Mit 24 Jahren zu spät für eine Karriere als Schiedsrichter?

  • Hallo zusammen,


    ich bin 24 Jahre alt und werde jetzt mit der Schiedsrichter-Ausbildung anfangen. Mein Ziel ist es, langfristig möglichst weit aufzusteigen, im Idealfall bis in den Profibereich.


    24 ist natürlich noch kein hohes Alter, aber eben auch nicht mehr 16 oder 17. Deshalb frage ich mich, wie realistisch ein späterer Aufstieg noch ist, wenn man erst mit 24 anfängt.


    Gibt es hier Leute, die selbst erst mit Anfang oder Mitte 20 angefangen haben und trotzdem relativ schnell aufgestiegen sind?


    Mich würde außerdem interessieren, wie wichtig das Alter bei der Förderung, bei Kaderentscheidungen und bei Aufstiegen in höhere Spielklassen tatsächlich ist.


    Danke euch!

  • Deine Ziele in allen EHren, aber Schiedsrichter ist erst mal ein Ehrenamt, das gewissenhaft auszufüllen gilt, dann ist der Fahrstuhl nach oben fast unausweichlich, allerdings kann man kaum sagen in welchem Stockwerk er hält

  • Jo, mit 24 ganz am Anfang zu stehen heißt dass der Profibereich und vermutlich auch der Semi-Profibereich nicht mehr zu erreichen ist.


    Je nach Strategie der Landesverbände sollte die Landesliga oder die Bezirksliga (oder wie auch immer die erste überkreisliche Liga heißt) die realistische Obergrenze sein. In vielen LVs ist die Landesliga eine Art Ausbildungsliga für junge Talente, aufgefüllt um erfahrene ältere Schiedsrichter, die dort schon länger unterwegs sind. Spätestens da dürfte bei dir Schluss sein.


    Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel. Das sind aber sehr seltene Ausnahmen.


    Das heißt aber nicht, dass man in solchen Ligen nicht auch Spaß gekommen kann.

  • Lass es mich mal so sagen:
    Eine Profikarriere wird nur noch mit dem Prinzip "Ausnahmen bestätigen die Regel" zu erreichen sein.


    Und ich möchte dazu setzen:
    Das Ziel Profikarriere ist ein riesiges Hemmniss, denn dieses Ziel lässt sich nicht planen, das ergibt sich am Ende. Voraussetzung ist neben körperlicher Fitness und sehr guter Regelkunde absolute Zuverlässigkeit und eben auch die richtige Mischung aus Persönlichkeit, Umgangsformen und Auftritt, gerade die letzten Punkte lassen sich nur bedingt lernen - und all das nutzt übrigens auch nichts, wenn Du das nicht "auf den Platz bringst". Am Ende gehört ohnehin ein Quäntchen Glück dazu, man muss in den Beobachtungsspielen auch die Chance haben sich auszuzeichnen, im Gegenzug darf ausgerechnet in solchen Spielen nichts schief gehen.


    Daher: Vergiss die Profikarriere und fange einfach an, der Rest wird sich von ganz alleine ergeben - und mache Dir klar, dass beispielsweise in meinem Verband schon Gespannführer eine Position ist, die nur von 5 % der Schiris erreicht wird, liegt eben auch am Flaschenhals bei den Ligen.

  • Ich selbst war 25 Jahre alt, als ich als Schiedsrichter anfing. Bis zur Landesliga (6.Liga) ging es noch, da war ich dann schon 32. Oberliga war in den Landesverbänden, in denen ich war schon für Talente blockiert. Wie Manfred schon gesagt hat, wenn Du es schaffst, im Gespann zu pfeifen, gehörst Du schon zu den oberen 10%. Es macht definitiv Spaß, egal, in welcher Liga, Hauptsache die Gemeinschaft stimmt.

    Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr
    wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung
    angesehen.

  • Ich habe mit 20 Jahren angefangen zu pfeifen, weil mein Heimatverein zu wenig Schiedsrichter hatte und ich Interesse daran hatte.


    Allerdings hab ich nie große Ambitionen gehabt. Dennoch bin ich am Anfang relativ schnell in die Kreisklasse gekommen, in der ich auch heute noch pfeife. Mir ging es jedoch hauptsächlich darum auf den Fußballplätzen in meiner Region am Fußball beteiligt zu sein, weil ich den Sport als solches sehr gerne verfolge.


    Mit der Zeit habe ich immer mehr gemerkt, dass mir dieses Ehrenamt sehr große Freude bereitet. Zudem hat auch mein privates Umfeld das gemerkt und steht da auch sehr hinter mir, weil sie mir immer wieder gesagt haben aufgrund meiner Erzählungen von meinen Einsätzen, dass ich der geborene Schiedsrichter bin.


    Daher habe ich vor 12 Jahren angefangen als Pate (teilweise auch als Tandem-Schiedsrichter) unterwegs zu sein, bin jetzt in der 3. Saison als Beobachter bzw. Coach in der Kreisliga, kümmere mich seit einiger Zeit um Social Media und die Homepage der Schiedsrichtergruppe und bin in meinem Heimatverein stolz darauf als Vereins-Schiedsrichter-Obmann insgesamt 5 Nachwuchsschiedsrichter betreuen zu dürfen.


    Damit möchte ich sagen, dass man auch als Schiri, egal in welchem Alter man einsteigt, in unterschiedlichen Bereichen aktiv sein kann.


    Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Schiedsrichterausbildung!

    "Nicht nur vor Gott sind alle gleich. Auch vor dem Schiedsrichter."


    Einige Aktivitäten und Bilder von mir sieht man auch in meinem FuPa Profil.