WM 2026 Strafstoßmanagement

  • Mittlerweile ist die ganze WM eine Farce. Herausheben möchte ich jetzt das unsägliche minutenlange Prozedere vor einem Strafstoß, das gestern bei Frankreich gegen Marokko wahrscheinlich dazu führte, das Mbappé keine Konzentration mehr hatte.


    Weshalb muss der Schiedsrichter nach dem VAR Check noch permanent die Fokussierung des bereitstehenden Schützen unterbrechen, nur weil ein paar Spieler im Strafraum stehen?


    Weshalb - nicht unbedingt gestern - wird es akzeptiert, dass sich Abwehrspieler und Torhüter ewig am Elfmeterpunkt aufhalten dürfen, um den Schützen zu verunsichern oder gar den Punkt zu manipulieren?


    Wenn der Schiedsrichter auf Strafstoß entscheidet, müssten sich sofort alle Verteidiger raus bewegen und der Torhüter mindestens im Torraum stehen. Wer dagegen verstößt, muss verwarnt werden.

  • Ich kann mich noch dumpf daran erinnern, ganz früher als ich noch jung war, gab es doch mal den Kapitänsdialog. Oder irre ich mich?

    - Ironie off -

  • Ich vermute der VAR-Check lief solange, weil man den relativ langen Spielzug (mit zwei potenziellen Fouls) nochmal komplett überprüft hat.


    Aber ja, ich finde das war durchaus eine Farce. Strafstoß heisst "alle raus, Torwart auf Position" und wenn die nicht spuren, dann Gelb. Irgendwie muss man dieses ständige Entscheidungen diskutieren wollen (ist das nicht auch schon eine Form von Protest) endlich mal in den Griff bekommen. In keiner anderen Sportart muss sich ein SR mit sowas auseinandersetzen.

  • Und zu allem Überfluss hat der marokanische Spieler dem französischen Spieler bei vorgehaltener Hand was geflüstert. Da hätte das fehlende Strafstoß-Management meines Erachtens durchaus zu einer roten Karte führen können.

  • Wobei das laut ARD-Reporter ja sogar auch zur Verlängerung des VAR-Checks geführt hat, weil die potenzielle Rote Karte dafür geprüft wurde...

    Für mich in dem Fall aber korrekt, kein Rot zu geben, weil die Szene nicht konfrontativ wirkte sondern eher wie ein Scherzen zwischen ehemaligen Mitspielern - es gab danach ja z.B. noch einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken.

    Aber wenn Dembele in der Szene zum SR rennt und eine Beleidigung reklamiert, wird es natürlich kritisch.


    Bei der Verzögerung selbst sind es ja mehrere Aspekte:

    Zum einen das langsame Verlassen des Strafraums durch die Verteidiger. Hier finde ich auch, dass man dort härter durchgreifen sollte. Oder alternativ auch ein leichtes Überschreiten in dem Moment tolerieren und erst dann (nach den geltenden Regeln)bestrafen, wenn der Strafstoß verschossen wird. Zusätzlich könnte ich mir vorstellen, dass man das Bearbeiten des Strafstoßpunkts bald zu einem feldverweiswürdigen Vergehen macht.


    Dann die Maßnahme alle Spieler inklusive Schützen auf die richtige Position zu beordern, obwohl der VAR-Check noch nicht abgeschlossen ist. Das finde ich grundsätzlich richtig, um nicht weiter Zeit zu verlieren. Außerdem strahlt es aus, dass der SR von seiner Entscheidung überzeugt ist. So, wie es dann gestern gelaufen ist, dass der Schütze noch lange warten muss, ist es natürlich suboptimal.


    Und schließlich die Länge des VAR-Checks. Das war in der Tat zu lang und sollte kritisiert werden. Trotzdem ist es in gewissem Maße nachvollziehbar, weil mehrere Sachen gecheckt werden mussten: Das mögliche Foul an Hakimi, der bei der Balleroberung zu Boden geht, das Strafstoß-Foul selbst und dann eben noch die Hand vor dem Mund.

    Ich kann mir vorstellen, dass das Strafstoß-Foul auch länger angeschaut wurde, weil Mbappe schon vor der Berührung beginnt zu fallen. Bei Frankreich-Senegal hat Mbappe für eine ähnliche Szene trotz VAR-Eingriff keinen Strafstoß bekommen - und der dortige SR Faghani hat danach noch gute Ansetzungen bekommen, also war die Entscheidung dort wohl korrekt. Insofern kann ich mir dort schon größere Zweifel beim VAR vorstellen, die letztlich nicht gereicht haben.

  • Oder alternativ auch ein leichtes Überschreiten in dem Moment tolerieren und erst dann (nach den geltenden Regeln)bestrafen, wenn der Strafstoß verschossen wird.

    Das wäre aber ein Verstoß gegen den ehernen Grundsatz, dass mit erfolgter Spielfortsetzung keine Ahndung vorher geschehener Dinge mehr erfolgen darf - die ganz wenigen Ausnahmen sind ausdrücklich im Regelwerk genannt, eine entsprechende Änderung der Regeln würde hier aber nicht passen.

    Dann die Maßnahme alle Spieler inklusive Schützen auf die richtige Position zu beordern, obwohl der VAR-Check noch nicht abgeschlossen ist. Das finde ich grundsätzlich richtig, um nicht weiter Zeit zu verlieren.

    Das ist nicht nur richtig, das ist zwingend. Wir machen einen Riesenaufstand (neue Zeitregeln), um das Spiel zu beschleunigen, hier hat man dann alle Zeit der Welt - das kann nicht sein.

    und der dortige SR Faghani hat danach noch gute Ansetzungen bekommen, also war die Entscheidung dort wohl korrekt.

    Ohne das beurteilen zu wollen, dieser Rückschluss darf zumindest bei dieser WM - leider - nicht gezogen werden.

  • Das wäre aber ein Verstoß gegen den ehernen Grundsatz, dass mit erfolgter Spielfortsetzung keine Ahndung vorher geschehener Dinge mehr erfolgen darf

    Das ist beim Strafstoß doch regelmäßig so, dass das zu frühe Hineinlaufen nach der Strafstoßausführung geahndet wird, obwohl das Vergehen per Definition vor der Strafstoßausführung geschehen ist - es muss ja auch so sein, weil die Wirkung des Strafstoßes abgewartet werden soll.

    Ohne das beurteilen zu wollen, dieser Rückschluss darf zumindest bei dieser WM - leider - nicht gezogen werden.

    Also ich meine natürlich "korrekt" im Sinne der FIFA-Entscheider um Collina. Und diese Leute sind dafür zuständig zu bewerten, was "korrekt" ist. (Für mich war Frankreich-Senegal in der Tat ein Foul - aber meine Meinung ist da ja egal.) Trotz allem, was falsch läuft, glaube ich schon, dass sie einem SR keine großen Spiele mehr geben würden, wenn er sich trotz OFR gegen einen Strafstoß entscheidet, den es hätte geben sollen.