Vergehen zwischen aktivem Spieler (Mannschaft A) und Auswechselspieler (Mannschaft B) außerhalb des Spielfeldes

  • Hallo miteinander,


    ich glaube, ich stehe gerade ziemlich auf dem Schlauch. Kann aber auch an den äußeren Bedingungen liegen.


    Unsere Regelfrage gibt uns folgende Situation:


    Zitat

    Nach einem Zweikampf auf Höhe der Mittellinie gerät ein Spieler der Mannschaft A außerhalb des Spielfeldes. Während der Spieler noch außerhalb des Spielfeldes steht, wird er von der Bank von Mannschaft B lautstark beleidigt. Daraufhin bewegt sich der Spieler von Mannschaft A in Richtung der Gästebank und schlägt den Ersatztorwart von Mannschaft B heftig ins Gesicht. Entscheidung?


    Unstrittig ist natürlich, dass der Feldspieler mit einem Feldverweis rechnen darf :rote_karte:. Wo ich jedoch nicht mehr durchsehe, ist folgendes:


    1) Die Situation mit der Wechselbank. Auf den Lehrabenden wurde immer wieder betont, dass wenn Beleidigungen von der Bank kommen, die Handhabe mit "der Ranghöchste Offizielle bekommt bei Unklarheit bzw. Verweigerung der Auskunft über den wahren Übeltäter die rote Karte" durchgeführt werden soll. Vielleicht liegt es nur an mir, aber die Formulierung, dass prinzipiell die gesamte Bank lautstark beleidigt, löst instinktiv bei mir "Rot für jeden Beteiligten" aus. Hier ist doch also bewusst nicht nur ein Spieler, der lautstark beleidigt, sondern gleich mehrere.

    2) Wie ist die Spielfortsetzung? Ich weiß noch, dass in einer SR Zeitung aus diesem Jahr die Situation beschrieben wurde, dass zwei Auswechselspieler außerhalb des Feldes gegeneinander tätlich wurden, beide den Feldverweis bekamen und es mit SR-Ball weiterging. Hier stehe ich so vor dem Dilemma: Habe ich einen oder mehrere Täter von der Bank? Kann ich bereits die Beleidigungen anhand eines Spielers ahnden oder gilt das als "aus der Masse heraus", womit ich den Ort und die Art der Spielfortsetzung dann auf den Feldspieler, der sich außerhalb befindet und gegen einen Auswechselspieler tätlich wird, auslegen kann?


    Regel 8 greift ja dann in dem Sinne, dass - wie auch immer man die Täterhandlung hier auslegt - im Falle einer nicht definierten Situation in Regel 12, das Spiel mit einem SR-Ball fortgesetzt wird (Das war auch denke ich der Fall im Regelfragenbeispiel der SR-Zeitung)



    Ich glaube ja immer noch, dass ich mir das alles zu kompliziert denke. Vielleicht kann mich jemand freundlicherweise vom Glatteis runterführen :)

  • Naja, was du richtig siehst, ist schon einmal, dass die Spielfortsetzung gegen B geht, da erstes Vergehen.


    Wenn es sich um ein verbales Vergehen handelt, geht es grundsätzlich mit einem indirekten Freistoß weiter. Damit ist die Frage der Spielfortsetzung eigentlich durch.


    Rot sieht dann neben dem Schläger von Team A jeder auf der Bank, den du identifizieren konntest. Wenn du keinen ausmachen konntest, aber trotzdem weißt, dass es mehrere waren, bleibt die rote Karte gegen den Trainer.

    "Ich habe einmal die Alkoholiker aus der Mannschaft gegen die Antialkoholiker im Training spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1, da habe ich gesagt: 'Mir ist es egal, sauftas weiter!' "

    - Max Merkel:trink:

  • Hallo.

    Unklarheit ergibt die Umsetzung über den ranghöchsten Beteiligten am Spiel auf der Bank (klare Vorgabe, daher in der Anwendung auch vereinfacht), bei Wahrnehmung des Verursachers ist der zu bestrafen. Hier würde ich rein von der Logik her mir als Schuldigen den ET wählen (Regelfrage gibt vom Text her, dass der SR den Wortlaut wahrgenommen hat) und habe somit das erste Vergehen, dass die Spielfortsetzung festlegt zusammen mit dem Verursacher. Daher Rot für den ET wegen Beleidigung, Rot für den Schläger und indirekten FS auf der Außenlinie bei der Auswechselbank wegen der Beleidigung gegen den zum Zeitpunkt des Vergehens außerhalb befindlichen Adressaten der Beleidigung.

    "Kondition ist nicht alles, aber ohne Kondition ist alles nix."
    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

  • Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Schuldige wird benannt oder stellt sich selbst oder der Ranghöchste muss gehen.

  • Dabei gibt es noch eine kleine Nettigkeit:
    Ich vergesse im Sonderbericht nicht zu schildern, was genau passiert ist, denn auch das Sportgericht wird sich fragen, warum der Spieler genau einen Menschen auf der Ersatzbank attackiert - und den Angreifer befragen und auf Basis von dessen Aussage möglicherweise auch diesen Spieler sperren, denn das Sportgericht darf den Angreifer anhören und ihm glauben, was uns leider versagt ist.