Länge der Nachspielzeit

  • Ich finde die Frage klar. Die Antwort ist: So viele Minuten wie verlorene und ggf. vergeudete Zeit angefallen sind.

    Die Frage ist dahingehend unsinnig und unklar, weil der LW eine genaue Minutenanzahl wissen möchte, die man aber pauschal nicht nennen kann. Also wäre Deine Antwort falsch.

  • Ich habe jetzt die Antwort erhalten: 45 Minuten - Länge einer Halbzeit.


    Kann mir das jetzt nur so erklären, dass mir nicht mehr Zeit verloren gehen kann (fachlich jetzt nicht ganz richtig, aber ihr wisst denke ich, was ich sagen möchte), als ich zur Verfügung habe. Also maximal die 45 Minuten.

  • Sorry, aber das ist nicht schlüssig - oder aber Haarspalterei.


    Wir alle wissen, dass verlorene Zeit nachgespielt werden muss, gleiches gilt für vergeudete Zeit, sofern der Verzicht auf diese nicht zum Vorteil der Mannschaft wäre, welche die Zeit nicht vergeudet hat. In beiden Fällen ist es daher möglich - bei der vergeudeten Zeit sogar eher wahrscheinlich -, dass es auch während der Nachspielzeit zu weiteren Zeitverlusten kommen kann, die ebenso nachzuspielen sind. Wenn ich an die Schilderungen von Christoph Schräder in seinem Buch "Ich pfeife" denke - da beschreibt er einen Sportplatz auf dem Plateau eines Berges mit den Worten, dass man nur alle Bälle weit genug weg schießen musste, bis alle Ersatzbälle verbraucht waren und erst gesucht werden mussten -, kann man bei entsprechendem Willen und sogar ohne Regelverstoß locker eine Halbzeit verdreifachen (oder mehr); Nachspielzeit in der Nachspielzeit aber nicht mehr mitzurechnen wäre Haarspalterei.


    Ich halte sowohl die Frage als auch die Antwort für nicht durchdacht und einen Fall von "vergessen wir lieber ganz schnell wieder".

  • Ich habe jetzt die Antwort erhalten: 45 Minuten - Länge einer Halbzeit.


    Kann mir das jetzt nur so erklären, dass mir nicht mehr Zeit verloren gehen kann (fachlich jetzt nicht ganz richtig, aber ihr wisst denke ich, was ich sagen möchte), als ich zur Verfügung habe. Also maximal die 45 Minuten.

    So eine Antwort habe ich fast erwartet und der Erklärungsversuch von DerDaniel bringt es auf den Punkt.

    Man kann halt in einer Halbzeit nicht mehr Minuten nachspielen als es vorgeschriebene Spielzeit gibt.


    Zugegeben, in dieser Hinsicht ist die Regelfrage etwas unglücklich formuliert, aber sie zielt auf einen immer wieder beobachteten Irrtum auf dem Fußballplatz ab.


    Zitat von Beispiel

    Angezeigt werden in der 2.HZ 4 Minuten Nachspielzeit und wenn der Schiri dann - je nach Vereinsbrille endlich oder erst - abpfeift hat wird jedem eine "Spielzeit" von 98 Minuten auf seinem Smartphone angezeigt.

    Der Aufreger ist groß, vor allem wenn in der "97. Minute" (Angezeigte Minute) noch ein möglicher weise entscheidendes Tor erzielt wird.

    Was dabei vergessen wird ist, das allgemeiner Konsens darüber besteht (steht also nicht explizit so im Regelwerk) das es sich bei der Nachspielzeit quasi um eine "Netto-(Nach)Spielzeit" handelt.


    Somit können während der regulären Spielzeit einer Halbzeit eben nur maximal 45 Minuten Nachspielzeit entstehen.

    In so fern - und das ist wie M richtig sagt Haarspalterei- gibt es eben gerade keine Nachspielzeit der Nachspielzeit. Somit wird die Nachspielzeit wird gem. der üblichen Regeln über verlorene oder vergeudete Zeit verlängert was im Einzelfall dazu führen kann, das es halt 10 Minuten braucht um 4 Minuten Nachzuspielen.


    Wie gesagt Wortklauberei. Aber wesentliche Wortklauberei, die weniger in die Schiriausbildung sondern vielmehr in die Ausbildung von Mannschaftsverantwortlichen und Fußballbegeisterten gehört. Nämlich die wie ein Schiedsrichter die Nachspielzeiten Hand zu haben hat.

  • Das steht nirgends, aber wir können uns ja keine zusätzliche Spielzeit ausdenken.

    Aus den Regeln kannst du es dir vielleicht so rausziehen: "Ein Spiel dauert 2x45 Minuten" (hab kein Regelheft da, aber so irgendwie steht das da drin). Wenn wir jetzt Haarspalterei betreiben, dann ist Ballholen kein Spiel, sondern ein Warten. Und die Zeit, die wir mit Warten verbracht haben, kommen dann auf die 45 Minuten oben drauf, bis wir 45 Minuten netto gespielt haben.


    Da wir nicht die Notenbank des Fußballs sind, können wir - im übertragen - eine zusätzliche Spielzeit schöpfen, sondern nur alles dafür tun, dass wir 45 Minuten der Halbzeit mit spielen verbracht haben.


    Was geht denn bei der Zeitnahme im Kopf vor: Bei einer Unterbrechung hakte ich im Kopf die Uhr an und starte sie wieder, sobald der Ball rollt. Nach den 45 Minuten nehme ich dann die Diverenz zu der Zeit, die ich im Kopf habe und das ist meine Nachspielzeit. Die kann, im ersten Moment, ja nicht größer 45 sein. Das die, wie Manfred richtig gesagt hat, natürlich noch verlängert werden kann, kann denke ich, mit der Begründung von SixthSCTF, durchaus vernachlässigt werden, da wir sonst in einen Bereich kommen, den die Rechtssprechung "uferlose Weite" nennt.

  • Das die, wie Manfred richtig gesagt hat, natürlich noch verlängert werden kann, kann denke ich, mit der Begründung von SixthSCTF, durchaus vernachlässigt werden

    Das ist aber gerade der entscheidende Punkt.

    Wenn man jetzt nur deine Frage aus dem Ursprungspunkt und die zugehörige Antwort 45 Minuten nimmt, folgt daraus ja die Aussage: "Es dürfen pro Halbzeit (maximal) 45 Minuten nachgespielt werden".

    D.h. wenn man dies dann im Extremfall umsetzen will, muss man entweder fällige weitere Nachspielzeit (die sich in der Nachspielzeit angehäuft hat) weglassen oder das Spiel abbrechen.

    Und wir dürften uns doch einig sein, dass das falsch wäre, oder?

  • Entweder steh ich auf dem Schlauch, aber warum kann man das nicht?

    "Es dürfen pro Halbzeit (maximal) 45 Minuten nachgespielt werden".

    D.h. wenn man dies dann im Extremfall umsetzen will, muss man entweder fällige weitere Nachspielzeit

    Ich versuche mal den Gehirnknoten aufzulösen, wobei ich nochmals zugebe, das die Regelfrage wirklich nur mit theoretischem mathematischem Wissen, tatsächlich zu verstehen ist.

    Ich versuche es mal mit simpler Mathematik:


    [Dauer einer HZ nach Regelwerk (Brutto)] = [Zeit, die der Ball im Spiel ist] + [Spielunterbrechungen vergeudete Zeit] + [Spielunterbrechungen verlorene Zeit] = 45 min


    Zitat von Regelwerk Seite 57

    Verloren gegangene Zeit (z. B. Unterbrechung wegen eines Gewitters) muss nachgespielt werden. Vergeudete Zeit (z. B. Spielverzögerungen) wird unter Beachtung der Vorteilbestimmung nachgespielt


    Mathematisch theoretische Betrachtung:

    Wenn nach 45 Minuten Bruttozeit


    • der Ball nur wenige Sekunden im Spiel ist und
    • wir keine vergeudete Zeit haben


    bleiben nur etwas weniger als 45 Minuten verlorene Zeit übrig, die auf maximal 45 volle Minuten aufgerundet werden kann.

    Daraus folgt (wie DerDaniel richtig erklärt)


    Da wir nicht die Notenbank des Fußballs sind, können wir - im übertragem Sinne - eine zusätzliche Spielzeit schöpfen, sondern nur alles dafür tun, dass wir 45 Minuten der Halbzeit mit spielen verbracht haben.


    Sinn und Zweck der "Nachspielzeit Regel" ist es, das wir im Geiste des Fußballs tatsächlich 45 Minuten lang darum bemühen den Ball in das Tor der Anderen zu befördern und nicht darauf warten das das Gewitter zu ende geht oder der "Neymar mit seiner Schauspieleinlage" fertig ist.

    Zum Ende der 45 Halbzeit zeigt der 4. Offi nun die Nachspielzeit an. Dies sind -üblicher Weise- irgendetwas zwischen einer und vier Minuten. Gerne auch mal etwas mehr, aber niemals mehr als 45 Minuten.


    Dies ist aber (im Geiste des Fußballs) nun eine Netto Spielzeit. Schliesslich wollen wir ja nicht 4 Minuten dabei zusehen wie sich "ein Spieler die Stutzen beim Eckball richtet".


    Nun löst sich vielleicht der Knoten?


    1. Man kann nur 45 Minuten maximal nachspielen weil man während einer Halbzeit nur maximal 45 Minuten Zeit verloren gehen kann:
    2. Die Nachspielzeit ist eine Netto Spielzeit (steht so nicht im Regelwerk, ergibt sich aber aus der Logik). Also kann sie auch nur 45 Minuten betragen.
    3. Trotzdem werden aber oft (Brutto) mehr nachgespielt als (Netto) vorher angezeigt wurden.

      Was bleibt ist eine recht bemerkenswerte Regelfrage, deren Sinn man tatsächlich nur mit der theoretischen Mathematik erklären kann und die darauf abzielt, das man den Unterschied zwischen Brutto und Netto kennt.
  • bleiben nur etwas weniger als 45 Minuten verlorene Zeit übrig, die auf maximal 45 volle Minuten aufgerundet werden kann.

    Du vergisst aber, dass dann in diesen 45 Minuten Nachspielzeit erneut Zeit verloren oder vergeudet werden kann, welche am Ende der 45 Minuten Nachspielzeit...Überraschung...nachgespielt wird :)

  • Genau.

    Die Formel gilt nur, wenn mit den Spielunterbrechungen nur die Unterbrechungen in den ersten 45 Minuten gemeint sind.

    Spielunterbrechungen in der Nachspielzeit müssen aber auch nachgespielt werden.

    Also [Nachspielzeit] = [Spielunterbrechungen in den ersten 45 Minuten] + [Spielunterbrechungen in der Nachspielzeit],


    (oBdA seien in der Betrachtung alle Spielunterbrechungen verlorene Zeit)

  • Streng genommen darf die angezeigte Nachspielzeit dann aber auch nur maximal 44 Minuten betragen, da diese Zeit ja mindestens nachgespielt werden muss. Sie kann dann sicherlich noch verlängert werden, dass man auf 45 Minuten Gesamtspielzeit kommt, wenn das Spiel unmittelbar nach dem Anpfiff mindestens 44 Minuten unterbrochen wird. ;)


    Es ist natürlich reine Theorie, aber wann würde der Schiedsrichter die Nachspielzeit dann ansagen? In der 45. bzw. 90. Spielminute oder erst kurz vor dem Pfiff/SRB zur Wiederaufnahme des Spiels?

  • Ich verstehe schon, worauf du hinauswillst, sehe es aber bei diesem entscheidenden Punkt anders:

    Die Nachspielzeit ist eine Netto Spielzeit (steht so nicht im Regelwerk, ergibt sich aber aus der Logik).

    Warum sollte das logisch so sein?


    Für mich erscheint es aus drei Gründen sinnvoller, hierbei die Brutto-Spielzeit zu betrachten.

    1. Die Nachspielzeit steht der (ugs.) "regulären" Spielzeit gegenüber - und bei dieser wird regelmäßig die Brutto-Zeit verwendet. Also nach Ablauf der "regulären" 45 Minuten sind diese brutto vorbei - und nicht netto.

    2. Die Angabe der Spielzeit bezieht sich immer auf die Brutto-Zeit, z.B. bei der Zeitangabe eines Tores. Ein Tor, dass nach 35 Minuten erzielt wurde, ist in der 36. Minute gefallen, auch wenn schon z.B. 5 Minuten verloren wurden und netto erst 30 Minuten vorbei sind.

    3. Die Nachspielzeit muss verlängert (Regeltext: "erhöht") werden, wenn dort weitere Zeit verloren geht. Wäre die Nachspielzeit als Netto-Zeit gemeint, müsste man sie ja nicht mehr verlängern/erhöhen, oder? Die Brutto-Zeit aber schon.

  • Ich wähle mal ganz bewusst einen anderen Ansatz:


    Bekanntlich müssen wir ja einen Spielbericht anfertigen. Was also sollen wir eintragen, wenn es tatsächlich zu dem obskuren Fall gekommen ist, dass wir schon 45 Minuten Nachspielzeit hatten, in dieser Nachspielzeit aber weitere Nachspielzeit angefallen ist? Nur 45 Minuten eintragen, obwohl es in Wahrheit 50 Minuten waren? Das kann ja wohl nicht richtig sein. Wenn ich hier also, um bei dem Beispiel zu bleiben, die 50 Minuten eintragen muss, dann muss es auch 50 Minuten Nachspielzeit geben - und die Regel 07 gibt da auch keine andere Lösung her, gelegentlich ist der Regeltext echt erhellend.

  • Ich glaube, dass der LW meint: "Wieviel Nachspielzeit kann der SR maximal festlegen/anzeigen? " und nicht: "Wieviel Nachspielzeit lässt der SR brutto spielen?"


    Die(se) Nachspielzeit wird am Ende der regulären Spielzeit festgelegt und muss mindestens nachgespielt werden. Im Extremfall haben wir 45 Minuten nach Anpfiff erst ein paar Sekunden gespielt und setzen 45 Minuten Nachspielzeit fest.

  • Wieviel Nachspielzeit kann der SR maximal festlegen/anzeigen?

    Diese Frage ergäbe tatsächlich Sinn und ließe sich so auch beantworten, dann sind 45 Minuten (bzw. die planmäßig kürzere Spielzeit beispielsweise in der Jugend) auch richtig - aber die Frage, die Daniel gepostet hatte, lautete anders; genau die Variante lässt sich eben nicht beantworten.


    Aber:
    Ich denke, wir alle wissen, dass man bei Regelfragen eben nicht denken soll, sondern sich nur an den Aussagen der Regelfrage zu orientieren hat - wenn ich bei einer Regelfrage erst denken muss, wie sie wohl gemeint ist, ist die Frage schlecht.

  • Eigentlich eine Regelfrage die mich wo mich die Antwort wieder aufregt, weil es einfach Dünnpfiff ist.

    Das Spiel müsste ja dann in der allerersten Sekunde der Halbzeit unterbrochen worden sein.

    Spiel wir das ding mal durch die 3. Herren spielt unterklassig sehr tief. Die erste Mannschaft in der höchsten Klasse und spielt immer eine halbe Std. nach der 3. Herren. Aufgrund der vorliegen Dürchführungsbestimmung des Verbandes, ist immer der Vorrang der höherklassigen Mannschaft zu spielen, daß heisst nach spätestens einer halben Stunde, unterbricht der Schiedsrichter der ersten Herren das Spiel und lässt abbrechen.

    Man müsste dazu schreiben das Spiel beginnt um 9:00 und den ganten Tag ist keine weiteres Spiel.

    Also wieder so eine bescheuerte Regelfrage.

    Spätestens wenn es eine Verzögerung gibt über eine halbe Stunde, wird das Spiel abgebrochen.

    Volles Spesengeld + Fahrgeld.

    Die zuschauer bekommen ihr Eintrittsgelder wieder ! :)

    Es gibt Leute, die denken Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist. (Bill Shankly)

  • Es wird Zeit, dass wir alle wieder auf den Sportplatz kommen. Solche Fragen denkt man sich ja nur aus, wenn man zu Hause im stillen Kämmerchen sitzen muss und sich langweilt.


    Ich stelle mir gerade vor, wie man in einer Pflichsitzung vor 80 Leuten mit bekanntlich ja sehr unterschiedlichem Intellekt solch eine Frage bespricht ... :flieh:

  • Es wird Zeit, dass wir alle wieder auf den Sportplatz kommen. Solche Fragen denkt man sich ja nur aus, wenn man zu Hause im stillen Kämmerchen sitzen muss und sich langweilt.

    Ja, da hast du wohl recht.

    Ich stelle mir gerade vor, wie man in einer Pflichsitzung vor 80 Leuten mit bekanntlich ja sehr unterschiedlichem Intellekt solch eine Frage bespricht ...

    Und das möchte ich mir lieber gar nicht vorstellen. Die Diskussionen möchte sich ja keiner freiwillig antun

  • Ich stelle mir gerade vor, wie man in einer Pflichsitzung vor 80 Leuten mit bekanntlich ja sehr unterschiedlichem Intellekt solch eine Frage bespricht ...

    Ich auch nicht - aber vor allem, da das sehr frustrierend werden dürfte ...


    Da wäre zunächst die Smartphone-Fraktion, die die Frage gar nicht mitbekommt.


    Dann die, die ohnehin nur physisch anwesend sind und ohnehin nicht zuhören, dazu die, die wenigstens zuhören, aber nie eine Meinung äußern, schon gar keine abweichende Meinung.


    Nicht zu vergessen die, für die das selbstverständlich ist und die gar nicht verstehen, wo da überhaupt die Frage ist, es wird so lange nachgespielt, wie man das anzeigt.


    Die Gruppe der Höherklassigen, bei denen sich das Problem nicht stellt und die sich mit solch banalen Dingen des Alltags nicht befassen, kommt schließlich in keiner Regelfrage vor.


    Bleiben die wirklich Interessierten (der Fairness halber: Auch ein paar Höherklassige sind dabei), die mit ihren Begründungen dazu aber den Rest vollkommen überfordern - egal ob intellektuell dazu in der Lage oder nicht.