Sind wir Schiedsrichter oder Weltreisende

  • Das heist nicht umsonst "Aufwandsentschädigung. Auch in Hamburg liegen die Spesensätze etwa in der selben Range. die Fahrten sind natürlich deutlich kürzer.

    vernünftigen Anzahl an Spielen immer noch ein netter dreistelliger Betrag über

    Ich sage ja, ich mache gerne mal einen Lehrgang was die Schierichterei tatsächlich kostst. Dann wirst Du feststellen, das Du einen netten 3 bis 4 stelligen Betrag im Jahr draufzahlst - je nach Anzahl der Spiele.


    Glaub es mir. Lass Dich nicht durch die Euronen in der Geldbörse blenden.


    Aber ist egal. Das ist Hobby und wir machen es gerne.

  • "Glaub es mir" ist ein tolles Argument (insbesondere dann, wenn es durch Fettdruck besonders nachdrücklich vorgebracht wurde), ich bin jetzt absolut überzeugt. Auf Deinen Lehrgang komme ich vielleicht nochmal zurück, bis auf Weiteres reicht mir mein abgeschlossenes Hochschulstudium in diesem Themenfeld ;)

  • bis auf Weiteres reicht mir mein abgeschlossenes Hochschulstudium in diesem Themenfeld

    Dann wird es Dich auch nicht überraschen, das die Kosten pro Kilometer bei meinem PKW seit einigen Jahren etwa immer bei 1,10€ bis 1,20€ pro tatsächlich gefahrenem Kilometer liegen.
    Ist übrigens ein ganz normaler Mittelklassewagen ohne viel Schnickschnack wie er zu zigtausenden auf Deutschlands Strassen unterwegs ist.


    Macht bei Manfreds Eingangs erwähnten 40 Entfernungskilometern mal eben 80 Euro -tatsächliche- Fahrtkosten!

  • Dann wird es Dich auch nicht überraschen, das die Kosten pro Kilometer bei meinem PKW seit einigen Jahren etwa immer bei 1,10€ bis 1,20€ pro tatsächlich gefahrenem Kilometer liegen.

    Wenn's dir nichts ausmacht, könntest du mir diese Rechnung bitte per PN schicken?

  • Die Rechnung würde mich auch interessieren. Das liegt nämlich bspw. deutlich über den vom ADAC ermittelten Werten für Oberklasse-Neuwagen. Und dort ist Versicherung, Steuerun und zeitbezogener Wertverlust berücksichtigt. Alle diese Faktoren gehören in eine Rechnung für eine einzelne Fahrt für einen SR zum Spielort nicht dazu, wenn man davon ausgeht, dass der SR sein Auto sowieso halten würde (Und es sonst während dieser Zeit vor dem Haus stehen würde. Und man keine fahrleistungsabhängige Versicherungspolice gewählt hat.)


    Da ich mittels App die Tankkosten meines Autos überwache und auch alle Werkstatt-, und Versicherungsrechnungen sowie alle Steuerbescheide der letzten Jahre für mein Auto habe, ist es ja ziemlich leicht, diese über die Laufleistung dieses Zeitraums zu stellen und die tatsächlichen Kosten INKLUSIVE Versicherung und Steuern zu berechnen. Da bin ich aber ganz ganz weit unter dem von Dir genannten Betrag. Und wie gesagt INKLUSIVE Versicherung und Steuern.


    Ich weiß ja nicht, was Du bei Deiner Rechnung an Opportunitäts- oder sonstigen Mondkosten mit einfließen lässt oder ob Du vielleicht kaum Laufleistung hast -- und wenn nicht, würde ich mir ganz dringend ein neues Auto anschaffen.

  • Hallo.


    Wobei die Aussage zu den Versicherungstarifen nur teilweise stimmt, die meisten Versicherer staffeln nach jährlicher Laufleistung. Da kann das Überschreiten schon mal bis zu 60,- € mehr im Jahr ausmachen, die man dann schon umlegen müsste.


    Gleiches gilt für die Wartung. Wenn ich normalerweise unter 20.000 km bleibe, brauche ich nur ca. alle 1,5 bis 2 Jahre zur Inspektion, komme ich drüber durch das Pfeifen, jedes Jahr. Und das schlägt dann anteilig mit bis zu 200,-€ zusätzlichen Kosten p.a. zu Buche. Bezieht sich auch auf entsprechende Sprünge zu 20.000 km.


    Bezogen auf ein Focus Turnier 2,0 TdCI, also einem klassischen Familienauto.

    "Kondition ist nicht alles, aber ohne Kondition ist alles nix."
    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

    Einmal editiert, zuletzt von jambala ()

  • Hab es mal umgelegt, entspricht bei 1600 km zusätzlich für Pfeifen (40 Spiele mit 40km Weg je Spiel) pro Jahr anteilig 14 Cent je km für die höheren Zusatzkosten (30,-€ mehr an Versicherung und 200,-€ anteilig für zusätzliche Inspektion.


    Zuzüglich ca. 5 Cent je km für den zusätzlichen Dieselverbrauch macht knapp 20 Cent je km Kostenaufwand (Verbrauchsmaterial wie Scheibenwischwasser und zusätzliche Reinigungen mit einkalkuliert), entstanden durch das Pfeifen.


    Bei entsprechend mehr Spielen und mehr gefahrenen km sind bis 25 Cent realistisch.

    "Kondition ist nicht alles, aber ohne Kondition ist alles nix."
    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

  • Dann gibts halt Billigbier :cool:

    Bei Freibier ist die Sorte egal, hat doch Freibier in der Regel einen lieblichen Nachgeschmack 8)


    Aber mal Spaß beiseite.
    Kenne mich auch etwas in der Kosten- und Leistungsrechnung aus und will Details zur Ermittlung der Selbstkosten etc. niemanden zumuten.
    Ich empfinde die "Pfeiferei" für mich als Hobby und wichtig ist für mich, dass das Kollektiv menschlich passt und man vor und speziell nach dem Spiel 8) Spaß hat. Bin da ganz ehrlich, habe schon viele Spiele erlebt, wo an der Haustür die Aufwandsentschädigung aufgebraucht war. :saufbrüder: Aber das kein falscher Eindruck entsteht, alles im Rahmen der Stvo selbstverständlich. Drängel mich nie ums Fahren und habe auch oft Schüler/Azubis etc. mit am Start, die ganz gern fahren wollen.


    2008 wurden in Sachsen die Landkreise politisch neu geschaffen, der Fußball zog mit Beginn des Spieljahres 2010/2011 nach und im Westerzgebirge wurden aus vier Fußball-Altkreisen ein Großkreis. Die Ansetzer sind grundsätzlich in den "Altkreisen" verblieben, da so ein Großkreis gar nicht von ein/zwei Ansetzern steuerbar wäre oder man würde diese Leute spätestens nach zwei Wochen in ein Heim einliefern müssen wegen eines Nervenzusammenbruchs.


    Das "Hin-und Herdrücken" der Spiele jede Woche ist zumindest im Männerbereich wöchentlich geplant, wobei die unterste Herrenklasse und der Nachwuchs im Regelfall "Altkreisintern" angesetzt wird (Engpässe naürlich nicht eingerecht, aber Engpässe gibt es leider fast wöchentlich).


    In der KOL Herren (höchste Kreisspielklasse) wird mit bis zu vier Nachbar-Landkreisen pro Woche ein Austausch abgewickelt (+ evt. noch Abgabe eines Spieles an den U22-Förderkader des LV). Kommt eigentlich gut an und da gibts auch "Spezis", die "austauschgeil" sind.


    Naja, und wenn der LV höherklassige NW-Spiele ins Erzgebirge "runterdrückt", fährt man schon mal für eine C-Landesliga 50 bis 80 km pro Stecke als "durstiger" Mitfahrer mit und wenns sonntags 8.30 Uhr ist. Zu meiner "Glanzzeit" :totlach: war die Disco um 22 aus, heute wirds meistens schon hell und wer immer noch Durst hat wankt an die Tanke und kann dann halt nicht sonntags 8.30 Uhr mitfahren.

    Stellv. Spielausschuss-Vorsitzender des KV Erzgebirge - 2006 bis 2010 auch Spielleiter beim Bezirksverband Chemnitz (leider aufgelöst) ;(
    Denkmäler für Dirk Schuster, Daniel Meyer, Hannes Drews, Domenico Tedesco und Gerd Schädlich auf dem Markt in Aue!

  • wenn man davon ausgeht, dass der SR sein Auto sowieso halten würde


    Dieser Ansatz ist m.E. nicht zulässig. Er wird nämlich bei nahezu jeder (oftmals krass falschen) Autokostenrechnung angewendet: Bei der Urlaubsfahrt ("wir haben das Auto ja sowieso"), bei der Vergleichsrechnung ÖPNV vs. Privat-PKW ("wir haben das Auto ja sowieso"), bei der Fahrt zum Einkaufen ("wir haben das Auto ja sowieso") und bei den Fahrten zum Arbeitsplatz ("ich habe das Auto ja sowieso").



    Wem werden dann am Ende die Faktoren Wertverlust, Inspektion/Wartung, Steuer/Versicherung sowie Schmierstoffe und Reifen zugeschrieben?


    Eben- niemandem. Deshalb ist der einzig zulässige Ansatz, bei jeder Anwendung die vollen km-Kosten anzusetzen. Und diese liegen in der unteren Golf-Klasse (einfache Ausstattung, kleiner Motor, keine Anschaffung als Neuwagen) irgendwo zwischen 25 und 40ct pro km. Die bereits zitierten ADAC-km-Sätze gehen von einer Neuanschaffung mit 4 Jahren Haltedauer aus- das werden viele von uns deutlich wirtschaftlicher darstellen (Kauf als Gebrauchtwagen 1-5 Jahre alt, längere Haltedauer). Somit werden die angegebenen ADAC-Werte von vielen Autonutzern deutlich unterschritten- einen guten Richtwert stellen sie jedoch trotzdem dar.


    Somit sind Werte von 20ct/km leider genauso "falsch" wie Werte von 1 EURO/km - egal was man studiert hat.

  • jambala: Danke für die anschauliche Rechnung, das halte ich für ziemlich realistisch.


    @BRiT: Wartung, Abnutzung, Schmierstoffe gehören selbstverständlich in die Rechnung, denn sie sind von der Laufleistung abhängig. Das gilt auch für zeitabhängige Wartungskosten (z.B. Inspektion, HU/AU), denn aufzudröseln, ob da jetzt eher der Zeitablauf oder die Laufleistung Verantwortlich sind, wird realistischerweise kaum gelingen. Da sind wir uns also völlig einig.


    Die Bewertung eindeutig laufleistungsunabhängiger Kosten muss man vom Kontext abhängig machen. Gerade was den Job angeht, bei dem man täglich mit dem Auto fährt, gehören sie eindeutig mit in die Rechnung, denn ohne diesen Job wäre die Entscheidung über das Auto ja möglicherweise anders ausgefallen. Hier ging es konkret aber darum, dass Manfred sich über die 50-km-Tour zum Spielort mit den damit verbundenen Kosten über die Fahrtkostenerstattung hinaus beschwert hat. Und an der Stelle sind eben nur diejenigen Kosten einzuberechnen, die dadurch entstanden sind, dass Manfred eben nicht am Sportplatz um die Ecke angesetzt wurde, zu dem er hingelaufen wäre. Da gehört Versicherung und Steuern eben nicht zu. Und dann ist es nicht mehr realistisch, dass Kosten von mehr als 30 Cent / km anfallen (und ganz gewiss nicht selbst zu tragende Zusatzkosten von 50 € für so eine Tour).

  • Dieser Ansatz ist m.E. nicht zulässig.


    Genau diesen "Eh da"-Kosten-Effekt meinte ich ja schon früher, aber gegen die "passenden" Argumentationsmodelle kommen wir nicht ab, weder Du noch ich.


    Aber um mal wieder ein wenig mehr zum Thema zu kommen:
    Nachvollziehbar ist es für mich noch immer nicht. Wir reden hier nicht über höhere Spielklasse, sondern wirklich über Betonliga pur. Und ganz praktisch: Mein Heimatkreis Wiesbaden ist umgeben vom Rheingau-Taunus-Kreis, dem Main-Taunus-Kreis, dem Kreis Groß-Gerau und dem feindlichen Ausland äh Kreis Mainz-Bingen. In allen Nachbarkreisen gibt es Spielstätten, die auch alles andere als nah sind und je nach Straßenausbau schon einige Zeit für die Anreise verschlingen (so etwa Lorch oder Aarbergen-Rückershausen). In der nächsten Runde liegen dann Limburg-Weilburg, Hochtaunus und vor allem Frankfurt - und überall bin ich auch des Öfteren zu Gast, alle auch mit nicht gerade kurzen Anreisewegen) sowie Darmstadt, wohin die Pipeline bisher nie führte. Erst dann kommt der Kreis Offenbach, in dem ich in dieser Saison auch schon zum dritten Male war - also eigentlich sollte es doch in der Nähe ausreichend Möglichkeiten geben, zumal - der Begriff Austausch legt es nahe - ja auch ein SR-Kollege von dort dann wen Weg nach Wiesbaden antreten muss. Zeit für den SR und Kosten für die Vereine, die doch eigentlich vermeidbar sein sollten - und ich rede da jetzt nicht über die "Strafexpeditionen" wegen Auffälligkeiten oder Nichterfüllung des SR-Soll.


    Und zur Erinnerung: In den letzten Wochen traf ich jedes Wochenende mindestens einen SR-Kollegen, der sich auch über die weite Fahrerei beklagte.

  • Die Wartungsintervalle beziehen sich mittlerweile bei den meisten Herstellern auf km, nicht mehr auf Zeit. Bei Ford Diesel sind es 20.000 km. Die HU (AU ist seit ein paar Jahren hierin integriert, weshalb es nur noch eine Plakette gibt) definiert sich über die Dauer, von daher ist sie kein Kostenfaktor hinsichtlich der km. Die HU kostet gleich viel, egal ob 5000 km oder 100000 km gefahren wurden binnen der drei bzw. zwei Jahre. Voraussetzung natürlich kein gesonderter Instandsetzungsaufwand zur Erlangung der Plakette.

    "Kondition ist nicht alles, aber ohne Kondition ist alles nix."
    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles