Beiträge von TimBalsiger

    Also ich würde das Spiel unterbrechen, werte den Eingriff der AW-Spielers als Tätlichkeit, also Ausschluss vom Spiel und als Spielfortsetzung direkter Freistoß auf der Außenlinie wo der Griff erfolgte.

    Woher leitest du aus der beschriebenen Situation eine Tätlichkeit ab? Ein Griff an den Arm per se, ist für mich weder brutal, noch übermässig hart. Eine Verwarnung wegen Unsportlichkeit/nicht einhalten des Mindestabstands genügt da locker. Eine rote Karte ist hier überhaupt nicht verhältnismässig.

    Wobei Du nicht nur die momentane Situation sondern die Gesamtschau betrachten musst:
    In den ersten Spielminuten, die torlos blieben, ist das sicher anders zu bewerten, weil zwar einmalig das Spielgeschehen verlagert wird, dafür aber für 80 Minuten ein Spieler fehlt, als eine Minute vor Schluss bei knappem Spielstand. Hier wäre das aber tatsächlich eine Überlegung im Sinne eines Vorteils, denn den Spieler darf ich dann auch in der nächsten Spielunterbrechung noch "versorgen"; der Leitsatz, dass es bei einer Roten Karte nur bei klarer Torchance Vorteil geben soll, ist eben ein "soll" und kein "muss", das muss im Einzelfall sehr sorgfältig abgewogen werden - und dann wäre da ja noch die Nachspielzeit, denn die Verlagerung des Spielgeschehens "dauert" eben ...

    Aber achtung, wenn der Spieler, der dann eigentlich schon vom Platz hätte gestellt werden müssen, erneut ins Spiel eingreift, muss das Spiel mit Freistoss indirekt unterbrochen werden und der Spieler ausgeschlossen werden.

    Grundsätzlich würde ich hier ca. 3 bis 5 Sekunden als Massstab nehmen bis du pfeiffst oder den Vorteil endgültig gibst. Ob ein Vorteil vorliegt lernst du mit der Zeit am besten aus dem Bauch. Dafür brauchst du einfach ein gutes Spielgefühl, welches du nur bekomst, wenn du den Sport viel "konsumierst. Wenn der Angreifer verschiesst würde ich allerdings nicht mehr auf das Foul zurückkommen, da er dann seinen Vorteil schon bekommen hat. Wenn du allerdings noch keine Zeit hattest zu reagieren, kannst du natürlich trotzdem noch pfeiffen und da wird dir bestimmt niemand doff kommen deswegen.


    Hoffe das hilft ;)

    VAR Intervention bei 2. gelber Karte halte ich für eine völlige Schnappsidee, da dies für ein enormes Ungleichgewicht sorgen würde zwischen 1. und 2. Verwarnung. Wenn die erste Gelbe falsch wahr, wird dieser Spieler jenem Spieler, der erst die zweite Verwarnung fälschlicher Weise erhalten hat, massiv benachteiligt. Ausserdem müsste so, quasi jede Aktion überprüft werden.


    Auch die Wenger-Variante bei der Abseitsregelubg halte ich für weniger sinnvoll. Die Diskussion über knappe Entscheidungen verlagert sich lediglich um 30 cm nach vorne und persönlich habe ich das Gefühl, dass das als Assistent und vor allem alleine auf dem Platz deutlich schwerer zu Beurteilen wird. Ich denke auch, dass so der eigentliche Sinn der Regel völlig umgangen wird.


    Einzig die Änderurung bezüglich des Straffstosses sehe ich nicht als komplett sinnfrei.


    Bleibt zu hoffen, dass ich nicht der Einzige bin, der das so sieht...

    mir wurde vor kurzem von einem Beobachter, der auch SR in dee Promotion League (3. Höchste Liga in der Schweiz) gesagt, dass ich zu Streng auf dem Platz sei, da ich solche Aktionen mit rot geahndet habe. Erklärt hatte er es mir damit, dass man als SR als "Manager" fungieren sollte und nicht als "Punisher". Natürlich gibt es irgendwo eine rote Linie, wo wir es schlichtweg nicht mehr tolerieren können. Diese setzt sich zusammen aus Kontext, Wortwahl und Ton. Für mich ist diese Linie im Kontext und in der Wahl der Worte bei weitem nicht gegeben. Daher denke ich, dass eine Verwarnung hier völlig ausreichend ist.

    Gilt das nur für Schweizer Staatsbürger? Wenn nein, woher bekommen die Kreise Konstanz und Lörrach überhaupt noch Schiedsrichter her? :flieh:

    Du brauchst keine Staatsangehörigkeit in der Schweiz um hier auch pfeiffen zu können und selbstverständlich bekommen hier auch alle die selben Spesen. ^^


    Allerdings ist der gesetzliche Wohnsitz hier massgebend, in welchem der 13 Regionalverbänden gepfiffen wird. Es gibt zwar Ausnahmen, welche es wahrscheinlich auch ermöglichen würden mit ausländischem Wohnsitz in der Schweiz Spiele zu leiten, allerdings wird eine solche wahrscheinlich eher weniger gewährt, wenn dein einziges Argument dafür die höheren Spesen sind.

    Das ist mir nun doch etwas arg weit hergeholt. Ich bin der Auffassung, dass primär der Spieler/Teamoffizielle welcher das Vergehen begangen hat über seine disziplinarische Sanktion informiert werden sollte. Dass der Captain aufgrund einer "gewissen Verantwortung", wie es im Regelbuch steht, nun über sämtliche Ereignisse informiert werden müsse, erscheint mir komisch.


    Um Verwirrung zu vermeiden sollte sicher der fehlbare Spieler darüber informiert werden. Wie das genau geschieht ist im Grunde genommen egal. Alle anderen (Spieler, Zuschauer, Trainer, etc.) sind selbst Schuld, wenn sie das nicht mitbekommen, tragen in der Regel aber keine weiteren Konsequenzen davon.


    Ein Sicherstellen, dass die Nachricht bei allen oder einem bestimmten Beteiligten oder dem eigentlichen Übeltäter angekommen ist, lässt sich mir aus dem Regeltext nicht direkt herleiten, sollte aber nicht zuletzt aus Eigeninteresse bis zu einem gewissen Grad praktiziert werden.

    Di, 29.04. 19:45 Uhr

    SG-Thayngen/Neunkirch Frauen 1 (CH) - Hegauer FV U-16

    Als SR

    Testspiel

    Spiel wurde leider abgesagt


    Fr, 02.05. 20:15 Uhr

    FC Romanshorn 1 - FC Buchs 1

    Als SRA 2

    Herren, 2. Liga (Austauschspiel mit dem Ostschweizer Fussballverband)


    So, 04.05. 14:00 Uhr

    FC Brüttisellen-Dietlikon 1 - FC Embrach 1

    Als SRA 1

    Herren, 2. Liga

    In der neusten Folge von Monsters of Kreisklasse (wer's nicht kennt, hat glaube ich nichts verpasst) ist mir eine interessante Szene aufgefallen. Die Frage, die sich mir nun stellt wäre wahrscheinlich sogar für einen Regeltest zu absurd:

    Gegen Ende des Videos (5:00) schiesst der Torwart bei einem Abstoss ein Eigentor. Mein erster Instinkt war dabei, Tor zählt nicht; Das Spiel geht mit Eckstoss weiter. Wenn man nun aber den Wortlaut der Regel nehmen:

    Wenn der Ball direkt ins Tor des ausführenden Spielers geht, erhält das gegnerische Team einen Eckstoss.

    sehen wir, dass dies nur bei einem direkten Eigentor gilt. Wenn nun aber eine Doppelberührung vorliegt müsste da ja auf Freistoss indirekt entschieden werden.

    Nun die Frage: Kann man hier auf Vorteil entscheiden und den Treffer stehen lassen?
    Ich sehe jedenfalls rein regeltechnisch nichts, was dagegen sprechen würde.

    Wie der eine oder andere unter euch bestimmt weiss, pfeiffe ich für den Fussball Verband Region Zürich (FVRZ). Ein deutlich bekannterer Fakt dürfte sein, dass der Weltfussballverband FIFA seinen Hauptsitz in Zürich hat. Diese Kombination ermöglicht es besonders jenen Schiedsrichtern, die Teil der regionalen Talentgruppe sind immer wieder bei diversen Tests und Projekten der FIFA teilzunehmen. Vergangenen Herbst testete die FIFA unter der Leitung von Arsène Wenger diverse Regelvarianten für internationalen Turniere von U-16 Teams. Ich durfte für bei eben jenen Tests 3 Spiele arbitrieren. Viel Interessanter war dabei aber, dass diverse Fussballlegenden, sich diese Spiele dann eben anschauen. Arsène Wenger stand dabei logischerweise am Seitenrand und gab einige Inputs und mit Pascal Zuberbühler (ausserhalb der Schweiz wahrscheinlich eher weniger bekannt) kam ich auch ins Gespräch.

    Gestern durfte ich erneut bei der FIFA auflaufen. Dieses mal als Assistent von ziemlich hochkarätigen Schiedsrichtern. Für jeweils ca. 20-25 Minuten sollten die Schiedsrichter ohne technische Hilfsmittel (VAR, Kommunikationssystem, Funkfahnen) ein Spiel leiten ehe sie ausgetauscht werden. Somit durfte ich für je eine halbe Halbzeit lang mit folgenden Schiedsrichtern ein Spiel leiten:

    • István Kovács (Rumänien)
      Er leitete unter anderem das Finale der Conference League 2022 und der Europa League 2024
    • Danny Makkelie (Niederlande)
      Er leitete unter Anderem den Halbfinal der vergangenen Europameisterschaft
    • Felix Zwayer (Deutschland)
      Ist in diesem Forum wahrscheinlich jedem ein Begriff
    • François Letexier (Frankreich)
      Unter Anderem Schiedsrichter des EM-Endspiels 2024

    Das war natürlich ein riesen Highlight für mich selbst. Ebenfalls kurz getroffen habe ich Sandro Schärer (Schweiz). Diese Gespräche und die Spielleitung werde ich natürlich nicht all zu schnell vergessen.


    Auf dem Bild zu sehen Felix Zwayer, Raphael (SRA1), Ich (SRA2), Danny Makkelie

    muss ich dem Spieler sagen, dass er sich aus einer mindestens. 3 Mann 1 Meter entfernen muss. Oder kann ich den Freistoß ausführen lassen und direkt abpfeiffen, weil er in der Mauer steht?

    Regeltechnisch musst du das nicht.

    Wir hatten bei uns in der Region vor kurzem innerhalb des Talentkaders ein Trainingslager in Lichtenstein. Dabei war bei sämtlichen Themen, die wir besprochen haben, die kurze Zusammenfassung: "Keep it simple."

    Ich würde dir daher raten, es auch hier simpel zu lösen und den Spieler darauf hinweisen. Du ersparst dir so Diskussionen, wenn du den Freistoss direkt abpfeiffst, da ein Regelverstoss vorliegt. Natürlich ist das Regeltechnisch völlig in Ordnung, du machst dich damit bei einer Mannschaft aber einfach unnötig unbeliebt. Ich rate dir grundsätzlich präventiv vorzugehen. Du ersparrst dir damit in Regel Diskussionen.


    Ich sage einem im Abseits stehenden Spieler ja auch nicht, geh erst mal 3 Meter zurück, dass man dich anspielen kann

    Hierzu sei einfach kurz gesagt, dass das "Im Abseits stehen" an sich ja noch kein Vergehen darstellt. Die Situationen sind daher nicht ganz vergleichbar.

    Tim, ich denke, du hast hier absolut richtig gehandelt! Jetzt kommt es darauf an, dass das Sportgericht durchgreift.

    Ich bin auch der Auffassung, dass ich hier korrekt gehandelt habe. So lange die Gesundheit aller am Spiel beteiligten Akteuren nicht gefährdet wird und die Fortsetzung des Spiels möglich, kann man dem Schiedsrichter meiner Meinung nach keinen Vorwurf machen, wenn er sich gegen einen Abbruch entscheidet. Der Spielabbruch ist schliesslich die Ultima Ratio und sollte dementsprechend auch als solche behandelt werden.

    Bei uns in der Schweiz ist es übrigens kein Gericht, welches über die Strafen entscheidet, sondern eine im Verband interne Disziplinarkommission. Die Strafen werden jeweils am folgenden Mittwoch publiziert; Daher sind wir mal auf den morgigen Tag gespannt.