Beiträge von Referee_Sebastian

    Kann ich als SR von meinem Standpunkt aus klar erkennen, dass der Ball ohne das Eingreifen des Verteidigers nicht ins Tor geht, dann geht es mit Strafstoß weiter. Die Verwarnung sehe ich auch nicht, da er keinen aussichtsreichen Angriff vereitelt. Auch ein erfolgloses DOGSO-Vergehen liegt nicht vor.


    Ist es klar, dass der Ball ohne das Handspiel des Verteidigers ins Tor gegangen wäre, ist es ein klares DOGSO-Vergehen, ergo Strafstoß und FaD.


    Habe ich aber Zweifel, wo der Ball hingegangen wäre, dann gebe ich in diesem Fall den Strafstoß für das offensichtliche Handspiel. Ein FaD kommt dann für mich nicht in Frage, denn für mich gilt "Strafstöße und FaD müssen eindeutig sein".

    (...) Kommentar eines Kollegen: "Das sind so unnötige Karten. In der 90. zeige ich da Gelb und gut ist." Und das traurige ist, dass das die Mehrheitsmeinung ist...

    Logisch, das Spiel ist eh rum und bei Gelb spart man sich den unnötigen Schreibkram.

    Das sind auch meistens die Kollegen, die bei leichten Angriffen auf den SR nicht abbrechen ("der kleine Wischer", "das war doch harmlos").

    @ Sebastian: Wenn der Torhüter den Ball mit der Hand abgewehrt hat, wirds kritisch, denn mit der Hand Kann kein Tor erzielt werden.

    Ja das habe ich übersehen, da sind wir wieder beim Thema unabsichtliches Handspiel vor der Torerzielung, du hast recht !

    Wobei es im Regelwerk hier zwei Ansätze gibt, wie das Ganze beurteilt werden kann:

    Regel 10.1: Wirft ein Torhüter den Ball direkt ins gegnerische Tor, wird auf Abstoß entschieden

    Regel 12.1: Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler ins gegnerische Tor trifft: direkt mit der Hand/dem Arm (ob absichtlich oder nicht) (gilt auch für den Torhüter) oder unmittelbar nachdem er den Ball mit der Hand/dem Arm berührt hat (ob absichtlich oder nicht)


    Wenn man hier den puren Regeltext liest, würde ein Torhüter, der bewusst den Ball ins andere Tor wirft besser behandelt (Abstoß) als ein Torhüter, dessen Abwehraktion zufällig im gegnerischen Tor landet (dF>Strafstoß)


    Da es im vorliegenden Fall aber kein Werfen ist, sondern eine pure Berührung, müsste man eigentlich auf dF, also auf Strafstoß entscheiden. Aber irgendwie fühlt sich das falsch an.

    Also in Fall "Ball > Latte > eigenes Tor" würde ich die Analogie zum direkten Freistoß ziehen und auf Eckstoß entscheiden.

    Im Fall "Ball > TW > eigenes Tor" heißt für mich die Entscheidung Tor, Anstoß, da ja ein gegnerischer Spieler den Ball berührt hat (vgl. Einwurf oder idF).


    Obwohl mich irgendwie ein Gefühl beschleicht, dass ich irgendetwas übersehen habe :confused:

    Der dF für die verteidigende Mannschaft scheidet für mich aus, da das Handspiel des Verteidigers zeitlich gesehen zuerst geschieht. Denn das unabsichtliche Handspiel des Stürmers wird erst bei einem unmittelbaren Torerfolg strafbar.


    Die Frage, die sich mir stellt...kann ich hier die Vorteilsregelung anwenden ?

    Ich würde sagen ja, wenn man eine Analogie zur Ballberührung eines Verteidigers nach einem idF oder Einwurf zieht.

    Die Alternative dazu wäre Strafstoß sowie VW für den Verteidiger (sofern man das Handspiel als unsportlich einstuft).

    Im Vergleich hierzu ist das Tor der größtmögliche Vorteil.


    Auf jeden Fall eine interessante Frage, ich werde sie heut abend mal meinem Lehrwart stellen, wenn er da ist.

    Also man davon ausgeht, dass sich der Ball zwischen beiden Spielern ist und beide das gestreckte Bein brauchen um diesen Ball zu erreichen, reden wir von einem Abstand der beiden Spieler von fast zwei Metern. Das ist für mich ein Bereich, wo ich kein gefährliches Spiel mehr pfeifen würde. Aber eine konkrete Entscheidung ist situationsabhängig.


    Im vorliegenden Fall ist für mich der dF für Weiß relativ klar, er ist zuerst am Ball, spielt diesen auch und wird dann von Rot getroffen. Eine Karte ist nicht notwendig.


    Eine Situation, in der beide Seiten rücksichtslos agieren, hatte ich bisher noch nie.

    Die Torpfosten kannst Du vernachlässigen, da die 7,32 m Torbreite zwischen den Innenkanten gemessen werden, die 5,50 für den Torraum aber auch. Somit fallen die Pfosten bei der Berechnung nicht ins Gewicht:


    Im Abstand von jeweils 5,5 m zu den Innenkanten der Torpfosten verlaufen rechtwinklig zur Torlinie zwei Linien. Diese Linien erstrecken sich 5,5 m in das Spielfeld hinein und sind durch eine zur Torlinie parallel verlaufende Linie miteinander verbunden. Der von diesen Linien und der Torlinie umschlossene Raum wird Torraum genannt.

    Der Abstand zwischen den Innenseiten der Torpfosten beträgt 7,32 m. Die
    Unterkante der Querlatte ist 2,44 m vom Boden entfernt.

    Zu Teil 1 der Aufgabe: 58,62 m

    Auch wenn wir langsam offtopic sind: wie kommst Du auf die 58,62 m ? Der Strafraum hat 40,32 (7,32+2*5*5+2*11), der Abstand der Markierung sind 10,15 (1m Viertelkreis+9,15). Das macht nach Adam Riese 60,62 m.


    Übrigens sind die Abstandsmarkierungen nicht verpflichtend gemäß Regelwerk:

    Im Abstand von 9,15 m zum Eckviertelkreis kann außerhalb des Spielfelds
    rechtwinklig zur Tor- bzw. Seitenlinie eine Abstandsmarke angebracht werden.

    Aber das ist wieder eine andere Baustelle

    Rechenaufgabe: Wie breit muss das Spielfeld mindestens sein, damit sie außerhalb liegt bzw. wie weit innerhalb darf sie theoretisch sein? ;)

    Gleich zur Information, ich habe mit den Yard-Angaben gerechnet, da es hier keine Nachkommastellen gibt.


    Gemäß Regelwerk hat das Spielfeld eine Breite von 50 Yard (45 m) zu haben, international mindestens 70 Yard (64 m)

    Der Strafraum hat eine Breite von 44 Yard (Tor 8 Yard, der Torraum je 6 Yard und der Strafraum je 12 Yard auf jede Seite).

    Die Abstandsmarkierung sitzt 11 Yard von dem Schnittpunkt Seitenauslinie und Torauslinie entfernt (1 Yard Viertelkreis, 10 Yard Abstand).

    Somit sitzt diese Markierung bei einer Spielfeldbreite von 66 Yard (ca. 60 m) genau auf der Strafraumlinie.

    Ist das Feld schmaler als eben diese 66 Yard, sitzt die Markierung innerhalb des Strafraumes.

    Beim nationalen Mindestmaß von 50 Yard sitzt die Markierung 8 Yard (ca. 7,3 m) innerhalb und somit näher an der Torraumlinie als an der Strafraumgrenze.

    Für mich stellte sich die Situation so dar:

    Stürmer und Verteidiger gehen dem langen Ball nach. Diesen hätten sie sehr wahrscheinlich vor der dem Strafraum erreicht.

    Das wäre dann der aussichtsreiche Angriff gewesen. Da der Torhüter den Ball aber vorher regelwidrig abfängt, verhindert er eben diesen Angriff. Da der Verteidiger noch hätte eingreifen können, war es für mich "nur" ein aussichtsreicher Angriff und kein DOGSO-Vergehen.


    Hier den Keeper nicht zu verwarnen hätte sich für mich falsch angefühlt, da er, egal ob absichtlich oder versehentlich, dem angreifenden Team den aussichtsreichen Angriff nimmt.


    Allgemein ist es schon interessant, die Parallelen zwischen dem englischen Originaltext und der deutschen Übersetzung zu sehen. Und natürlich kommt es hier zu Ungenauigkeiten, das wird bei anderen Sprachen mehr oder weniger genauso sein.

    Was wir aber unterlassen sollten ist die Tatsache, dass bei jede Spielsituation, die hier diskutiert wird, den Regeltext haarklein und bis ins kleinste auseinandernehmen. Denn keiner von uns kennt eben den Regeltext bis ins Detail, weder die deutsche noch die Originalversion. Und deshalb gibt es bei dem Großteil der Regelpassagen einen Spielraum, in denen man sich bewegen kann. Ich denke die meisten von uns leiten Spiele in den unteren Amateurligen. Es gibt keine TV-Bilder, die man bis zum Erbrechen vor- und zurückspulen kann und haben nur den einen Augenblick. Wir müssen im Kopf mehrere Sachen gleichzeitig erfassen und bewerten (in meinem Fall: wo ist der Torwart, wo die Feldspieler, was passiert wenn der TW nicht hingeht etc.). Und es gibt nur eine Chance, das zu erfassen. Und ob dann der Verteidiger noch eingreifen kann, ob der Stürmer im Abseits dem TW die Sicht nimmt, ob der Treffer unten am Fuss war oder doch über dem Sprunggelenk etc...wir sehen es einmal und entscheiden. Und ich behaupte, das schaffen wir in 90 % der Fälle doch sehr zuverlässig und korrekt. Dass man in diesen Situationen jedes Wort der 100 Seiten Regelwerk sofort im Kopf hat, das ist ausgeschlossen. Aber wir arbeiten dank des tollen Forums daran ! Danke hier für alle diejenigen hier, die sich die Mühe machen, das immer herauszusuchen, auch aus dem englischen Original.

    Also meine Entscheidung war VW und dF.

    Mein Beweggrund war eben die Entfernung des Angreifers und des Verteidigers zum Torwart, die Tatsache dass keine Ballkontrolle vorlag oder unmittelbar bevorstand und dass der Torwart das Handspiel ohne jeglichen unsportlichen Hintergedanken gemacht hat.


    Da er aber in der 1. Halbzeit sich aber aufgrund eines Foulspiels bereits verwarnt wurde, machte es in Summe die Ampelkarte.

    Wir alle kennen ja die überlichen Markierungen auf Kunstrasenplätzen. Im Regelfall sind die Linien des Fußballgrossfeldes weiß und alles andere in verschiedenen Farben. Ich hatte gestern das Vergnügen, ein Spiel auf einem Platz zu leiten, der in erster Linie für Rugby genutzt wird. Und so waren lediglich die Seitenauslinien weiß, alles andere für Fußball benötigte gelb.


    Sportgelände auf Google Maps


    Mitte der zweiten Hälfte schlug Heim einen langen Ball Richtung Gästehälfte. Diesen Ball fängt der Keeper rund 2-3 Meter vor seinem Strafraum ab, da er offensichtlich die weiße, für das Rugby benötigte Linie mit der Strafraumgrenze verwechselte.

    Der Angreifer war zu dem Zeitpunkt rund 3-4 Meter entfernt.


    Wie hättet ihr entschieden ?

    So sieht es aus gebi ! Der Ausspruch "Lass mich" vor einem Eckball/Einwurf/Freistoß (...) ist für mich völlig legitim und nicht mit dem klassischen "Leo" zu vergleichen. Dass der erste Spieler dann den Ball ins Spiel bringt, die Verteidiger das aber nicht kapieren, das ist nicht unser Problem.

    Für mich gibt es hier zwei Möglichkeiten:


    Auf der einen Seite ist der Vorteil durch den angekommenen Pass eingetreten, dass C den Ball vertändelt, dafür können wir nichts. Somit gäbe es dF für D und VW für A. Mit Sicherheit wirst dann aber die Beschwerden der angreifenden Mannschaft haben.


    Andererseits hast Du den Vorteil noch nicht angezeigt und kannst somit quasi das erste Vergehen von Verteidiger B noch ahnden mit dF und VW und dem Angreifer A ebenfalls verwarnen.


    Beide Varianten halte ich hier für möglich, da es ja eine rein subjektive Entscheidung ist, ob der Vorteil eingetreten ist oder nicht.

    Und aus Erfahrung wäre hier Variante 2 die geschicktere. Es werden beide Vergehen bestraft und es gibt den Freistoß für das erste Vergehen. Das ist verständlicher und die Akzeptanz ist höher (rein aus Erfahrung).


    Aber ich kann auch komplett falsch liegen :cool:

    Uhr mit Piepser auf 30 Minuten stellen, bei jedem Mal "Ball aus dem Spiel" Knopf drücken und bei jeder Spielfortsetzung nochmal drücken und wenn's piepst ist das Spiel zu Ende.

    Ich habe seit mehreren Jahren die Spintso als meine Hauptuhr (mittlerweile noch meine Fitbit, die ich parallel laufen lasse). Diese hat ja die Funktion, dass man Unterbrechungen stoppen kann und diese Zeit dann am Ende oben drauf gegeben wird. Am Anfang habe ich das mal gemacht (um genau zu sein 2 Spiele), hab es aber ganz schnell bleiben lassen, weil es einfach aufhält.

    Ich finde die Gefahr einfach zu groß, dass man es mal vergisst und dann habe ich den Salat. Und es geht nicht darum, dass man 1-2 Sekunden zu spät stoppt oder zu spät wieder freigibt, sondern dass man z.B. einfach vergisst, die Uhr wieder loslaufen zu lassen.

    im Profibereich habe ich einen 4. Offiziellen oder eben einen Verantwortlichen von DFL/DFB, der am Spielfeldrand die Uhr bedient. Aber es geht eben dann irgendwann auch um den Alleinpfeifer in der Betonliga...


    Was die Thematik der Zeitstrafe bei Gelb betrifft, da sehe ich auch die Überwachung als Problematik. Angenommen ich habe bei 65:00 eine Verwarnung zum Strafstoß. Dieser wird ausgeführt und verwandelt, der Schütze zieht das Trikot aus, ergo Verwarnung bei 67:20. Nach dem Anstoß kommt es zu einem Vergehen mit Verwarnung bei 69:10. Ich muss im Endeffekt wissen, wer wann auf das Feld zurückdarf, muss ständig auf die Uhr schauen. Und wenn ich einen der drei versehentlich nur 10 Sekunden zu lange draußen lasse, ist Stimmung in der Coaching Zone. Das kann schon zu einem mittleren Chaos führen.

    Natürlich hat man in der Großzahl der Spiele diese Problematik nicht und kann es gut handhaben. Aber gerade bei solchen Vorschlägen sollte man den Worst-Case berücksichtigen.