Änderung einer Regelauslegung während der Saison l Vorteil bei ballorientierter Notbremse im Strafraum

  • Wirklich unverständlich, dass die Lehrbriefe nichtmal uns Schiedsrichtern zugänglich gemacht werden.


    Timey Was ist denn dafür eigentlich die offizielle Begründung, dass die Lehrbriefe den Schiedsrichtern explizit vorenthalten werden? Denn so wie es derzeit organisiert ist, bekommen wohl 90 % der Schiedsrichter die Inhalte der Lehrbriefe gar nicht zu Gesicht. Das ist spätestens deswegen ziemlich absurd, weil die SRZ über die Lehrbriefe berichtet, man diese Berichte aber z.T. kaum verstehen kann, weil man deren Inhalt nicht kennt (und zum Zeitpunkt des Erscheinend der SRZ sowieso noch nicht). Eines der vielen für mich ungelösten Rätsel im Zusammenhang mit der DFB-Kommunikation.

  • @ zettelbox


    Was ist denn dafür eigentlich die offizielle Begründung, dass die Lehrbriefe den Schiedsrichtern explizit vorenthalten werden? Denn so wie es derzeit organisiert ist, bekommen wohl 90 % der Schiedsrichter die Inhalte der Lehrbriefe gar nicht zu Gesicht.

    Dafür gibt es tatsächlich einen Grund. Er wird Dir nicht gefallen aber es ist eine Antwort auf Deine Frage:

    Vor einigen Jahren habe ich mal recherchiert wo ich denn mal eine Sammlung der Lehrbriefe einsehen kann um sie als Schulungsmaterial verwenden zu können.

    Ich landete seiterzeit -wie zu erwarten - im Lehrwesen des DFB und dort erklärte man mir.


    Der Lehrbrief wurde in den 70ern von zwei Lehrwarten aus dem Niedersächsischen Fußball Verband (aus dem Gedächtnis zitiert) ins Leben gerufen um im NFV die Lehrarbeit zu vereinheitlichen.

    Der Lehrbrief richtet sich EXPLIZIT nicht an Schiedsrichter sondern an die Lehrwarte. Er dient dazu den Lehrwarten ein "Schulungspaket" zu einer Thematik als Gestaltungshilfe für einen ~90 min Lehrabend zur Verfügung zu stellen,

    Das System wurde dann vom DFB irgendwann übernommen.

    Ziel des Lehrbriefes war es AUSDRÜCKLICH nicht, Regeländerungen zu kommuinizieren sondern den Lehrwarten eine Unterstützung in Methodik und Didaktik für ihre Schulungen und Lehrabende zu liefern.


    Ein (überwiegend veralteter) Teil der Lehrbriefe ist auf der Hompage des NFV vermutlich noch verfügbar (wenn sie die nicht inzwischen entfernt haben)


    Im Dateianhanh findest Du so einen Lehrbrief mal als Anschauungsmaterial (Ich habe davon etwa 50 in meinem Archivmaterial.

    Du wirst mir zustimmen, das gut 80% des Inhaltes für einen Schiedrichter unionteressant ist. Auch wenn die Überschrift suggeriet das der Lehrbrief sich an die Schiedsrichter wendet, wird sehr schnell klar, das der Lehrwart im Focus steht und es sich hierbei um Train the Traner handelt.

  • @SixthSCTF Ich weiß, dass sich Lehrbriefe an Lehrwarte richten, und das ist auch völlig in Ordnung. Ich kenne auch die meisten Lehrbriefe.


    Aber das ist doch des Pudels Kern: Auch wenn 80 % der Inhalte für die Schiedsrichter uninteressant sind und viele SR das überhaupt nicht interessiert, warum spricht das jetzt explizit dagegen, den dann doch interessierten Schiedsrichtern den Zugriff auf die Lehrbriefe zu ermöglichen? Warum gibt es die nicht genauso wie SR-Zeitungen oder anderes einfach auf der DFB-Homepage zum Download? Das *schadet* doch in keinem Fall.

  • Aber das ist doch des Pudels Kern: [...] Warum gibt es die nicht genauso wie SR-Zeitungen oder anderes einfach auf der DFB-Homepage zum Download? Das *schadet* doch in keinem Fall.

    Das stele ich doch gar nicht in Abrede!

    Ich habe ja sogar quasi die selbe Frage wie Du bei meinen Recherchen gestellt. Gut, ich wollte die Lehrbriefe sogar für Schulungszwecke.

    Letzlich fand ich die Antwort [die ich hier sinngem. Zitiert habe] genau so ernüchternd wie Du.


    Vor allem, weil ich bisher keinen Lehrwart kennengelernt habe, der zum erlauchtem Kreis der Verteiler gehört. Und glaub mir, die Lehrwarte aus dem Landesverband Hamburg waren die ersten die ich gefragt habe.


    Ich ergänze also mal Deine Frage:

    Wer bekommt die Lehrbriefe eigentlich tatsächlich?

  • @SixthSCTF: Sorry, habe ich vermutlich missverständlich formuliert. Natürlich stelle ich nicht Dir diese Frage, sondern ich stelle sie in den Raum. Habe ein wenig die Hoffnung, dass Timey dazu etwas sagen kann - ansonsten bleibt's wohl als rhetorische Frage im Raum. :)


    Ich habe auch noch keinen einzigen Lehrabend erlebt, der sich an den Lehrbriefen orientiert: kreisliche Lehrabende haben ganz andere "Probleme", da bleibt kein Raum für 90-minütige Gruppenarbeit etc. Und überkreisliche Lehrabende, gerade im Bereich der Nachwuchsförderung, haben in der Regel ganz eigene Themen und Strukturen, die von den dort häufig sehr engagierten und kreativen Lehrwärten selbst erstellt werden.


    Wir schweifen hier etwas ab. Aber das Thema "Lehrbrief" ist als Außenstehender schon ein kleines Mysterium.

  • Kommen wir also ein wenig zurück zum eigentlichen Thema:

    Die Kommunikation von Regeländerungen - insbesondere "unterjährig" - ist stark verbesserungsbedürftig. Meines Erachtens kann man nicht annehmen, dass alle Schiedsrichter die SR-Zeitung überhaupt lesen, geschweige denn zeitnah nach deren Erscheinen, noch weniger darf man aber erwarten, dass jeder Schiri die Regelfragen "macht" und vollkommen abwegig ist es davon auszugehen, dass die große Masse der Schiris überhaupt bemerkt, dass sich hier eine Regel geändert hat; vom Aspekt der Einheitlichkeit der Regelauslegung, der auch die Komponente Gleichzeitigkeit beinhaltet, ganz abgesehen.


    Zudem fände ich es respektvoll gegenüber den Amateur-Schiris an der Basis, wenn man begriffe, dass Regeländerungen keine Holschuld der Schiris sind, sondern die Information darüber eine Bringschuld des Verbandes ist; es ist schlicht überzogen zu erwarten, dass sich jeder Betonliga-Schiri vor jedem Spiel - und genau das müsste er eigentlich tun - auf allen möglichen Quellen umtut, ob sich womöglich etwas geändert hat oder anders ausgelegt werden soll.

  • Das Problem ist die (vor allem) in Deutschland vorherrschende Kleingarten-Mentalität, die gerade bei derart verbandsmäßigen Strukturen immer noch sehr verbreitet ist.


    Jeder Lokalkönig und Lokalfürst möchte in Deutschland selbst die Interpretationshoheit darüber behalten, wie denn der Kaiser (der DFB) eine Aussage gemeint haben möchte. Sich direkt an die Untertanen in der Betonliga zu wenden, dann fühlen sich die Lokalfürsten (Regional, Kreis) einfach übergangen und sowas haben wir ja noch nie gemacht und da könnte ja jeder kommen...

  • Ist dann aber halt blöd, wenn Schiri A aus Verband A am Wochenende in Verband B pfeift, wo man das womöglich schon - oder noch schlimmer: anders - kommuniziert hat - und gerade in "grenznahen" Kreisen ist der Austausch auch in der Betonliga nicht unüblich ...

  • Wir sind im Rahmen des gestrigen Lehrabends über die Änderung noch mal ausführlich in Kenntnis gesetzt worden; tatsächlich erreicht das auf deisem Weg jedoch nur ein Drittel der Schiedsrichter der gesamten Gruppe.

  • Wobei auch zur Wahrheit gehört, dass diejenigen Schiedsrichter, die man über Lehrabende usw. nicht erreicht, man auch nicht über andere Kommunikationswege erreicht.

    Nichtsdestotrotz ist die Kommunikation nach unten an die Basis doch noch sehr ausbaufähig.

  • Wobei auch zur Wahrheit gehört, dass diejenigen Schiedsrichter, die man über Lehrabende usw. nicht erreicht, man auch nicht über andere Kommunikationswege erreicht.

    Nichtsdestotrotz ist die Kommunikation nach unten an die Basis doch noch sehr ausbaufähig.

    Da muss ich etwas widersprechen. Meist sind es zumindest bei uns gerade die Schiedsrichter die auch aktiv sind im Lehrabend.

    Allerdings gehört auch zur Wahrheit das gerade während Corona ein Lehrabendbesuch gut überlegt werden muss. Ich persönlich habe auch den letzten nicht wahrgenommen, da ich Freitags für 9 Tage in den Urlaub gefahren bin und nichts riskieren wollte.
    Andere haben vielleicht selbst Familie zuhause, die gefährdet ist, oder gehören selbst der Gefahrengruppe an.


    Natürlich müssen wir nicht davon sprechen, das die Kommunikation an die Basis einfach nur schlecht ist.

    Jeder Landesverband kocht sein eigenes Süppchen und ist dann mitten im Jahr oft nicht mal in der Lage diese Suppe auch noch zu "verköstigen".

    Regeländerungen die nicht zu Saisonbeginn bereits klar sind, werden kaum Kommuniziert und die Schiedsrichter die nicht alles von sich aus erlesen sind meist die, welche die Arschkarte gezogen haben.