Schiedsrichterwesen und Politik

  • Die Partei ist nunmal nicht verboten, da gibt es nicht daran zu diskutieren. Und wenn sie nicht verboten ist, dann ist sie legal. Und legal halte ich durchaus auch für Normalität.

    Genau das ist die Argumentation, bei der wir wohl nicht übereinanderkommen.


    Nur weil irgendetwas "legal" ist, heißt es nicht, dass es zivilgesellschaftlich in Ordnung ist.


    Ich kann Personen aus einer Machtposition heraus bevor- und benachteilen, ich kann Personen gaslighten, ich kann Personen anpöbeln, respektlos behandeln, ich kann Personen isolieren und ignorieren, und gerade aus einer Machtposition heraus zur Verzweiflung bringen, ich kann Personen manipulieren, ihnen Hinweise und Versprechen geben nur um mich nicht dran zu halten und dies auszunutzen, ich kann Personen verraten, falsche Tatsachen vorspielen zu meinem eigenen Vorteil, ich kann eine größere Masse gegen sie organisieren und Mobbing gegen sie starten und organisieren, ich kann sie fühlen lassen dass sie ungewollt sind, zum Rand gehören und unwillkommen sind, ich kann sie sogar Angst verspüren lassen .... Und die Liste ginge noch endlos weiter.


    Und all das ist legal.


    Es ist schäbig, es ist verachtenswert, und hoffentlich ließe mich mein Umfeld (Freunde, Geschäftspartner, Ehrenamtliche, Arbeitskollegen) schnell merken, was für miese Charakterzüge das sind, und gingen zu mir auf Distanz.


    Aber man könnte natürlich auch sagen - hey, alles was zettelbox da macht ist legal, deswegen ist es normal, lasst uns so tun als wäre nichts und ihn wie eine ganz normale Person behandeln!


    So funktioniert Rechtsstaat, aber so funktioniert nicht zivilgesellschaftlicher Zusammenhalt. Und das muss doch irgendwann mal bei denen, die mit dem Argument "legal! legal! legal!" die AfD verteidigen, auch mal ankommen?!

  • Ich bleibe dabei, Sport und Politik sollte man strikt trennen.

    Ich bleibe dabei, dass das

    a) gar nicht möglich ist.

    b) auch nicht der Fall sein sollte.


    Kein Sport geniesst eine derart grosse Aufmerksamkeit, wie es der Fussball tut. Dadurch trägt der Fussball aber auch eine gewisse Verantwortung. Politik ist quasi überall im Leben drinn, völlig egal, ob man sich oolitisch engagiert oder halt eben nicht. Auch wenn man versucht die Politik nicht zu beeinflussen, so wird man selbst davon beeinflusst. Da ist auch der Fussball, oder vor Allem er, der der so breit in unserer Gesellschaft verankert ist, keine Ausnahme.


    Von dubiosen WM Vergaben, Sperren die nach einem Anruf aufgelöst werden, Schiedsrichter die nicht einreisen dürfen, über Fanproteste gegen die Kommerzialisierung bis hin zur Umrüstung auf einen Kunstrasen bei eurem Dorfverein sind das alles politische Prozesse, die mindestens indirekt mit dem Fussball zu tun haben. Und ihr wollt mir ehrlich sagen, dass es als Weltsport nicht in der Verantwortung des Fussballs, der verbinden soll, ist, dass Menschenrechte am Austragungsort der WM mit Füssen getreten werden, zig Tausend Arbeitskräfte beim Bau von Stadien aufgrund katastrophalen Bedingungen verstorben sind, etc.?

  • Genau jetzt wird es langsam gefährlich: Wir weichen vom eigentlichen Thema ab, und diskutieren ausschließlich über die Daseinsberechtigung der AfD. Die einen wollen sie verbieten, die anderen dulden und andere wählen sie möglicherweise, entweder aus Protest, mangels Alternativen oder sogar aus Überzeugung.


    Es wird aber nichts produktives dabei herauskommen, außer dass sich einige vielleicht nicht mehr leiden können und es persönlich wird.


    Daher: Trennen wir Politik von der schönsten Nebensache der Welt, außer wenn es darum geht, dass man die WM privatisieren möchte.

  • Ich lese hier keinen Beitrag, in dem es um die Daseinsberechtigung der AfD ginge, sondern lediglich - und da war der Rücktritt eines Sportgerichtes der Anlass - einiges zum Thema, wie man mit politischen Einflüssen und in diesem Kontext auch der AfD umgehen möge; es passt aber in das Vorgehensmodell genau dieser Partei, dass man, sobald die Diskussion unangenehm wird, wahlweise die Opferrolle sucht oder das Thema wechselt ...

    Trennen wir Politik von der schönsten Nebensache der Welt

    Da bin ich mit TimBalsiger auf einer Linie: Das geht nicht - und es fängt übrigens noch viel kleiner an, nämlich ob und welche Vereine Zuschüsse bekommen, ob und in welcher Höhe Nutzungsentgelte für gemeindeeigene Sportanlagen zu zahlen sind etc. pp., dagegen sind Kabinentrakte und Sportplatzbau schon große Dinge; übrigens gilt das auch für uns Schiris, sobald wir unsere Sitzungen in Räumen abhalten, welche einer öffentlichen Institution gehören.

    außer wenn es darum geht, dass man die WM privatisieren möchte

    Ach, hier dann plötzlich doch? Nach welchen Maßstäben wird also festgelegt, wann die Trennung aufzugeben ist?


    Fußball ist in Deutschland und vielen anderen Ländern auch ein Volkssport - mit enormer politischer Bedeutung, selbst wenn man die Politik gar nicht betrachtet. Vergessen wir nicht, Fußball ist ein Breitensport, mithin trägt der zur Volksgesundheit bei, nennt sich Sport- und Gesundheitspolitik, durch den Umstand, dass im Fußball - zumindest soll das so sein, Abweichungen sind ja gerade das Problem - alle Menschen unabhängig von Nationalität, sozialer Herkunft, sexueller Orientierung, ... mitmachen, hat der auch eine enorme integrierende und gesellschaftspolitische Bedeutung und so weiter und so fort - es ist schlicht nicht möglich, Politik und Fußball zu trennen; und dabei habe ich wirtschaftliche Aspekte verschiedenster Art, Profifußball, Fans und deren (Un)Kultur etc. noch gar nicht einbezogen.


    P.S.
    Mark
    Überlege Dir doch einmal, wie es passieren kann, dass Leute, die sonst eher wie Feuer und Wasser aufeinander reagieren (nimm exemplarisch zettelbox und meine Wenigkeit), hier plötzlich ins gleiche Horn stoßen? Das ist übrigens gelebte Demokratie, nämlich dass man trotz inhaltlicher Unterschiede und mehr gemeinsam die elementaren demokratischen Grundwerte verteidigt!

  • Nicht die AfD als Partei sollte der Mittelpunkt sein, sondern die Frage, wie demokratische Institutionen und der Sport mit politischen Konflikten umgehen.


    Ich glaube, der Kern der unterschiedlichen Sichtweisen liegt darin, dass an verschiedenen Stellen die Grenze gezogen wird.

    Man sollte nicht bestreiten, dass Fußball gesellschaftlich und politisch eingebettet ist. Natürlich gibt es politische Dimensionen: bei Förderungen, Infrastruktur, öffentlichen Sportanlagen, Großveranstaltungen, Verbandsentscheidungen oder Fragen der gesellschaftlichen Verantwortung. Der Fußball findet nicht in einem luftleeren Raum statt.

    Die Aussage sollte auch nicht sein, dass der Fußball keinerlei politische Verantwortung trägt. Gerade bei konkreten Themen wie Menschenrechten, Diskriminierung oder dem Umgang mit Gewalt muss ein Verband Haltung zeigen.

    Die Frage ist für mich aber, wann aus gesellschaftlicher Verantwortung eine politische Bewertung einzelner Personen entsteht. Genau dort sollte man vorsichtig sein. Ein Fußballverband muss Regeln durchsetzen und Werte vertreten – aber er sollte Menschen nicht allein aufgrund einer politischen Zugehörigkeit beurteilen, sondern danach, wie sie handeln und ob sie ihre Aufgabe fair und verantwortungsvoll ausüben.

    Dass Menschen mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen gemeinsam für demokratische Grundwerte eintreten können, ist tatsächlich ein wichtiger Bestandteil einer Demokratie. Ebenso gehört aber dazu, dass Menschen unterschiedliche Auffassungen darüber haben dürfen, wo die Grenzen der Zusammenarbeit liegen.

    Vielleicht ist genau das die Herausforderung: Der Sport kann und soll nicht völlig unpolitisch sein. Gleichzeitig sollte er ein Ort bleiben, an dem Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher politischer Ansichten möglich ist – solange die gemeinsamen Regeln und der respektvolle Umgang gewahrt bleiben.


    Der zentrale Streitpunkt bleibt also nicht, ob Fußball politisch ist – da gibt es kaum ernsthafte Differenzen. Die eigentliche Frage lautet: Ab wann wird aus politischer Verantwortung eine legitime Abgrenzung gegenüber einzelnen Personen, und ab wann wird daraus eine pauschale Verurteilung aufgrund von Partei-Zugehörigkeit?

  • Ist es wirklich so kompliziert? Ich denke, eigentlich ist es ganz einfach!


    Wir haben eine freiheitlich-demokratische Grundordnung - und das ist auch gut so. Diese gilt es daher zu verteidigen - und da gibt es keine Einschränkungen. Ergo haben die Verbände als auch jeder Einzelne sich gegen Tendenzen zu stellen, welche die FDGO in Frage stellen, ergo sich bei entsprechenden Vorfällen/Äußerungen dazu angemessen zu positionieren.


    Nur: Darum geht es doch gar nicht.
    Was war noch mal der Auslöser für diese Diskussion? Da sind die Mitglieder eines Sportgerichtes gesammelt zurückgetreten, weil sie mit einem Menschen, der für eine Partei kandidiert, ergo ein Aushängeschild (im wahrsten Sinne des Wortes, an jeder Straßenlaterne zu sehen) ist, die rechtsextremistischer Verdachtsfall oder sogar gesichert rechtsextremistisch ist. Die Betroffenen hielten das - und das ist ihr gutes Recht - für die angemessene Reaktion, der Verband verwies auf seine Regeln, nach denen er nicht einschreiten könne. Wo ist also eigentlich das Problem? Oder geht es - mal wieder - um die Täter-Opfer-Umkehr, warum werden hier die, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und ihren Beitrag zum Erhalt des Fußballs als gemeinschaftsstiftenden Sports leisten wollen, gewissermaßen zu den Bösen gemacht?

  • Ergo haben die Verbände als auch jeder Einzelne sich gegen Tendenzen zu stellen, welche die FDGO in Frage stellen, ergo sich bei entsprechenden Vorfällen/Äußerungen dazu angemessen zu positionieren.

    Und eine dieser gefährlichen Tendenzen, die die FDGO in Frage stellen, ist es nunmal aktuell leider, dass man versucht, Leute, deren Meinung man nicht teilt oder gar abstoßend findet, von dre Teilnahme an der Gesellschaft auszuschließen.

    Ziel eine freien Gesellschaft muss es sein, andere Meinungen zu tolerieren. Nicht sie auszugrenzen.

  • KozKalanndok Ich finde, das klingt bei dir so, als hätte man einen SPD-Wähler ausgeschlossen, weil man ja nur Funktionäre der CDU bevorzugt. Es ignoriert völlig, dass die Anhänger dieser Partei eben verfassungsfeinliche, menschenunwürdige und höchst manipulative Werkzeuge nutzen.


    Ja, machmal muss eine Gesellschaft sich von Menschen distanzieren, wenn diese Menschen nicht den auferlegtem Wertekompass wie Toleranz, Chancengleichheit für alle, Achtung der Menschenwürde und so weiter teilen.

  • Ich verstehe den Einwand. Der Vergleich mit einer beliebigen Parteizugehörigkeit wie SPD oder CDU würde tatsächlich zu kurz greifen, wenn man davon ausgeht, dass es um konkrete Positionen geht, die mit grundlegenden demokratischen Werten kollidieren.

    Eine freiheitliche Gesellschaft bedeutet nicht, dass jede politische Haltung automatisch gleich unproblematisch ist. Die Demokratie schützt Meinungsfreiheit und politische Vielfalt, aber sie setzt auch Grenzen dort, wo Menschenwürde, Gleichheit oder andere Grundprinzipien angegriffen werden.

    Der entscheidende Punkt bleibt für mich dennoch die Differenzierung: Nicht jede Person, die Mitglied einer Partei ist oder diese wählt, vertritt automatisch jede einzelne Position, die innerhalb dieser Partei diskutiert wird. Deshalb sollte man weiterhin auf das konkrete Verhalten, konkrete Aussagen und die konkrete Ausübung einer Funktion schauen.

    Gleichzeitig stimmt es, dass eine Gesellschaft nicht völlig wertneutral sein kann. Sie darf und muss sich gegen Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung stellen. Gerade Organisationen mit einer besonderen Verantwortung – etwa im Jugendbereich – müssen überlegen, welche Werte sie vertreten und welche Signale sie senden.

    Die schwierige Balance besteht darin, einerseits klare Grenzen gegenüber menschenfeindlichen Positionen zu ziehen und andererseits nicht jede politische Differenz automatisch mit einer persönlichen Unvereinbarkeit gleichzusetzen.


    Der Kern der Auseinandersetzung liegt also nicht darin, ob Toleranz wichtig ist – darüber besteht weitgehend Einigkeit. Die Streitfrage ist: Ist die Mitgliedschaft oder Kandidatur für eine bestimmte Partei bereits ein ausreichender Hinweis auf eine Unvereinbarkeit mit einer Funktion, oder braucht es zusätzlich konkrete Äußerungen und Handlungen der Person? Genau diese Grenze wird unterschiedlich gezogen.

  • Ist die Mitgliedschaft oder Kandidatur für eine bestimmte Partei bereits ein ausreichender Hinweis auf eine Unvereinbarkeit mit einer Funktion, oder braucht es zusätzlich konkrete Äußerungen und Handlungen der Person?

    Die reine Mitgliedschaft ist es (noch) nicht, zumindest in den Parteiteilen, die noch nicht "gesichert rechtsextremistisch" sind, dort wird es übrigens für Menschen im öffentlichen Dienst schwierig - gleichwohl sei auch diesen "reinen Mitgliedern" mal empfohlen, wen und welche Positionen sie durch ihre Mitgliedschaft und ihren Beitrag unterstützen, Partei- und Wahlprogramme sind eindeutig.


    Aber jetzt kommt die Grenze, die man an dieser Stelle sehr scharf ziehen kann:
    Wer für eine solche Partei kandidiert, begeht eine solche "Handlung", um Deinen Begriff aufzugreifen.


    Dennoch komme ich noch einmal auf den Aufhänger zurück, denn eigentlich sind wir auf der falschen Straße unterwegs:
    Auslöser war doch der gesammelte Rücktritt, alleine der Umstand, dass man über dessen Richtigkeit und Rechtfertigung streitet, ist falsch und bedeutet eine Täter-Opfer-Umkehr. Die Zurückgetretenen haben von ihrem guten Recht Gebrauch gemacht, womöglich auch um ein Zeichen zu setzen, sie verletzen damit aber keine Rechte Dritte - und schon alleine deswegen ist es ungehörig, Ihnen diesen Rücktritt zum Vorwurf zu machen, genau das geschieht aber. Und auch der Verband war korrekt, er sah keine Rechtsgrundlage für eine Intervention zu Lasten des AfD-Kandidaten, ergo hat man keine Sanktionen ergriffen, gleichfalls nichts, was man kritisieren darf.


    KozKalanndok

    In Ergänzung zu den Aussagen von zettelbox : Es geht nicht darum, andere Meinungen auszugrenzen, aber sehr wohl darum, bestimmten Meinungen (und mehr) deutlich zu widersprechen. Und noch einmal: Du solltest Dich mal mit der ersten Jahreshälfte 1933 befassen, die belegt sehr schön, wie es funktionieren kann, wenn man Extremisten auch ohne Mehrheit an der Macht beteiligt.

  • Der Rücktritt der Sportrichter wird nicht als rechtswidrig bezeichnet oder ihnen dieses Recht abgesprochen. Selbstverständlich kann jeder ein Ehrenamt niederlegen, wenn er eine Zusammenarbeit für sich nicht mehr verantworten möchte. Das ist Teil der persönlichen Freiheit.

    Genauso muss es aber möglich sein, die Sinnhaftigkeit und die Folgen eines solchen Schrittes zu diskutieren. Kritik an einer Entscheidung ist keine Täter-Opfer-Umkehr. In einer offenen Gesellschaft müssen auch freiwillige Entscheidungen öffentlich hinterfragt werden dürfen.

    Der Dissens liegt an einer anderen Stelle: Ist bereits die Kandidatur für eine Partei eine ausreichende Handlung, um eine Zusammenarbeit abzulehnen? Oder ist die konkrete Amtsausübung und das konkrete Verhalten der betreffenden Person der entscheidende Maßstab?

    Gerade weil wir über den konkreten Fall nach den öffentlich bekannten Informationen keine Vorwürfe bezüglich der Amtsführung oder konkreter Äußerungen kennen. Hätte die Person ihre Funktion missbraucht oder sich im Amt menschenfeindlich geäußert oder verhalten, würde die Situation völlig anders beurteilt werden.

    Der Rücktritt ist als persönliche Entscheidung zu respektieren, er ist aber nicht die beste Lösung, weil der Sport möglichst ein Ort bleiben sollte, an dem Menschen trotz unterschiedlicher politischer Überzeugungen zusammenarbeiten können – solange sie ihre Aufgabe fair, rechtsstaatlich und im Einklang mit den Werten des Verbandes ausüben.

  • Der Rücktritt der Sportrichter wird nicht als rechtswidrig bezeichnet oder ihnen dieses Recht abgesprochen. Selbstverständlich kann jeder ein Ehrenamt niederlegen, wenn er eine Zusammenarbeit für sich nicht mehr verantworten möchte. Das ist Teil der persönlichen Freiheit.

    Genauso muss es aber möglich sein, die Sinnhaftigkeit und die Folgen eines solchen Schrittes zu diskutieren. Kritik an einer Entscheidung ist keine Täter-Opfer-Umkehr. In einer offenen Gesellschaft müssen auch freiwillige Entscheidungen öffentlich hinterfragt werden dürfen.

    Nun, wenn ich die Beiträge dieses Thema durchlese, sehe ich aber schon einiges, was weit über ein hinterfragen hinausgeht ...


    Schafft Raum für neue Funktionäre, die kein Problem mit der politischen Haltung eines Einzelnen haben. Und dreimal dürft ihr raten, wo die herkommen werden.


    Das, was hier passiert, ist einfach nur "Kopf in Sand stecken, ich hör nichts, ich seh nichts, ich weiss nichts, LaLaLa"


    (Subjektive) Vorbehalte und Bedenken sind das eine, deshalb gleich ein kollektiver Rücktritt eines gesamten Gremiums das andere...


    Die „moralisch“ handelnden „Richter“ treten den Artikel 3 (3) unseres Grundgesetzes mit Füßen.


    Das mag legal sein, allerdings treten sie die grundsätzlichen Werte unserer Verfassung mit Füßen. Sie manipulieren damit die Allgemeinheit, indem sie vorgeben, welche politischen Ansichten korrekt bzw. inkorrekt sind. Das geht für mich zu weit.

    und zum krönenden Abschluss sei der Beitrag #16 empfohlen.


    Das alles geht für meine Begriffe deutlich über zulässige kritische Fragen hinaus, das sind teilweise hammerharte, aber unhaltbare Feststellungen, die am Ende ins Horn "Die sollen sich nicht so anstellen" blasen ...

  • Manfred Und jetzt? Bist Du jetzt derjenige, der bestimmt, was moralisch korrektes handeln ist?


    Es ist alles ausgetauscht. Jeder hat seine Meinung, teilweise mehrmals, mitgeteilt. Ich bin hier raus.

  • Ja, einige Formulierungen sind deutlich schärfer, als sie gemeint sein sollten. Das Ziel sollte nicht sein, den Zurückgetretenen zu vermitteln, dass sie sich „nicht so anstellen sollen“, oder ihre Beweggründe ins Lächerliche zu ziehen.

    Man kann ihre Entscheidung bewerten, aber nicht ihre Integrität.

    Den kollektiven Rücktritt kann man für den falschen Weg halten und glauben, dass seine Folgen eher zusätzliche Polarisierung als eine Lösung bewirken. Und man kann es schade finden, dass innerhalb des Verbandes offenbar keine andere Lösung gefunden wurde.

    Das bedeutet aber nicht, dass den Zurücktretenden ihr Recht auf diese Entscheidung abgesprochen oder sie moralisch verurteilt werden sollten. Genauso wenig sollte man behaupten, sie hätten rechtswidrig gehandelt.

    Vielleicht hätten manche Formulierungen weniger zugespitzt gewählt werden sollen. Der Kern der Aussagen bleibt aber derselbe: Der Wunsch, dass die Differenzen innerhalb des Verbandes ausgetragen werden, anstatt dass ein ganzes Gremium geschlossen zurücktritt.

    Genau darin liegt der Unterschied: Bewertet man den Rücktritt als ein notwendiges und richtiges Signal oder respektiert man ihn als persönliche Entscheidung, hält ihn aber weder für den besten noch für den zielführendsten Weg.


    Ein Punkt würde ich allerdings relativieren: Die Aussage, die Zurücktretenden würden „die Werte unserer Verfassung mit Füßen treten“, ist deutlich schärfer als eine Kritik an ihrer Entscheidung. Diese Formulierung ist leicht als Vorwurf zu verstehen, die Beteiligten handelten selbst verfassungsfeindlich. Wenn das eigentliche Anliegen war, die gesellschaftliche Wirkung ihres Handelns zu kritisieren, wäre eine präzisere Formulierung wahrscheinlich überzeugender und weniger angreifbar.


    Auch ohne zu bestimmen, was moralisch korrektes Handeln ist, sollte man weder uns hier noch den Zurückgetretenen absprechen, aus moralischen Gründen so argumentiert bzw. gehandelt zu haben.

    Wir kommen an dieser Stelle schlicht zu unterschiedlichen Bewertungen desselben Sachverhalts. Das ist in Ordnung und gehört zu einer offenen Diskussion dazu.

  • Manfred Und jetzt? Bist Du jetzt derjenige, der bestimmt, was moralisch korrektes handeln ist?


    Es ist alles ausgetauscht. Jeder hat seine Meinung, teilweise mehrmals, mitgeteilt. Ich bin hier raus.

    Ich könnte mich hier jetzt wiederholen:
    Sobald die Diskussion unangenehm wird, versucht man die Opferrolle anzunehmen oder das Thema zu wechseln.


    Mark Sorry, aber gerade Dein Vorwurf, die Zurückgetretenen hätten die Werte unserer Verfassung mit den Füßen getreten, hat die Diskussion erst richtig scharf gemacht - und dann hier in einer Art und Weise "auszusteigen", die beleidigt wirkt, nun, das musst Du selbst wissen.


    Ich maße mir nicht an, die Moralinstanz zu sein, allerdings halte ich sehr viel von den Werten unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung - und die muss verteildigt werden, im Großen wie im Kleinen.

  • In aller Kürze:

    • Wenn ich das richtig verstanden habe, üben Sportrichter in Euskirchen ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Das beinhaltet selbstverständlich das Recht, ihr Amt jederzeit niederzulegen. Sogar ganz ohne Begründung, oder weil sie nicht mit einer anderen Person zusammenarbeiten wollen.
    • Und der Herr Schmuck ist nicht Wähler oder einfaches Parteimitglied einer mindestens in Teilen rechtsextremen Partei mit mindestens einem Landesvorsitzenden, der gerichtlich abgesichert öffentlich als Faschist bezeichnet werden darf. Der Herr Schmuck kandidiert für die AfD, er möchte sie also öffentlich repräasentieren.

    Ganz ehrlich - ich möchte mit solchen Leuten auch nicht zusammenarbeiten. Und wenn mir gesagt wird, ich muss, dann bin ich der, der geht. Das ist mit einem Arbeitsvertrag nicht ganz so einfach wie man dahersagt, aber als Trainer oder Schiedsrichter geht an dem Tag meine Kündigung ein, wo ein Kandidat der AfD in meinem Verein maßgeblich mit meiner Arbeit in Berührung kommt. Das schließt nicht aus, dass Teile des Vorstandes schon heute Sympathien für oder Mitglied in der AfD sind. Aber solange die das nicht auf den Fußballplatz tragen, ist das ihre Privatsache. Das hört auf privat zu sein, wenn sie das selbst an die Öffentlichkeit tragen.

    Der Klügere gibt nach.


    Das erklärt, warum die Welt von den Dummen regiert wird.

  • Der Beitrag von Ente trifft den Nagel auf den Kopf.

    Es geht eben nicht um irgendeinen Schiedsrichter der irgendwie mal erwähnt hat die AfD zu wählen.


    Es geht um einen Jugendfunktionär, der also explizit der Ansprechpartner für Jugendliche ist und wesentlich zu deren Förderung beiträgt (oder auch nicht) und auch Einfluss auf deren sportlichen Aufstieg hat (oder auch nicht). Zugleich ist er Kandidat der AfD und füllt öffentliche und offizielle Rollen für sie aus, wenn auch "nur" auf Kreisebene.


    Dazu kommt, das ist jetzt persönliche Unterstellung und dünnes Eis, aber: Jemand, der einen offiziellen Posten in der AfD bekleidet, wird sich in anderen Lebensbereichen nicht völlig wertneutral äußern, das ist gerade bei dieser Partei völlig unrealistisch. Es wird hier persönliche Gespräche, Äußerungen und so weiter gegeben haben, in dem die betreffende Person ihren persönlichen Standpunkt sehr klar gemacht haben wird.


    Man muss jetzt nicht wesentlich große Fantasie aufbringen, dass man diese beiden Dinge logisch verbindet, und dementsprechend zu vermuten, dass eine Annäherung der Jugendlichen zumindest nicht aktiv unterbunden wird; und vielleicht eine solche Annäherung der in Frage kommenden Jugendlichen und Jungschiedsrichter in Richtung der AfD sicherlich nicht schädlich für den nächsten Schritt als Nachwuchsschiedsrichter wirken wird. Und umgekehrt ist es recht naheliegend, dass ein sich aktiv gegen die AfD und Rechtsextremismus engagierender Jugendlicher schlechtere Aufstiegschancen haben könnte.


    Dass gerade diese zwei Rollen als nicht vereinbar angesehen werden, kann ich absolut verstehen. Ausgerechnet eine Funktion, die mit Jugendlichen zusammenarbeitet und die Schnittstelle zu ihnen darstellen soll - ich finde die Vorstellung auch sehr schwer auszuhalten und würde selbst über persönliche Konsequenzen zumindest intensiv nachdenken.

  • Die Funktion selbst spielt eine besondere Rolle. Ein Jugendfunktionär hat eine andere Verantwortung als ein beliebiges Vereinsmitglied, weil es um Betreuung, Förderung und Vorbildwirkung gegenüber jungen Menschen geht.

    Genau deshalb ist die Frage der Vertrauensbasis entscheidend. Wenn konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass jemand seine Funktion nutzt, um Jugendliche politisch zu beeinflussen, zu benachteiligen oder bestimmte Personen auszugrenzen, wäre das selbstverständlich ein ernstes Problem und würde eine Reaktion des Verbandes erforderlich machen.

    Die Schwierigkeit liegt weiterhin darin, zwischen nachvollziehbaren Sorgen und belegten Tatsachen zu unterscheiden. Dass jemand für eine Partei kandidiert, kann bei anderen Menschen Zweifel oder Ablehnung auslösen. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass diese Person ihre Funktion missbraucht oder Jugendliche in eine bestimmte Richtung beeinflussen wird.

    Zum einen muss man die besondere Verantwortung von Jugendfunktionären ernst nehmen und darf mögliche Konflikte nicht kleinreden. Zum anderen sollte man eine Person nicht allein aufgrund einer politischen Zugehörigkeit oder Kandidatur mit konkretem Fehlverhalten gleichsetzen, solange es dafür keine Belege gibt.

    Gab es konkrete Vorfälle oder Äußerungen im Zusammenhang mit der Funktion – oder war bereits die politische Kandidatur der ausschlaggebende Punkt? Davon hängt die Bewertung maßgeblich ab.

  • Du hast den Punkt immer noch nicht verstanden? Es geht hier nicht darum, dem Herrn Schmuck die Ausübung irgendwelcher Ämter zu verbieten. Es geht darum, dass Sportrichter für sich die Entscheidung getroffen haben, mit diesem Herrn nicht zusammenarbeiten zu wollen und daher IHRE Ämter niedergelegt haben. Und dazu haben sie jedes Recht.


    Ich übertrage das mal auf die Schiedsrichterei: Dein Ansetzer informiert dich, dass in der neuen Saison feste Gespanne gebildet werden, bei denen jeder mal SR und SRA ist. Und du wirst mit 2 SRn eingeteilt, die du nicht ausstehen kannst, weil ihr ganz grundsätzlich unterschiedliche Ansichten zum Auslegen der Regeln habt. Du sollst also mindestens ein Jahr lang jedes Wochenende 3-4 Stunden mit Leuten verbringen, die du überhaupt nicht leiden kannst. Du sagst Nö, darauf hast du keinen Bock, dann pfeife ich lieber in den unteren Klassen alleine oder mache ein Jahr ganz Pause. Und jetzt kommt Herr Ente und sagt: "Das kannst du doch nicht machen! Du musst doch wenigstens mal ausprobieren, ob ihr eure Ansichten unter einen Hut bringen könnt. Du kannst den anderen beiden doch nicht verbieten in dieser Spielklasse zu amtieren. Ja, wenn du erstmal ein halbes Jahr lang festgestellt hast, dass die beiden dir als SRA in jedem Spiel 3 FaD wegen Nichtigkeiten reinwinken, und du dir deinerseits selbst bei Faustschlägen ins Gesicht den Arm lahmwinken kannst, weil dich der SR einfach ignoriert, dann kannst du über so schwerwiegende Schritte nachdenken." Wäre jetzt nicht so geil, oder?

    Der Klügere gibt nach.


    Das erklärt, warum die Welt von den Dummen regiert wird.

  • Nr.23, ich glaube es wäre fair, wenn du zukünftig KI-generierte Beiträge einfach jeweils entsprechend kennzeichnest. Das würde Missverständnisse wie jetzt mit Ente vermeiden.