Insbesondere jüngere Schiris, die selbst noch aktiv Fußball spielen, aber auch ältere Schiris, die den Rollenwechsel vom Spieler zum Schiri noch nicht vollständig geschafft haben, trifft das Problem besonders: Irgenwie hat man Mitgefühl mit dem Spieler oder Verständnis für dessen Aktion.
Gut, menschlich habe ich durchaus auch des Öfteren Verständnis oder Mitgefühl, die Kunst ist aber, dies erstens für mich zu behalten und zweitens meine Entscheidungen davon nicht beeinflussen zu lassen. Wer das nicht schafft - und hier ist vor allem Selbstkontrolle gefragt -, der wird aus dem Unterbewusstsein heraus falsche Entscheidungen treffen, in dem bestimmte Aktionen nicht gepfiffen oder persönliche Strafen nicht oder unzulässig abgemildert ausgesprochen werden. Wir müssen uns immer darüber klar sein, dass es ein ganz einfaches Schema aus Handlung und Folge gibt, die Beweggründe haben uns nicht zu interessieren - und nebenbei können wir die oft auch nur mutmaßen. Wer das nicht beherrscht und beherzigt, der trifft Fehlentscheidungen, welche die ganze Spielleitung beeinträchtigen werden - übrigens derselbe Effekt wie sogenannte Konzessionsentscheidungen (hier, womöglich versehentlich, einen Strafstoß gegeben, den man selbst als falsch einschätzt, darf ja auch nicht dazu führen, dass wir der anderen Mannschaft ebenfalls einen, dann übrigens noch fragwürdigeren, Strafstoß zusprechen).
Wenn überhaupt, aber selbst da ist das kein guter Ratgeber, kann Mitgefühl oder Verständnis Einfluss auf einen eventuell fälligen Sonderbericht haben, wobei es auch dort darauf ankommt, dass man den reinen Sachverhalt schildert, dessen Bewertung ist ja gerade Sache des Sportgerichtes. Wobei, das ist die einzige Ausnahme, es keine Schande ist, wenn man im Sonderbericht einräumt, dass eine Entscheidung in der Nachbetrachtung einem selbst falsch erscheint.
Fazit:
Denkt daran, dass Ihr auf dem Platz Schiedsrichter seit und diese Rolle auszufüllen habt, alle anderen Erwägungen sind ganz bewusst aus- bzw. zu überblenden; wer das nicht befolgt, macht sich selbst nicht nur die Spielleitung schwer, der leistet auch dem Fußball einen Bärendienst - und macht sich nebenbei noch selbst zum "Schiedsrichter von letzter Woche".