Beiträge von Nr.23

    Die UEFA hat heute eine vierteilige Serie gestartet, die hinter die Kulissen bei den Elite-Schiedsrichtern schaut, inklusive Einblicken ins Privatleben und Ausschnitten aus der Kommunikation zwischen den Unparteiischen. In der ersten Folge geht es vor allem um die KO-Phase der Champions League 18/19 und die Schiedsrichter Clement Turpin, Damir Skomina, Felix Zwayer, Björn Kuipers und Cüneyt Cakir.

    Also gewissermaßen der Nachfolger vom EM2008-Film "Kill the Referee".


    Man muss sich anmelden, dann ist es aber kostenlos.

    "Lasst die Hände weg. Alle beide. ... Danke!" - gerade im Topspiel von Guido Kleve gehört.

    Ist eigentlich auch ein guter Spruch, den man bestimmt bei vielen Zweikämpfen bringen kann.

    Auch das Danke, nachdem sich beide daran gehalten haben, gefällt mir ganz gut.

    Zusätzlich kann man natürlich auch andere Aussagen verwenden, z.B. "Ihr habt den Ball" oder "ich habe es gesehen", um für mehr Klarheit zu sorgen, wenn man den Vorteil abwartet bzw. gibt.

    Oder wenn es kein Foul war: "Fairer Zweikampf", "war nichts" etc.

    Disziplinarkontrolle ist der Teil der Spielleitung, bei dem es um den Einsatz von persönlichen Strafen (Ermahnungen, Verwarnungen, Feldverweise) geht.

    D.h. zum einen die nach den Regeln notwendigen Karten zu zeigen, zum anderen in den Bereichen, wo der Schiedsrichter Spielraum hat, angemessene Entscheidungen zu treffen, die sicherstellen, dass das Verhalten der Spieler im Rahmen bleibt. Und natürlich eine faire Auswahl der Strafen, d.h. gleiche Vergehen bei beiden Teams gleich zu bewerten.

    Naja, aber so eine Armhaltung wird schon häufig als unnatürliche Position (Vergrößerung der Körperfläche) bewertet. Und dann ist es gemäß Regeltext auch egal, wenn er den Ball vorher noch abfälscht (nur vorheriges absichtliches Spielen kann dann die Strafbarkeit noch aufheben).

    Von daher ist der Strafstoß mMn zumindest nicht falsch. Ob der VAR hätte eingreifen sollen, ist schon eher fraglich, weil die Situation nicht eindeutig zu sein scheint. Aber falls es eine klare UEFA-Anweisung gibt, solche Handspiele zu bestrafen, wäre der Eingriff schon gerechtfertigt.


    Bei der Verwarnung ist es auch eine spannende Frage, ob es durch das Abfälschen noch als Torschuss zu bewerten ist, da der Ball dann ja in eine andere Richtung geht und nicht wirklich mehr ein aussichtsreicher Angriff verhindert wird.


    Siehe auch Tweets von Collinas Erben (also vom Kölner Lehrwart Alex Feuerherdt)

    Zum Foulspiel: Beim Stoßen oder Ziehen kann es in der Tat keinen "Rabatt" geben, ja.

    Es geht also nur um offensichtliche Torchance oder aussichtsreicher Angriff.

    Eine offensichtliche Torchance dürfte es in dem geschilderten Szenario aber eher selten geben, weil zum einen klar sein muss, dass der Stürmer den Ball so bekommt, dass er ihn gut verwerten kann (er hat ja noch keine Ballkontrolle), dass er den Ball gefährlich aufs Tor bekommen kann und kein Verteidiger mehr eingreifen kann.


    Bei ManU-Leipzig war es aber doch eine Grätsche, also ein Versuch den Ball zu spielen, deshalb der "Rabatt" bei der Verhinderung einer offensichtlichen Torchance und Gelb.


    Beim Handspiel:

    Rot, wenn der Ball sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Tor gegangen wäre.

    Gelb, wenn damit ein Torschuss abgeblockt wurde oder wenn sonst ein aussichtsreicher Angriff verhindert wurde, z.B. weil der Ball zu einem Mitspieler in guter Position gekommen wäre.

    Keine Karte, wenn die Bedingungen für Gelb und Rot nicht erfüllt sind, insbesondere bei Handspielen, die dem Verteidiger keinen Vorteil bringen.

    Bzgl. Abseits bin ich auch eurer Meinung.


    Ich frage mich aber, ob der Spieler hier eingreifen durfte, nachdem er sich (unabsichtlich) dem Abseits durch Verlassen des Spielfelds entzogen hatte.

    Hätte er bis zur nächsten Spielsituation warten müssen und wäre somit das Tor aus diesem Grund ungültig?

    Oder ist durch die fehlende Absicht alles in Ordnung und der Spieler darf jederzeit aufs Spielfeld zurückkehren?

    Zur Folgefrage: Wenn der SR zwischenzeitlich bewusstlos war, dürfte SR-Ball immer die richtige Spielfortsetzung sein. Eben weil der SR nicht wissen kann, was zwischenzeitlich passiert ist, sollte Weiterspielen keine Option sein.


    Andere Folgefrage: Was ist denn, wenn der SR durch den Knockout einen Gedächtnisverlust erleidet und sich an keinen Teil des Spiels mehr erinnern kann (sondern die letzte Erinnerung der Weg aus der Kabine ist)?

    Da geht ja wieder einiges durcheinander. Ich versuche mal aufzuklären:

    - Der DFB unterscheidet schon zwischen 1. und 2. Bundesliga Schiedsrichtern. Schiedsrichter auf der Liste für die 2. Liga kommen nicht in der 1. Liga zum Einsatz, andersherum passiert das schon. Das ist in Deutschland in allen Spielklassen üblich, dass auch höher qualifizierte SR eingesetzt werden. Die unterschiedlichen Listen findet man z.B. in den offiziellen Mitteilungen des DFB.

    - Auch die Schiedsrichter der 3.Liga gelten als DFB-Schiedsrichter (haben u.a. das DFB-Wappen auf der Brust).

    - Wenn Bundesliga-Schiedsrichter in der 3. Liga eingesetzt werden, muss das keine Leistungsgründe haben, sondern kann auch daran liegen, dass es ein besonders brisantes Spiel ist oder es aus anderen Gründen gerade passend erscheint

    - Der Ersatz-SR (also entweder der 4. Offizielle oder einer der SRA) kann auch zu der jeweils darunterliegenden Spielklasse gehören (also 2.BL-SR als Ersatz in der 1. Liga, 3.Liga-SR als Ersatz in der 2.Liga). Dies ist aber auch in anderen Top-Ligen so (z.B. kommen die 4. Offiziellen in der Premier League nicht immer aus der Select Group 1).

    - Konrad Oldhafer ist DFB-Schiedsrichter, der seit dieser Saison in der 3. Liga pfeift und in der 2. Bundesliga assistiert (siehe offizielle Mitteilungen). Die DFB-Website wurde in der Hinsicht leider noch nicht aktualisiert. Etwas übersichtlicher als in den offiziellen Mitteilungen findet man die aktuellen Listen z.B. hier.

    - Auch Bauer ist in die 3. Liga aufgestiegen. Bei Ostheimer, Potemkin und Schütz am 3. Spieltag war jeweils mindestens einer der Assistenten ein 3.Liga-SR, nämlich Benen und Schultes bei Schütz, Kessel bei Ostheimer und Exner bei Potemkin.

    - Bei den Saisonvorbereitungs-Lehrgängen nehmen meines Wissens nach üblicherweise die Schiedsrichter der 1. und 2. Bundesliga sowie die Assistenten der 1. Bundesliga teil. Alle anderen werden aber sicherlich eigene Lehrgänge haben.

    Rein von der Regelpassage her würde ich sagen, dass sich der Unterschied nur darauf bezieht, dass ein Spieler tatsächlich unabsichtlich (z.B. als Folge eines Zweikampfs oder weil er nicht mehr rechtzeitig abstoppen kann) das Feld verlässt - dann kann er weiterhin das Abseits aufheben, wird aber nicht verwarnt.

    Sobald das Verlassen des Spielfelds absichtlich passiert, muss theoretisch immer verwarnt werden - das steht ja explizit in dem Regelzitat. Also auch, wenn es einen nachvollziehbaren Grund dafür gibt.


    Wie man es aber praktisch handhabt, wurde ja vorher schon besprochen.

    Wenn in Deutschland der Vierte Offizielle ein spezialisierter Assistent ist, steht dafür einer der Assistenten auf der Schiedsrichter-Liste. Im Gegensatz zu vielen anderen Ligen werden in Deutschland auch 2. Liga-SR in der 1. Liga als Assistenten eingesetzt. In solchen Spielen ist dann kein weiterer SR als Ersatz nötig, weil auch der 2.Liga-SR im Verletzungsfall übernehmen könnte.

    Übrigens wurden auch in der CL schon spezialisierte SRA als 4. Offizielle eingesetzt - und zwar zu der Zeit, als es dort AARs (Torrichter) gab. Da normalerweise mindestens einer der AARs ein FIFA-SR war, war bereits ein Ersatz vorhanden und ein SRA konnte als 4.O. amtieren.

    Wäre aber schön, wenn es das auch als offizielle Lehrmeinung - möglichst DFB-weit - und mit belastbarer Quelle geben würde. Idealerweise auch so, dass es alle SR mitbekommen und gleichmäßig auslegen.

    Im Moment wirkt es ja eher so, dass sich SR-Gruppen (oder, wo das nicht passiert, die einzelnen SR) überlegen, in welchen Fällen man denn auf die Verwarnung verzichten kann, weil es eben keine klaren Anweisungen "von oben" gibt.

    Und diejenigen, die nur ins Regelheft schauen, geben vielleicht doch öfter eine Gelbe Karte dafür, weil dort ja erstmal klar steht das "absichtliches Verlassen ohne Erlaubnis" eine Verwarnung erfordert.

    If play has stopped and restarted, the referee may only undertake a ‘review’, and take the appropriate disciplinary sanction, for a case of mistaken identity or for a potential sending-off offence relating to violent conduct, spitting, biting or extremely offensive, insulting and/or abusive gesture(s)

    Demnach ist bei Tätlichkeiten ein Review auch nach erfolgter Spielfortsetzung möglich

    Also am 1. Spieltag gab es sogar einige Eingriffe, bei denen mich eher überrascht hat, dass die hohe Eingriffsschwelle bzgl. "klarer und offensichtlicher Fehler" erfüllt war: Strafstoß für Dortmund, Strafstoß für Hoffenheim, Strafstoß für Regensburg, aberkanntes Tor von Karlsruhe.

    Weiter Eingriffe z.B.: Freistoß statt Strafstoß bei Bremen-Hertha, Strafstoß bei Osnabrück-Hannover


    In der 2.Liga meinst du vermutlich Braunschweig-Kiel: Ist halt ein leichter Kontakt, aus dem der Angreifer mehr macht. Technisch gesehen schon ein Foul, praktisch bleiben aber deshalb ein paar Zweifel, weswegen es dem VAR wohl nicht klar genug war.


    Eine geänderte Auslegung wurde meines Wissens nach nicht bekanntgegeben.

    Zwar ist die Variante, dass ein Verteidiger den Raum statt des Balles abschirmt, weitaus häufiger (auch hier gibt es übrigens einen idF, selbst wenn der Gegner berührt wird),

    bleibt also nur sportlich unerwünschtes Handeln - und damit wären wir wieder beim idF.

    Aber auch das steht beides wieder nicht in den Regeln.


    Bzgl. der Ursprungsfrage mit dem Gegner wegschieben, sehe ich ja ein, dass es dort eine klare Lehrmeinung gibt - wobei eine DFB-Quelle dazu sehr interessant wäre. Es wirkt ja etwas so, dass die Lehrwärte dort einfach eine alte Regel aus den 90ern (siehe Post#44) weiterhin lehren, die es inzwischen nicht mehr gibt.


    Aber wir hatten doch inzwischen in diesem Thread herausgearbeitet, dass sich die "Generalklausel" für indirekte Freistöße nur auf Vergehen bezieht, für die es eine Karte gibt. Ansonsten gibt es - genauso wie für den direkten Freistoß -eine Reihe von Vergehen, für die es laut Regeln den indirekten Freistoß gibt.


    Dann noch der Punkt mit den sonstigen Vergehen, für die eine Karte gegeben wird und spezielle Punkte für den Torwart.


    "Den Raum abschirmen, selbst wenn der Gegner berührt wird" oder "sportlich unerwünschtes Handeln" gehört aber nicht dazu.

    D.h., wenn weder eine Bedingung für den direkten Freistoß noch den indirekten Freistoß erfüllt ist, sollte es sich auch um kein ahndungswürdiges Vergehen handeln.

    Insbesondere gibt es in den Regeln keinen Grund dafür, Rempeln ahnden zu wollen, wenn es "regelkonform" bzw. "korrekt" ist. Aber OK, das hatten wir ja schon...

    Es gibt doch eine deutsche Version der Regeln, in denen natürlich auch Kapitel 12.4 vorhanden ist. Also wozu etwas übersetzen?


    Und ich vermute, DieMacke bezieht sich auf den indirekten Freistoß für Vergehen gegen Personen des eigenen Teams außerhalb des Spielfelds. In der Tat ein Beispiel für einen indirekten Freistoß bei einem Vergehen mit Körperkontakt