Das so was passieren muss ...

  • Wobei bei der Meldung so einiges nicht passt, so tragisch der Vorfall auch ist ...


    Wenn das Kind 7 Jahre war, spielen die doch nur mit den Minitoren Funino - oder ist das in Bayern anders? Demnach kann das also nicht im "ordentlichen Spielbetrieb" passiert sein, was die Sache an sich zwar nicht besser macht, sehr wohl aber den Fokus der Verantwortlichkeit verschiebt.


    Unabhängig davon zählen Dinge wie die Torsicherung in die Lehrarbeit aufgenommen - und zwar sowohl die Basics, sprich worauf zu achten ist, aber auch die Folgen, ergo wann darf ich deswegen ein Spiel ausfallen lassen etc.

  • Grad im jüngeren Bereich finden auch mehrere Spiele nebeneinander statt und die Jungs krallen sich halt ein Tor zum drauf rumbolzen oder auch in den Netzen rumzukletteern.

    Als ehemaliger technischer Leiter kenn ich die Probleme - auch mit den Eltern, die mich für autoritär hielten, wenn da mal ein Brüller über den Platz wegen ungesicherter Tore kam.

  • Nach den letzten Informationen ist es auf einem Nebenplatz passiert, als sich zwei Herrenmannschaften vorbereitet haben. Es war daher wahrscheinlich „privat“, was nichts daran ändert, dass es nicht passieren darf. Was für ein unnötiges Leid.


    Die Frage nach den Verantwortlichen muss natürlich geklärt werden. Wie kann es sein, dass derartige Tore nach einem Spiel oder einer Trainingseinheit nicht gesichert wurden? Wie kann es sein, dass Kinder unbeaufsichtigt dort Fußballspielen?


    Leider muss immer erst etwas furchtbares passieren, bis sich etwas ändert. Wenn hier gegen geltende Bestimmungen verstoßen wurde, dann muss man die Verantwortlichen auch dementsprechend hart bestrafen.

  • Wie kann es sein, dass derartige Tore nach einem Spiel oder einer Trainingseinheit nicht gesichert wurden? Wie kann es sein, dass Kinder unbeaufsichtigt dort Fußballspielen?

    Na ja, wer Kinder hat/sich an seine eigene Kindheit erinnert, und ab und zu mit offenen Augen auf einem Fußballplatz unterwegs ist, kann sich sehr genau vorstellen, was da wohl passiert ist ...


    Da haben Kinder einen Ball, ob mitgebracht oder von wem auch immer bekommen, und wollen bolzen. Auf dem Hauptplatz geht das nicht, also suchen die sich irgendwelche anderen "Tore", ob echte Tore oder solche fiktiver Art ist einerlei - und schon geht die Kickerei los. Klar, die zugehörigen Erwachsenen sind irgendwo, mal als Zuschauer, als Spieler, in der Vereinsbude, ... und sind ganz froh, dass die Kinder beschäftigt sind, Hauptsache, die hauen nicht vom Platz ab. Ebenso klar, dass es auf nahezu jedem Platz, auf dem mobile Tore existieren, die eben, so sie nicht gebraucht werden, irgendwo, wo sie den laufenden Spielbetrieb nicht stören, abgestellt werden - und da sie nicht gebraucht werden, werden die auch nicht gesichert. Und schon nimmt das Unheil seinen Lauf ... wobei es übrigens schwierig werden dürfte zu definieren, wer denn hier (welche) Schuld hat.

  • wobei es übrigens schwierig werden dürfte zu definieren, wer denn hier (welche) Schuld hat

    Im Zweifel der Verein, der die dort ungesichert gelagerten Tore nicht gegen unbefugte Nutzung gesichert hat.

    Das wird dann leider zur Folge haben, dass die Kinder halt in Zukunft nicht mehr mit Erlaubnis des Vereins auf dem Nebenplatz kicken dürfen, weil es könnte ja wieder was passieren und der Verein wäre dann irgendwas zwischen haftbar und lästigem Papierkram.

  • Wobei sich die Frage stellt, ob die Erlaubnis des Vereins vorlag oder ob wir über eine - womöglich aus "Gewohnheit" - "Duldung" sprechen? Womöglich steht da sogar ein Schild - oft steht sogar ein Schild am Sportplatzeingang, dass die Nutzung nur mit Zustimmung des Platzeigentümers erlaubt ist - und vielleicht ruft auch jemand, es wird eben nur nicht (konsequent) durchgesetzt ...


    Aber letztlich Spekulatius, auch wenn es so oder sehr ähnlich abgelaufen sein dürfte. Wichtiger ist mir als Schiri tatsächlich dieser Aspekt:

    Unabhängig davon zählen Dinge wie die Torsicherung in die Lehrarbeit aufgenommen - und zwar sowohl die Basics, sprich worauf zu achten ist, aber auch die Folgen, ergo wann darf ich deswegen ein Spiel ausfallen lassen etc.

  • Es ist ja in der Vergangenheit schon Einiges passiert, aber gelernt wurde daraus wenig.

    Oft sind es auch die Eltern, die sich über die Sicherheitsaspekte hinwegsetzten

  • Jetzt gibt es auf BR24 erste Einzelheiten, die mich etwas verwundern:


    "Am Samstagnachmittag sollte ein Spiel der F-Jugend auf dem Gelände des Sportvereins in Erlangen-Bruck stattfinden. Dazu wurden vier mobile Tore aufgestellt, die zuvor flach auf dem Spielfeld abgelegt waren.Laut den Ermittlern geriet eines der Tore beim Aufstellen in eine unkontrollierte Kippbewegung und stürzte auf das dahinterstehende siebenjährige Kind. "


    "Grund für die Kippbewegung seien Zusatzgewichte gewesen, die an der rückwärtigen Querverbindung dieses Tores angebracht waren."


    Irgendwie passen die Aussagen nicht in meine physikalische Weltvorstellung.

  • Klingt nach: Unsachgemäß und/oder mit zuviel Schwung aufgestellt und damit eben nicht aufgestellt, sondern über den gewollten Punkt hinaus gekippt und dann gefallen. Wie man das aber bewerkstelligen soll - schwer vorstellbar ... Ebenso schwer vorstellbar, warum man solche Tore überhaupt hinlegt.

  • Zum Kippen brauchst du 1100Nm parallell verlaufend zum Boden, laut DIN EN 748, so weit ich mich da eine Kleinfeldschulung erinnern kann.

  • Zum Kippen brauchst du 1100Nm parallell verlaufend zum Boden, laut DIN EN 748

    Das ist fas richtig erinnert und den Prüfverlauf richtig beschrieben.

    1100Nm ist die Kraft, mit der die Kippsicherung an der Latte parallel verlaufend zum Bodengeprüft wird. Bei dieser Last darf da Tor nicht kippen. Aber das sind Details Interessant dabei, was die 100Nm als Kontergewichte bedeutet weil von den Verantwortlichen am Sonntag Vormittag auf dem Bolzplatz kaum einer, wenn ein Tor durch zwei halbvolle Alditüten voll Sand gesichert wird und dem Schiri gesagt wird "er möge sich nicht so anstellen und mal Fingerspitzengefühl zeigen".


    Dafür sind folgende Kontergewichte notwendig: https://spielt-einfach-fussbal…r/Torsicherung-DIN748.png


    Zwei Alditüten sind da kaum ausreichend, wenn man etwa acht Zementsäcke für ein 5m Tor benötigt


    Es gibt übrigens schon seit einigen Jahren eine umfassende Broschüre zu diesem Thema vom DFB

  • 1100 Nm ist ein Drehmoment, keine Kraft.


    Der Drehpunkt ist am Boden, ein Kleinfeldtor ist 2 Meter hoch. Das heißt die Kraft beträgt 550 N. Das entspricht einer Gewichtskraft einer Masse von 55 kg.


    Wenn man das Tor aufstellt, parallel zur Latte noch Gewichte hingen die ein Kippen NACH VORN verhindern und somit nach hinten begünstigt, es dann noch schwingen lässt und vielleicht mit zwei Personen noch von vorn gegen drückt, ist das ziemlich einfach passiert.


    Wenn man so ein Tor aufrichtet (dass es liegt, kann sinnvoll sein, Schutz gegen Umstürzen bei Sturm etc.), muss man natürlich darauf achten, dass keine Menschen, insb. keine Kinder im Gefahrenbereich sind, weder vor noch hinter dem Tor. Tragischer Fall.

  • Doch.


    Was stimmt denn mit dir eigentlich nicht? Google doch einfach, wenn du einfache physikalische Einheiten nicht auseinander gehalten bekommst.


    1100 Nm sind ein Drehmoment am Hebelarm. Das entspricht einer Kraft von 1100 N in einer Höhe von einem Meter, oder aber einer Kraft von 550 N in einer Höhe von zwei Metern. Die Gewichte und die Querlatte befinden sich aber nunmal in einer Höhe von zwei Metern und üben daher bei gleichbleibender Kraft ein größeres Drehmoment aus.


    Die in deinem Bild dargestellte Kraft von 1100 N entspricht also einem Drehmoment von 1100 Nm, je weiter oben ich aber drücke, umso weniger Kraft brauche ich, um dassselbe Drehmoment aufzubringen.


    Dürfte Physik ca. 7. Klasse sein.


    Und jetzt kann man sich denken, wie viel der benötigten 1100 Nm Drehmoment bereits vom Eigengewicht des Tors und 2m vom Drehpunkt entfernten Gewichten aufgebracht wird, um es über den Standpunkt hinaus zu schwingen. Da fehlt nur noch ein kräftiger Stoß im richtigen Moment, und das Tor fällt hinten über, genau so wie Manfred es beschreibt.

  • Es gibt übrigens schon seit einigen Jahren eine umfassende Broschüre zu diesem Thema vom DFB

    Diese Broschüre sehe ich zum ersten Mal - irgendwie ähnlich zum Merkblatt bei Gewitter, wobei das noch bekannter ist. Und da drängt sich mir erneut die Frage auf, warum so etwas in der Lehrarbeit nicht thematisiert wird?

  • Weil es eigentlich die Vereine betrifft, es gibt nur sehr wenige SR, die mit einem Federkraftmesser unterwegs sind. (Ich hatte so einen fast immer im Kofferraum, der hängt jetzt bei mir an der Garderobe))

  • Diese Broschüre sehe ich zum ersten Mal

    Das ist traurig, aber als ich bei uns im Kreis auf diese Broschüre ende letzten Jahres hingewiesen war man auch sehr überrascht.

    Satt dies aber in einem Lehrbereich mit aufzunehmen (Thema, wie geht man mit dem Thema auf dem Platz um welche Eskalationsmittel wendet man an) gab es nur die übliche "Rundmail" mit dem Zusatz Bitte um Beachtung.

    Ich kenne diese Broschüre auch nur, weil ich bei einem Namhaften Torhersteller zu diesem Thema einen Halbtagslehrgang zum Thema Torsicherung hatte und seitdem auf einer Verteilerliste zu derartigen Themen stehe.

    Somit hatte ich diese Drucksache vom DFB seinerzeit quasi Druckfrisch vorliegen. Sonst hätte ich sie wahrscheinlich auch nicht.

    es gibt nur sehr wenige SR, die mit einem Federkraftmesser unterwegs sind

    Je nachdem wie man das jetzt Interpretiert ;)

    Meinst Du etwa, das nur wenige überhaupt die Torsicherung kontrollieren? ich denke ja, und da stimme ich Dir zu. Das Thema wird viel zu Stiefmütterlich gehandhabt.

    Zu diesem Thema eine Geschichte, die ich seinerzeit der Frankfurter Presse entnahm (Vielleicht kann das ja mal jemand raussuchen)

    Mit Frankfurter Bürokratie handelten hier zwei Behördenmitarbeiter richtig vorbildlich.:


    Man muss die hessische Seele einfach lieben, vor allem wenn sie in einem Frankfurter Amtszimmer Form annimmt. Stellt euch das vor: Da schickt man zwei brave Behördenmitarbeiter auf eine Fortbildung – vermutlich gab es belegte Brötchen und lauwarmen Kaffee –, und plötzlich dämmert den Herren zwischen zwei PowerPoint-Folien zur DIN EN 748, dass sie mit einem Bein im Gefängnis stehen, wenn auf dem lokalen Bolzplatz mal wieder die Schwerkraft über den Leichtsinn siegt.


    Was folgt, ist nicht etwa eine freundliche E-Mail an die Vereine. Nein, es folgt die deutsche Antwort auf Ocean’s Eleven: Eine Nacht-und-Nebel-Aktion der kommunalen Entsorgungslogistik

    .

    Während die Trainer noch von der Champions League träumten, rollte der städtische Bauhof wie eine Spezialeinheit über die Sportplätze und konfiszierte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Man stelle sich die Gesichter der Platzwarte am nächsten Morgen vor: Der Rasen ist da, die Linien sind frisch gekreidet, aber die Tore sind weg – einfach verdampft in der bürokratischen Selbsterhaltungswut.


    Zwei Wochen lang herrschte auf Frankfurts Plätzen wohl das sicherste Fußballspiel aller Zeiten: Tore schießen war physikalisch unmöglich. Ein Traum für jeden Defensiv-Fetischisten!


    Man kann über diese Beamten lachen, aber eines muss man ihnen lassen: Sie haben das deutsche Haftungsrecht verstanden. In einem Land, in dem man für eine fehlende Warnweste im Kofferraum strenger bestraft wird als für eine verpatzte Staatsreform, ist der Abtransport des Gefahrenherdes die einzig logische Konsequenz.

    Erst prüfen, dann spielen. Dass in der Zwischenzeit nur gegen imaginäre Pfosten geschossen wurde? Geschenkt. Hauptsache, das Protokoll stimmt.

    Ich überlege ernsthaft, ob ich diese beiden Herren nicht als meine persönlichen Berater anheuere. Wenn ich das nächste Mal dem Platzwart erkläre, dass seine Tore wackeln wie ein Wackelpudding bei Windstärke 8, drohe ich einfach mit der 'Frankfurter Lösung'. Ein Anruf, und der Bauhof regelt das.


    Sicher ist sicher, gell?“

  • Diese Broschüre sehe ich zum ersten Mal - irgendwie ähnlich zum Merkblatt bei Gewitter, wobei das noch bekannter ist. Und da drängt sich mir erneut die Frage auf, warum so etwas in der Lehrarbeit nicht thematisiert wird?

    Das hängt offensichtlich von der SR-Vereinigung ab, ich halte alle 2 Jahre einen Vortrag zum Spielabbruch, in dem ich auch auf das Thema Gewitter eingehe. Wir hatten im Nachbarkreis vor ein paar Jahren einen Todesfall bei einem Kreispokalspiel und geben dem Thema die notwendige Priorität.