Assistenten auf der falschen Seite

  • Hallo allerseits,


    Gerade nach Hause gekommen von einem Spiel als BEO in Norwegen, grübelnd über eine Situation, die ich in einem Leben als Fußballfan und inzwischen vielen Jahren als SR nicht erlebt habe:


    Beim Anstoß des U16-Spiels stehen die beiden Assistenten (neutrale, ausgebildete SRs, der Schirimangel ist hier nicht so schlimm) wie selbstverständlich auf der falsche Seite des Spielfeldes (an der Mittellinie gespiegelt). Ich habe erstmal gestutzt, weil ich sowas noch nie gesehen habe, überlegt, ob es überhaupt eine Regel gibt, wo die Assistenten zu stehen haben, und anschließend gehofft, dass die drei einen guten Grund dafür haben und der SR sein Laufspiel entsprechend anpasst.


    Wenig überraschenderweise hatte der SR dadurch traurig häufig massiv schlechtes Stellungsspiel, weil er die übliche Diagonale (linker Flügel Heim - linker Flügel Gast) gelaufen ist, die natürlich, mit den Assistenten auf denselben Seiten, völlig unsinnig war.


    Spannenderweise sind alle drei in der Aussprache aus allen Wolken gefallen, keiner von denen hatte das auf dem Schirm, und das über 80 Minuten mit "falschrum" laufen.


    Was ich da draus mache ist nun die ganz große Frage. Ja, die drei waren jung, aber sowas darf doch nicht vorkommen - und warum ist das keinem der drei aufgefallen? Wenn ich aber was abziehe: Wem? Dem ganzen Trio?


    Auf eure Ideen - und ob jemand eine Quelle kennt, die festlegt, wo die Assistenten sich bewegen sollen, bin ich gespannt!

  • Also ich habe im offiziellen Regelwerk 21/22 im Bereich „Praktischer Leitfaden für Spieloffizielle“ (ab Seite 127) u.a. eine Grafik gefunden, welche die Position der SRA darstellt.

    Da diese Angaben auch beim IFAB zu finden sind, würde ich das Ganze schon als offizielle Anweisung verstehen.

    Wenn der Mann in Schwarz pfeift, kann der Schiedsrichter auch nichts mehr machen.
    (Andreas Brehme)

  • Ich habe da keine Regelgrundlage, aber bei irgendeinem größeren Fußballspiel im TV, bei dem die SRAs nach meiner Ansicht verkehrtrum standen, wurde mal erwähnt, dass es in manchen Verbänden sogar üblich ist, dass sich der "offensive" SRAs in Angriffsrichtung links befindet, also aus DE-Sicht spiegelverkehrt.


    Genaugenommen ist das von Dir erwähnte Diagramm mit den Positionen auch nicht direkt Teil der Fußballregeln sondern Teil des Anhangs, der die praktischen Richtlinien beschreibt, also eine Art "Durchführungsbestimmung". Diese beschreiben ausdrücklich die Grafiken aber nur als grundsätzliche Leitlinien und nicht als verbindliche Positionierungen. Die Seite, auf der der SRA konkret zu stehen hat, ist nirgendwo textuell erwähnt. Von daher denke ich, dass das die spiegelverkehrte Positionierung nicht unbedingt regelwidrig ist.


    Möglicherweise ist das ganze aber noch verbandsspezifisch geregelt.

  • Also ich habe im offiziellen Regelwerk 21/22 im Bereich „Praktischer Leitfaden für Spieloffizielle“ (ab Seite 127) u.a. eine Grafik gefunden, welche die Position der SRA darstellt.

    Da diese Angaben auch beim IFAB zu finden sind, würde ich das Ganze schon als offizielle Anweisung verstehen.

    Ich spiele mal Advocat Diaboli.


    Nur weil der "Leifaden" am Ende eines Buches enthalten ist und zweckmässiges Verhalten sowie Hilfsmittel beschreibt, ist er noch lange nicht Teil des "REGELWERKS"


    Insofern ist die Frage von @Comox irgendwie berechtigt wo genau beschrieben ist an welcher Stelle sich der jeweillige SRA aufzuhalten hat. Dies müsste dann irgendwo in den REGELN 1-17 aufgeführt, und dort wohl am ehesten unter REGEL 5 zu finden sein.

    Da foinde ich aber nichts zu diesem Thema.


    Das von @Comox beschriebene Verhalten ist somit m.E nicht zwingend falsch, sondern nur ungewöhnlich. Natürlich muss dann der SR auch die Diiagonale anders laufen, aber auch die Diagonale ist nirgendwo zwingend vorgeschrieben. Diese ergibt letztlich eben auch nicht aus dem Regelwewrk, sondern aus der technischen Notwendigkeit wie man die Aufgabne des Team eben am Besten erfüllt.


    Wie gesagt: Advocat Diaboli.


    Nachtrag Tante Edith: @KozKalanndok war schneller


  • Ich wäre hier auch bei Matthias (über mir, und den ich ab Freitag bis Sonntag vermissen werde).

    Bei den Beobachterlehrgängen, die ich gemacht habe, war so was niemals Thema (aber im königlichen BFV ist ja bekanntermaßen manches Anders).

    Mein Kriterium wäre: haben sich auf Grund der "falschen" Positionen oder Laufwege Fehler bei der Spielbeurteilung ergeben?

    Wenn nicht, gäbe es auch keinen Grund für Abzüge.

    ob Optimist oder Pessimist, der Mist ist immer der gleiche

    Einmal editiert, zuletzt von gebi () aus folgendem Grund: Teppfuhler verschlimmbessert

  • Offen gestanden: Ob explizit im Regelwerk verankert oder nicht, die Frage ist eher akademischer Natur, denn es ist doch vollkommen klar, dass der Mehrwert von SRA aus dem Umstand resultiert, dass das Spiel zwischen SR und SRA stattfindet - alleine schon deshalb müsste sich der SR fragen lassen, ob er das nicht gemerkt hat, zur Not hätte der seinen Laufweg anpassen können.


    Leider geht aus den Schilderungen von Comox nur hervor, dass das Stellungsspiel grottig war, aber nicht, ob dies auch zu - womöglich vermeidbaren - Fehlentscheidungen führte, denn Fehlentscheidungen wären unstrittige Aspekte für Abzüge.


    Tatsächlich muss der SR einen Abzug für sein schlechtes Stellungsspiel bekommen, er hätte die Möglichkeit gehabt, die Assistenten anders aufzustellen respektive seinen Laufweg anzupassen. Unabhängig vom Abzug erschiene mir aber eine "Fußnote" bei der Beobachtungsnote angebracht, denn auffallen müssen hätte das allen drei Beteiligten (der Assistent muss schon merken, dass da etwas schief läuft).

  • Eines verwundert mich: warum bekommen die in der Halbzeit keinen Hinweis?

  • KozKalanndok  SixthSCTF

    Ich habe mich glaube missverständlich ausgedrückt, eine Anweisung ist nicht Teil des Regelwerkes. Denn sonst wäre sie, wie schon erwähnt, Teil der Regeln 1-17.

    Die Frage ist nur, kann man aus der Tatsache, dass die SRA zu 98,9 % immer rechts der Mittellinie stehen und der DFB-/IFAB-Texte eine Art "Gewohnheitsrecht" ableiten ?


    Wenn der SR dann seine Diagonale wie gewohnt läuft, obwohl die SRA eben links von der Mittellinie stehen, dann ist das ein schlechtes Stellungsspiel und vom BEO zu ahnden.

    Allgemein würde ich den Kollegen danach empfehlen, die üblichen Positionen zu verwenden, um Unstimmigkeiten in zukünftigen Spielleitungen zu vermeiden.

    Wenn der Mann in Schwarz pfeift, kann der Schiedsrichter auch nichts mehr machen.
    (Andreas Brehme)

  • Leider geht aus den Schilderungen von Comox nur hervor, dass das Stellungsspiel grottig war, aber nicht, ob dies auch zu - womöglich vermeidbaren - Fehlentscheidungen führte, denn Fehlentscheidungen wären unstrittige Aspekte für Abzüge.

    Es kam zu keiner Fehlentscheidung, die dem Stellungsspiel geschuldet war. Das liegt aber ausschließlich daran, dass das Spiel und seine Zweikämpfe durchgehend leicht zu bewerten waren und nichts spannendes passiert ist. In einigen Situationen hätte der SR kaum eine Chance gehabt, von seiner Position aus knifflige Entscheidungen fällen und verkaufen zu können.

    Eines verwundert mich: warum bekommen die in der Halbzeit keinen Hinweis?

    Da hatte ich drüber nachgedacht und in der Pause mit einem befreundeten, deutlich erfahreneren BEO aus Berlin telefoniert, der meinte, dass ich eher nicht eingreifen sollte. Zu der Zeit ging ich auch noch davon aus, dass das ganze abgesprochen ist.

  • Ich war mehrere Jahre am Dana-Cup und einmal auch am Norway-Cup. Und ich glaube mich zu erinnern, dass dort in Oslo mir von SR gesagt wurde, dass sie (in Norwegen) durchaus beide Optionen für die SRA haben. Üblich sei die „normale“, aber wenn der Platz die „gespiegelte“ Option als die Bessere erscheinen lasse, diese gewählt würde. Dass als Folge davon die Laufwege des SR natürlich anders zu sein haben ist eine logische Konsequenz.

    Von daher würde ich das „mangelhafte Stellungsspiel“ dem SR ankreiden, allen dreien evtl. „mangelhafte Absprachen/Kommunikation im Team).

  • Die Engländer fahren auch auch der anderen Seite Auto !


    Ich bin auch der Meinung das sie vor ein paar Jahren auch verkehrt die SRA aufstellten!


    Man kann auch die Diagonale auch anderes rum laufen!

    Es gibt Leute, die denken Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist. (Bill Shankly)

  • Ich bin auch der Meinung das sie vor ein paar Jahren auch verkehrt die SRA aufstellten!

    Du bist mir zuvorgekommen, aber ich habe auch noch Bilder aus den 70er/Anfang 80er im Kopf, wo die "linesmen" spiegelverkehrt positioniert waren.

  • War das denn ein internationales Gespann oder drei SR aus einem Land?

    Der Klügere gibt nach.


    Das erklärt, warum die Welt von den Dummen regiert wird.

  • Danke euch für eure Beiträge! Ich habe soweit Infos von befreundeten norwegischen BEOs und dem Kreisansetzer gesammelt. Keiner von denen hat diese Situation jemals erlebt, es ist hier nicht üblich, aus welchem Grund auch immer die Seite zu wechseln; also alles wie in Deutschland. Alle im Gespann waren zwar jung, aber mit jeweils min. einer Saison und vielen Gespannspielen erfahren genug, um es besser zu wissen.

    Glücklicherweise ist es aber nie wegen der falschen Seiten und des dadurch verursachten teilweise grausigen Stellungsspiel des SR zu Fehlentscheidungen gekommen. Mir wurde, weil auch hier die Position der SRAs im Anhang zu den Regeln steht, Spielraum bis hin zum schweren Fehler mit -0.5 für alle eingeräumt, was ich daraus mache. Darauf habe ich aber wenig Lust. Es war ansonsten eine ordentliche Leistung und die Jungs zu demotivieren ist auch nicht mein Ziel. Ich entscheide wohl auf -0.1 für jeden Beteiligten und weitere -0.1 für den SR, weil dieser zum einen als Gespannführer das hätte korrigieren - ODER zumindest sein Stellungsspiel entsprechend anpassen müssen.