Das Mantra der Ahnungslosen

  • Gefährliches Spiel liegt nur dann vor, wenn der Angreifer aus Angst vor einer Verletzung seinen Schussversuch abgebrochen hätte.

    Das ist in der deutschen Fassung falsch übersetzt.


    Erster Teilsatz:

    Playing in a dangerous manner is any action that, while trying to play the ball, threatens injury to someone (including the player themself)

    Als gefährliches Spiel gilt beim Versuch, den Ball zu spielen, jede Aktion, durch die jemand verletzt werden könnte (einschliesslich des Spielers, der die Aktion begeht)

    Zweiter Teilsatz:

    and includes preventing a nearby opponent from playing the ball for fear of injury.

    und die einen in der Nähe befindlichen Gegner am Spielen des Balls hindert, weil er eine Verletzung befürchtet.


    Dieser zweite Teilsatz ist sinnenstellend falsch übersetzt.

    Während das im Deutschen wie Du richtig bemekrst als notwendige Bedingung formuliert ist, ist es im Originaltext nur klarstellend formuliert, dass es auch dann noch gefährliches Spiel ist, wenn der Gegner aus Angst vor einer Verletzung zurückzieht.

  • KozKalanndok Dann einigen wir uns darauf, dass ein Gegenspieler auch in spielbarer Nähe sein muss mit der realistischen Chance den Ball auch zu spielen, damit „jemand verletzt werden könnte“. Tatsache ist aber auch, dass das gesteckte Bein in einem Zweikampf auch als fahrlässiges Tackling ausgelegt werden kann.


    Die Lösung idF für den Angreifer und Gelb gegen den Angreifer ist für mich absurd.


    Entweder Weiterspielen, weil zuerst Ball gespielt und der andere den Fuß trifft oder Strafstoß wegen gefährlichem Spiel mit Kontakt, das dann eben zu einem Vergehen nach 12.1 führt.


    SixthSCTF Ja, es geht wieder los. Deshalb sind wir doch hier 😂💪.

  • Eines der großen Probleme bei der Bewertung von Foulspielen ist ja, dass eine Berührung immer wechselseitig erfolgt. Wenn ich meinem Gegner das Bein stelle ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er mich mit eben jenem Bein auch tritt. Nun gilt es zu bewerten, welche der beiden Aktionen möglicherweise zumindest "fahrlässig" war. Und da ist meiner Ansicht nach es in vielen Fällen durchaus legitim anzunehmen, dass der beinstellende Spieler nicht fahrlässig handelt, wenn er direkt vorher den Ball gespielt hat.

    Die Szene aus dem Video verdeutlicht das meiner Anischt nach sehr gut. Der Verteidiger geht mit gestrecktem Bein zum Ball und spielt ihn. Der Stürmer versucht einen Schuss, tritt jedoch dem Verteidiger gegen den Fuß. Zur Bewertung, ob einer der Spieler mindestens fahrlässig handelt liegen nun verschiedene Indizien vor, z.B.:


    - Der Verteidiger hat den Ball gespielt, der Stürmer nicht

    - Der Verteidiger trifft den Stürmer mit der ungefähr hüfthoch gehaltenen Sohle

    - Die Intensität des Kontaktes resultiert überwiegend aus der Bewegung des Stürmers

    - Der Verteidiger kann den Ball nur mit dem gestreckten Bein spielen


    und sicherlich fallen jedem Einzelnen noch weitere Punkte ein, die man berücksichtigen könnte.


    Wie ging es in der Szene eigentlich weiter? Gab es SR-Ball oder Freistoß für die Verteidiger?

  • Regeltechnisch kann es eigentlich nur einen SR-Ball mit dem TW gegeben haben, dem Stürmer ein Foul anzudichten wäre zuviel des Guten. Aber wir haben in dieser Sasion ja schon einige kuriose Spielfortsetzungen gesehen.

  • Da der SR das Spiel unterbrochen hat muss er es ja auch irgendwie fortsetzen. Beim Fehler des SR gibt es dann halt den SR-Ball.

  • Ok, vielleicht schreiben wir über über unterschiedliche Szenen. Nur wenn ein Spieler den Ball mit dem gestreckten Bein in diese Höhe spielt und unmittelbar danach trifft der andere ihn heftig mit dem Spann, kann es m. E. nicht Nichts sein.

  • Referenz war doch das Video, in dem der SR seine Entscheidung korrigiert hat. Und die Frage von @nemeta war: Wie ging es eigentlich weiter ?

  • Mein Gedanke war auch, dass mindestens ein Spieler gegen die Regeln verstoßen haben müsste. Wenn beide gleichzeitig gegen die Regeln verstoßen, ist dann SR-Ball die korrekte Fortsetzung?

  • Es ging mit SR-Ball weiter, den Ball bekam der TW.

    Bin selber kein Schiedsrichter, aber (inzwischen ehemaliger) Vereinsfunktionär mit Erfahrung in der Mannschafts- und SR-Betreuung.

  • Mich stört an der Szene eigentlich etwas ganz anderes:
    Das war für mich keine klare Fehlentscheidung des SR, da die Entscheidung auf Strafstoß definitiv vertretbar war.


    Ansonsten kann ich mich mit "weiterspielen", hier eben durch den erfolgten Pfiff zwangsläufig SR-Ball, anfreunden - konstatiere aber gleichzeitig, gerade weil wir an anderer Stelle darüber diskutieren, ob der Strafstoß nicht eigentlich eine zu scharfe Strafe darstellt, dass ich den SR-Ball in der heute gültigen Variante hier als ungerecht empfinde, denn damit ist die Situation im Strafraum definitiv geklärt, obgleich sie das vorher nicht war (da war die alte Variante des SR-Balles gerechter).

  • Mich stört, wie man hier auf Weiterspielen entscheiden kann. Wenn das ein ganz normales, regelkonformes Zusammenprallen zweier Füße darstellen soll, habe ich jahrelang nach falschen Regeln gepfiffen.🤔

  • Pfeifst Du eigentlich (noch)? Wie oft geht es in den Gesprächen vor und nach dem Spiel um Szenen aus der Bundesliga - und zwar genau auf Basis dessen, was eben in den Spielberichten gezeigt wurde. Wenn da die Karte fehlt, wird das verdammt oft mit dem Umstand gleichgesetzt, dass es keine Karte gab, die Wenigsten machen sich die Arbeit und checken, ob es nicht doch eine Karte gab; und wer es in kicker und Co. liest, zieht keineswegs automatisch den Rückschluss zur entsprechenden Szene, weil die Karte aus Fansicht oft eher uninteressant ist.

    Was redest du da?

    Natürlich geht es öfter mal um Entscheidungen in der Bundesliga, nehme ich auch wahr. Aber da geht es dann um die großen Aufreger.


    Du behauptest, weil eine gelbe Karte in der Sportschau nicht gezeigt wurde (obwohl sie korrekterweise gegeben und in allen zugänglichen Spielberichten vermerkt ist), dass Spieler glaubten, für solche Szenen gäbe es eine gelben Karten? Das ist mehr als absurd.


    Wie viele gelbe Karten eines Bundesliga-Samstags werden in der Sportschau gezeigt? Allenfalls ein Bruchteil, manchmal auch gar keine. Das habe ich absolut noch nie als Thema fu dem Platz oder nach dem Spiel erlebt.


    "weil die Karte aus Fansicht oft eher uninteressant ist.". Aha, sind wir uns ja doch einig.


    Zurück zum Thema: Knut Kircher hat kürzlich ein Amateur-Spiel geleitet, hier auch einige Stammtisch-Aktionen dabei (wobei ich seine insgesamt gute Spielleitung nicht herabwürdigen will): Bspw ab Minute 10, wo er zuerst ein fahrlässiges Foul als "rücksichtslos" bezeichnet (aber natürlich keine gelbe Karte folgt), und kurz danach ein klares und für mich rücksichtsloses Foul, bei dem er auch stoisch auf den Umstand "Ball gespielt" beharrt: https://youtu.be/0sFrJyiQJYE?si=HObZbMIQfgdMki1i&t=613

  • Was redest du da?

    Ohne persönlichen Angriff geht es wohl nicht ...

    dass Spieler glaubten, für solche Szenen gäbe es eine gelben Karten? Das ist mehr als absurd.

    Das ist Deine - übrigens weder maßgebliche noch nach meinen Erfahrungen zutreffende - Meinung. Und es ist auch nicht wichtig, wie viele persönliche Strafen nicht gezeigt werden, interessiert am Ende auch kaum jemanden, aber in Schlüsselszenen, da macht es eben doch einen sehr großen Unterschied, ob es da eben "nur" Elfmeter (um den Jargon zu übernehmen) oder auch eine Karte gibt (und da auch welche Karte es ist); das kannst Du jetzt munter weiter leugnen, daraus lässt sich höchstens schließen, dass Du nicht viel mit Spielern und Trainern vor und nach dem Spiel sprichst.


    Und dass unsere Spitzen-Schiris nicht immer die besten Vorbilder bezüglich formal korrekter Entscheidungen sind, sollte doch allgemein bekannt sein, was bekanntlich auch bei Collina schon so ... und setzt sich heute, offiziell geduldet bis schon fast übernommen, in halbseidenen Aussagen a la "War mir für einen Strafstoß zu wenig" fort (entweder war es ein Foul, dann muss man das ahnden, auch wenn es ein Strafstoß ist, oder es war eben kein Foul, "zu wenig" kennt das Regelwerk nicht).

  • Gibt es jetzt hier eine abschließende Lösung, welche Kollateralschäden bei „Ball gespielt“ offiziell toleriert werden und welche nicht?