"Vorteil" beim SR-Ball nach SR-Ballberührung

  • Situation:
    Der Ball fliegt direkt auf den Schiedsrichter zu, der dem Ball zwar noch ausweichen kann, ihn aber dennoch berührt, die Flugrichtung ändert sich auch, allerdings nur geringfügig. Der Ball kommt zu einem gegnerischen Spieler, der den Ball ohnehin erhalten hätte und diesen auch unbedrängt (keine Gegenspieler im Radius von ca. 10 m) annehmen kann. Nach der Regeländerung im Sommer wäre also zwingend der SR-Ball mit diesem Spieler (bzw. dessen Mannschaft) auszuführen, aber darf gewissermaßen als Vorteil auf den SR-Ball auch verzichtet werden, es ändert sich de facto nichts, nur die Spielunterbrechung fällt weg?

  • Ich denke nicht, dass die Regeln diesen Spielraum lassen. Wenn du als SR den Ball berührst, gibt es nur dann keinen Schiedsrichterball, wenn der Ballbesitz nicht wechselt und kein Angriff eingeleitet wird. Da hier der Ballbesitz wechselt, musst du den SR-Ball ausführen.

  • Vorteil gibt es nur, wenn ein Team gegen die Regeln verstoßen hat. Da das nicht der Fall ist bei der Ballberührung durch den SR, ist die Vorteilsauslegung nicht anwendbar, das Spiel muss unterbrochen werden. Auch wenn das in der beschriebenen Situation doof wirkt. Ist aber beispielsweise bei einem Ausball ja auch nicht anders, da kann ich auch nicht auf Vorteil entscheiden, nur weil das Team selbst den Einwurf ausführen darf.

  • Ich denke, dass es nicht ganz so einfach ist ...


    Es ist klare Intention des Regelgebers, dass das Spiel so selten wie nötig unterbrochen wird - von daher ist es durchaus fraglich, ob hier wirklich ein absolut wirkungsgleicher SR-Ball verhängt werden muss; die Regel 8 beschreibt am Ende nämlich nur, wie und wo der SR-Ball auszuführen wäre, ist aber keine Regelgrundlage für die Unterbrechung des Spiels.


    Die Regelgrundlage für die Unterbrechung des Spiels in diesem Fall findet sich in Regel 09.1:

    Achtung, nach dieser Beschreibung wäre der Ball aus dem Spiel, wenn der Ball einen Spieloffiziellen berührt und der Ballbesitz wechselt - konsequenterweise würde das aber bedeuten, dass wir einerseits potenziell unklare Situationen haben können, nämlich im Zeitraum zwischen Ballkontakt des Spieloffiziellen und dem Moment, in dem erst feststeht, ob der Ballbesitz wechselt, der Ball ins Tor geht oder einen aussichtsreichen Angriff auslöst, andererseits aber der Ball automatisch - und das heißt ohne Pfiff! - in den beschriebenen Konstellationen aus dem Spiel wäre, der Schiri also "einfach so" den Ball in die Hand nähme und den SR-Ball ausführen müsste, was definitiv nicht die Lösung sein kann. Konsequent zu Ende gedacht würde das bedeuten, dass beispielsweise bei Auslösung eines aussichtsreichen Angriffs die Spieler wegen unsportlichen Verhaltens zu verwarnen wären, die jenen ausführen, weil der Ball nicht im Spiel ist und sie die Spielfortsetzung verzögern, weil der Ball per Regeldefinition in diesem Moment aus dem Spiel ist ohne dass es eines Pfiffes bedarf.


    Merke: Die Regel ist nicht konsistent und erst recht nicht mehr, seit der Regeländerung im Sommer, mit wem der SR-Ball auszuführen ist. Damit ist klar, dass hier die Regel im Sinne des Fußballs anzuwenden ist, auch wenn das gegen den Wortlaut verstößt - und daher eben auch die Frage, ob auf den SR-Ball und die damit notwendige Spielunterbrechung nicht verzichtet werden kann, wenn das wie im konkreten Beispiel absolut wirkungsgleich ist.

  • Das "im Sinn des Fußballs" gilt aber nur für Dinge, die nicht definiert sind. Hier sehe ich eine absolut klare Definition.

    Ball ist aus dem Spiel auch ohne Pfiff.

    Wenn der "andere" zu dem der Ball geht den Ball in die Hand nimmt, ist das genauso wenig ein Handspiel wie wenn ein Spieler, der den Ball im Aus mit der Hand aufnimmt um zum Eckstsoßkreis zu tragen.

  • Äh, nein!


    Wenn der Ball erkennbar außerhalb des Spielfeldes war, ist das eine ganz andere Baustelle als wenn der Ball aus dem Spiel in die Hand genommen wird - die Regelung, dass der Ball dann ohne Pfiff qua Regel nicht mehr im Spiel ist, kennt kein rosa Kringelschwanztier, selbst die meisten Schiedsrichter nicht; und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass das so nicht gewollt ist.

  • die Regelung, dass der Ball dann ohne Pfiff qua Regel nicht mehr im Spiel ist, kennt kein rosa Kringelschwanztier, selbst die meisten Schiedsrichter nicht; und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass das so nicht gewollt ist.

    Das ändert aber nichts daran, dass es nunmal die Regel ist. Der Ball ist nach einem Abpraller vom SR, der zum Gegner geht genauso objektiv aus dem Spiel wie wenn er die Seiten- oder Grundlinie vollständig passiert hat.

    Wo man tatsächlich drüber diskutieren kann ist, ob der Ball im Moment des Handkontakts wirklich schon aus dem Spiel wäre. Wan genau ist der Moment, in dem der Ballbesitz wechselt?

  • Und noch einmal:
    Es ändert sich eben nicht, dass das, was der Regeltext im Wortlaut beschreibt, meines Erachtens so nicht gewollt ist - gerade wegen der Unschärfe, die Du exemplarisch selbst ansprichst.

  • Eine nicht durchführbare Regel kann nicht gewollt sein - aber vielleicht haben wir auch mal wieder eine nicht ganz genaue Übersetzung ...