Trainer brüllt unaufhörlich. Was tun?

  • Das kommt in der untersten Spielklasse nicht gerade selten vor. Wenn es mir zu bunt wird und durch das ständige gebrülle/genörgele Unruhe ins Spiel kommt, warte ich bis zur nächsten Unterbrechung, wende mich dann an den Captain der Mannschaft, der dann seinem Trainer die Nachricht überreichen darf, sich zurückzuhalten oder zukünftig das Spiel von der Tribüne aus verfolgen zu dürften.


    Manches Mal dauert mir es aber zu lange, bis das Spiel unterbrochen wird. Habe ich die Möglichkeit, das Spiel aufgrund des Trainerverhaltens zu unterbrechen und wie ist dann die Spielfortsetzung?

  • Ja.

    SR-Ball.


    Praxistipp 1: Das sollte man jedoch nur bei schweren Vergehen tun, die dann auch mindestens einen Innenraumverweis nach sich ziehen. Und die Vorteilsbestimmung nicht vergessen- beim aussichtsreichen Angriff (oder mehr) des Gegners diesen laufen lassen und doch die nächste Spielunterbrechung abwarten.


    Praxistipp 2: Wenn einem das häufiger passiert, dass Trainer sich so extrem daneben benehmen, sollte man überlegen, was man als SR präventiv dagegen tun kann. Vielleicht musst Du Dich vor dem Spiel selbstbewusster vorstellen/ einen kräftigeren Händedruck anschlagen oder im Spiel früher Ermahnen- da gibt es viele Möglichkeiten. Das Spiel wegen "Eingriff von außen" zu unterbrechen sollte die absolute Ausnahme bleiben.

  • Eigentlich sagt das Regelwerk, dass das Spiel wegen solcher Vergehen nicht unterbrochen werden soll, da es sich nicht um einen Eingriff ins Spiel handelt, der mit einem direkten Freistoß zu bestrafen ist. Wenn Du unterbrichst, wird das Fehlverhalten von Teamoffiziellen allerdings in Abhängigkeit des Adressaten der Nörgelei bestraft, das kann sowohl ein ind. Freistoß als auch ein SR- Ball sein.

  • Wen brüllt er denn an?
    Meckert er über die SR-Entscheidungen oder brüllt er seine Spieler an?

    Bei letzterem gibt es doch für den SR gar nix zu tun, solande er dabei nicht beleidigend wird oder sehe ich das falsch?
    Kann natürlich auch nerven, wenn man nicht gemeint ist, aber verboten ist das trotzdem nicht.

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Jede Situation ist anders, dazu kommen Typunterschiede sowohl beim Trainer als auch beim Schiri, Unterschiede im Spielcharakter und - nicht zu unterschätzen - regionale Unterschiede. Von daher gibt es nicht "die" Lösung, aber …


    Zuerst muss ich als SR nicht alles hören. Sollte das Gebrüll aber klar unsportlich sein (z.B. "hau den doch mal um"), dann höre ich das sehr genau und der Trainer geht sofort, da nehme ich sogar einen SR-Ball oder einen idF in Kauf, es sei denn, der Gegner ist in einer wirklich aussichtsreichen Situation, dann warte ich, bis der Ball wieder bei der Mannschaft des Trainers ist oder das Spiel anderweitig unterbrochen wird.


    Schwieriger wird es, wenn die Brüllerei Unruhe ins Spiel bringt. Dann gilt es zu analysieren, ob der Brüllaffe die Unterstützung seiner Spieler hat oder ob die von ihm auch nur genervt sind. Gerade in der zweiten Variante heißt es klug zu handeln und die Spieler weiter auf die eigene Seite zu ziehen ("lass den brüllen" oder "draußen geht uns nichts an"), schon eine verfrühte Ermahnung des Trainers könnte da unnötig Sympathien kosten. Das heißt natürlich nicht, dass wir uns alles und ewig gefallen lassen, aber auf kurz oder lang wird der Spielführer sogar froh sein, wenn er "auf Aufforderung" des Schiedsrichters seinem Trainer endlich mal sagen kann, dass er … (und da höre ich auch nur genau hin, wenn es unbedingt sein muss)


    Hat der Trainer aber die Solidarität seiner Spieler, muss ich das möglichst schnell unterbinden - aber auch das ist wieder situativ und reicht von einem Innenraumverweis des Trainers über eine Ermahnung bis hin zu einem Nebensatz nach einem Foul, dass es sicher besser wäre, sich nicht vom Trainer anstacheln zu lassen. Auch hier muss man sehr situativ reagieren.

  • Wenn der SR unterbricht, dann marschiert der Trainer ! Ansonsten machst Du Dich als SR unglaubwürdig.


    Und dann würde ich dem SR auch empfehlen, regelsicher zu sein, da sich die Spielfortsetzung je nach Adressat der Verbalinjurien unterscheidet. Von daher sollte man vielleicht doch überlegen, das Ganze auf die nächste Spielunterbrechung zu vertagen.

  • mfs67227 Würdest du bitte erläutern, bei welchem Adressaten der Verbalinjurien durch den Trainer die Regeln einen idF vorsehen und aus welchem Abschnitt im Regelwerk das abgeleitet wird?


    Insbesondere bei den Regeländerungen 2017/ 2018 wurde meines Wissens nochmal klargestellt, dass unsportliches Betragen bzw. ein Vergehen in Form von Äußerungen/ Gesten kein „Vergehen gegen Spieloffizielle“ darstellt. Siehe z.B. http://www.schirinews.de/pdfs/…gelaenderungen_Intern.pdf


    Oder werden bestimmte Verbalinjurien des Trainers gegenüber dem SR als „Beeinträchtigung eines Spieloffiziellen durch einen Teamoffiziellen außerhalb des Spielfeldes“ ausgelegt? Wenn ja, dann würde man ebenfalls den idF geben müssen, wenn ein Trainer durch ein absichtlich falsches Kommando einen gegnerischen Spieler unsportlich täuscht?

  • Anweisungen bei uns: Ein Vergehen abseits des Spielfelds durch einen Auswechselspieler/ausgewechselten Spieler/ausgeschlossenen Spieler/Teamoffiziellen gegen einen Spieler (oder Spieloffiziellen) wird bei laufendem Spiel mit einem direkten oder indirekten Freistoß auf der Begrenzungslinie bestraft.


    Körperliche Vergehen - direkter Freistoß

    Beleidigungen etc. - ind. Freistoß

    Vergehen von Teamoffiziellen/Auswechselspielern untereinander - SR-Ball


    Frage mal Deinen Lehrwart, mit welcher Spielstrafe die Beleidigung des SR durch den Trainer sanktioniert wird.

  • So Leute, wir hatten das gerade erst im regionalen Regeltest - und die Antwort ist eindeutig:

    Sieht sich der SR genötigt, das Spiel wegen der Pöbeleien gegen sich oder seine SRA zu unterbrechen, ist die Spielfortsetzung indirekter Freistoß auf der Seitenlinie.

  • Wenn mich ein Trainer anbrüllt les ich ihn erstmal Leviten und in einem Ton der nicht mehr feierlich ist, sodass es das ganze Dorf hört. Gibt er dann keine Ruhe fliegt er eiskalt und es gibt ne knallharte Meldung die sich gewaschen hat.


    Der Vorteil ist wenn man selber spielt und die Trainer wissen dass, dann reagieren sie anders auf einen. Und wenn nicht wird wenn man selber spielt und der besagte Trainer beim Gegner mitspielt halt mal eben der Standpunkt hart aber fair im Spiel vertreten und das Revier markiert, dass er kein zweites mal sowas macht.

  • Falsch Traumfriese. Gehen wir von zwei möglichen Fällen aus.


    Möglichkeit 1: Der Trainer beleidigt dich durchgehend wegen einer Entscheidung, die du getroffen hast. Folge: Entweder du unterbrichst oder entscheidest auf Vorteil. Danach gehst du in aller Ruhe raus zur Coachingzone. Lass dir die Zeit: Der Trainer hat die Möglichkeit sich abzureagieren und du auch. Du erklärst ihm, dass er wegen den Beleidigungen den Innenraum zu verlassen hat. Sollte er dies zügig und ohne weiteres, auffälliges "Geblubber" tun, wird das wohlwollend in den Sonderbericht aufgenommen.


    Möglichkeit 2: Der Trainer beleidgigt nicht, sondern nervt einfach nur mit seinem Gehabe. "Und schon wieder eine Fehlentscheidung", "Ey, Schiri, 5m Abseits usw. gehört alles in diese Kategorie. Sollte es dir zu viel werden, rede mit dem Kapitän. Erkläre ihm sein Vorgehen, dass der Trainer jetzt zwei Alternativen hat. Alternative 1: Es hält sich jetzt mit weiteren Kommentaren bedeckt und darf weiter in der Coachingzone seine Mannschaft betreuen. Alternative 2: Er macht so weiter wie bisher und wird auf kurz oder lang von mir aus dem Innenraum verwiesen. Der Kapitän geht raus zu seinem Trainer und sagt ihm als Bote, was ich gerade kommuniziert habe.


    So bringst du Ruhe ins Spiel. Wie heisst es so schön: "Einen Kotzenden soll man nicht füttern". Aber genau das machst du, wenn du den Trainer anschreist. Ich halte es für keine gute Außendarstellung.

  • Ist die offizielle Anweisung bei euch nur das kursiv geschriebene oder auch inkl. der vier Fälle in normaler Schrift?

    Kursiv - offizielle Anweisungen, das andere die konkrete Auslegung. Bin auch beruhigt, dass zumindest im SWFV und Hessen die Regeln gleich ausgelegt werden.

  • Ich würde gerne noch einmal auf die grundsätzliche Frage antworten: Gerade für junge oder noch nicht so erfahrene Schiedsrichter ist dies ja immer wieder ein Thema. Ich würde dazu raten, wenn möglich, das Spiel nicht zu unterbrechen.

    Gleichwohl sollte man sich die ständigen Ausfälligkeiten und das Rufen von außen nicht dauerhaft bieten lassen.Hier bedarf es eines offensiven Auftretens durch den Schiedsrichter. Allerdings hat der „schreiende Schiedsrichter“ die Kontrolle über das Spiel verloren. Vor einigen Jahren noch habe ich auch gerne mal „zurück geschrien". Dies hat jedoch nur eine Folge: Auf meine Reaktion reagiert wieder der Trainer und die Folge ist der Innenraumverweis.


    Inzwischen bin ich in der Lage abzuwägen, ob ich den Trainer noch selber erreichen kann. Wenn ich das Gefühl habe, dass eine Ansprache noch möglich ist, gehe ich zum Rand und hole mir den Trainer auch ein oder zwei Schritte in das Spielfeld hinein um ihn nicht vor „versammelter Mannschaft" bloß zu stellen. Diese dann – beruhigenden Ansprachen – gelingen häufig gut.


    Wenn ich jedoch nicht mehr der Auffassung bin, dass ich den Trainer noch selber erreichen kann, regel ich dies ausschließlich über den Spielführer und drohe den Innenraumverweise an. Hierbei achte ich aber darauf, dass der Spielführer auch tatsächlich zum Rand geht und mit dem Trainer spricht. Ich warte bis das Gespräch beendet ist und der Spielführer wieder auf dem Platz ist.


    Es bedarf jedoch einer gewissen Routine, Diese Situationen noch bewerten zu können. Selber hochemotional nach draußen zu gehen bringt meistens nichts.

  • mfs67227 Ich will die konkrete Auslegung gerne glauben. Leider kann ich sie aus der Anweisung nicht ableiten.


    Hier ein anderer Abschnitt aus Regel 12:

    "4. Spielfortsetzung nach Fouls und Vergehen


    • Bei laufendem Spiel und einem Vergehen eines Spielers innerhalb des Spielfelds gegen:

    • einen Gegner – indirekter oder direkter Freistoß oder Strafstoß

    • einen Mitspieler, Auswechselspieler, ausgewechselten oder des Feldes verwiesenen Spieler, Teamoffiziellen oder Spieloffiziellen –:guckst_du: direkter Freistoß oder Strafstoß"

    Da aber SR-Beleidigungen durch Spieler nur mit idF fortgesetzt werden, können sie keine "Vergehen gegen Spieloffizielle" darstellen ;)