruch vorsehen. Aber: Solange sie nicht gegen Regeln oder Bestimmungen aus der Spiel- oder Schiedsrichterordnung verstoßen hat, ist die Fortführung des Spiels bis zum regulären Ende formal nicht zu beanstanden.


    Im Übrigen gilt, was Sixth geschrieben hat: Die Strafordnungen kennen durchaus passende Sanktionen, die auch einen Punktabzug umfassen (bringt aber eben nur Abzug, dem Gegner im Gegenzug aber keine Gutschrift, wobei ich das auch nicht unbedingt gerecht fände).

    Habt Ihr schon die aktuelle Schiedsrichterzeitung gelesen? Da steht ganz trocken, dass die Zahl der Übergriffe auf uns Schiedsrichter leicht gestiegen ist, obwohl gleichzeitig rund 50.000 Spielleitungen weniger anfielen. Der einzige Kommentar des DFB dazu ist: "Soziale Konflikte brechen auf dem Fußballplatz durch.".


    Mal ernsthaft ihr Oberen im DFB: Geht's noch? Statt ernsthafter Überlegungen und Strategien, wie man dieses Gewaltproblem in den Griff bekommen kann, einfach nur ein Schulterzucken?


    Kleine Ergänzung:
    Wir reden - rund gerechnet - von etwa 100 Angriffen auf einen Schiedsrichter pro Spieltag!

    Stattdessen rief ein Spieler laut: "Sch*** Schiri!" --> das gab dann auch direkt im Anschluss

    Na ja, das ist Verrat von Betriebsgeheimnissen, was anderes als die glatte Rote soll es denn dafür noch geben? *Ironie aus*

    (auch wenn besagter Kollege dennoch ein bisschen schmunzeln musste)

    Und da sind wir wieder bei der Ironie: Wir ertragen das unterdessen mit einer Selbstironie, die eigentlich übermenschlich ist. Umgekehrt wird das deutlich: Wie wäre die Reaktion der Spieler und des Sportgerichtes, wenn wir SR - oft sogar viel zutreffender - ähnlichen Dinge von uns gäben (z.B. unfähiger Spieler) - kämen wir dann mit zwei Spielen Sperre davon oder fiele die Strafe für uns nicht weit drastischer aus? Da ist etwas nicht im Lot ...

    Ich gehe nicht davon aus, dass es sich um ein Spezifikum für Deutschland handelt, siehe Regel 09 Nummer 1:


    Hier ist es die Fallkonstellation dritter Punkt erster Unterpunkt.