Beiträge von TimBalsiger

    So etwas würde ich nicht machen. Sobald der „Pfleger“ dann das Spielfeld betreten hat, verlässt er es nur gemeinsam mit dem Spieler, egal ob er Wasser spritzt, eine heilende Handbewegung macht oder der Spieler spontan geheilt zwischenzeitlich wieder aufspringt.

    Klar, der Spieler verlässt zwingend das Spielfeld. Wenn ich aber schon einen Pfleger auf das Feld beordere, dann soll der aber auch bitte kurz ein "Pflege" durchführen. Ansonsten sieht's gegen aussen einfach extrem doof aus. Umgekehrt bin ich dann aber auch so nett und weise die Spieler darauf hin, dass, wenn zwei Spieler der selben Mannschaft zusammenprallen und nur einer gepflegt werden musste, der zweite Spieler auch kurz eine "Pflege" bekommen soll, damit keiner raus muss. So kann man Problemen gut aus dem Weg gehen.

    Es fehlt aber weiterhin eine saubere Definition, was eine Behandlung ist bzw. ein Umgang mit einem Spieler, der nach eigenem Bekunden nicht behandelt werden will, aber dennoch liegen bleibt.

    Eine Behandlung ist, sobald ein Pfleger das Spielfeld betritt und irgendwas am Spieler macht. Der Umgang ist sehr simpe:l
    1. Frag den Spieler, ob er pflege braucht.
    2. Kommt keine eindeutige Antwort, machst du ihn darauf aufmerksam, dass du einen Pfleger auf den Platz rufst, wenn er kein eindeutiges nein von sich gibt.
    3. Wenn jetzt ein Pfleger da ist, hat er pech gehabt. Bitte den Pfleger darum, dem Spieler einen Sprutz Wasser auf den Fuss zu geben, damit es von aussen auch nach einer "Pflege" aussieht. Wenn er es nicht macht, siehst du halt etwas blöd aus, aber der Spieler ist unter dem Strich selbst Schuld, dass er raus muss. Wenn wer meckert, hast du's dem Spieler ja gesagt.

    Weil in Regel 11 nichts von Vorteil steht. Dass das in der Praxis oft anders praktiziert wird, ist klar. Aber regeltechnisch sollte eine Berührung des Balles durch einen im Abseits stehenden Stürmer immer den indirekten Freistoß zur Folge haben. So wie jeder Auswechselspieler zu verwarnen ist, der auf der Seitenlinie wartet, bis sein Wechselpartner vom Feld gegangen ist. So wie jeder Einwurf falsch ist, der nicht exakt an der Stelle ausgeführt wird, wo der Ball das Feld verlassen hat. So wie der Schiedsrichter die Nachspielzeit nicht verlängern darf, wenn der Stürmer den Torwart bereits ausgespielt hat und unbedrängt mit Ball am Fuß 2 Meter vor dem leeren Tor steht...

    Wo steht dann in Regel 12 etwas von Vorteil?

    Wenn nur ein Stürmer, der im Abseits steht und der Torhüter an den Ball gelangen können, würde ich dir immer empfehlen, das Spiel frühzeitig zu unterbrechen. Die Chance, dass die beiden zusammenprallen ist durchaus gegeben und Verletzungsrisiko alles andere als tief. Wenn es dann tatsächlich zum Zusammenstoss kommt, sieht man extrem doof aus, wenn dann der Assistent mit der Fahne oben sagt, dass es dann Abseits war.


    Wenn der Torhüter den Ball, wie von dir beschrieben schon in der Hand hält, ist Play on aber sicher die bessere Entscheidung. Was er dann mit dem Ball macht, ist schlussendlich sein Problem.

    Nach der Argumentation könnte man auch Spielsperren nach roten Karten abschaffen. Natürlich gibt es gelbe Karten, die in einer Grauzone liegen, wo es auch auf die Spielleitung darauf an kommt. Aber die meisten gelben Karten lassen sich an mehr oder weniger eindeutigen Fakten festlegen (SPA, DOGSO im Strafraum im Kampf um den Ball, Stamp on foot, trailing leg, etc). Gerade in höheren Ligen, wo auch von den Verbänden sehr klare Weisungen kommen, wo verwarnt werden soll und wo nicht, und die Schiedsrichter selbst natürlich sehr gut performen, haben Gelbsperren meimer Meinung nacv keinen einen verzerrenden Effekt, wie hier beschrieben wurde. Und wenn dann ist dieser nicht grösser, als es eine unterschiedlich hohe Foullinie sein könnte. Diese könnte Mannschaft A voll in Karten spielen, während Mannschaft B Schwierigkeiten hat damit. Das gehört zum Sport. Unsportlichkeiten sind jedoch zu ahnden und Gelbsperren sind da in meinen Augen ein super Mittel um, wie von zettelbox beschrieben, Vergehen mit disziplinarischen Sanktionem, die kaum einen Einfluss auf das laufende Spiel mehr haben werden, zu ahnden, trotzdem noch adäquat zu bestrafen. Am Schluss liegt (fast) jeder gelben Karte eine unsportlichkeit zuvor. Jeder Spieler hat es selbst in der Hand, diese zu vermeiden und jedem Spieler ist bewusst, wenn ihm eine Gelbsperre droht. Daher würde ich wenig von der Abschaffung der Gelbsperre halten, da mir zudem keine Alternative einfällt.

    Zu Beginn meiner (immer noch sehr jungen) Schiedsrichterkarriere, hatte ich extrem Mühe mit Ermahnungen. Wann ermahne ich, warum ermahne ich und wie ermahne ich, waren alles Fragen, die ich mir selbst stellte, aber lange keine klare Antworten darauf fande. Da ich nun über etwas mehr Erfahrung verfüge und mir ein Konzept erarbeitet habe, möchte ich hier das Thema insbesondere den etwas neueren etwas näher bringen. Möglicherweise kann auch der eine oder andere etwas erfahrener Hase etwas dazu lernen.


    Grundsätzlich gilt: Die Ermahnung ist eine disziplinarische Massnahme. Ein Spieler kann (oder sollte zumindest) NICHT 5 mal im gleichen Spiel ermahnt werden. Die Ermahnung kommt im EVA-Prinzip (Ermahnung -> Verwarnung -> Ausschluss) an erster Stelle. Was das E jedoch vom V und A unterscheidet, ist dass es einerseits nicht optisch mit eriner Karte signalisiert wird und anderseits für die ganze Mannschaft gelten kann.
    Wenn wir zwei Spieler vor der Ausführung eines Eckstosses ermahnen, da sie die Umarmung nach dem Spiel etwas vorgezogen haben, sagt uns niemand etwas, wenn nach der Ausführung ein anderer Spieler seinen Gegner zu boden zieht und er darauf hin die gelbe Karte anschauen darf.


    Wann können wir dann ermahnen?
    Grundsätzlich immer. Eine Ermahnung, soll das Fehlverhalten eines oder gleich mehrer Spieler frühzeitig unterbinden, um die Akzeptanz auf dem Platz zu stärken und für den Rapport relevante Massnahmen zu verhindern. WICHTIG: Eine zwingende Verwahrnung darf NIE, zu einer Ermahnung reduziert werden. Ein SPA ist auch dann zwingend gelb, wenn es in der 1. Minute passiert. Ermahnungen eigenen sich für Vergehen in der Grauzone, oder wenn sie persistent sind.


    Wie ermahne ich?
    Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Ermahnung: Es gibt public warnings und es gibt private warnings. Worin sie sich unterscheiden, ist anhand des Namens offensichtlich. Wann es welche Art braucht, ist jedoch schwierig schwarz auf weiss festzuhalten. Es kommt nämlich immer auf das Vergehen und den Spieler spezifisch an. Da bekommt man mit der Zeit ein Gespür dafür. Einzig bei Reklamationen ist es relativ klar: Reklamiert ein Spieler bei mir privat, ermahne ich ihn auch privat. Ein public warning wäre da einfach nicht passend. Reklammiert der Spieler jedoch so, dass es von aussen sicht- und/oder hörbar ist, dann muss ich auch die Ermahnung public machen. Uns muss bewusst sein, dass wir mit einem public warning auf eine Bühne steigen, alle Augen sind dann auf uns gerichtet. Wenn man sich das vor Augen hält, fällt es einem etwas leichter zu erahnen, wann es was braucht.

    Private Warnings sind vom Konzept her sehr einfach. Es reicht dem Spieler im Vorbeigehen zu sagen: 'Hey, ich hab das gesehen, lass das sein.' Es gibt noch zig andere Sprüche, die man anwenden kann. Bei längeren Unterbrechungen, können es auch mal 2, 3 Sätze mer sein. Jedoch sollte eine Ermahnung (egal ob private oder public) kein Vortrag sein. Als Faustregel empfehle ich euch höchstens 10 - 15 Sekunden. Weniger ist da tatsächlich mehr.

    Etwas komplizierter verläuft es, wenn die Ermahnung gegen aussen sichtbar sein muss. Hier arbeite ich mit folgendem Konzept:
    Als erstes wird die Spielfortsetzung per Doppelpfiff unterbunden. Danach wird der Spieler isoliert. Das heisst ich begebe mich mit ihn in einen Raum, in dem sich nur er und ich befinden. Hat ein anderer Spieler das Gefühl, er muss auch noch etwas sagen oder einfach nur zuhöhren wird der weggeschickt. Das gilt insbesondere für den Captain, da der immer das Gefühl hat, dass er noch einen Beitrag zu leisten hat. Hat er nicht und das dürft ihr ihm auch klar machen. Je nach dem, wie die Ermahnung wirken soll, kann man den Fehlbaren Spieler zu sich holen, man kann sich an einem neutralen Ort treffen, oder man geht auf ihn zu. Zitiere ich den Spieler zu mir, komme ich sehr autoritär rüber, das braucht es manchmal, jedoch sind da Machtspiele vorprogrammiert.
    Wenn ich den Spieler nun bei mir habe ist auch die Distanz und die relative Position zu ihm relevant. Wenn ich ihn seitlich direkt neben mir habe, mache ich auf ihn einen sehr kollegialen Eindruck, das kann situativ sehr hilfreich sein. Habe ich ihn frontal vor mir komme ich wieder autoritärer rüber. Auch hier: je weiter weg er dabei steht desto autoritärer wirke ich.

    Zwei wichtige Punkte, die besonders bei public warnings gelten:
    Eine Ermahnung ist ein Monolog, kein Dialog. Wenn der Spieler das Gefühl hat, er müsse diskutieren, unterbindet das unbedingt sofort. Sorgt dafür, dass der Spieler euch zuhört. Die Schuhe kann er sich nachher binden, sobald ich fertig bin, er bückt sich nicht, wenn ich mit ihm spreche. Und da sind wir beim nächsten Punkt: Ich entscheide, wann die Ermahnung fertig ist. Wenn der Spieler das Gefühl hat, er habe schon verstanden und läuft deshalb davon, gibt es halt den Doppelpfiff, 'Hey komm mal zurück, ich war noch nicht fertig. Wenn ich mit dir spreche, dann hörst du mir zu und läufst nicht einfach davon. Das hat mit Respekt zu tun.' Wenn ich fertig bin, sage ich ihm das und fordere ihn auf zu gehen. Unterbindet auch hier machtspiele. Der Spieler geht zuerst oder zumindest gleichzeitig, wie ihr. Verlasse ich den Ort zuerst unterwerfe ich mich ihm, das ist nicht die Idee.


    Was ich jetzt hier beschrieben habe, ist nicht die einzig richtige Methode. Es ist den Weg, den ich mir erarbeitet habe, gemeinsam mit Tipps von Schiedsrichtern, die teilweise bis in die 3. höchste Schweizer Liga pfeiffen. Wichtig ist für euch vor allem folgendes:

    1. Seid euch bewusst, dass die Ermahnung auch eine disziplinarische Strafe ist.
    2. Unterscheidet bewusst zwischen Public und Private Warning und setzt sie entsprechend ein.
    3. Erarbeitet euch ein klares Konzept, woran ihr euch klar orientiert. (Dieses darf auch scheitern, passt es dann selbstverständlich mit der Zeit nach Bedarf an)

    Innerhalb einer Minute müssen in der Regel nicht noch mehr Spieler verletzt raus, beziehungsweise, bis diese das Spielfeld verlassen haben, ist diese Minute bereits verstrichen und ich rufe den anderen dann vielleicht 5 Sekunden zu früh auf den Platz. Wenn mir dann tatsächlich jemand blöd kommen sollte wegen diesen 5-10 Sekunden, dann habe ich mich halt auf der Uhr verguckt. Da muss man kein riesen Büro draus machen.

    Ich sehe die Änderungen bezüglich des Zeitspiels als durchaus sinnvoll. Jedoch stelle ich mir so langsam ernsthaft die Frage, weshalb man nicht einfach zur Netospielzeit greift. Mit der wäre nicht nur das Zeitspiel endgültig eliminiert, sondern man hätte auch keine Diskussionen mehr, weshalb man denn diesen Konter nicht noch zu Ende spielen lies, obwohl man schon eine halbe Minute über der angezeigten Nachspielzeit ist. Trotzdem werden wir somit ab Sommer sicherlich bessere Zustände, als noch vor einem Jahr haben.

    Die zusätzlichen VAR Kompetenzen kann ich jedoch wirklich gar nicht nachvollziehen. Ich habe überhaupt nichts gegen den VAR, auch wenn die Umsetzung auch in unserer Liga in der Schweiz häufig einige Fragezeichen aufkommen lässt. Auch habe ich kein Problem damit, wenn die Kompetenzen grundsätzlich ausgeweitet werden. Besonders, dass er auch eingreiffen darf, wenn zwei Spieler aus unterschiedlichen Mannschaften miteinander verwechselt wurden, war schon längst überfällig, beziehungsweise war mir gar nicht bekannt, dass dies bisher nicht möglich war. Was ich aber prolematisch sehe, ist, dass er künftig bei Eckbällen und Gelb-Roten Karten eingreiffen soll. Eckbälle brauchen das in meinen Augen schlichtweg nicht, da diese nicht einen derart grossen Einfluss auf das Endergebnis haben, als es einen Videocheck rechtfertigen würden. Im Schnitt resultieren aus einem Corner weniger als 0,05 Tore. Ein Freistoss aus 20 Metern ist da weitaus gefährlicher und liegt richtigerweise nicht im Kompetenzbereich des VARs. Bei zweiten Verwarnungen fand ich die bisherige Handhabung auch deutlich besser, auch wenn ich nachvollziehen kann, dass sie auch nicht 100% zufriedenstellend ist. Wenn ein Spieler für eine klar falsche Verwarnung vom Platz gehen muss, ist das frustrierend, allerdings haben wir durch die Änderung nun eine klare Differenz im VAR Protokoll, welches Teil des Regelwerks ist, zwischen 1. Verwarnung und 2. Verwarnung. Somit kann nämlich die erste Verwarnung komplett falsch sein, solange die zweite falsch ist, wird der Spieler "gerettet", während sein Gegner mit den genau gleichen Vergehen, einfach in umgekehrter Reihenfolge bereits früher duschen darf. Das kann doch nicht die Idee sein?
    Etwas anderes, was mich bei den Änderungen im VAR Protokoll stört, ist, dass, sofern ich es richtig verstehe, die beiden Neuerungen nur in eine Richtung funktionieren. Sprich, der VAR greift nur ein, wenn ein Eckball anstatt eines Abstosses gegeben wurde, jedoch nicht, wenn ein Abstoss statt einem Eckball gegeben wurde. Das selbe bei der Ampelkarte, eine falsch gegebene Verwarnung, wird korrigiert, eine die aber verpasst wurde, wird so stehen gelassen. Hier ist mir zwar schon bewusst, dass man, wenn man dies in beide Richtungen prüfen würde, ab der 75' quasi jeden Zweikampf überprüfen müsste, aber für mich zumindest, ist das eine sehr unbefriedigende Lösung. Wobei es natürlich auch sein kann, dass ich das einfach falsch verstanden habe. So oder so, sollten Verwarnungen meiner Meinung nach, immer stehen gelassen werden. Egal ob richtig oder falsch, egal ob 1. oder 2. Alles andere ist entweder kompliziert oder schafft noch mehr unfaire Situationen. Wahrscheinlich am ehesten sogar beides.

    Die kleineren Änderungen wirken für mich auf den ersten Blick sinnvoll, abgesehen von der Kacke, die sie von uns nun in Regel 12 verlangen. Verstehe nicht, wieso man da gleich doppelt reduzieren soll. Klar wurde kein Tor verhindert, aber für mich war die Lösung, dass er dann aufgrund des Versuchs die gelbe Karte anschauen darf, sehr zufriedenstellend.

    Ich weiss nicht, wie es in Deutschland aussieht, aber bei uns in der Schweiz kommt es immer sehr häufig vor, dass Testspiele enorm kurzfristig abgesagt werden. Es kann ja schon mal vor kommen, dass eine Grippewelle durch die Mannschaft geht, der Platz nicht bespielbar ist, oder sonst irgendetwas dazwischen kommt. Aber wenn 90% der Grippefälle bei Testspielen auftreten, bin ich schon etwas skeptisch. Besonders schön finde ich, wenn ich ein Tag vor dem Spiel ein Anruf bekomme, in dem es heisst, dass die Hälfte der Mannschaft in den Ferien ist, oder dem Verein eine halbe Woche vor dem Match in den Sinn kommt, dass man ja im Trainingslager ist.


    Wie gesagt, es gibt Fälle von höherer Gewallt, aber dass sich diese genau in den Sommer- und Winterpausen häufen, kann ja wohl kein Zufall sein. Extrem schade finde ich, dass wir bei uns dann auch keinen Anspruch auf nur einen Bruchteil der Spesen haben, obwohl wir uns das Wochenende trotzdem verplanen.


    Wollte hier primär etwas Frust ablassen, aber es würde mich trotzdem noch Wunder nehmen, ob das über der Landesgrenze ebenfalls ein bekanntes Problem ist?

    Sorry Manfred, aber was du hier schreibst ist Quark. Mitgefühl, Rücksicht und vor allem Verständnis sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Spielleitung. Wo ich dir recht gebe, ist dass diese nicht Grundlage einer Entscheidung seind dürfen. Sie sollen diese aber mitgestalten und das will auch der Regelgeber so. (Stoppt der Trainer den Ball bevor er das Spielfeld verlassen hat, um eine schnelle Spielfortsetzung durch den Gegner zu vermöglichen oder zu verhindern macht allein schon regeltechnisch einen riesen Unterschied.) Ein guter Schiedsrichter braucht die Fähigkeit, das Spiel, die Spieler und die Beweggründe dieser zu identifizieren und anhand dessen zu handeln. Gerade was Gespräche mit Spielern angeht ist das extrem wichtig. Mit manchen Spielern kann man reden und das Fehlverhalten kommt nicht wieder auf und andere verstehen nur die Sprache, die die Karten sprechen. Wenn man die Spieler erkennt, welche einem Probleme verursachen und mit diesen korrekt umgeht, hat man 90 Minuten "Ruhe" auf dem Platz. Und genau da ist es wichtig auch mal Verständnis zu zeigen, sei es durch Worte oder in dem man Gnade vor Recht walten lässt. Natürlich kannst du dich strikt an das Reglement halten, das will aber keiner, schon gar nicht, wenn man sich ausserhalb der Betonklasse bewegt.

    Gleichwohl muss ich feststellen, dass die Erwartungshaltung nie Grundlage einer unserer Entscheidungen sein darf, es gibt genügend andere Szenen, beispielhaft seien Handkontakte, Grätschen oder auch bestimmte Abseitssituationen genannt, bei denen die Erwartung auch von der Regellage differiert und wir ergo die Erwartungen ohne nachzudenken ignorieren.

    Dem muss ich hier widersprechen. Unsere Funktion auf dem Fussballplatz ist es nicht primär, die Spielregeln umzusetzen. Wir sind da um das Spiel zu leiten. Da ist unsere Priorität die Gesundheit der Spieler. Als Mittel wird uns da das Regelwerk zur Verfügung gestellt, aber es herrscht auch eine gewisse Erwartungshaltung an den Fussball und somit weitergedacht an den Schiedsrichter. Das Regelwerk ist bewusst in gewissen Situationen etwas schwammig formuliert, damit man eben dieser Erwartungshaltung gerecht werden kann. Siehe was der IFAB selbst über die Spielregeln sagt:

    Da die Spielregeln nicht jeden Einzelfall abdecken können, müssen die Schiedsrichter selbst entscheiden, wenn konkrete Regelungen fehlen. Sie müssen dabei dem Geist des Fussballs und der Spielregeln folgen und sich stets fragen, was wohl der Fussball verlangen oder erwarten würde.

    Die Erwartungshaltung muss IMMER Grundlage unserer Entscheidungen sein. Gewisse Sachen sind im Regelwerk klar definiert z.B. müssen auch Milimeterabseitsvergehen geahndet werden, weil das Regelwerk auch das klipp und klar von uns erwartet. Was Foulspiele angeht, ist das Regelwerk aber nicht so klar. Den Entscheid ob in Szene x nun ein Foulspiel vorliegt oder nicht, müssen wir nicht zuletzt auf Grund der Erwartung des Umfelds fällen. Ein Zweikampf in der Bundesliga kann als selbstverständlich und völlig korrekt gesehen werden, wenn man dann aber den selben Zweikampf in einem Kreisligaderby zwischen zwei 'Holzfällermannschaften' nicht ahndet, kann das böse auf einen zurückkommen.

    Ebenso bleibt festzuhalten, dass es Konsens ist bzw. sein muss, dass ich entweder auf Vorteil oder auf Spielstrafe entscheiden muss, beides - erst Vorteil und wenn der dann nicht eintritt Spielstrafe - geht eben nicht.

    Auch das widerspricht sich völlig mit dem, was der IFAB vorgibt:

    Der Schiedsrichter:

    [...] lässt das Spiel bei einem Vergehen weiterlaufen, sofern das Team, das das Vergehen nicht begangen hat, dadurch einen Vorteil erhält, und das Vergehen zu ahnden, wenn der mutmassliche Vorteil nicht sofort oder innerhalb weniger Sekunden eintritt, [...]

    Wenn der Vorteil nicht eintritt, hat der Schiedsrichter das Vergehen zu ahnden. Ein unkontrollierter Kopfball in Richtung Tor ist nun man kein Vorteil gegenüber einem Strafstoss. Du darfst die Situation abwarten und schauen, ob der Angreifer auch wirklich zu einer Torchance kommen kann und sollte dies nicht der Fall sein auf das Foul zurückkommen. Die Situation ist natürlich eine andere, wenn der Stürmer völlig unbedrängt und mit ordendlich Zeit einen Ball aus 5 Metern im beinahe 90 Grad Winkel über die Latte hämmert, aber in der von dir geschilderten Situation lässt es auch die Theorie zu, den Elfmeter zu geben.

    Was man in der Praxis macht, haben wir ja schon zuvor geklärt.

    Wenn der Regelgeber was erwartet, dann soll er aus gefälligst klar formulieren

    Der Regelgeber schreibt klipp und klar, dass die Regeln nicht jede Situation abdecken (können). Der SR hat im Sinne der Regeln UND DES FUSSBALLS zu entscheiden. Für mich lässt sich regeltechnisch nicht erschliessen, dass man hier nicht auf das Foul zurückkommen könnte. Im Sinne des Fussballs ist es ebenfalls nicht.


    Klar kann man nach Gründen suchen, wenn man das denn will, weshalb man hier das Foul nicht bestrafen sollte. Aber selbst dann, wird ein SR mit etwas Spielverständnis in der Praxis auf Penalty entscheiden.

    Stell dir, die Frage, was erwartet dee Regelgeber?

    Es ist sicherlich nicht die Idee, dass der Vorteil in deinem Szenario eingetroffen worden ist. Keiner erwartet es hier vom Fussball, dass hier kein Pfiff kommt. Meiner Meinung nach ist hier das Regelwerk auch nich klar genug, dass man hier nicht auf das Foul zurückkommen dürfte. Und wie gesagt, in der Praxis, brauche ich da , dann einfach eine gewisse Reaktionszeit.

    Machs dir selbst einfach:

    Warte ab, und wenn das Tor nicht fällt, gibst du in dieser Situation den Strafstoss und erklärst es damit, dass man dir auch eine gewisse Reaktionszeit zuschreiben muss.

    (Generell braucht es meiner Meinung nach viel, damit ich bei einem potentiellem Elfmeter auf Vorteil entscheide. Da muss der Angreifer wirklich aus 5 Metern das leere Tor verfehlen.)

    Wobei der Kontext schon auch relevant ist. Wenn mich ein Trainer über 90 Minuten voll quatscht, dann bin ich nach dem Spiel auch nicht gesprächsbereit. Dabei geht es einerseits darum, dass ich keine Lust habe, andererseits ist dies der einfachste Weg um unnötige Disziplinarstrafen zu vermeiden. In der Regel gibt es immer eine gewisse Vorgeschichte.

    Also ich würde das Spiel unterbrechen, werte den Eingriff der AW-Spielers als Tätlichkeit, also Ausschluss vom Spiel und als Spielfortsetzung direkter Freistoß auf der Außenlinie wo der Griff erfolgte.

    Woher leitest du aus der beschriebenen Situation eine Tätlichkeit ab? Ein Griff an den Arm per se, ist für mich weder brutal, noch übermässig hart. Eine Verwarnung wegen Unsportlichkeit/nicht einhalten des Mindestabstands genügt da locker. Eine rote Karte ist hier überhaupt nicht verhältnismässig.