Ball von Pfosten/Latte: Abseits oder neue Spielsituation?

  • Liebe Schiedsrichterkollegen,


    ich habe eine Frage zu dem Thema Abseits bzw. neue Spielsituation nach Pfostenabpraller.


    Sicher haben alle das Tor zur 1:0 Führung für die Niederländer beim Spiel Eindhoven gg. Bayern in der CL gesehen. Da der Ball vom Torhüter abgeprallt ist und somit keine neue Spielsituation entstanden war, hätte auf Abseits entschieden werden müssen. Mich verwundert es nur, dass damals der Kommentator von "Sky" behauptete, dass wenn der Ball vom Pfosten oder der Latte zurückprallen würde eine neue Spielsituation entsteht und es somit kein Abseits gewesen wäre.


    Allerdings finden wir folgenden Regeltext in der Regel 11:


    2. Abseitsvergehen

    "Ein Spieler wird nur dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er zum Zeitpunkt, zu dem der Ball von einem Mitspieler gespielt oder berührt wird, aktiv am Spiel teilnimmt, indem er
    • durch Spielen oder Berühren des Balls, der zuletzt von einem Mitspieler berührt oder gespielt wurde, ins Spiel eingreift, oder
    • einen Gegner beeinflusst, indem er
    • diesen daran hindert, den Ball zu spielen oder spielen zu können, indem er ihm eindeutig die Sicht versperrt,
    • den Gegner angreift, um den Ball spielen zu können,
    • eindeutig versucht, den Ball in seiner Nähe zu spielen, wenn diese Aktion einen Gegner beeinflusst,
    • eindeutig aktiv wird und so klarerweise die Möglichkeit des Gegners beeinflusst, den Ball zu spielen,
    oder
    • sich einen Vorteil verschafft, indem er den Ball spielt oder einen Gegner beeinflusst, wenn der Ball
    von einem Torpfosten, der Querlatte oder einem Gegner zurückprallt oder abgelenkt wird,
    • absichtlich von einem Gegner abgewehrt wurde.




    Ein Spieler verschafft sich keinen Vorteil aus einer Abseitsstellung, wenn er den Ball von einem gegnerischen Spieler erhält, der den Ball absichtlich spielt (mit Ausnahme einer absichtlichen Abwehraktion eines Gegners). Eine „Abwehraktion“ liegt dann vor, wenn ein Spieler einen Ball, der ins oder sehr nah ans Tor geht, mit irgendeinem Körperteil außer mit den Händen (ausgenommen der Torhüter im eigenen Strafraum) abwehrt."






    Gern hätte ich eure Meinungen zu diesen Thema und mir ist natürlich auch bewusst, dass diese sogenannten "Experten" von "Sky" viel Quatsch erzählen ;)

  • Ich habe das Interview nicht gesehen, aber wenn es so war wie ich deine Schilderung verstehe, ist es natürlich Abseits. Latte, Pfosten und Torwartabwehr führen nicht zu einer neuen Spielsituation.

  • dass diese sogenannten "Experten" von "Sky" viel Quatsch erzählen

    Du hast Recht, das ist mal wieder der typische Blödsinn den die Reporter so verzapfen. Und wir müssen das dann am Sonntag früh in der Betonklasse wieder ausbaden.


    Natürlich ist es Abseits, wenn der Abpraller vom Gehäuse dem Angreifer vor die Füsse fällt. Voraussetzung ist natürlich, das er sich beim Schuss auf´s Tor bereits in Abseitsposition befand.


    Übrigens haben wir mit unserem Lehrwart bei der Regeldiskussion festgestellt, das es durch die neue Regelung des Ortes der Freistoßausführung auch keine Probleme mehr mit der angeblich "Neuen Spielsituation" gibt.


    Und zwar durch die logische Ableitung.


    • Ball muss von eigenem Spieler kommen.
    • Jede Berührung eines Abwehrspielers, die nicht der Torverhinderung gilt, gilt nicht als Torabwehrreaktion (vergl. Lehrbrief des DFB) Damit hebt eine Berührung durch einen Abwehrspieler in den meisten Fällen das Abseits auf.
    • Abseitsposition wird erst bei eingriff strafbar.
    • Du musst mit dem Pfiff so lange warten bis der Spieler eingreift (wegen dem Ort des idF)


    In Ableitung dieser Regeln ist nahezu jede Ballberührung durch einen Spieler eine "Neue Spielsituation"

  • Nicht jede Berührung eines Verteidigers bedeutet eine neue Situation. Auch wenn er angeschossen wird, gilt dies nicht als bewusste/absichtliche Aktion, die das Abseits aufhebt.

    Dem Schiedsrichter zu widersprechen, das ist, wie wenn man in der Kirche aufsteht und eine Diskussion verlangt. (Dieter Hildebrandt)

  • Wo ich hier gerade den Regeltext lesen.....


    Kann man überhaupt noch wirklich im Abseits stehen?


    Ein Spieler wird nur dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er zum Zeitpunkt, zu dem der Ball von einem Mitspieler gespielt oder berührt wird, aktiv am Spiel teilnimmt, indem er
    • durch Spielen oder Berühren des Balls, der zuletzt von einem Mitspieler berührt oder gespielt wurde, ins Spiel eingreift, oder



    Wie kann ich denn zum gleichen Zeitpunkt wie mein Mitspieler den Ball spielen?
    Ich finde die Formulierung hier ist etwas falsch.


    Es geht doch nicht darum, zum Zeitpunkt des Abspiels aktiv am Spiel teilzunehmen, sondern zu diesem Zeitpunkt in Abseitsposition zu sein.
    Genau genommen nimmt der Stürmer der noch im gegnerischen Strafraum liegt ja nicht zu dem Zeitpunkt wo der Ball gespielt wird aktiv am Spiel teil, sondern erst danach.


    Nicht jede Berührung eines Verteidigers bedeutet eine neue Situation. Auch wenn er angeschossen wird, gilt dies nicht als bewusste/absichtliche Aktion, die das Abseits aufhebt.


    Naja genaugenommen irgendwie schon.


    Nehmen wir an Angreifer 1 und Angreifer 2 spielen sich den Ball zu Verteidiger 1 steht dazwischen und berührt (unabsichtlich) den Ball.
    Mit welchem Teil der Regel soll denn Angreifer 2 bestraft werden, wenn dieser sagen wir 15m hinter dem Verteidiger steht?


    Nehmen wir nochmal das gleiche Zitat wie oben:
    "Ein Spieler wird nur dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er zum Zeitpunkt, zu dem der Ball von einem Mitspieler gespielt oder berührt wird, aktiv am Spiel teilnimmt, indem er
    • durch Spielen oder Berühren des Balls, der zuletzt von einem Mitspieler berührt oder gespielt wurde, ins Spiel eingreift, oder"


    Es handelt sich eindeutig um eine Abseitsposition.(A2 steht 15m hinter V1 und zwischen A2 und der Torauslinie ist nur noch der TW).
    Er nimmt jetzt aber nicht zu dem Zeitpunkt wo A1 den Ball spielt aktiv am Spiel teil. (Sagen wir er trabt zu dieser zeit Richtung eigene Hälfte).
    Wenn der Verteidiger nun den Ball berührt kommt der Punkt "durch Spielen oder Berühren des Balls, der zuletzt von einem Mitspieler berührt oder gespielt wurde, ins Spiel eingreift,"
    aber niemals zur Geltung weil der Ball jetzt nicht mehr zuletzt von einem Mitspieler berührt wurde.




    Das kann so aber nicht gemeint sein, weil dann der nachfolgende Absatz überflüssig wäre:
    " Ein Spieler verschafft sich keinen Vorteil aus einer Abseitsstellung, wenn er
    den Ball von einem gegnerischen Spieler erhält, der den Ball absichtlich spielt
    (mit Ausnahme einer absichtlichen Abwehraktion eines Gegners)."

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer (wieder) Spieler der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • " Ein Spieler verschafft sich keinen Vorteil aus einer Abseitsstellung, wenn er
    den Ball von einem gegnerischen Spieler erhält, der den Ball absichtlich spielt
    (mit Ausnahme einer absichtlichen Abwehraktion eines Gegners)."



    Eine Abwehrreaktion ist meiner Ansicht nach aber auch dann gegeben, wenn ein Abwehrspieler versucht, einen Pass zu verhindern, indem er seinen Fuß ausstreckt oder zum Kopfball hochspringt, diese Aktion verunglückt und der Ball doch in Richtung Tor geht und einen gegnerischen Spieler, der zum Zeitpunkt der Ballabgabe seines Mitspielers im Abseits steht, erreicht. Oder sehe ich das falsch?

  • meiner Ansicht nach aber auch dann gegeben, wenn ein Abwehrspieler versucht, einen Pass zu verhindern,

    Leider ist Deine Ansicht aber nicht die Ansicht der Regelwarte des DFB.
    Vielleicht kann das mal jemand recherchieren welcher Lehrbrief das ist, aber im Lehrbrief des DFB zu diesem Thema gilt die Passverhinderung als absichtlices Spielen und hebt Abseits auf.


    Entgegen der explizit in diesem Lehrbrief erwähnten Abwehrreaktion zur Torverhinderung, die das Abseits nicht aufhebt.

  • Lass es mich mal vereinfachen:


    Wenn der Abwehrspieler versucht, den Ball zu spielen, entsteht für die Abseitsbeurteilung eine neue Situation, sofern er den Ball auch nur berührt, die Ausnahme dabei bleibt die Torabwehr. Anders ist es, wenn er den Ball ohne Absicht berührt, dann ist das nicht zu berücksichtigen. Und obwohl wir keine Gedanken lesen können, halte ich vom Bewegungsablauf die Chancen für eine Fehleinschätzung für sehr klein.

  • Wenn der Abwehrspieler versucht, den Ball zu spielen, entsteht für die Abseitsbeurteilung eine neue Situation, sofern er den Ball auch nur berührt,


    Deine Zusammenfassung der Regel ist richtig. Nur ist die Frage, wann es sich um eine Torabwehraktion handelt und wann er den Ball absichtlich berührt eben doch nicht so einfach. Zwischenzeitlich hieß es bei uns auf Verbandsebene, die Abwehraktion müsse den Ball schon deutlich ablenken, damit eine neue Situation entsteht.
    Ich fürchte, dies wird uns noch eine Weile beschäftigen.

  • Da macht sich das Euer Verband m.E. unnötig schwer. Bei einer Torabwehraktion ist es ohnehin gleichgültig und in allen anderen Fällen behaupte ich, dass jeder Schiri mit 5 Spielen Erfahrung mit einer Wahrscheinlichkeit > 99 % sagen kann, ob der Ball jetzt gespielt werden sollte oder nicht; es wurde bei der Änderung der Regel doch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es eben nicht darauf ankomme, ob der Ball auch gespielt wird, sondern ob der Spieler den Ball spielen wollte.

  • Da macht sich das Euer Verband m.E. unnötig schwer.[...] dass jeder Schiri mit 5 Spielen Erfahrung mit einer Wahrscheinlichkeit > 99 % sagen kann, ob der Ball jetzt gespielt werden sollte oder nicht; [...] ob der Spieler den Ball spielen wollte.

    Nebenbei arbeite ich an der Lizenz zum Football Schiedsrichter.
    Da gibt es im Regeltext zum absichtlichem Spiel einen Halbsatz, den ich für mich als Merkregel übernommen habe.


    Als Absicht gilt der erfolgreiche Versuch den Ball zu berühren.

  • Wenn ich hier diese Diskussion so verfolge und mich in die Situation von einem Jungschiri hinein versetze, dann kann ich mir vorstellen, dass denen bereits der Kopf schwirrt und die so langsam gar nichts mehr verstehen :hammer: . Ich versuche auch gar nicht, meinen Senf auch noch dazu zu geben. Ich habe nämlich auch langsam den Überblick verloren 8| . Aber ich lese weiter interessiert mit und hoffe, dass ich den Faden wieder finde. Im Moment stehe ich auf dem Schlauch...

    35 Jahre Schiri :saufbrüder: ( und immer noch nicht genug davon )
    1981 bis 2016

  • @SixtSCTF


    Dieser "Merksatz" gilt aber nicht beim Fußball! Ansonsten würde der ja auch so in unseren Regeln verankert sein.


    Beim Fußball gilt nun einmal, dass der Versuch den Ball zu spielen inkl. Berührung des Balles, das vorherige Abseits aufhebt. Der Ball muss weder beim Mitspieler ankommen noch muss er ihn mit dem Vollspann treffen. Es reicht, dass er versucht den Ball zu spielen und ihn dabei irgendwie berührt.



    Das ist doch eigentlich klar vorgegeben und es gibt keinen Grund daraus immer wieder so ein großes Thema draus zu machen.

    Dem Schiedsrichter zu widersprechen, das ist, wie wenn man in der Kirche aufsteht und eine Diskussion verlangt. (Dieter Hildebrandt)

  • Lesen bildet

    Der Ball muss weder beim Mitspieler ankommen noch muss er ihn mit dem Vollspann treffen. Es reicht, dass er versucht den Ball zu spielen und ihn dabei irgendwie berührt.

    Nichts anderes steht hier

    Als Absicht gilt der erfolgreiche Versuch den Ball zu berühren