Vergehen während Wechselvorgang mit neuer Regel

  • amfa


    Sorry für das schneller sein. 😜


    Was das IFAB hier aber gar nicht beachtet, ist der Fall, dass der Spieler sich komplett weigert.

    Dann wenden wir das Verfahren an, wie wenn sich der TW beim Strafstoß weigert, ins Tor zu gehen: Verwarnung, Spielführer einschalten, Abbruch.


    Damit der Spieler, „der ausgewechselt werden soll“, zum Spieler wird, „der ausgewechselt wird“, muss er ja durch sein Verhalten zunächst irgendwie gezeigt haben, dass er das Spielfeld verlassen möchte.


    Solange er das nicht zeigt oder sich gleich weigert, lässt der Schiedsrichter das Spiel gemäß Regel 3.3 einfach fortsetzen.

  • Danke für die Quelle, das klingt in sich auch plausibel. Die einzige Situation, die ich nicht stimmig finde, ist der FaD gegen den Einwechselspieler, bevor der auszuwechselnde Spieler das Spielfeld verlassen hat: Wieso darf der auszuwechselnde Spieler dann nicht auf dem Feld bleiben? Der Wechsel ist ja eben noch nicht abgeschlossen. Wieso muss stattdessen ein anderer Spieler eingewechselt werden?


    Und ja, an sich stimmig, wenn auch für meine Begriffe zu komplex (siehe Ausnahmetatbestände, um die man dann ja nicht herum kommt, wie mit dem Torwart). Aber dass die Regeln jetzt gleich diverse Passagen aufweisen, die diametral dieser Auslegung bzw. dem Protokoll widersprechen, welches wiederum kein Teil der Reglen ist - ohne Worte.


    Und natürlich gehören die Regeln hier angepasst, und auch für Auswechslungen ohne Verzögerung muss der Übergang dann mit dem Verlassen des Spielfeldes passieren, damit man da eine gewisse Stringenz wiederhergestellt hat. Dann gehören auch Regelfragen zum Elfmeterschießen und dem Einwurf ohne vorher den Fuß einmal auf die Linie zu stellen der Vergangenheit an.


    Die Regeln sind, wenn das so weiter geht, nichts mehr wert. Stattdessen werden bald Loseblattsammlungen verteilt, aus denen man sich dann die an tausenden Stellen veröffentlichen Auslegungen zusammenreimen darf. Hier noch eine Klarstellung in der SRZ, da noch ein Protokoll des IFAB, und dort noch eine FAQ-Frage. Das kann doch alles nicht mehr wahr sein, ich finde es, wie schon gesagt, völlig dilletantisch.

  • Die einzige Situation, die ich nicht stimmig finde, ist der FaD gegen den Einwechselspieler, bevor der auszuwechselnde Spieler das Spielfeld verlassen hat: Wieso darf der auszuwechselnde Spieler dann nicht auf dem Feld bleiben? Der Wechsel ist ja eben noch nicht abgeschlossen. Wieso muss stattdessen ein anderer Spieler eingewechselt werden?

    Das finde ich wiederum logisch. Durch die vermeidbare Zeitüberschreitung hat er nunmal seine Berechtigung als Spieler verloren, er muss das Spielfeld verlassen und ist (spätestens ab Benennung des neuen Einwechselspielers) ein ausgewechselter Spieler.



    Die Regeln sind, wenn das so weiter geht, nichts mehr wert. Stattdessen werden bald Loseblattsammlungen verteilt, aus denen man sich dann die an tausenden Stellen veröffentlichen Auslegungen zusammenreimen darf. Hier noch eine Klarstellung in der SRZ, da noch ein Protokoll des IFAB, und dort noch eine FAQ-Frage. Das kann doch alles nicht mehr wahr sein, ich finde es, wie schon gesagt, völlig dilletantisch.


    Richtig, mich interessiert die Logik hinter den Regeln weniger. Viel wichtiger ist, dass alles schriftlich direkt in der Regel fixiert ist. Die Antwort auf die Frage nach dem Warum muss immer lauten: Weil es in der Regel X im Abschnitt y.z genauso steht.


    Und nicht, „weil es das IFAB auf X/Facebook am Sanktnimmerleinstag in einer Q&A klargestellt hat“ oder „es in der SRZ 1/1871 in einer Spielzene erläutert wurde“.

  • „es in der SRZ 1/1871 in einer Spielzene erläutert wurde“.

    1871 gab es die 2026/27-Regeln noch nicht, über die aktuell diskutiert wird. Diese Regelfrage hat keine Relevanz.


    Wenn man es genau nimmt, hat eine Regelfrage aus der SR-Zeitung 1/2026 heute auch schon keine Relevanz mehr, weil die Regelgrundlage auf derer die Frage basiert geändert wurde. Die Anwendbarkeit der Frage müsste bevor sie Relevanz für die 2026/27-Regeln haben kann gegen diese validiert werden.

  • Wenn man es genau nimmt, hat eine Regelfrage aus der SR-Zeitung 1/2026 heute auch schon keine Relevanz mehr, weil die Regelgrundlage auf derer die Frage basiert geändert wurde. Die Anwendbarkeit der Frage müsste bevor sie Relevanz für die 2026/27-Regeln haben kann gegen diese validiert werden.

    Das sieht man den Fragen aber nicht an. Du kannst jetzt eine SRZ aus 2022 durchblättern, ich sag mal Zweidrittel der Fragen sind vielleicht noch anwendbar, ein Drittel nicht mehr.


    Jetzt kriegst du als SR Regeltests mit zum Teil nicht sonderlich logischen Antworten, die sich dann mit dieser SRZ aus 2022 begründen. Nimmst du dir als Konsequenz die SRZ aus 2022 und lernst die Antworten der Regelfragen auswendig, ist das auch falsch, eben weil ein paar Fragen nicht mehr gültig sind und die richtigen Antworten heute schlicht anders lauten.


    Aber woher soll insb. ein unerfahrener Schiedsrichter das wissen? Wie soll er erkennen, welche Fragen aus der SRZ er "lernen" muss, weil diese Auslegung und Antwort in den Regeln nicht steht und er sonst Regeltests nicht richtig beantworten kann, und welche er besser nicht "lernt", weil die Antwort aus heutiger Sicht nicht mehr korrekt ist?

  • 1871 gab es die 2026/27-Regeln noch nicht, über die aktuell diskutiert wird. Diese Regelfrage hat keine Relevanz.

    Das nächste Mal markiere ich Sarkasmus:).


    Das Problem des Regelwerks ist doch, dass man zig Quellen benötigt, um es zu verstehen. Und noch schlimmer ist, das wichtige Klarstellungen vom IFAB nur über zwei soziale Medien veröffentlicht werden und man dann quasi kaum mehr findet bzw dann nicht erkennt, ob sie noch aktuell sind.


    Symptomatisch ist die aktuelle Regel, über die wir hier diskutierten. Nicht nur dass die deutsche Übersetzung fehlerhaft ist, benötigte das IFAB mehre Monate nach der Veröffentlichung, um der Allgemeinheit mitteilen, dass es einen wesentlichen Regelpunkt vergessen hat:


    „Der Wechsel ist vollzogen, sobald der auzuwechselnde Spieler, der das Zeitlimit überschritten hat, das Spielfeld verlassen hat.“


    Das man nicht sofort jeden Sonderfall berücksichtigen kann - das würde gehen, wenn das IFAB uns vorher fragen würde 😀 - kann ich nachvollziehen. Aber diese Information ist halt einfach wesentlich.


    Offen ist immer noch, ab wann der Spieler, der ausgewechselt werden soll, zum Spieler wird, der ausgewechselt wird und das Verlassen des Spielfeldes nicht mehr verweigern darf.


    Nehmen wir an, die Nr. 10 soll ausgewechselt werden und läuft gemächlich zur Seitenlinie. Noch während des Countdowns aber vor Ablauf der 10 Sekunden teilt er dem Schiedsrichter plötzlich mit, dass er das Spielfeld nicht verlassen will. Und jetzt?

  • Aber woher soll insb. ein unerfahrener Schiedsrichter das wissen? Wie soll er erkennen, welche Fragen aus der SRZ er "lernen" muss, weil diese Auslegung und Antwort in den Regeln nicht steht und er sonst Regeltests nicht richtig beantworten kann, und welche er besser nicht "lernt", weil die Antwort aus heutiger Sicht nicht mehr korrekt ist?

    Gar nicht, weil sich beim DFB keiner die Mühe nacht, um den sicherlich endlichen Pool an Regelfragen aktuell zu halten, nach Regelnummer zu sortieren und auf einer für alle zugänglichen Plattform zu veröffentlichen.


    Auf der App vom IFAB wird genau das recht gut praktiziert. Man kann auch filtern. Leider findet man aber viele der Q&A nicht, die nur auf X/Facebook veröffentlicht wurden. Und leider sind sie nur in Englisch.

  • Das sieht man den Fragen aber nicht an.

    Doch, tut man. Und es ist ganz einfach.

    Eine Regelfrage aus 1/2022 kann wenn der Autor sich nicht wie Merlin in derZeit rückwärts bewegt hat, gar nicht im Rahmen Fußballregeln für 2023/2024 auf Gültigkeit geprüft sein.

    Wäre sie das, wäre sie in einer Schiedsrichterzeitung DANACH erschienen.


    Genau das ist doch das grundlegende Problem mit der Handspielregel. Die wurde 20 Mal geändert und trotzdem wird noch mit längst überholten Auslegungen aus den 90ern argumentiert.

    Die logische Konsequenz aus der Unsicherheit darüber, ob eine Regelfrage noch Relevanz hat oder nicht, ist dann eben ein ganz einfaches "Neue Regeln, neues Spiel".

  • Gar nicht, weil sich beim DFB keiner die Mühe nacht, um den sicherlich endlichen Pool an Regelfragen aktuell zu halten, nach Regelnummer zu sortieren und auf einer für alle zugänglichen Plattform zu veröffentlichen.

    Das Kuratieren des Bestands ist aber eine der wichtigsten Aufgaben bei der Datenpflege.

    Und das wäre noch gar nicht mal so schwer zu bewerkstelligen.

    Jede Regelfrage bringt die Information mit, auf welcher Revision der Fußballregeln sie basiert und bei Erscheinen eines neuen Regelwerks muss für jede Regelfrage individuell geprüft werden, ob sie so bleiben kann und einfach die neue Revision drangeschrieben wird, ob sie neugefasst werden muss oder ob sie vielleicht sogar komplett obsolet ist.

  • Jede Regelfrage bringt die Information mit, auf welcher Revision der Fußballregeln sie basiert und bei Erscheinen eines neuen Regelwerks muss für jede Regelfrage individuell geprüft werden,

    Muss man noch nicht einmal. Da es 25/27 z. B. keine Änderung in den Regeln 9, 11 und 13 gibt, müsste man dementsprechende Regelfragen nicht anschauen.


    Jede Regelfrage kann man in einer Datenbank mit „Attributen“ hinterlegen, wie eben die betroffenen Regeln ( z. B. bei einer Foulspielfrage 12.1, 12.4 und 13.1) sowie Art des Vergehens (z. B. Handspiel, Foulspiel) oder Person (Spieler, Auswechselspieler,…)


    Dann lässt sich selbst bei über 1000 Fragen ein Filter anwenden.

  • um der Allgemeinheit mitteilen, dass es einen wesentlichen Regelpunkt vergessen hat:


    „Der Wechsel ist vollzogen, sobald der auzuwechselnde Spieler, der das Zeitlimit überschritten hat, das Spielfeld verlassen hat.“

    Wobei es noch schlimmer ist, die "alte" Regelung ist noch im nagelneuen Regelbuch enthalten - es hätte also nicht genügt, die neue Regel aufzunehmen, obgleich die ob der Wirkung alternativlos war, nein, die alte und nunmehr schon rein praktisch gar nicht mehr anwendbare Regel hätte gestrichen werden müssen.


    Und zum Rest:
    Wir müssen endlich einen Paradigmenwechsel haben, weg von der faktischen Holschuld des Schiris, der am Ende etwas leisten soll, was nicht leistbar ist, egal wie interesiert er ist und wieviel Zeit er interessiert, hin zu einer klar strukturierten und gepflegten Plattform des DFB zu den Regeln als dessen Bringschuld - übrigens nicht nur an die Schiris, sondern auch an Spieler, Trainer und sonstige Beteiligte und Interessierte.


    Allerdings:
    Ich hatte bei einem Freundschaftsspiel gerade letzten Samstag wieder Diskussionen über das Thema "Mauer stellen", weil ich schlicht die Ausführung zugelassen habe, das Extrem war sogar, dass der Kapitän Verteidiger bei mir anmelden wollte, dass seine Mannschaft eine Mauer stellen will ... Solange es bei Spielern und Trainern derart mies mit Regelkenntnissen aussieht, sorry, da befinden wir uns in einer sehr kleinen und exklusiven Blase.

  • Muss man noch nicht einmal. Da es 25/27 z. B. keine Änderung in den Regeln 9, 11 und 13 gibt, müsste man dementsprechende Regelfragen nicht anschauen.

    Doch müsste man.

    Zu 27 wurde zwar an der Regelung, dass unsportliches Verhalten zu verwarnen ist nichts geändert, aber in der Änderung zu Regel 3 wurde etwas, was bisher als Unsportlichkeit galt umdefiniert, dass es keine Unsportlichkeit mehr ist.

    Eine geänderte Regelgrundlage muss alle bisherigen Regelfragen ungültig machen, bis ihre Anwendbarkeit konkret gegen die neuen Regeln validiert wurde.

  • der Kapitän Verteidiger bei mir anmelden wollte, dass seine Mannschaft eine Mauer stellen will

    Da sind dann aber auch die Schiris in den obersten Ligen dran schuld, dass die schnelle Ausführungen oftmals wegpfeifen, weil sie selbst die Mauer stellen wollen. Das sieht dann von unten so aus, als hätte die Verteidigung einen Anspruch darauf, dass der Angreifer erst weiterspielt, wenn es den Damen und/oder Herren Regelverstoßer genehm ist.


    Wie wäre es, wenn man für jede erstmalig erteilte Spielberechtigung einen Regeltest absolvieren und erfolgreich bestehen müsste? Formel-1-Fahrer wird man auch nicht (mehr) ohne Führerschein...

  • Da sind dann aber auch die Schiris in den obersten Ligen dran schuld, dass die schnelle Ausführungen oftmals wegpfeifen, weil sie selbst die Mauer stellen wollen.

    Das hat mich auch bei der WM wieder genervt. Die Angreifer bekommen in Tornähe nicht ansatzweise die Chance der schnellen Spielfortsetzung, weil der Schiedsrichter unmittelbar nach dem Pfiff meistens das Spray zückt. Hinzu kommt, dass mindestens 5 Verteidiger sich ungestraft zunächst am Ort des Vergehens platzieren dürfen und natürlich ebenfalls ohne Konsequenzen mit dem Schiedsrichter diskutieren.