Ich hab mal bei den übertragenen Spiel der letzten Frauen-WM mal mitgestoppt: da kam keine Halbzeit auf eine Nettospielzeit von 30 Minuten.
Vergeudete Spielzeit in der 1. Halbzeit
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Ich würde schätzen, 99,9 % der Schiedsrichter machen es nicht so wie Du.
Dann ist es auch müßig, über „vergeudete Zeit während der ersten Halbzeit“ zu diskutieren.

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Ich hab mal bei den übertragenen Spiel der letzten Frauen-WM mal mitgestoppt: da kam keine Halbzeit auf eine Nettospielzeit von 30 Minuten.
Wenn man nur die Zeit stoppt, in der der Ball im Spiel ist, ist das in der Tat so. Ich plädiere ja auch nicht, dass alles abgestoppt wird, sondern wenigstens nur die Zeit, in der eine Spielfortsetzung gar nicht möglich ist, weil sie der Schiedsrichter blockiert oder eben kein Spielball in der Nähe ist.
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Und dann wollen erfahrene alte Hasen auch noch die ominöse „verlorene Zeit“ nach Gefühl festlagen.
Ja, das machen erfahrene Schiris - und ich wette, die sind dabei gar nicht schlecht, wenigstens nicht schlechter als Du, denn Du entscheidest bei vielen Dingen am Ende auch nach Gefühl, wann Du nun stoppst, aber auch, wieviel der Zeit Du tatsächlich nachspielen lässt.
Dazu kommt:
Es gibt Spiele, bei denen man eben nur das unbedingt zur Gesichtswahrung notwendige Minimum nachspielen lässt - und das übrigens allen Beteiligten recht ist. Aber es gibt eben auch Spiele, in denen man genau das nachspielen lässt, was eben tatsächlich nachzuspielen wäre, gestern kam ich auf 6 Minuten in der 1. und 8 Minuten in der 2. Halbzeit - und auch da waren alle, die vorher Angst um die Zeit hatten, am Ende zufrieden.Man muss das übrigens nicht stoppen, ein Blick auf die Uhr genügt - und ein wenig addieren im Kopf funktioniert auch so ganz gut, dafür kann man nicht vergessen, irgendwelche Knöpfe zu drücken, es gibt, gerade für Alleinpfeifer, genug Situationen, in denen man wahrlich wichtigere Dinge zu tun hat als Knöpfe zu drücken (und dann tut es eine Schätzung meist auch ganz gut, wichtig ist nur die Fortschreibung der Summe).
Wie das mit der Erfahrung ist - siehe Abseitsentscheidungen als Alleinpfeifer, klar, die sind nicht immer bis auf den Zehennagel akkurat, die Fehlerquote ist aber erstaunlich/erfreulich klein.
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Der Gnadenschuss an der Pfeife
Genau Manfred,
werfen wir doch mal einen unromantischen Blick in die Niederungen der „Holzklasse“, dorthin, wo der Fußball noch ehrlich ist und nicht von Marketing-Agenturen glattgebügelt wurde. Ich stimme Dir uneingeschränkt zu.
Ein Lehrwart alter Schule – einer jener Männer, die das Regelwerk nicht als Bibel, sondern eher als gut gemeinten Serviervorschlag begriffen – gab mir einst einen Rat von bestechender Lebensklugheit: „Ist das Spiel entschieden, pfeif ab. Der meiste Mist passiert ohnehin in der Nachspielzeit, das muss man sich nicht antun.“
Man muss konstatieren: Der Mann hat recht. In den unteren Ligen, wo die spielerische Klasse oft diametral zur verbalen Lautstärke steht, ist die Nachspielzeit häufig nichts anderes als eine Einladung zur Eskalation. Wenn der Spielstand längst die Eindeutigkeit eines amtlichen Bescheids hat, signalisiert einem die unterlegene Mannschaft oft schon im Vorbeigehen: „Mach Schluss, Schiri.“ Es ist der stille Ruf nach Erlösung.
Natürlich, der strenge Regelhüter im DFB-Elfenbeinturm würde jetzt Schnappatmung bekommen. Aber wen kratzt das an der Basis? Gerade (bspw.) in Hamburg, wo der Platzmangel so chronisch ist wie der Nieselregen und die Sportplätze im Schichtbetrieb von „Nine to Five“ durchgetaktet sind, scharren die Nachfolger bereits mit den Hufen.
Warum also beim Stand von „Hoffnungslos“ gegen „Desaströs“ noch minutenlang die Uhr runterlaufen lassen? Das ist Masochismus, keine Regelkunde. Am Ende siegt hier, Gott sei Dank, noch der gesunde Menschenverstand über den Paragraphen.
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Ich hab mal bei den übertragenen Spiel der letzten Frauen-WM mal mitgestoppt: da kam keine Halbzeit auf eine Nettospielzeit von 30 Minuten.
Das ist ja nichts neues. Christian Dingert hat uns bei einem Vortrag mal gesagt, dass die durchschnittliche Nettospielzeit in der Bundesliga bei unter 60 Minuten liegt. Deshalb müsste man, wenn man wirklich Ausgleich erzeugen will, 15 Minuten nachspielen. Daher mache ich es doch zum Großteil Pi mal Daumen.
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Manfred In der Holzklasse gibt es sicherlich Spiele, wo alle Beteiligten froh sind, wenn der erlösende Schlusspfiff kommt. Trotzdem darf eine zweitschindendes Team bei knappem Spielstand nicht belohnt werden, weil der Schiedsrichter die Nachspielzeit schätzt oder Angst vor einer Eskalation hat.
Und das Drücken eines einzigen Knopfes kann jetzt wirklich nicht derart kompliziert sein. Zumindest nicht komplizierter als mehrere Unterbrechungen im Kopf zu addieren, während man jedesmal zweimal auf die Uhr schauen und zwei Zeiten subtrahieren muss.

Dass meistens alle zufrieden sind, liegt oft daran, dass keiner mit stoppt oder dir auch keiner falsche Abseitsentscheidungen beweisen kann.
Und jetzt sind wir wieder im Bereich, dass wir nicht mehr exakt nach dem Regelwerk pfeifen, sondern so, dass alle zufrieden sind.
Und nochmal: Du hast die theoretische Frage hinsichtlich vergeudeter Zeit gestellt. Und wenn du sie sowieso nur nach Gefühl festlegst, dann kannst du sie auch nach Gefühl nachspielen lassen oder auch nicht.
Aber ich glaube, dass es schon ein grundsätzliches Problem darin gibt, dass es keine einheitliche Richtlinie gibt, welche Unterbrechung jetzt zur Spielzeit gehören und welche nicht.
Beispiel Freistoßmanagement: Zwischen Foulspiel, Diskussionen, Freistoßspray und Ausführung vergehen oft mehr als 60 Sekunden. Wieviel davon wird denn wirklich nachgespielt?
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Dann ist es auch müßig, über „vergeudete Zeit während der ersten Halbzeit“ zu diskutieren.
In der Sache beteilige ich mich ja auch nicht an dieser Diskussion, weil ich sie tatsächlich als sehr müßig empfinde.
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Um zum Ursprungsthema zurückzukehren:
Die erste Frage, die man klären müsste, wäre ja, ob es die Unterscheidung vergeudete vs. verlorene Zeit wirklich noch gibt.
Wir haben ja schon festgestellt, dass die entsprechende DFB-Anweisung im Regelheft kürzlich verschwunden ist.
Wenn man nach "vergeudete zeit fußball" googelt, bekommt man zuoberst Einträge aus diesem Forum hier und keine aktuellen Links.Gibt es also irgendwelche belastbaren Hinweise darauf, dass man noch unterscheiden soll?
Vielleicht können unsere Lehrwärte etwas dazu sagen? -
Warum also beim Stand von „Hoffnungslos“ gegen „Desaströs“ noch minutenlang die Uhr runterlaufen lassen?
Jetzt sind wir km-weit von der ursprünglichen Fragestellung entfernt. Denn wenn wir zwischen verlorener und vergeudeter Zeit unterscheiden wollen, müssen wir zunächst akademisch aufdröseln, welche Unterbrechungen zur normalen Spielzeit gehören, die der Regelgeber gar nicht als nachzuspielen ansieht. Denn alle in Regel 7.3 genannten Punkte, inkl. Zeitschinden, müssen nachgespielt werden.
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Muss man dasselbe Thema immer wieder neu zerreden? Ich versuche in der Praxis einen guten Mittelweg aus dem Wahnsinn in der Bundesliga, den Regeln und den betonklassenspezifischen Notwendigkeiten zu finden. Dazu brauche ich weder Uhr noch die 200. Erläuterung von Lehrwarten.
Da es sowohl in der Bundesliga als auch in den Kreisspielklassen große Unterschiede in der Regelanwendung gibt suche ich meinen Weg in der Mitte und mit klarer Ansage. Damit fahre ich gut.
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Oben das Regelheft von 23/24, unten von 24/25.
Die geänderte Auslegung wurde tatsächlich nie gesondert kommuniziert, sondern ist mir bei der routinemäßigen Vorbereitung eines Neulingslehrgangs aufgefallen.
Ansonsten gehöre ich ja noch zur Generation "Die Nachspielzeit ist der Tod des Schiedsrichters"...

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Puh, da wird jeder Schmodder an Regeländerungen ausführlich durchgekaut, aber solche Dinge werden nicht erwähnt - und sind weniger sorgfältigen Lehrwarten vermutlich auch nicht bekannt ... kann es irgendwie nicht sein, passt aber zum Chaos beim parallelen Thema "Pfiff beim Schiedsrichterball".