Über Erwartungen und andere Katastrophen

  • Du bist neu, voller Tatendrang und Idealismus - das ist schön und soll auch so bleiben. Da Du auch noch gründlich bist, hast Du Dich vorbereitet, bist die Regeln noch einmal durchgegangen, hast Deine Ausrüstung gecheckt, kennst den Tabellenstand und eventuelle weitere Dinge, die Du wissen solltest, sogar um die Anreise hast Du Dich gekümmert - und als Perfektionist kennst Du auch die Wettervorhersage. Prima, da kann doch nichts mehr schiefgehen - leider weit gefehlt …


    In einem anderen Thema kam es zu dieser Aussage, die mich zu diesem Beitrag inspiriert hat:

    Solange eine Regel nicht eindeutig ist und einen gewissen Interpretationsraum offen lässt, sollte man gemäß der allgemeinen Erwartungshaltung entscheiden.

    Lassen wir mal offen, ob und wann Regeln nicht eindeutig sind. Auch die Frage, ob, wann und wobei ein Interpretationsspielraum besteht, soll uns erst einmal nicht ablenken. Spannend ist die "allgemeine Erwartungshaltung" …


    Also, was wird von Dir als SR erwartet? Klar, da sind die Dinge wie pünktliches Erscheinen, vorbildliches und höfliches Verhalten und eine Spielleitung, welche gleichermaßen den Regeln wie dem Spielcharakter gerecht wird. Hoppala, merkst Du, dass ich Dir eben einen untergeschoben habe. Natürlich sollen wir uns am Spielcharakter orientieren, es gibt Spiele(r), die können richtig gut mit dem Vorteil umgehen, ergo lassen wir den nach Möglichkeit laufen. Weiterhin gibt es Spiele(r), in denen eine Ansage reicht, während in anderen Fällen ohne Karte keine Einsicht zu erwarten ist (und selbst dann nicht). Aber: Sind das alle Erwartungen?


    Nachvollziehbar ist schon mal, dass man von uns erwartet, an drei Orten gleichzeitig zu sein, wenigstens dann, wenn wir alleine pfeifen - auf zwei Abseitslinien und in Spielnähe. Ebenso eindeutig ist, dass wir dieser Erwartung nicht entsprechen können und werden - immerhin realisieren die meisten Beteiligten auf und um das Feld, dass wir das nicht leisten können.


    Schwieriger werden dann schon spezifische Erwartungen:
    In Freundschaftsspielen sollen wir ohne Karten, zumindest aber ohne Rote Karten auskommen, schließlich sind das ja "Testspiele" und die Spieler sollen nächstes Wochenende in der Meisterschaft ja wieder verfügbar sein. Dummerweise unterscheidet der Regelgeber aber nicht zwischen den einzelnen Spielarten, eine Notbremse bleibt eine Notbremse, solltest Du dann auf eine Karte verzichten, machst Du Dich zum Schiedsrichter von letzter Woche und verhältst Dich extrem unsolidarisch, zeigst Du sie, hast Du gegen die Erwartungen verstoßen und kannst mit Anfeindungen rechnen, weil man das doch in einem Freundschaftsspiel nicht macht. Du hast also die Wahl zwischen Pest und Cholera …


    Die größten Probleme resultieren aber aus der Regelhalbkenntnis auf und um den Platz. Man erwartet eine bestimmte Entscheidung, die aber eben nicht unbedingt mit der Regellage übereinstimmen muss. Ein Beispiel: Angreifer A wird von Verteidiger B bedrängt und regelwidrig gehalten, bleibt aber in Ballbesitz und marschiert weiter in Richtung Tor (er ist ca. 25 Meter vom Tor entfernt). Bis hierhin ein klassischer Fall von Vorteil, das lassen wir laufen. Nun will sich der Angreifer aber befreien und nutzt dabei, unterstellen wir mal ein Versehen und keine Absicht, seinen Ellenbogen. In diesem Moment wissen wir als SR, dass es sich ausgevorteilt hat und wir eingreifen müssen. Die korrekte Entscheidung kann dabei nur direkter Freistoß für A bei Verwarnung für B (wegen Verhinderung eines aussichtsreichen Angriffs) sowie für den Ellenbogenschlag eine Verwarnung für A sein. Jetzt rate aber mal, wie die Erwartungshaltung ist: A wird mit dem Freistoß einverstanden sein, die Verwarnung aber nicht akzeptieren, weil er doch die ganze Zeit gehalten wurde. B wiederum kann nicht nachvollziehen, warum A den Freistoß bekommt, schließlich hat der ihm doch mit dem Ellenbogen eine verpasst. Beide verbindet nun aber, dass Deine Entscheidung, beiden die Gelbe Karte zu zeigen, ja nun so etwas von falsch sein muss - und damit befinden sie sich in bester Übereinstimmung mit allen anderen Spielern, Trainern und Zuschauern, weil eine derartige Regelkenntnis im Detail (der Ellenbogenschlag ist unterdessen eine Pflichtverwarnung) einfach nicht vorhanden ist. Du merkst, wie viele Erwartungen Du gerade enttäuscht hast - obwohl Du regeltechnisch vollkommen korrekt agiert hast? Ähnlich verhält es sich in allen Situationen, die vergleichbares Konfliktpotenzial haben, angefangen von Regelverstößen bei Strafstößen bis hin zum Wechselfehler, weil der Spieler in aller Gemütlichkeit den längst möglichen Weg vom Feld wählt.


    Daher:
    Sei Dir darüber klar, dass Du immer jede Menge Erwartungen enttäuschen wirst und äußerst selten die Gelegenheit hast, klarzustellen, dass Du vollkommen richtig gehandelt hast. Enttäuschte Erwartungen wiederum wird man Dir als Kritik vorwerfen - und dabei habe ich noch gar nicht über die Fälle geredet, in denen Deine Entscheidung tatsächlich falsch war (und falsche Entscheidungen passieren auch altgedienten SR in jedem Spiel, meist merkt es aber zum Glück nur der SR selbst).

  • A wird mit dem Freistoß einverstanden sein, die Verwarnung aber nicht akzeptieren, weil er doch die ganze Zeit gehalten wurde.

    Wenn es so ist, dass A die ganze Zeit gehalten wurde, so hätte der Schiedsrichter vorher eingreifen sollen. Er muss pro-aktiv sein, damit es zu dieser Ellbogen-Situation erst gar nicht kommt.

  • Wenn es so ist, dass A die ganze Zeit gehalten wurde, so hätte der Schiedsrichter vorher eingreifen sollen. Er muss pro-aktiv sein, damit es zu dieser Ellbogen-Situation erst gar nicht kommt.

    Stimmt, denn der SR kann den Ellbogencheck mit seinem perfiden Fußballverstand natürlich schon vorher aufspüren und schon vor dem Vergehen abpfeifen...


    Wenn ein Spieler gehalten wird, und übrigens steht von "die ganze Zeit" nichts im Text, dann aber im Ballbesitz bleibt und das wie beschrieben auch noch vor dem gegnerischen Strafraum, dann pfeife ich doch um Himmels Willen nicht ab?

    "Ich habe einmal die Alkoholiker aus der Mannschaft gegen die Antialkoholiker im Training spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1, da habe ich gesagt: 'Mir ist es egal, sauftas weiter!' "

    - Max Merkel:trink:

  • Stimmt, denn der SR kann den Ellbogencheck mit seinem perfiden Fußballverstand natürlich schon vorher aufspüren und schon vor dem Vergehen abpfeifen...


    Wenn ein Spieler gehalten wird, und übrigens steht von "die ganze Zeit" nichts im Text, dann aber im Ballbesitz bleibt und das wie beschrieben auch noch vor dem gegnerischen Strafraum, dann pfeife ich doch um Himmels Willen nicht ab?

    Zu deinen ersten Paragraph: Als Pate lehre ich meinen jungen Schiedsrichtern, dass sie versuchen in einer Position zu sein, um Fouls frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden. Wenn sie ein Halten sehen, mal kurz rufen "Hände weg". Du glaubst gar nicht, wie gut so etwas funktioniert, und der Spieler sofort aufhört zu halten. Das mache ich auch als AR, wenn das Geschehen vor meinen Augen stattfindet. Die sofortige Reaktion des haltenden Spielers ist sehenswert. Seine Hände gehen sofort weit weg sogar vom eigenen Körper.


    Zum zweiten Paragraph: Ich zitierte Manfred, somit musste es wohl im Text stehen

  • Leute, Ihr seit auf dem falschen Dampfer unterwegs.


    1. Es geht hier nicht um eine Regelfrage.

    2. Wir wissen alle um das Problem, dass bestimmte Dinge so schnell geschehen, dass eine (rechtzeitige) Intervention nicht möglich ist.

    3. Wir befinden uns hier im Themenbereich für Neulinge - und für einen Neuling hielte ich es schon für sehr gut, wenn er den Vorteil erkennt und laufen lässt.

    4. Ihr zieht Rückschlüsse, die nicht zutreffend sind, weil Ihr in den Text Dinge interpretiert, die da so nicht stehen. Und nebenbei hätte Euch auffallen müssen, dass der gezogene Rückschluss unlogisch ist.


    Die Situation, die ich beschrieben habe, ist mir so ähnlich passiert. Tatsächlich hielt da der Verteidiger den Angreifer, der blieb in Ballbesitz und konnte seinen Weg fortsetzen, versuchte sich zu befreien und bei dem Befreiungsversuch machte er eine unglückliche Bewegung mit dem Ellenbogen. Nun ist wohl ziemlich nachvollziehbar, dass das einerseits alles sehr schnell ablief und andererseits unglückliche Dinge schwer bis nicht vorhersehbar sind - bedenke: Wäre der Ellenbogeneinsatz mit Absicht erfolgt, hätte das eine glatte Rote geben müssen. Dennoch war der Ellenbogeneinsatz nicht regelkonform und musste geahndet werden. Die weiteren Ausführungen schildern wiederum nicht den Ablauf, sondern das, was die Spieler in diesem Zusammenhang empfinden und äußern - daraus aber darf man bekanntlich keine, allenfalls jedoch sehr eingeschränkte Rückschlüsse auf den tatsächlichen Ablauf ziehen. Wenn da also von "die ganze Zeit" die Rede ist, handelt es sich um das, was der Spieler zu seiner Verteidigung vorträgt und was suggeriert, dass er "ewig" festgehalten wurde, dies muss aber objektiv keinesfalls zutreffen, denn eine oder zwei Sekunden sind ein eher kurzer Zeitraum.


    Und jetzt wäre es nett, wenn wir uns daran erinnern könnten, dass es darum geht, frisch gebackenen Kollegen klar zu machen, dass es auf und um den Platz Erwartungen geben wird, die sie nicht erfüllen werden/können.

  • Wenn es so ist, dass A die ganze Zeit gehalten wurde, so hätte der Schiedsrichter vorher eingreifen sollen. Er muss pro-aktiv sein, damit es zu dieser Ellbogen-Situation erst gar nicht kommt.


    Was für eine sinnlose Antwort. Im Zweifel ist also die Kritik am SR berechtigt, denn er hätte präventiv eingreifen müssen?

    Letztlich gibt es diese Situationen, wo man die Mehrheit der Anwesenden gegen sich hat, obwohl man als SR richtig gehandelt hat.

    Dass es Wege gibt, diese Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen, ist zwar richtig, aber bis dahin ist es ein langer Weg.

    Daher finde ich es gut, den Neulingen hier Mut zuzusprechen und Interessenten auf diesen Aspekt aufmerksam zu machen, denn viele Menschen (einschließlich mir) können damit auf lange Sicht nicht gut umgehen!


    Edit: Entschuldigung für den rüden Tonfall.

  • Was für eine sinnlose Antwort. Im Zweifel ist also die Kritik am SR berechtigt, denn er hätte präventiv eingreifen müssen?

    Als Mentor (Pate) werden neue Schiedsrichter nie von mir kritisiert, jedoch darauf aufmerksam gemacht, wo sie sich verbessern können. Zum Beispiel frage ich, welchen Laufweg er einschlagen könnten, um das Halten zu erkennen. Selbst neue Schiedsrichter sollten langes Halten erkennen. Ein erfahrener Schiedsrichter sollte besser handeln.


    Der Stürmer wird lange gehalten, der Schiedsrichter lässt es geschehen? Welche Reaktion erwartest du von einen frustrierten Stürmer?


    Falls ich als Schiedsrichter eine fehlerfreie Partie liefer, jedoch die von Manfred beschriebene Situation zulasse, bekäme ich eine 7.9 vom Beobachter mit den Kommentar: Du hast das Spiel nicht gemanaged.

  • Du willst den Vorteil laufen lassen (= richtiger Ansatz) und innerhalb von ein bis zwei Sekunden (man könnte also sogar noch nachpfeifen) kommt es zu dem unabsichtlichen, aber dennoch zu ahndenden Ellenbogeneinsatz - und dafür dann einen solchen Vorwurf? Sorry, das ist gaga. Aber ich erinnere noch einmal daran:

    Und jetzt wäre es nett, wenn wir uns daran erinnern könnten, dass es darum geht, frisch gebackenen Kollegen klar zu machen, dass es auf und um den Platz Erwartungen geben wird, die sie nicht erfüllen werden/können.

  • Du willst den Vorteil laufen lassen (= richtiger Ansatz) und innerhalb von ein bis zwei Sekunden (man könnte also sogar noch nachpfeifen)

    Nein Manfred. Wenn du einmal Vorteil gibst, wird nicht mehr nachgepfiffen. Wenn allerdings nach wenigen Metern der selbe Spieler wieder foult, wird abgepfiffen und der Freistoss dort ausgeführt, wo das erste Foul stattfand.

  • Nein Manfred. Wenn du einmal Vorteil gibst, wird nicht mehr nachgepfiffen. Wenn allerdings nach wenigen Metern der selbe Spieler wieder foult, wird abgepfiffen und der Freistoss dort ausgeführt, wo das erste Foul stattfand.

    Also das ist nun wirklich schlicht und einfach falsch. Ich kann einen Vorteil abwarten und nachpfeife, auch ohne ein zweites Vergehen.

    "Ich habe einmal die Alkoholiker aus der Mannschaft gegen die Antialkoholiker im Training spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1, da habe ich gesagt: 'Mir ist es egal, sauftas weiter!' "

    - Max Merkel:trink:

  • @all Ich denke mal wir sollten beim Thema bleiben und DU DieMacke lernst entweder die europäischen/deutschen Fussballregeln oder schreibst dazu das in Nordamerica/Canada diese Regeln gelten.

    Wenn ich lese das du Mentor bist und es bei dir die Vorteilsregel nicht korrekt gibt (Vorteil wird genutzt? okay... Vorteil kann nicht genutzt werden? ja Pech) dann muss ich mit dem Kopf schütteln.


    Ich habe mir mal all deine Beiträge durchgelesen und dabei nicht einen Beitrag gefunden, der nicht provokant ist oder schlicht falsch. Entweder spielt man in Canada, ein anderen Fussball, den wir Europäer nicht kennen oder du bist ein Spieler der Schiedsrichter schlecht machen will (Die meisten deiner Argumente höre ich nämlich oft, von Spielern mit Zusatz, ich bin ja auch Schiri). Denn du stellst hier einige sehr erfahrene Schiedsrichter als Idioten hin, die die Regeln nicht kennen.


    Für den Rest empfehle ich reagiert nicht auf solche aussagen wie die von DieMacke!!! Bleibt beim Thema.

  • Ich könnte mir vorstellen, dass hier ein Missverständnis vorliegt. Ich denke, ich weiß, was Macke meint: Ich kenne eine Anweisung, die besagt, dass wenn man als SR angezeigt hat, dass ein Vorteil vorliegt, per Armgeste oder (was man nicht machen soll) per Rufen, der SR den Vorteil nicht mehr zurückpfeifen darf. Vllt. meint Macke das.

  • Das ist eine schwierige Frage. Ich persönlich handhabe es so, dass ich erst dann anzeige, wenn ich mir sicher bin, dass der Vorteil eingetroffen ist. Aber das kann man nicht verallgemeinern.

  • dass man das anzeigen/ansagen kann/darf/soll?

    Die Sache mit der Anzeige/Ansage sollte man erst machen, wenn man sicher ist/sein kann, dass der Vorteil eingetreten ist/eintreten wird - nicht umsonst rät unser Lehrwart, im Zweifelsfall erst einmal "Weiter" zu rufen. Dennoch kann und soll man natürlich die Situationen laufen lassen, in denen es wahrscheinlich erscheint, dass ein Vorteil eintreten könnte - und um genau so eine Situation handelt es sich im Beispiel.

  • Back to Topic


    Manfred hat in seinem Eingangsbeitrag beispielgebend eine Szene geschildert, die wir irgendwie gar nicht weiter diskutieren zu brauchen. Sie ist (absichtlich) viel zu Vage beschrieben und ist nur Beispielgebend für Vieles auf dem Platz was so tagtäglich passiert:



    Es geht darum, das Spieler Zuschauer und auch Mannschaftsverantwortliche oftmals eine andere Erwartung zur Entscheidung haben als das was dann letztlich auf dem Feld entschieden wird.


    Um das zu verdeutlichen ein ähnliches Beispiel aber völlig anders dargestellt.


    An oder auf der Strafraumgrenze kommt es zu einer Berührung des Stürmers #11 am Fuß und dieser kommt ins straucheln. Er kann aber noch einen genialen Querpass in den rechten Strafraum auf die #9 geben. Drei Hände von Verteidigern gehen hoch als dieser Stürmer #9 trocken auf´s Tor abzieht. Knapp Vorbei, aber der TW war vielleicht noch mit den Fingerspitzen d´ran. DER SCHIRI PFEIFFT!

    (Anmerkung: Diese Situation braucht nicht interpretiert oder diskutiert werden, sie dient nur als Ausgangsbeschreibung damit jeder in etwa ein Kopfkino hat.)


    Wie Akteure und Zuschauer es Bewerten:

    • Stürmer#11 liegt etwa 3m im Strafraum, fordert vehement 11m. Das der Schiri möglicher weise Vorteil gegeben hat kommt ihm nicht in den Sinn
    • Stürmer#12 denkt sich 'klare Notbremse, das muss Rot geben' spricht aber seinen Gedanken nicht aus sondern kümmert sich um seinen am Boden liegenden Mannschaftskameraden.
    • "Was soll das, Du Schwalbenkönig" ruft ein Spieler der Verteidiger der sich hinter der Grundlinie gerade warm läuft und fordert eine Verwarnung für den Stürmer
    • Die beiden älteren "Muppets Parodisten mit Bierflasche" hinter der Bande haben von der Foulspiel-Szene gegenüber nichts mitbekommen und streiten sich gerade darüber ob Stürmer #9 im Abseits war. Natürlich bekommt der direkt vor Ihrer Nase stehende SRA einen entsprechenden "Optikerkommentar" zugerufen.
    • Aus der Coachingzone der Angreifer ruft jemand "Der hat schon Gelb!", während sein Nachbar ergänzt: "Schon wieder der Achter! Zum Dritten mal Schiri!"
    • Der Fotograf hinter dem Tor (Ja, der gehört da nicht hin aber er ist nun mal da) wechselt seine Position in Erwartung eines Eckstoßes. Er hat nämlich als einer der Wenigen mitbekommen, das der TW noch mit den Fingerspitzen d´ran gewesen ist.
    • Letztlich regt sich der linke Verteidiger darüber auf, das der SRA wegen der deutlichen Abseitsposition nicht die Fahne gehoben hat und macht entsprechende fragende Gesten Richtung SRA.
    • Das Publikum betrachtet die Szene sehr polarisiert. Die etwa 50 mitgereisten Gäste haben natürlich einen "Klaren Elfer" gesehen; die die gerade ihre Currywurst bezahlten kommentierten das zusätzlich als "Rotvergehen wegen Mordanschlag". Die knapp 100 "HeimUltras" Wollen nach dem Pfiff natürlich "Das war ganz klar Ball gespielt" gesehen haben.
    • Der Schiribeobachter ist zu weit entfernt und aus seiner Perspektive ist sowieso alles zu unübersichtlich, um sich eine Meinung zu bilden. Er beschließt die Situation zu notieren und in der Nachbesprechnung darauf einzugehen.


    Wie das Schirigespann die Situation wahrgenommen hat.

    1. Der Kontakt am Stürmer #11 war gerade eben Außerhalb des Strafraums. Es ist kein verwarnungswürdiger Kontakt und erst recht keine Notbremse. Jedoch ist der Kontakt klar Ursächlich für das Straucheln des Stürmers. Das der Stürmer #11 hier noch den genialen Querpass spielen konnte war wohl eher dem Zufall geschuldet als seinem Können. Aber das hat der Schiri ja nicht zu beurteilen.
    2. Natürlich bemerkte der Schiri das Brummsignal des SRA am Oberarm er sah aber auch das der SRA den Lappen zunächst unten ließ
    3. Absprachegemäß betätigte der SRA nur dem Piepser an der Fahne, weil er nicht genau sehen konnte von wem der Ball kam. Aber Stürmer #9 war etwa eine Körperbreite im Abseits.
    4. Das der TW noch den Ball berührt hat, hat der SRA auch nur gehört. Eine wesentliche Änderung der Flugbahn war jedenfalls nicht zu erkennen. (Die "Flugbahn" wäre aber für die Eckstoß/Abstoßentscheidung sowieso egal)
    5. Weil natürlich alles lautstark durcheinander ruft, kann das Gespann viele der Rufe nicht konkret zuordnen, sodass mögliche Verwarnungen unausgesprochen bleiben.


    Der Schiri entschied auf direkten Freistoß halblinks kurz vor der Strafraumgrenze und erteilte keine Disziplinarstrafen



    Wie der Schiri letztlich dem Beobachter die Situation und seine Entscheidung schilderte:


    1. Kontakt kurz vor dem Strafraum bringt Stürmer zum straucheln. Kein verwarnungswürdiges Foulspiel, keine Notbremse.
    2. Da ein Querpass zu einem freistehenden Stürmer gespielt wird warte ich ab ob ein Vorteil entsteht.
    3. Der SRA handelt wie abgesprochen (Wait and See) und gibt statt Flaggensignal nur Tonsignal weil er nicht wahrnimmt wer den Ball gespielt hat.
    4. Da durch die Abseitsposition von #9 der Vorteil nicht eintritt entscheide ich auf Foulspiel kurz vor der Strafraumgrenze.


    Um was es im Beitrag von Manfred wirklich geht


    Wir brauchen weder das von Manfred beschriebene Beispiel, noch die kleine Kommunikationsgeschichte die ich hier zum Besten gegeben habe auf Regelkonformität überprüfen oder darüber zu diskutieren wie man es (hätte hätte Fahrradkette) besser machen können.


    Dinge passieren auf dem Spielfeld halt so wie sie passieren.


    Die Beispiele sollen verdeutlichen, das Jeder -ob Spieler, Offizielle, Schiries oder Zuschauer sowie der Schiribeobachter- seine ureigenste Wahrnehmung hat. Jede dieser Wahrnehmungen ist für sich genommen sogar richtig weil halt entweder Informationen fehlen oder je nach Vereinsbrille einfach anders beurteilt werden. So kommt jeder durch seine ureigenste Wahrnehmung zu seiner ureigensten Situationsbeurteilung.


    1. Der Fotograf erwartet den Eckstoß
    2. Der Torwart weis das er den Ball zuletzt berührt hat, erwartet aber eine Abseitsentscheidung und hofft, das der Schiri vorher kein Foulspiel und schon gar keinen Strafstoß gesehen hat.
    3. Der Linksverteidiger hat von alledem nichts mitbekommen, er konzentrierte sich auf den Stürmer #9 der für ihn "Klar" im Abseits stand.
    4. Der Verteidiger weis das er den Stürmer getroffen hat und hofft auf eine möglichst glimpfliche Entscheidung weil er ja -seiner Meinung nach- den Ball getroffen hat.
    5. Stürmer #11 weis das er getroffen wurde und da er IM Strafraum liegt ist es für ihn auch klar Strafstoß
    6. Stürmer #12 will außer dem noch ne Rote Karte weil er meint es wäre eine Notbremse.
    7. Viele Verteidiger wollen eine "Schwalbe" gesehen haben, erwarten also eine Gelbe für den Stürmer und Ballbesitz.
    8. Das Publikum genau so wie die Coachingzonen beurteilen wie üblich nach Vereinsbrille entweder auf Strafstoß -einige wollen auch was farbiges für den Verteidiger - oder auf Gelb wegen Schwalbe.


    Die Entscheidung ist aber ein einfacher DIREKTER FREISTOSS aus knapp 17m Torentfernung.


    Das Ergebnis ist, das KEINER der Akteure mit der Schirientscheidung einverstanden ist. Obwohl sie völlig richtig ist.


    Das genau ist dann auch die Botschaft von Manfred an die Neulinge unter den Schiries die er hier zur Diskussion stellt.


    Ihr könnt es noch so richtig machen, ihr habt immer mindestens 50% bis 100% des Sportplatzes gegen Euch, weil die Entscheidung nicht nachvollzogen werden kann oder einige halt ihre ureigenste Sicht der Dinge haben.