2. Liga, Kiel-Bochum ("Auswechselspieler stoppt Ball"): Videoschiri - mal so mal anders?

  • Im gestrigen Zweitligaspiel stoppt der Auswechselspieler den (in Richtung Toraus rollenden) Ball nach Ansicht des Videoschiris vor der Linie. Wohl korrekt, wenn man sich die Fernsehbilder anschaut und damit regelkonform, aber natürlich in gewisser Weise auch "kleinkariert". Der fällige Strafstoß führte zum 1:1.


    Einige Zeit später folgt ein Strafstoß für Kiel (blau), der vom TW gehalten wird. Aber warum meldet sich hier der Videoschiri nicht? Gleich (mindestens) 3 rote stehen mit dem Fuß auf oder knapp über der Linie (man beachte auch den Teilkreis), demnach also im Strafraum:



    Warum wird der Strafstoß nicht wiederholt? Warum ist der Videoschiri diesmal nicht genau so "kleinkariert" wie vorher? Wenn "genau" dann "immer genau"!


    Das komplette Video hier:


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    "Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus!"
    (Gerd Rubenbauer, als der FIFA-Beauftragte am Spielfeldrand eine Minute Nachspielzeit anzeigte)

  • Nicht, dass ich das für richtig erachte, aber zwischen einem dem normalen Spielverlauf entsprechenden "zu früh in den Strafraum eindringen" und einem Auswechselspieler, der auf dem Feld einen Ball stoppt (auch wenn das knapp ist), sehe ich schon einen sehr großen Unterschied.

  • Ich kann weder im Foto noch im Video auch nur einen Spieler in rotem Trikot erkennen, der zum Zeitpunkt der Ausführung im Strafraum steht. Wir reden allerhöchstens bei dem am äußeren rechten Rand über einige Zentimeter.


    Bei der Aktion auf der anderen Seite war der Ball einen halben Meter im Feld.

    "Ich habe einmal die Alkoholiker aus der Mannschaft gegen die Antialkoholiker im Training spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1, da habe ich gesagt: 'Mir ist es egal, sauftas weiter!' "

    - Max Merkel:trink:

  • Also ich sehe da 4 Rote, die mindestens ihre Füße AUF oder ÜBER der Linie haben.

    Die Linie begrenzt den Strafraum, damit gehört sie VOLLSTÄNDIG zum Strafraum.

    Daraus folgt: Fuß auf der Linie ist im Strafraum.


    Wobei beim ersten Elfmeter auf der anderen Seite sehe ich genausoviele Füße in beiden Farben im Strafraum...


    Im Übrigen stand der Auswechselspieler selbst überhaupt nicht auf dem Feld (Standbein beachten!). Er hat den Ball, der zweifelsfrei ins Aus gegangen wäre halt "auf der Linie" gestoppt und nicht erst hinter der Linie. Das macht es erst zu einem Spieleingriff.

  • Der entscheidende Unterschied bzgl. des VAR-Eingriff ist meiner Ansicht nach:

    Beim Eingriff des Auswechselspielers hätte der SR den Strafstoß gegeben, wenn er es selber wahrgenommen hätte.

    Beim vorzeitigen Betreten des Strafraums hingegen herrscht allgemein eine so große Toleranz, dass der SR dort wohl auch nicht auf Wiederholung entschieden hätte, wenn er es wahrgenommen hätte.


    Vermutlich gibt es auch entsprechende Anweisungen, den Strafstoß nur dann wiederholen zu lassen, wenn das zu frühe Reinlaufen einen Vorteil erbracht hat.

  • Nr.23 : Guter Einwand...man muss wohl einfach auch die Eingriffskompetenzen des VAR beachten.


    Er darf eingreifen, bei nicht wahrgenommenen Dingen, die zu einem Strafstoß führen. Bei Füßen auf der Strafraumlinie haben wir aber keinen Verstoß, der zu einem Strafstoß führt sondern einen Fehler bei der Ausführung eines Strafstoßes.

  • Ich bin ja bei Dir, aber den Faden musst auch dann zu ende Spinnen

    Bei Füßen auf der Strafraumlinie haben wir aber keinen Verstoß, der zu einem Strafstoß führt sondern einen Fehler bei der Ausführung eines Strafstoßes.

    Ja, wir haben keinen Verstoß der zu einem Strafstoß führt, aber einen Verstoß der dazu führen kann das ein Strafstoß wiederholt werden muss.


    Also eine Situation die zu einem ("erneutem") Strafstoß führt.

  • Also eine Situation die zu einem ("erneutem") Strafstoß führt.

    Und genau das wäre formaljuristisch gesehen wohl der Unterschied. Die Tatsachenentscheidung "Spieler im Strafraum" führt eben gerade nicht zu einem neuen Strafstoß sondern führt zu Nichtigkeit des gerade ausgeführten. Nach außen hin ist das identisch, aber es ist eben immer noch der GLEICHE Strafstoß.

    Wobei in meiner Vorstellung eines VAR (wenn wir ihn schon haben) so mit Megazoom und Frame-by-Frame-Analyse gerade derrtige Millisekundenvergehen dessen Kernkompetenzen sein sollten.

  • so mit Megazoom und Frame-by-Frame-Analyse gerade derrtige Millisekundenvergehen dessen Kernkompetenzen sein sollten.

    Genau das ist auch meine Ansicht


    Sowas gehört zu den -ich sage dazu DIGITALEN- Entscheidungen. Da brauchts keinen Emessensspielraum und keine Abwägung, das könnte (theoretisch) also auch ein Computer.

    Und genau diese Digitalen dinge


    • Drinnen oder draussen.
    • Abseitsposition oder nicht
    • Kontakt oder nicht
    • etc.


    Sind genau die Kernkompetenzen eines VAR in der Analyse von Spielsituationen.


    Mich stört daran die Diskussion als solches.


    Beim Abseits wird die [Zitat U.Hoeneß] Zehnagelspitze zum Zankapfel, wobei dabei meist die Torchance wesentlich geringer ist als beim Strafstoß.

    Beim Strafstoß wird dann aber "Großzügig" gleich über mehrere Meter des TW oder eines Feldspielers hinweggesehen.

  • Ich finde es einfach von der Außenwirkung Kacke. Man muss sich die Situation mal mit den Augen eines 08/15-Zuschauers ohne großes Regelwissen ansehen: Da stoppt ein Auswechselspieler einen Ball, der unstrittig weder auf das Tor gekommen noch von einem anderen Spieler hätte noch erreicht werden können, wenige Zentimeter vor Überschreiten der Linie. Dafür gibt es mit Strafstoß eine heftige Spielstrafe. Und dann steht bei der Ausführung dieses Strafstoßes mindestens der Spieler ganz rechts im Bild deutlich weiter im strafbaren Bereich als zuvor der Ball im Feld angehalten wurde, und da schaltet sich der VAR nicht ein. Das mag regeltechnisch in Ordnung sein, ist aber ein Ungleichgewicht für den Zuschauer.

  • Und wieder ein Klassiker von: Wir haben die Regeln umzusetzen, egal, ob wir sie gerecht finden oder nicht! Übrigens ist das ein Qualitätsmerkmal, weil jeder, der dann in den Regeln nachliest (so er sie nicht kennt), bemerkt, dass der SR vollkommen korrekt agiert hat; für Regeln, die Grütze sind (dabei will ich bewusst offen lassen, ob das hier der Fall ist), können wir nichts.

  • Erstaunlicherweise hat die IFAB jetzt klargestellt, dass für Szenen wie in Kiel kein VAR-Eingriff erwünscht ist.

    Auch der Strafstoß an sich für solche Szenen wird kritisch gesehen ("Nur für absichtliche Eingriffe von außen, die das Spiel verändern, wurde die Regel 2016 eingeführt. Bei der Situation in Kiel wäre deshalb eine Ermahnung besser gewesen, so Brud.") - auch wenn der Artikel in der Hinsicht nicht eindeutig ist.

  • Gut, das VAR-Protokoll können sie natürlich ohne großen Aufwand anpassen. Aber an der Regel selbst ändert sich dadurch ja nix, Regel 3 Pkt. 7 ist da recht eindeutig - da ist nur die Rede von einem Eingriff ins Spiel, die Qualität des Eingriffs spielt keine Rolle. Daher korrekt im Artikel erwähnt:


    "Gleichzeitig gibt der Chef der deutschen Video-Assistenten zu bedenken, dass sich die Ersatzspieler hinter der Torlinie künftig besser zurückhalten sollten. "Ein Freibrief ist das nämlich nicht. Wenn der Schiedsrichter auf dem Platz ein solches Vergehen wahrnimmt, kann es weiter zu einem Strafstoß kommen.""

    Ergo: Wenn ich ohne VAR-Hilfe erkenne, dass der Ball noch nicht draußen war, gibt's weiterhin Strafstoß.

    Dass das kritisch gesehen wird, kann ich gut verstehen - aber dann sollen sie halt die Regeln wasserdicht formulieren.

  • Dass das kritisch gesehen wird, kann ich gut verstehen - aber dann sollen sie halt die Regeln wasserdicht formulieren.

    Oder (und so werde ich inzwischen häufiger Zitiert)

    "Wenn ihr in die Regeln schreibt das mit Pinkfarbenen Bällen mit Grünen Punkten gespielt wird, dann findet das Spiel nicht statt wenn der Ball nicht Pink mit grünen Punkten ist. Auch wenn ich eine solche Regel albern finde."

  • weil jeder, der dann in den Regeln nachliest (so er sie nicht kennt), bemerkt, dass der SR vollkommen korrekt agiert hat

    Leider ist es da aber nicht mit dem Regeln-Lesen getan. Da gehört noch eine gewaltige Transferleistung dazu, weil da mehrere Gesamtumstände zusammentreffen.

    1) Angefangen damit, dass der Ball noch im Spiel war, egal ob er unzweifelhaft ins Aus gerollt wäre oder nicht.

    2) Dann dass ein Eingriff von außen zu einem direkten Freistoß führt.

    3) Und dann dazu, dass ein derrtiger Eingriff mittlerweile in das Spielfeld verlegt wird.


    Damit sind die meisten Zuschauer meiner Meinung nach überfordert.

  • Gleichzeitig gibt der Chef der deutschen Video-Assistenten zu bedenken, dass sich die Ersatzspieler hinter der Torlinie künftig besser zurückhalten sollten.

    Ich habe die Geschichte in Kiel definitiv nicht nachvollziehen können - wie dämlich sind denn die Spieler (angeblich Profis :-))) ! Es gab bereits am 18.10. beim Spiel in Frankfurt die Diskussion, als ein AWS den Ball innerhalb des Spielfeldes, aber außerhalb des Strafraums berührt hat - lt. VAR Protokoll gab es da einen Abstoß, da das Vergehen außerhalb des Strafraums stattgefunden hatte. SRA in dem Spiel war übrigens Timo Gerach, die Szene wurde in diversen SR Blogs auch entsprechend analysiert. Und eine Woche später kommt es dann zur gleichen Szene innerhalb des Strafraums (SR übrigens Timo Gerach), mit der regeltechnisch richtigen Entscheidung.


    Man muss sich da auch mal fragen, was die Trainer mit ihren offensichtlich überdimensionierten Stäben von Co-Trainern, Analysten und Teammanagern die ganze Woche über treiben, dann aber nicht in der Lage sind, ihren Spielern solche brandaktuellen Dinge mit auf den Weg zu geben.


    Das VAR Protokoll entsprechend anzupassen, halte ich übrigens für richtig.

  • Ich finde das nicht richtig.

    Es IST ein Vergehen und es IST mit Strafstoß zu ahnden. DAS sind die bestehenden Regeln.

    Da einfach zu sagen "ach...lass uns dieses Vergehen einfach übersehen" benachteiligt die Mannschaft, der nach den REGELN(!) der Strafstoß zustehen würde.


    Wenn in dem Zusammenhang etwas angepasst gehört, dann die Regel, die diese meiner Meinung lächerliche Spielstrafe verhängt. Das wird aber dann auch nicht ganz ohne Nebenwirkungen sein.

  • In der Tat sollte die IFAB daraus die Konsequenz ziehen, dass es den direkten Freistoß für einen Eingriff von außen nur gibt, wenn er das Spielgeschehen wirklich beeinflusst (also z.B. ein Tor oder einen Angriff verhindert). Für alle anderen Fälle sollte man dann zurück zum indirekten Freistoß gehen.