Beiträge von Nr.23

    Die Funktion selbst spielt eine besondere Rolle. Ein Jugendfunktionär hat eine andere Verantwortung als ein beliebiges Vereinsmitglied, weil es um Betreuung, Förderung und Vorbildwirkung gegenüber jungen Menschen geht.

    Genau deshalb ist die Frage der Vertrauensbasis entscheidend. Wenn konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass jemand seine Funktion nutzt, um Jugendliche politisch zu beeinflussen, zu benachteiligen oder bestimmte Personen auszugrenzen, wäre das selbstverständlich ein ernstes Problem und würde eine Reaktion des Verbandes erforderlich machen.

    Die Schwierigkeit liegt weiterhin darin, zwischen nachvollziehbaren Sorgen und belegten Tatsachen zu unterscheiden. Dass jemand für eine Partei kandidiert, kann bei anderen Menschen Zweifel oder Ablehnung auslösen. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass diese Person ihre Funktion missbraucht oder Jugendliche in eine bestimmte Richtung beeinflussen wird.

    Zum einen muss man die besondere Verantwortung von Jugendfunktionären ernst nehmen und darf mögliche Konflikte nicht kleinreden. Zum anderen sollte man eine Person nicht allein aufgrund einer politischen Zugehörigkeit oder Kandidatur mit konkretem Fehlverhalten gleichsetzen, solange es dafür keine Belege gibt.

    Gab es konkrete Vorfälle oder Äußerungen im Zusammenhang mit der Funktion – oder war bereits die politische Kandidatur der ausschlaggebende Punkt? Davon hängt die Bewertung maßgeblich ab.

    Ja, einige Formulierungen sind deutlich schärfer, als sie gemeint sein sollten. Das Ziel sollte nicht sein, den Zurückgetretenen zu vermitteln, dass sie sich „nicht so anstellen sollen“, oder ihre Beweggründe ins Lächerliche zu ziehen.

    Man kann ihre Entscheidung bewerten, aber nicht ihre Integrität.

    Den kollektiven Rücktritt kann man für den falschen Weg halten und glauben, dass seine Folgen eher zusätzliche Polarisierung als eine Lösung bewirken. Und man kann es schade finden, dass innerhalb des Verbandes offenbar keine andere Lösung gefunden wurde.

    Das bedeutet aber nicht, dass den Zurücktretenden ihr Recht auf diese Entscheidung abgesprochen oder sie moralisch verurteilt werden sollten. Genauso wenig sollte man behaupten, sie hätten rechtswidrig gehandelt.

    Vielleicht hätten manche Formulierungen weniger zugespitzt gewählt werden sollen. Der Kern der Aussagen bleibt aber derselbe: Der Wunsch, dass die Differenzen innerhalb des Verbandes ausgetragen werden, anstatt dass ein ganzes Gremium geschlossen zurücktritt.

    Genau darin liegt der Unterschied: Bewertet man den Rücktritt als ein notwendiges und richtiges Signal oder respektiert man ihn als persönliche Entscheidung, hält ihn aber weder für den besten noch für den zielführendsten Weg.


    Ein Punkt würde ich allerdings relativieren: Die Aussage, die Zurücktretenden würden „die Werte unserer Verfassung mit Füßen treten“, ist deutlich schärfer als eine Kritik an ihrer Entscheidung. Diese Formulierung ist leicht als Vorwurf zu verstehen, die Beteiligten handelten selbst verfassungsfeindlich. Wenn das eigentliche Anliegen war, die gesellschaftliche Wirkung ihres Handelns zu kritisieren, wäre eine präzisere Formulierung wahrscheinlich überzeugender und weniger angreifbar.


    Auch ohne zu bestimmen, was moralisch korrektes Handeln ist, sollte man weder uns hier noch den Zurückgetretenen absprechen, aus moralischen Gründen so argumentiert bzw. gehandelt zu haben.

    Wir kommen an dieser Stelle schlicht zu unterschiedlichen Bewertungen desselben Sachverhalts. Das ist in Ordnung und gehört zu einer offenen Diskussion dazu.

    Der Rücktritt der Sportrichter wird nicht als rechtswidrig bezeichnet oder ihnen dieses Recht abgesprochen. Selbstverständlich kann jeder ein Ehrenamt niederlegen, wenn er eine Zusammenarbeit für sich nicht mehr verantworten möchte. Das ist Teil der persönlichen Freiheit.

    Genauso muss es aber möglich sein, die Sinnhaftigkeit und die Folgen eines solchen Schrittes zu diskutieren. Kritik an einer Entscheidung ist keine Täter-Opfer-Umkehr. In einer offenen Gesellschaft müssen auch freiwillige Entscheidungen öffentlich hinterfragt werden dürfen.

    Der Dissens liegt an einer anderen Stelle: Ist bereits die Kandidatur für eine Partei eine ausreichende Handlung, um eine Zusammenarbeit abzulehnen? Oder ist die konkrete Amtsausübung und das konkrete Verhalten der betreffenden Person der entscheidende Maßstab?

    Gerade weil wir über den konkreten Fall nach den öffentlich bekannten Informationen keine Vorwürfe bezüglich der Amtsführung oder konkreter Äußerungen kennen. Hätte die Person ihre Funktion missbraucht oder sich im Amt menschenfeindlich geäußert oder verhalten, würde die Situation völlig anders beurteilt werden.

    Der Rücktritt ist als persönliche Entscheidung zu respektieren, er ist aber nicht die beste Lösung, weil der Sport möglichst ein Ort bleiben sollte, an dem Menschen trotz unterschiedlicher politischer Überzeugungen zusammenarbeiten können – solange sie ihre Aufgabe fair, rechtsstaatlich und im Einklang mit den Werten des Verbandes ausüben.

    Ich verstehe den Einwand. Der Vergleich mit einer beliebigen Parteizugehörigkeit wie SPD oder CDU würde tatsächlich zu kurz greifen, wenn man davon ausgeht, dass es um konkrete Positionen geht, die mit grundlegenden demokratischen Werten kollidieren.

    Eine freiheitliche Gesellschaft bedeutet nicht, dass jede politische Haltung automatisch gleich unproblematisch ist. Die Demokratie schützt Meinungsfreiheit und politische Vielfalt, aber sie setzt auch Grenzen dort, wo Menschenwürde, Gleichheit oder andere Grundprinzipien angegriffen werden.

    Der entscheidende Punkt bleibt für mich dennoch die Differenzierung: Nicht jede Person, die Mitglied einer Partei ist oder diese wählt, vertritt automatisch jede einzelne Position, die innerhalb dieser Partei diskutiert wird. Deshalb sollte man weiterhin auf das konkrete Verhalten, konkrete Aussagen und die konkrete Ausübung einer Funktion schauen.

    Gleichzeitig stimmt es, dass eine Gesellschaft nicht völlig wertneutral sein kann. Sie darf und muss sich gegen Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung stellen. Gerade Organisationen mit einer besonderen Verantwortung – etwa im Jugendbereich – müssen überlegen, welche Werte sie vertreten und welche Signale sie senden.

    Die schwierige Balance besteht darin, einerseits klare Grenzen gegenüber menschenfeindlichen Positionen zu ziehen und andererseits nicht jede politische Differenz automatisch mit einer persönlichen Unvereinbarkeit gleichzusetzen.


    Der Kern der Auseinandersetzung liegt also nicht darin, ob Toleranz wichtig ist – darüber besteht weitgehend Einigkeit. Die Streitfrage ist: Ist die Mitgliedschaft oder Kandidatur für eine bestimmte Partei bereits ein ausreichender Hinweis auf eine Unvereinbarkeit mit einer Funktion, oder braucht es zusätzlich konkrete Äußerungen und Handlungen der Person? Genau diese Grenze wird unterschiedlich gezogen.

    Nicht die AfD als Partei sollte der Mittelpunkt sein, sondern die Frage, wie demokratische Institutionen und der Sport mit politischen Konflikten umgehen.


    Ich glaube, der Kern der unterschiedlichen Sichtweisen liegt darin, dass an verschiedenen Stellen die Grenze gezogen wird.

    Man sollte nicht bestreiten, dass Fußball gesellschaftlich und politisch eingebettet ist. Natürlich gibt es politische Dimensionen: bei Förderungen, Infrastruktur, öffentlichen Sportanlagen, Großveranstaltungen, Verbandsentscheidungen oder Fragen der gesellschaftlichen Verantwortung. Der Fußball findet nicht in einem luftleeren Raum statt.

    Die Aussage sollte auch nicht sein, dass der Fußball keinerlei politische Verantwortung trägt. Gerade bei konkreten Themen wie Menschenrechten, Diskriminierung oder dem Umgang mit Gewalt muss ein Verband Haltung zeigen.

    Die Frage ist für mich aber, wann aus gesellschaftlicher Verantwortung eine politische Bewertung einzelner Personen entsteht. Genau dort sollte man vorsichtig sein. Ein Fußballverband muss Regeln durchsetzen und Werte vertreten – aber er sollte Menschen nicht allein aufgrund einer politischen Zugehörigkeit beurteilen, sondern danach, wie sie handeln und ob sie ihre Aufgabe fair und verantwortungsvoll ausüben.

    Dass Menschen mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen gemeinsam für demokratische Grundwerte eintreten können, ist tatsächlich ein wichtiger Bestandteil einer Demokratie. Ebenso gehört aber dazu, dass Menschen unterschiedliche Auffassungen darüber haben dürfen, wo die Grenzen der Zusammenarbeit liegen.

    Vielleicht ist genau das die Herausforderung: Der Sport kann und soll nicht völlig unpolitisch sein. Gleichzeitig sollte er ein Ort bleiben, an dem Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher politischer Ansichten möglich ist – solange die gemeinsamen Regeln und der respektvolle Umgang gewahrt bleiben.


    Der zentrale Streitpunkt bleibt also nicht, ob Fußball politisch ist – da gibt es kaum ernsthafte Differenzen. Die eigentliche Frage lautet: Ab wann wird aus politischer Verantwortung eine legitime Abgrenzung gegenüber einzelnen Personen, und ab wann wird daraus eine pauschale Verurteilung aufgrund von Partei-Zugehörigkeit?

    Da hast du jetzt aber etwas in den Artikel hineininterpretiert, was dort nicht steht.

    Die genannte Gelbe Karte hat Paredes schon im Spiel gesehen, eine Änderung von Rot auf Gelb steht nicht im Raum.

    Und dass der SR angeblich die Rote Karte gezeigt hat, steht dort zwar so, erscheint mir aber auch unwahrscheinlich, weil ansonsten bestimmt schon Bildmaterial davon aufgetaucht wäre.

    Ich denke, es ist so gemeint, dass die Rote Karte fälschlicherweise im Informationssystem für die Medien aufgenommen und später entfernt wurde.

    Spontan fallen mir da noch Ägypten - Argentinien oder England - Argentinien ein. Gerade beim Halbfinale war es bis zu den ersten gelben Karten schon ein wüstes Getrete, vor allem wieder der Argentinier. Komischerweise bis zu den ersten Verwarnungen. Für mich das beste Beispiel, dass man lieber die ein oder andere Gelbe mehr hätte zücken sollen, auch auf die Gefahr vermehrter gelb / roter Karten.

    Bei Ägypten - Argentinien war das Problem, dass es viele knappe Szenen gab, die gegen Ägypten entschieden wurden. Für mich war es aber in jeder einzelnen Situation die bessere Entscheidung - nur den VAR-Eingriff sehe ich auch kritisch.

    Bei England - Argentinien stimme ich dir bzgl. der Verwarnungen zu. Ich finde aber, dass es ab der ersten Verwarnung dann eine gute Spielleitung war, so dass mein Gesamturteil da auch nicht zu negativ ausfällt.

    Größtenteils waren die Leistungen gut bis ok, aber es gab mir da einfach zu viele Ausreißer nach oben in negativer Hinsicht.

    Ich weiß nicht, ob es wirklich so viele Ausreißer gab - die schlechten Leistungen bleiben eben auch am meisten hängen. Also mir fallen spontan nur Ecuador-Deutschland, Uruguay-Spanien und Paraguay-Frankreich als klar schlechte SR-Auftritte ein. Wahrscheinlich gibt es noch 2-3 mehr, aber bei über 100 Spielen ist das auch nicht so viel. Ist dann auch eine Frage des Anspruchs, ob man von den weltbesten SR erwarten kann, dass das gar nicht vorkommt.

    Ich habe auch nicht den Eindruck, dass es besonders viele klare Fehlentscheidungen gab, insbesondere nicht nach VAR-Eingriff.

    Kapitänsdialog, pfeifen klarster Foulspiele, zeigen klarster Verwarnungen - dass konnte man alles in die Tonne treten. Negative Höhepunkte waren da für mich die Spiele Paraguay gegen Frankreich und leider auch gestern das Finale.

    Warum man komplett auf den Kapitänsdialog (bzw. das Einschränken sonstiger Proteste) verzichtet hat, erschließt sich mir auch nicht.

    Bei den Verwarnungen scheint es ja eine Anweisung gegeben zu haben, nur die ganz klaren Situationen zu ahnden. Insofern kann man dort die SR nur bedingt kritisieren, aber die FIFA natürlich schon.

    Ich hätte mir aber auf jeden Fall gewünscht, dass man dann mehr mit deutlichen Ermahnungen arbeitet - diese Option haben zu wenige SR genutzt.

    Bei Paraguay-Frankreich sind sich wohl alle einig, dass das eine der schlechtesten SR-Leistungen war, die man auf dem Niveau beobachten konnte. Im Finale fand ich es keinen negativen Höhepunkt, sondern der Turnierlinie entsprechend.

    Umstrittene VAR Entscheidungen gehörten leider auch dazu. Tor DE gegen Ecuador, nicht gegebenes Tor von Ägypten gegen Argentinien und im gleichen Spiel Ägypten klaren Elfer verweigert wo im Gegenzug ein Tor für Argentinien fällt.

    Meinst du gegen Ecuador das Tor, das gezählt hat oder das, das nicht gezählt hat? Ersteres war für mich ein fehlender VAR-Eingriff, zweiteres ein korrekter.

    Bei Ägypten gegen Argentinien würde ich mit "umstritten" mitgehen, aber klare Fehler sehe ich dort nicht. Das ist aber wahrscheinlich bei vielen Szenen so. Man kann über sie diskutieren - auch wegen dem zu großen Graubereich - aber wirklich klare Fehler, wo >90% der Zuschauer anderer Meinung waren, gab es meines Erachtens nicht so viele. Positiv dabei, dass es dieses Mal nahezu keine strittigen Situationen im Bereich Handspiel gab - dort scheint sich mittlerweile also eine allgemein akzeptierte Linie etabliert zu haben.

    Der absolute Höhepunkt war aber die zurückgenommene Strafe gegen den US-Spieler, auf Intervention von Trump bei seinem Lakai Infantino

    Das ist eindeutig so, ja.

    Hat aber im engeren Sinne nichts mit der SR-Leistung zu tun.

    Man kann bei der Szene höchstens diskutieren, ob man für so etwas einen VAR-Eingriff will - falsch ist die Rote Karte aber sicherlich nicht.

    1. Einstieg bei den Verwarnungen verpasst ( hartes Foul an Olmo an der Mittellinie muss doch gelb geben)

    4. Klare Verwarnungen nicht gegeben, eine hatte ich schon angesprochen, aber da waren etliche Unsportlichkeiten, gerade bei den Argentiniern dabei. Da kommt man mit Persönlichkeit nicht mehr weiter.

    Da habe ich eine Minderheitsmeinung, aber ich fand die Szene nicht so eindeutig rücksichtslos - das Trefferbild gefährdet sogar eher den Argentinier. Also sicherlich kann man da Gelb geben - als Einstiegskarte bei diesem Turnier für mich aber überhaupt nicht zwingend. Es gab aber noch ein Foul von Tagliafico and Yamal, wo ich eine frühere erste Verwarnung erwartet hätte.

    Später dann mit den Gelben Karten gezielt, wo er es für die Spielkontrolle für sinnvoll erhielt, aber dadurch in der Tat nicht einheitlich. Wobei es nachvollziehbar war, dass Spanien ohne Karte geblieben ist, weil Argentinien für vergleichbare Vergehen auch nichts bekommen hat. Bei Paredes im Speziellen war es schon schwer nachzuvollziehen, dass es keine weitere Karte gab (schon vor Spielende). Wahrscheinlich war nichts ganz Klares dabei, und Verwarnungen wegen wiederholtem Regelverstoß gab es wohl im ganzen Turnier nicht...

    Bei gefühlt jedem Eckball hat der SR die Ausführung verzögert, weil er Spieler ermahnte. Das nutzt sich ab und hat am Ende keine Wirkung mehr

    Wahrscheinlich gab es dazu auch eine FIFA-Anweisung an die SR. Gebe dir aber Recht bzgl. Abnutzung und Wirkung.

    Klarste Foulspiele, meistens im Oberkörperbereich und gegen Spanien nicht gepfiffen. Das hat die Argentinier nur zu ihrer dreckigen Spielweise angestachelt

    Ich fand eigentlich, dass er das meiste in dem Bereich gepfiffen hat. Es gab insgesamt 46 Freistöße für Foul/Hand im Spiel.

    5. Klare rote Karte gegen Paredes nach Schlusspfiff nicht gegeben, der vor den Augen des Gespannes einen Spanier getreten und geschlagen hat.

    Da gibt es unterschiedliche Angaben, ob es die Karte nun gab oder nicht. Wenn nicht, wäre das in der Tat schwer erklärbar, aber andererseits auch ein ziemlich unerheblicher Fehler, weil der Spieler hoffentlich so oder so gesperrt wird.

    Die überraschende und nicht von den Regeln gedeckte Wiederkehr des Torwartschutzes im 5er.

    Vom 5er war in dem Zusammenhang von FIFA-Seite nicht die Rede (das haben meines Erachtens dann nur einige Kommentatoren hineininterpretiert). Es geht "nur" um Vergehen von Angreifern gegen Verteidiger und insbesondere Torhüter mit der klaren Absicht den Gegner zu blockieren ohne gleichzeitige Absicht den Ball zu spielen. Das grundsätzliche Vergehen "Sperren des Gegners mit Körperkontakt" ist natürlich von den Regeln gedeckt. Und eine Auslegungsanweisung an die SR zwecks einheitlicher Regelanwendung ist auch legitim. Ob diese Sonderbehandlung von Angreifer gegen Verteidiger sinnvoll ist, lässt sich natürlich diskutieren.

    Das wäre aber ein Verstoß gegen den ehernen Grundsatz, dass mit erfolgter Spielfortsetzung keine Ahndung vorher geschehener Dinge mehr erfolgen darf

    Das ist beim Strafstoß doch regelmäßig so, dass das zu frühe Hineinlaufen nach der Strafstoßausführung geahndet wird, obwohl das Vergehen per Definition vor der Strafstoßausführung geschehen ist - es muss ja auch so sein, weil die Wirkung des Strafstoßes abgewartet werden soll.

    Ohne das beurteilen zu wollen, dieser Rückschluss darf zumindest bei dieser WM - leider - nicht gezogen werden.

    Also ich meine natürlich "korrekt" im Sinne der FIFA-Entscheider um Collina. Und diese Leute sind dafür zuständig zu bewerten, was "korrekt" ist. (Für mich war Frankreich-Senegal in der Tat ein Foul - aber meine Meinung ist da ja egal.) Trotz allem, was falsch läuft, glaube ich schon, dass sie einem SR keine großen Spiele mehr geben würden, wenn er sich trotz OFR gegen einen Strafstoß entscheidet, den es hätte geben sollen.

    Wobei das laut ARD-Reporter ja sogar auch zur Verlängerung des VAR-Checks geführt hat, weil die potenzielle Rote Karte dafür geprüft wurde...

    Für mich in dem Fall aber korrekt, kein Rot zu geben, weil die Szene nicht konfrontativ wirkte sondern eher wie ein Scherzen zwischen ehemaligen Mitspielern - es gab danach ja z.B. noch einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken.

    Aber wenn Dembele in der Szene zum SR rennt und eine Beleidigung reklamiert, wird es natürlich kritisch.


    Bei der Verzögerung selbst sind es ja mehrere Aspekte:

    Zum einen das langsame Verlassen des Strafraums durch die Verteidiger. Hier finde ich auch, dass man dort härter durchgreifen sollte. Oder alternativ auch ein leichtes Überschreiten in dem Moment tolerieren und erst dann (nach den geltenden Regeln)bestrafen, wenn der Strafstoß verschossen wird. Zusätzlich könnte ich mir vorstellen, dass man das Bearbeiten des Strafstoßpunkts bald zu einem feldverweiswürdigen Vergehen macht.


    Dann die Maßnahme alle Spieler inklusive Schützen auf die richtige Position zu beordern, obwohl der VAR-Check noch nicht abgeschlossen ist. Das finde ich grundsätzlich richtig, um nicht weiter Zeit zu verlieren. Außerdem strahlt es aus, dass der SR von seiner Entscheidung überzeugt ist. So, wie es dann gestern gelaufen ist, dass der Schütze noch lange warten muss, ist es natürlich suboptimal.


    Und schließlich die Länge des VAR-Checks. Das war in der Tat zu lang und sollte kritisiert werden. Trotzdem ist es in gewissem Maße nachvollziehbar, weil mehrere Sachen gecheckt werden mussten: Das mögliche Foul an Hakimi, der bei der Balleroberung zu Boden geht, das Strafstoß-Foul selbst und dann eben noch die Hand vor dem Mund.

    Ich kann mir vorstellen, dass das Strafstoß-Foul auch länger angeschaut wurde, weil Mbappe schon vor der Berührung beginnt zu fallen. Bei Frankreich-Senegal hat Mbappe für eine ähnliche Szene trotz VAR-Eingriff keinen Strafstoß bekommen - und der dortige SR Faghani hat danach noch gute Ansetzungen bekommen, also war die Entscheidung dort wohl korrekt. Insofern kann ich mir dort schon größere Zweifel beim VAR vorstellen, die letztlich nicht gereicht haben.

    Ich bin auch überrascht, dass die Wellen nicht größer sind.

    Die sind meiner Beobachtung nach sehr hoch. Bei bild.de dominierte es heute Morgen die Startseite, mittlerweile etwas weiter unten gibt es diverse Artikel zum Thema. Bei anderen Websites ebenso.

    Zudem gab es offizielle Statements vom belgischen Verband und der UEFA (und von Sepp Blatter...)
    Und inhaltlich sind sich sowieso alle einig.

    Man muss sich mal vor Augen halten, dass die FIFA nicht einmal eine Begründung geliefert hat.

    Doch klar ;)

    der bei dieser Weltmeisterschaft bereits drei Tore für die Stars & Stripes erzielte.

    Die USA streben ihren ersten Einzug ins WM-Viertelfinale seit der WM 2002 an.

    Naja, streng nach Wortlaut eben nicht. Der Spieler steht weder auf dem Spielfeld noch hat er das Spielfeld kurzfristig verlassen (er stand ja nie drauf).

    Aber keine Ahnung, ob das so gewollt ist.

    Noch eine regeltechnisch interessante Frage dazu:
    Wenn der Wechsel in der letzten Minute vor dem Elfmeterschießen stattfindet und die zehn Sekunden überschritten werden, befindet sich der Einwechselspieler mit Schlusspfiff nicht auf dem Platz. Darf er dann trotzdem am Elfmeterschießen teilnehmen?

    Nein, da solltest du nochmal nachlesen. :)

    Es sind 5 Sekunden nachdem der SR eine unfaire Verzögerung festgestellt hat.


    Ich finde, in der Praxis bei der WM funktioniert das ziemlich gut. Der SR pfeift meist, wenn der Spieler nicht sofort mit der Ausführung beginnt, wenn er mit Ball in der Hand bereitsteht, und startet dann den 5-Sekunden-Countdown. Dabei scheint es noch etwas Ermessensspielraum in der Hinsicht zu bestehen, ob die Verzögerung "unfair" ist, insbesondere wenn eine zurückliegende Mannschaft kurz vor Schluss sicher kein Interesse an Spielverzögerung hat. Falls nach Beginn des Countdowns noch der Einwerfer gewechselt wird, läuft der Countdown weiter. Falls bereits beim Weg zur Ausführung eine offensichtliche unfaire Verzögerung auftritt, kann der Countdown auch schon vorher beginnen.

    Der betroffene Schiedsrichter Artan wurde für den UEFA-Supercup angesetzt.


    Dann kann der Schengen-Raum ja zeigen, ob er ebenso gut kontrolliert wie die Amerikaner. ;)


    Die Ansetzung - die sonst natürlich niemals passiert wäre - kann man jetzt entweder als schöne Geste oder als Überreaktion bewerten.

    Nee, das ist falsch. Hier war die ganze Zeit klar, dass es konkrete Anhaltspunkte gegen Artan gegeben hat, die im langen Interview nicht entkräftet werden konnten. Dass die somalische Staatsangehörigkeit nicht allein der Grund war, war hier im Thread die ganze Zeit klar, denn sonst hätte es in der Tat vorher kein Visum gegeben.

    Ja, OK. Also der neue Punkt ist der konkrete Vorwurf "Verbindungen zu Personen aus dem Umfeld terroristischer Organisationen".

    Vorher war es ja auch eine diskutierte Option, dass sonst irgendetwas mit den Papieren nicht stimmte (z.B. der Punkt mit dem Diplomaten-Pass).



    Also sagen wir, dass Artans Zurückweisung wahrscheinlich genau der Art und Weise entspricht, wie die zuständigen Behörden tagtäglich mit Einreisenden aus Somalia umgehen. Über die Vor- und Nachteile dieser Politik kann man diskutieren.

    Aber diese Problematik hätte dann noch den relevanten Akteuren im Vorhinein klar sein müssen.


    Man kann zumindest nachvollziehen, warum die Amerikaner bei Zuschauern streng vorgehen, auch wenn das unangenehm ist. Selbst die Zurückweisung einzelner Teammitglieder bewegt sich – wenn überhaupt – noch innerhalb einer gewissen Logik, auch wenn sie für ein Gastgeberland äußerst fragwürdig und möglicherweise unzulässig ist.


    Was jedoch mit Artan passiert ist – einem von der FIFA selbst ausgewählten Schiedsrichter – ist schlicht nicht zu rechtfertigen.

    Es war vorhersehbar, dass irgendein Regierungsbeamter politisch und persönlich kein Interesse daran haben würde, für einen Schiedsrichter Ausnahmen zu machen. Man konnte das schon von weitem kommen sehen.

    Deshalb wäre es die Aufgabe der FIFA und von Gianni Infantino gewesen, diese Entwicklung vorauszusehen und sicherzustellen, dass Artans Fall anders behandelt wird. Denn offensichtlich stellt er keine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA dar.

    Wenn Infantino wirklich hinter den ausgewählten Schiedsrichtern stehen würde hätte er mit seinem Buddy Trump bestimmt eine Lösung finden können.


    Wer nun kollektive Protestaktionen der Schiedsrichter fordert oder glaubt, Artan könne einfach ausschließlich in Kanada oder Mexiko eingesetzt werden, lebt in einer Fantasiewelt.