Rufe zur Gegner-Irritation

  • Hallo,

    mir ist zuletzt gerade bei Jugendspielen vermehrt die "Unart" aufgefallen, dass es z.B. beim Anlaufen von ballführenden Gegenspielern oder vor dem "Luftkampf" zur Irritation des Gegners zu lauten, unkontrollierten Rufen durch Spieler gekommen ist ("Ja, ja, ja..."). Wie geht Ihr damit um?

  • In dieselbe Kategorie gehören auch Rufe wir "Hab ich", "Lass" und Co. - und hier gibt es eine klare Grenzlinie:
    Dienen die Rufe tatsächlich nur der Information der Mitspieler, sprich werden Tatsachen beschrieben bzw. hat der Rufer begründeten Grund zur Annahme, dass die Situation in Kürze so eintreten wird, so ist das nicht zu beanstanden. In allen anderen Fällen drängt sich zumindest der Verdacht auf, dass damit der Gegner irritiert werden soll - und genau das ist der Klassiker einer unsportlichen Handlung, also Pfiff, idF wo der Rufer stand und Verwarnung; aber bitte einen eventuellen Vorteil beachten!

  • Ein Mal im Vorbeilaufen ansagen. Dann im Wiederholungsfall so verfahren wie Kaef sagt.


    In der Regel gibt es dann Diskussionen, weil viele SR das nie ahnden. Ist das unsportliche Täuschen jedoch eindeutig dann muss das auch geahndet werden.

  • In dieselbe Kategorie gehören auch Rufe wir "Hab ich", "Lass" und Co. - und hier gibt es eine klare Grenzlinie:

    Und dann gibt es die Kreisliga-SR, die bei der Regelschulung nur so halb mitgehört haben und JEDES "Hab ich" und "Lass" abpfeifen und sogar eine gelbe Karte dafür geben, selbst wenn weit und breit kein Gegner in "Hörweite" ist.

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer (wieder) Spieler  Irgendjemand Alt-Herren Spieler der sich für die Regeln seines Sports interessiert

  • Erzähl das dem Schiedsrichter der seit 1854 pfeift und das schon immer so gemacht hat ;)

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer (wieder) Spieler  Irgendjemand Alt-Herren Spieler der sich für die Regeln seines Sports interessiert

  • Eine Regelfrage von 1997 habe ich zu diesem Thema in unserem Regelfragen Archiv gefunden:


    Zitat von Regelfrage aus Archiv von 1997

    In einem Pokalspiel 1997 hatte sich hinter einen Abwehrspieler ein Angreifer geschlichen. Als der Verteidiger einen Flanke abwehren will, ruft sein Hintermann laut »Leo«. Der verteidigende Spieler lässt den Ball zum vermeintlich besser postierten Mitspieler passieren. Doch dieser »Andersfarbige« bedankt sich mit einem Grinsen und schiebt den Ball ins Tor. Der Schiedsrichter zeigt trotz aller Proteste auf den Mittelpunkt und lässt sich nicht beirren ...

    Spieler oder Schiedsrichter – wer hat Recht?


    Zu diesem Zeitpunkt (Anm.: 1997) handelte der SR nicht richtig:


    Somit handelte der SR aus sicht von 1997 falsch. Statt Tor-Anstoß hätte es idF und Gelb geben müssen.


    Auch ich wurde seinerzeit in diese Mysterien des Regelwerks eingeweiht, und der Drill war preußisch streng. Uns wurde eingehämmert, dass akustische Vergehen wie „Weg da!“ oder „Lass!“ mit der vollen Härte des Gesetzes zu bestrafen seien: indirekter Freistoß und Gelbe Karte. Wer den Gegner irritiert, begeht Verrat am Fair Play, so die Doktrin.


    In diesem Umerziehungslager für angehende Unparteiische wurde uns auch das ominöse „Leo“ explizit als verbotene Vokabel eingebläut. Es stand quasi auf dem Index der unanständigen Wörter. Doch dann folgte der Moment, den man aus der Politik nur zu gut kennt – der Augenblick, in dem die reine Lehre auf die Wirklichkeit trifft. Unser Lehrwart, eben noch der gestrenge Hüter der Prinzipien, winkte plötzlich milde ab und raunte uns eine Lebensweisheit zu, die das ganze Regelgebäude ins Wanken brachte: „Das pfeift heute eh keiner mehr.“


    Da war sie wieder, die typisch deutsche Lösung: Wir haben zwar die strengsten Vorschriften der Welt, aber wir sind uns insgeheim einig, dass wir sie ignorieren, wenn es drauf ankommt. Es ist ein bisschen wie bei der Schuldenbremse: Gut, dass wir sie haben, aber halten muss sich ja niemand daran.


    Was bleibt ist:


    Das Täuschen von Gegenspielern durch Rufe und Worte ist - auch heute noch - unsportlich und mit idF und Gelb zu bestrafen. Ob nun einer "Leo", "Lass", "Meiner" oder sonst irgendwas ruft. Allerdings ist der Ruf nur zu bestrafen, wenn er dem Zweck des unsportlichem täuschen des Gegners dient. Ob das der Fall ist, entscheidet der Mann in Schwarz.

  • Eine Regelfrage von 1997 habe ich zu diesem Thema in unserem Regelfragen Archiv gefunden:

    Wo kommt denn diese Regelfrage her? Hast du sie selbst erstellt oder ist es bloß Zufall, dass sie genau in deinem Duktus verfasst wurde (inkl. "Andersfarbiger" und typographischer Merkmale)?


    Inhaltlich in der Theorie ist die Antwort übrigens bis heute korrekt. Entscheidendes Merkmal war und ist aber, dass der Ruf unsportlich zur Täuschung des Gegners gemacht wurde. Wenn sich also ein Angreifer hinter den Verteidiger schleicht und ihm etwas zuruft in unsportlicher Absicht, ist das auch heute noch zu ahnden. Eine Liste verbotener Wörter gab es jedoch nie, und es war auch nicht verboten ein "Lass" oder "Leo" oder "Hab ich" zu rufen, wenn damit genau das gemeint war.


    Dies hat sich dann in gewissen Klassen verselbstständigt und jedes "Hab ich" wurde mit idF bestraft (interessanterweise oft ohne die dann zwingende GK). Das war nie korrekt und ist es auch nicht. Auch wenn der Gegner dadurch irgendwie möglicherweise irritiert wurde war es nicht verboten, lediglich wenn es eine unsportliche Absicht gibt.


    Ist halt genauso korrekt wie SR, die jeden Einwurf als "falsch" abpfeifen, der nicht mit 100 % Wurfkraft geworfen wird.