Skandal in Mittelrhein

  • Ein unfassbarer Skandal ist aktuell in Mittelrhein passiert. Ein „Schlag ins Gesicht“ zum Thema Schiedsrichterschutz und Fairness. Hoffentlich ist das Ergebnis bzw. der nachträgliche Abstieg von SC West Köln nicht endgültig.


    Chronologie des Skandals

    • Juni 2026: Ein 19-jähriger Schiedsrichter bricht das Spiel in der Nachspielzeit beim Stand von 4:3 für Olympia Köln ab, nachdem er von einem Pescher Spieler massiv bedroht wurde.
    • Urteil: Das FVM-Bezirkssportgericht kippt die Erstwertung für Olympia und ordnet ein Wiederholungsspiel an, weil der Schiedsrichter nicht alle Mittel angewandt hat. Der Schiedsrichter tritt zurück.
    • Juli 2026: Pesch II nutzt die neue Transferperiode, tritt fast komplett mit seiner höherklassigen Landesliga-Mannschaft an und siegt 4:2.
    • Sicherheit: Wegen massiver Netz-Drohungen findet das Spiel als Geisterspiel unter Polizeischutz statt.
    • Leidtragender: Pesch II bleibt dadurch in der Liga. Der unbeteiligte SC West Köln steigt dadurch nachträglich am grünen Tisch ab und klagt nun dagegen.
  • Hier sehe ich zwei Probleme:

    Einerseits neigen noch immer manche Sportgerichte dazu, die Anforderungen an einen Spielabbruch in nicht nachvollziehbarer Art und Weise viel zu hoch anzusetzen, da bekommt man den Eindruck, dass der erst gerechtfertigt wäre, wenn der Schiedsrichter tatsächlich geschlagen wird, andererseits wissen wir nicht, welcher Art die Bedrohungen waren, was der Schiedsrichter im Spielbericht geschrieben hat und was eventuelle andere Zeugen ausgesagt haben.


    Was den Spielereinsatz beim Wiederholungsspiel angeht: Schlecht ausformulierte Wettbewerbsbestimmungen, wenn so etwas tatsächlich möglich sein sollte; von daher sehe ich die Erfolgschancen einer Klage als sehr gering an.


    Was hingegen die Anordnung als Geisterspiel unter Polizeischutz angeht, da sollte der Verband schon mal Konsequenzen ziehen, so etwas geht gar nicht.

  • Das Spiel wurde bei 4:3 für den Gegner in der Nachspielzeit abgebrochen. Jetzt bekommt der für den Abbruch verantwortliche Verein für seine 2. Mannschaft quasi in der neuen Saison mit einem vollkommen anderen Kader die Chance gegen einen demotivierten Gegner - mit wahrscheinlich ebenfalls einer komplett anderen Elf - die Chance die notwendigen Punkte für den Klassenerhalt zu „erspielen“.


    Der unbeteiligte Kölner Club, der sich mit den dementsprechenden Spielern bereits auf die neue Saison vorbereitet, muss jetzt plötzlich eine Klasse tiefer spielen.


    Das ist der Auswuchs an weltfremdem Bürokratismus. Da ist der Skandal in Westfalen ja schon direkt harmlos, wo man die selbst geänderten Regelungen bei der Ermittlung von entscheidenden Tabellenplätzen nicht kennt.

  • Passt doch in die Fußballwelt, siehe WM :flieh:

  • Einerseits neigen noch immer manche Sportgerichte dazu, die Anforderungen an einen Spielabbruch in nicht nachvollziehbarer Art und Weise viel zu hoch anzusetzen, da bekommt man den Eindruck, dass der erst gerechtfertigt wäre, wenn der Schiedsrichter tatsächlich geschlagen wird, andererseits wissen wir nicht, welcher Art die Bedrohungen waren, was der Schiedsrichter im Spielbericht geschrieben hat und was eventuelle andere Zeugen ausgesagt haben.


    Was den Spielereinsatz beim Wiederholungsspiel angeht: Schlecht ausformulierte Wettbewerbsbestimmungen, wenn so etwas tatsächlich möglich sein sollte; von daher sehe ich die Erfolgschancen einer Klage als sehr gering an.

    Sehe ich auch so.


    Das Problem und für mich in keinster Weise nachvollziehbar sind diese Sportgerichtsentscheidungen, dass nicht alle Mittel für einen Spielabbruch ausgeschöpft gewesen sein sollen. Es ist richtig, dass die Hürde für einen Spielabbruch generell sehr hoch liegt und dies das letzte Mittel ist. Sobald ein Schiedsrichter aber sich bedrpht fühlt, weil ihm Gewalt angedroht wird, oder gar tatsächlich körperlich angegriffen wird, muss diese Schwelle erreicht sein und ich sehe einfach keine anderen Mittel als den Spielabbruch. Ich gebe zu, dass ich die Umstände des Urteils nicht kenne, und offenbar war das Bezirkssportgericht hier sogar die Berufungs-/Revisionsinstanz des ersten Sportgerichts, das die Spielwertung vorgenommen hat. Mich würden die Beweggrunde dieses Gerichts daher sehr interessieren, warum man dem Schiedsrichter und dessen Bewertung hinsichtlich der eigenen Sicherheit und derer Dritter nicht vertraut und glaubt, man könne dies am grünen Tisch besser bewerten.


    Alles weitere ist dann folgerichtig. Zweitspielrechte, "festspielen", etc. sind Wettbewerbsbedingungen bzw. Teil der Ausschreibung. Das kann man verbessern, aber ist kein Ansatz dagegen vorzugehen. Sportrechtlich sehe ich hier ehrlich gesagt nichts, was diesen Verlauf angreifen könnte, das ist jetzt zu spät.


    Besonders bitter ist, dass der jetzt abgestiegene Verein vermutlich zu keinem Zeitpunkt ein Rechtsmittel hatte. Das ist unglücklich aber durchaus normal.

  • Meiner Meinung nach sollte der Spielabbruch als solcher nicht der gerichtlichen Wertung unterliegen. Das ist meiner Meinung nach eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters.

    Das ist doch auch so, es braucht aber eine Wertung des Spiels oder eben die Neuansetzung. Irgendwie muss der Wettbewerb ja weitergehen.


    Hier hat das erste Sportgericht entschieden, das Spiel gemäß Spielstand zum Zeitpunkt des Abbruchs zu werten, und die zweite Instanz hat dann die Wertung aufgehoben und das Spiel neu angesetzt.


    Da wird man per se halt auch nicht drum rum kommen.


    Der Spielabbruch an sich wird dabei nicht aufgehoben.

  • Da wird man per se halt auch nicht drum rum kommen.

    Welchen sportlichen Sinn hat es, wenn das aus „formalen Gründen“ erforderliche Spiel in der offiziell neuen Saison stattfindet, sich dadurch das klagende Team dann der Spieler des Landesligakaders bedienen darf und das andere Team mit zusammengekratzen Spielern zum Antritt gezwungen wird?


    Dieses Team wird nicht nur dafür belohnt, dass es durch eine, wie auch immer erfolgte, Bedrohung bei Rückstand unmittelbar vor dem Schlusspfiff einen Spielabbruch provoziert hat, nein, ein anderes Team, das sich gerade für die neue Kreisliga A Saison mit einem dementsprechenden Kader vorbereitet, erfährt jetzt, dass es nur Kreisliga B spielt?


    So was ist ein Schildbürgerstreich, nein ein Irrenhaus, auch wenn irgendwelchen Paragrafen-Fetischisten dabei …[zensiert].


    Der sportliche, gesunde Menschenverstand würde dann dafür sorgen, dass wenigstens beide Teams nicht absteigen.

  • aus „formalen Gründen“ erforderliche Spiel

    Moment, da hast du mich vermutlich missverstanden.


    Formal unumgänglich ist die Entscheidung über die Spielwertung an sich. Das heißt aber noch lange nicht, dass ein Wiederholungsspiel notwendig ist, das ist nur eine von mehreren Entscheidungen. Es könnte genauso gut entschieden werden, dass der Spielstand als Endstand übernommen wird (das war hier ja offenbar das Ergebnis der ersten Instanz), oder dass ein fiktives Ergebnis "am grünen Tisch" gewertet wird (bspw. 0:3 Niederlage für das Team, das den Spielabbruch herbeigeführt hat). Es kann auch interessante Wertungen geben wie 0:3 Niederlage für beide Teams.


    Dass die zweite Instanz hier auf ein Wiederholungsspiel entschieden hat, ist ja der entscheidende Casus knactus. Ich kenne keinerlei Details, halte das aber für fast immer falsch, wenn ein Spiel abgebrochen wurde, weil ein Schiedsrichter sich bedroht sah oder anderweitig aufgrund von Agressivität oder Gewalt das Spiel abbrechen musste und dies eindeutig den Aktiven einer Mannschaft zuschreiben lässt. Und das scheint hier ja allem Anschein nach der Fall gewesen zu sein.


    Tja, wenn es dann ein Wiederholungsspiel gibt, das in den Zeitraum der neuen Saison fällt, hat man halt so oder so ein dickes Problem. Da greifen dann die Regelungen der Ausschreibung, aber den Stand der alten Saison abzubilden hat eben noch mehr Fallstricke und Nachteile (Spieler sind nicht mehr da, Versicherung läuft schon auf ander Teams nd so weiter). An dieser Stelle ist es "nur noch" moralisch und gefühlt falsch, aber dieser Teil lässt sich kaum anders lösen.

  • Der Spielabbruch an sich wird dabei nicht aufgehoben.

    Er wird nicht aufgehoben, aber der SR wird zum Einen als der Verursacher des Spielabbruchs hingestellt und anderem wird ihm unterstellt mit dem Spielabbruch einen Regelverstoß begangen zu haben. Oder wie kann man die Feststellung "der Schiedsrichter hat nicht alle Mittel zur Fortsetzung angewendet" anders verstehen als "der SR hat regelwidrig das Spiel abgebrochen"?

  • Houston, wir haben ein Problem ...


    Einerseits ist es richtig, zumindest de facto, womöglich auch de jure, bedeutet die Anullierung eines Spielabbruches durch ein Sportgericht die Aufhebung einer Entscheidung des Schiedsrichters, andererseits stellt sich hier aber die Frage, ob es tatsächlich immer ausgeschlossen ist, dass Tatsachenentscheidungen nicht revidierbar sind?


    Wer erinnert sich an die Spuckattacke von Rijkard gegen Völler? Aus unerfindlichen Gründen schmiss der Schiedsrichter damals beide mit der Roten Karte vom Platz, im Fall Völler eine offenkundige Fehlentscheidung. Nun durften damals Fernsehbilder nicht als Beweismittel genutzt werden, so dass die Entscheidung Bestand hatte - aber wäre es nicht eigentlich richtig gewesen, eine solche eindeutige Fehlentscheidung aufzuheben? Und zwar nicht nur bezüglich der Folgen (sprich Sperre), sondern, unter der Voraussetzung, dass das spielentscheidenden Charakter hatte, ganz allgemein? Das Mantra von der Unantastbarkeit von Tatsachenentscheidungen ist ein ganz schwieriges Thema, gerade wenn es um Gerechtigkeit geht.


    Im konkreten Fall müsste man also tatsächlich wissen, warum der Abbruch als ungerechtfertigt eingestuft wurde, sonst bleibt das alles Spekulatius - und hier ist auch interessant, warum man bei einem Abbruch in der Nachspielzeit noch zu der Einschätzung kam, dass der Abbruch von derartiger Bedeutung war, dass man davon ausgehen musste, dass das Ergebnis sonst womöglich anders gewesen wäre.

  • Einerseits ist es richtig, zumindest de facto, womöglich auch de jure, bedeutet die Anullierung eines Spielabbruches durch ein Sportgericht die Aufhebung einer Entscheidung des Schiedsrichters

    Es gibt gar keine "Annulierung des Spielabbruchs". Es gibt eine Spielwertung, und die muss bei einem Spielabbruch immer erfolgen. Sie kann Neuansetzung oder ein fiktives Ergebnis oder der Spielstand zum Zeitpunkt des Spielabbruchs sein.

    Im konkreten Fall müsste man also tatsächlich wissen, warum der Abbruch als ungerechtfertigt eingestuft wurde, sonst bleibt das alles Spekulatius - und hier ist auch interessant, warum man bei einem Abbruch in der Nachspielzeit noch zu der Einschätzung kam, dass der Abbruch von derartiger Bedeutung war, dass man davon ausgehen musste, dass das Ergebnis sonst womöglich anders gewesen wäre.

    Ja, und ehrlich gesagt könnte das unsere Meinung auch ändern. Wir sind hier gerade schon sehr voreingenommen pro SR, und ich finde weiter dass das Urteil des Bezirksgericht irgendwie stinkt. Aber vielleicht ist es auch so, dass sich in den Einzelheiten doch gute Gründe finden, dass der Spielabbruch des Schiedsrichters fehlerhaft war. Was auch immer das sein soll.

  • Zwischenzeitlich gab es nochmal eine Meldung des FC Pesch, in dem schwerste Anschuldigungen gegen den SR erhoben wurden. Unter anderem soll er zum Spiel einen Begleiter gehabt haben, der ganz zufällig bis vor kurzer Zeit in Pesch Jugendtrainer gewesen ist und mittlerweile zu Köln-West wechselte. Und der SR soll den Spieler, der später den FaD kassierte, schon vor dem Spiel beleidigt und den Platzverweis quasi angekündigt haben. Mittlerweile scheint es aber wenigstens eine Person mit ein bisschen Hirn in diesem Verein gegeben zu haben, denn dieser Unfall der Beitrag ist nicht mehr auffindbar. Ich hoffe aber, das Sportgericht hat ihn rechtzeitig gesehen, gesichert und wertet ihn noch aus...

    Der Klügere gibt nach.


    Das erklärt, warum die Welt von den Dummen regiert wird.

  • Ente hier findest du die Stellungnahme noch: https://www.fupa.net/news/soga…em_WcStkpnz2tm_ZGq5YFSPxw


    Der Fall erinnert mich an einen aus München vor vielen Jahren. Ein sr brach ein Spiel ab und schrieb einen perfekten Bericht. Leider nur auf dem ersten Blick, den es wurde hieraus klar, dass er nicht alles selbst wahrgenommen haben konnte. Vor Gericht verstrickt er sich in solche Widersprüche, dass dieses nur in dubio pro reo entschieden konnte.

    Oft kassieren SG Abbrüche weil zum Zeitpunkt keine Bedrohungslage mehr vorlag.

  • Auch das schafft irgendwie keine Klarheit, denn die Darstellung des FC Pesch hat erkennbare Schwächen, vor allem, da man gegen Ende selbst einräumt, dass ein Abstieg massive wirtschaftliche Konsequenzen gehabt hätte.


    Ich befürchte, das war am Ende eines der Spiele, bei der auf demselben Platz zeitgleich drei Spiele stattgefunden haben müssen, eines haben die Spieler und Fans des FC Pesch gesehen, eines die Spieler und Fans von Olympia Köln und eines der Schiedsrichter - ich denke, wir alle kennen solche Spiele, denn wenn man die Spielberichte der Mannschaften als Schiri liest, müssen die ein anderes Spiel gesehen haben. Konsequenz: Der Wahrheit und damit der Klärung der Frage, ob der Abbruch gerechtfertigt war oder nicht, kommen wir nicht näher.


    Allerdings bietet der Bericht des FC Pesch zumindest einige Anhaltspunkte, dass der Schiri sich in bestimmten Dingen zukünftig mehr Zurückhaltung auferlegen sollte, selbst wenn er die "Asozial"-Äußerung nicht gemacht haben sollte, darf man sich nicht einmal anmerken lassen, dass man so etwas denkt, während die Schlüsselgeschichte für mich überzogen wirkt, den bei einer Person meines Vertrauens zu hinterlassen finde ich nicht kritikwürdig, allerdings würde eine Aussage, den Menschen nur flüchtig zu kennen, dazu wiederum nicht passen ...

  • Das hier die Darstellungen auseinandergehen, war ja vorauszusehen und passiert ja nicht das erste Mal. Was mich hier irritiert, dass der SR sich in Widersprüche verstrickt, die absolut glaubhaft dargestellt werden, so dass ich bei einigen Sachen dann eher der Darstellung des FC Pesch glauben schenke.

    Wobei ich auch der Meinung bin, dass Pesch bei einigen Dingen absolut übertreibt und dem SR daraus einen Strick drehen möchte. Das übliche halt.

    Aber so schwarz / weiß, wie es sich am Anfang darstellte, ist die Sache wohl nicht.