Gefährliches Spiel... Mal anders?

  • Freitagabend, ein Spiel der Kreisklasse – gepflegter Rasen, freundliche Gesichter, das übliche Nichts zu berichten.


    Und doch, inmitten dieses sportlichen Einheitsbreis, eine Szene, die mich zum Nachdenken brachte. Nicht wegen des Spiels, sondern wegen der Regel, die dahinter steckt.


    Da steht man plötzlich nach einem Abschlag ins Mittelfeld , mitten im Chaos mehrerer Kopfballduelle. Der Ball fliegt unkontrolliert durch die Luft, und plötzlich – ein Nike-Logo auf Kunststoffschuh mit Stollen – fliegt an meiner Nase vorbei, trifft den Ball, und ich bin heilfroh, dass meine Nase verschont bleibt.


    Frage 1:

    Ein Moment, der so banal ist, dass man ihn fast schon vergessen könnte - ist ja nix passiert. Doch genau hier liegt die Frage:

    War das gefährliches Spiel im Sinne von Regel 12, Abschnitt 2, Aufzählung 1?


    Frage 2:

    Es ist eine dieser Situationen, die den Regelkatalog auf die Probe stellt wenn man die Situation konsequent weiter denkt:

    Was wäre wenn der Spieler mich – sagen wir mal – im Umkreis von 15 Zentimetern meiner Nase getroffen hätte.

    Wäre das dann ein Kontaktvergehen (Klassifiziert nach "Fahrlässig, "Rücksichtslos", "übermäßig Hart") mit all seinen Konsequenzen in Spielstrafe und pers. Strafe?


    Es ist wie es ist, bitte diskutiert nicht das warum und wieso man in eine solche Situation gerät und wie man so etwas vermeiden kann. Beantwortet doch bitte die Frage und diskutiert diese Ergebnisse.


    Frage 3

    Und noch weiter gedacht:


    Ein vermurkster Pass prallt an einem Spieler ab, der Ball fliegt unkontrollert in meine Richtung. Ehe ich mich versehe Grätscht ein Spieler Richtung Ball -warum auch immer er das macht ist hierbei egal er will halt den Ball spielen. Anstatt des Balls trifft er mich mit offener Sohle knapp unterhalb des Knies.

    Eine Situation die bei einem Zweikampf klar dF und FaD geben würde. Aber ich bin der Schiri?

  • Meine Einschätzung:


    Frage 1:

    Nein, weil kein in der Nähe befindlicher Gegner am Spielen des Balls gehindert wird.


    Frage 2:

    Nein, weil es kein Vergehen gegenüber einem Gegner ist.


    Frage 3:

    Freistoß nicht, aus dem selben Grund wie bei Frage 2.

    Über "grobes Foulspiel" kann man diskutieren, aber ich denke, so eine Aktion stellt nicht wirklich ein Tackling oder Zweikampf dar.


    Also für mich in allen Fällen Weiterspielen (oder Unterbrechung + SR-Ball, wenn nötig).

  • Vorwort:

    Ohne Rücksicht auf Sinn und Geist argumentiere ich hart am englischen Regeltext, weil der deutsche Regeltext hier sinnentstellend übersetzt wurde (vor allem was das gefährliche Spiel angeht). Und da auch im deutschen Regelbuch festgelegt ist, dass bei Übersetzungsfehlern die englische Formulierung gilt, ist das eben so. Es sind aber noch die Regelbücher von 24/25, weil ich die im Browser immer direkt neben dem SR-Forum geöffnet habe. Müsste ich mal aktualisieren.


    Zu Punkt 1:

    Ja, das ist gefährliches Spiel.

    Zitat

    Playing in a dangerous manner is any action that, while trying to play the

    ball, threatens injury to someone (including the player themself ) and includes

    preventing a nearby opponent from playing the ball for fear of injury.

    Die "action" ist das Nike-Logo vor der Nase des SR.

    Das "thretens injury" ist, weil das Nike-Logo nur knapp, aber mit beachtlicher Energie vor der Nase durchgeht.

    Und der "someone" ist in diesem Fall der SR.

    im deutschen ist die Formulierung dazu sinnentstellend anders.

    Dort sind die beiden Teilsätze als zwei Elemente formuliert, die beide erfüllt sein müssen. Es fehlt das, was das "includes" aussagt.

    Entscheidung: idF für den Gegner des Nike-Logos


    Zu Punkt 2:

    Es ist kein Kontaktvergehen nach 12.1.

    Die dort gelisteten Vergehen kann man nur gegen Gegner begehen.

    Gegen einen Schiedsrichter kann nach dem Regelwerk keine fahrlässigen Vergehen begehen.

    Beim Vergehen gegen einen Schiedsrichter wäre wenn überhaupt nur Tätlichkeit einschlägig, aber erst, wenn wir bei übermäßig hart oder brutal sind..

    In Deinem geschilderten Fall mit fahrlässigem Treffer nach gefährlichem Spiel würde meiner Meinung trotz Kontakt nur das gefährliche Spiel selbst als ahndungswürdig übrig bleiben.

    Entscheidung: Weiterspielen, ggf. wegen eigener Unpässlichkeit unterbrechen und dann mit SR-Ball weiter. idF für den Gegner des Nike-Logos.


    Zu Punkt 3:

    Und da sind wir bei dem, was ich in Punkt 2 schon angesprochen habe.

    Du beschreibst, dass ein Spieler dafür alleine für die Intensität Rot sehen würde. Da sind wir also bei "übermäßig hart oder brutal".

    Damit ist das dann eine Tätlichkeit (violent conduct) gegen den Schiedsrichter.

    Zitat

    Violent conduct is when a player uses or attempts to use excessive force or brutality

    1) against an opponent when not challenging for the ball, or

    2) against a [...] match official [...] regardless of whether contact is made.

    Dass das im Kampf um den Ball stattfindet ist hierbei unerheblich. Der Kampf um den Ball ist nur dann ein Ausschlusskriterium für eine Tätlichkeit, wenn es gegen einen Gegner geht.

    Auch hier ist die deutsche Übersetzung wieder sinnentstellend, aber nur wenn man ganz diplomatisch formuliert. Meiner Meinung nach ist die deutsche Übersetzung eine ganz andere Regel und hat mit dem englischen Original nichts zu tun.

    Entscheidung: idF für den Gegner des Nike-Logos (Vergehen, dass nicht in den Regeln erwähnt ist), FaD gegen das Nike-Logo

  • "Tacklings oder Zweikämpfe, die die Gesundheit des Gegners gefährden ODER übermäßig hart oder brutal ausgeführt werden"

    Es reicht also grundsätzlich übermäßige Härte oder Brutalität für den Tatbestand "grobes Foulspiel".


    Und ja, der englische Text bringt da in der Tat bei Frage 1 und Frage 3 ein anderes Ergebnis als der deutsche Text...

  • Und ja, der englische Text bringt da in der Tat bei Frage 1 und Frage 3 ein anderes Ergebnis als der deutsche Text...

    und dann sei auf den ersten Absatz in den Anmerkungen zu den Spielregeln verwiesen, die im deutschen unmissverständlich sind und sinngemäß sagen: Der deutsche Text ist für'n Hintern.

    Zitat

    Der IFAB veröffentlicht die Spielregeln auf Deutsch, Englisch, Französisch und

    Spanisch. Unterscheiden sich die Versionen im Wortlaut, ist der englische Text

    massgebend.

    Wobei ich da der deutsche Text beim gefährlichen Spiel noch recht nah am englischen Text ist. Es macht aber bei der Bewertung keinen Unterschied ob man es als grobes Foulspiel oder Tätlichkeit bewertet. Gibt auf persönlicher Ebene für beides Rot und als Matchstrafe ist ein "Vergehen gegen den SR" nicht vorgesehen, also idF wegen Fallbackregelung.

  • Sorry, an dieser Stelle sehe ich das etwas anders.


    Rein formal kann man weder ein gefährliches Spiel gegen den Schiedsrichter begehen noch ein Foulspiel an ihm verüben - aber das ist m.E. definitiv zu kurz gedacht und nicht mit Sinn und Geist der Regel vereinbar, weil eben schlicht davon ausgegangen wurde, dass das Spiel zwischen den beiden Mannschaften ausgeübt wird und der Schiri nur neutraler Beobachter ist. Gleichwohl ist der Schiri eben mehr als nur ein notwendiges Übel, weil zwingender Bestandteil des Spiels, der soll genau so vor "zweifelhaften" Attacken geschützt werden wie der Gegenspieler. Damit ist für mich klar, dass wir in jedem Fall über Regelverstöße reden und allenfalls noch fraglich ist, welche Spielfortsetzung korrekt wäre, denn da könnte man tatsächlich zu unterschiedlichen Auffassungen - der SR-Ball könnte immer eine Option sein - kommen.


    Bei Frage 1 ist spätestens nach dem englischen Regeltext aber klar, dass hier idF und Verwarnung fällig sind, weil ausdrücklich "someone" betroffen sein kann, also Gegenspieler wie Mitspieler und damit konsequenterweise auch der Schiri.


    Bei Frage 2 bin ich Verfechter einer harten Linie, wer einen solchen Kontakt mit dem Schiri in Kauf nimmt, begeht eine Tätlichkeit, ergo eine klare Rote Karte und tendenziell sogar ein Abbruch, wenn kein Abbruch, dann wäre aber hier die Grübelei angesagt, ob idF oder SR-Ball, da bin ich mir spontan nicht sicher.


    Bei Frage 3 wird es noch deutlicher, es spielt keine Rolle, ob das aus Versehen passiert oder nicht, weil es nicht passieren darf, das ist im Sinne der Regel brutales Spiel und zieht die Rote Karte nach sich und auch hier bin ich einem Abbruch näher als einer Spielfortsetzung, auch hier müsste ich aber erst einmal nachdenken, ob idF oder SR-Ball richtig wäre.

  • Nachtrag:

    War gestern etwas spät für meinen Beitrag, deshalb 3 Dinge, die ich heute deutlich klarere sehe:


    1. idF bei gefährlichem Spiel.

    Hier bezieht sich das Regelwerk auf denjenigen, der gefährlich Spielt. Gegen wen ist da gar nicht erwähnt. Es genügt also gefährdend zu Spielen und schließt sogar auch die Eigengefährdung mit ein. Was man immer auch jetzt für abstruse Fälle konstruieren kann. Sobald also Irgendjemand gefährdet wird ist der Tatbestand gegeben. Ergo wie @ KozKalanndok richtig Schlussfolgert auch der SR

    Auch wenn im deutschem Regeltext nicht explizit jemand erwähnt wird. Gemäß des Sinns der deutschen Übersetzung ist es doch so, das derjenige bestraft wird, der etwas gefährliches tut.


    2. dF bei Vergehen gegen Spieleoffiozeille


    Bei Vergehen gegen Spieloffizielle haben wir oft nur das Kopfkino einer Tätlichkeit gegen den Schiri. Das aber auch durch Übermut, unkoordiniertem Verhalten, Unbedachtheit, Unachtsamkeit, etc. der Schiri getroffen wird ist oftmals gar nicht so präsent.

    Dies mal in die Regelaufmerksamkeit zu rücken war die Intention meines Beitrags.

    Die Antwort auf Frage 2 und 3 meines Eingangsbeitrags ist übrigens einfacher als man denkt -

    WEIL- Ich zitiere hier einen Schirkollegen aus dem Kreis, dessen Antwort mich heute früh erreichte : "Wer (zu Ende) lesen kann ist klar im Vorteil!"

    Regel 12 Absatz 5 hat hier die Lösung (siehe nebenstehenden Screenshot.











    3. Das englische Original versus die deutsche Übersetzung


    Es ist nicht hilfreich immer wieder den englischen Originaltext zu zitieren, auch wenn dieser aussagt, das bei "Übersetzungsdifferenzen" der Originaltext bindend ist.


    Dieser Denkansatz ist definitiv Falsch, sofern es sich um die im Geltungsbereich des DFB handelt. Der DFB setzt ein Fußball Regelwerk für seinen Geltungsbereich in Kraft. Niemand kann und darf dem DFB vorschreiben nach welchen Fußballregeln er in Deutschland Fußball spielen möchte.

    Dies gilt im übrigen auch für die dem DFB nachgeordneten Regional und Landes und ggf sogar Kreisverbände. Dies sind de jure eigenständige e.Vs mit eigenen Regeln und Satzungen. Das diese die DFB Regeln übernehmen ist natürlich sinnvoll, die Praxis zeigt jedoch (siehe Tante Verbandsspezifisch und Onkel Kreisspezifisch) das dem mitnichten so ist.


    Der Passus der "Übersetzungsdifferenzen" im englischem Originaltext bezieht sich ausschließlich auf Spiele im Internationalem Rahmen.


    Dennoch abschließend auch hier eine Einschränkung.

    Es ist jedoch trotzdem hilfreich, den englischen Original-Regeltext mal zu Rate zu ziehen um zu verstehen, was sich der Regelgeber bei der ein oder anderen Rehelformulierung gedacht hat

  • Der Passus der "Übersetzungsdifferenzen" im englischem Originaltext bezieht sich ausschließlich auf Spiele im Internationalem Rahmen.

    Da muss ich Dir ganz klar Kontra geben.

    Im aktuellen vom DFB veröffentlicheten Regelwerk 2025/26 steht auf Seite 2 wortwörtlich folgendes drin:

    Kein Verweis auf "nur bei internationalen Spielen" oder sonst irgendwas. Das ist eine Anmerkung des DFB zu seinen eigenen Regeln, die im gesamten DFB-Geltungsbereich wirksam ist.

    Wer die DFB-Regeln übernimmt, übernimmt immer auch den Übersetzungsfallback, es sei denn er wird ausdrücklich ausgenommen.

  • Naja, aber wenn du hier nur mit dem deutschen Regeltext arbeiten willst, ändert sich schon die Antwort:


    1. Es kann kein gefährliches Spiel sein, weil

    "und die einen in der Nähe befindlichen Gegner am Spielen des Balls hindert" nicht erfüllt ist


    2. Frage 3 kann keine Tätlichkeit sein, weil "ohne Kampf um den Ball" nicht erfüllt ist.

  • 1. Kein gefährliches Spiel, da kein Spieler am Spielen gehindert wurde. Die Klub-WM, Bayern vs Paris, kurz Schluss bestätigt diese Auslegung, da Müller weder berührt wurde noch dem Kopf zurückgezogen hat. Ansonsten hätte die korrekte Spielfortsetzung ja idF und nicht SRB lauten müssen.


    2. und 3. Wenn der Schiedsrichter getroffen wird, dann muss es den direkten Freistoß/Strafstoß und je nach Härte die dementsprechende Karte (mindestens gelb) geben. Die Spieler sind für ihr Handeln und dessen Wirkung verantwortlich, auch wenn der Treffer unabsichtlich war.

  • Zu 1: für mich ganz klar kein gefährliches Spiel

    Zu2: dazu müsste man wissen, wo sich der Fuß de Spielers befand, solange der unterhalb Brusthöhe ist, würde ich auch gefährliches Spiel verneinen. Und persönliche Strafe fürs falsches Schuhwerkhandlig, scheint mir sehr fraglich.

    Zu 3: So ne ähnliche Situation hatte ich mal in England bei nem Spiel, der Spieler ging natürlich mit rot vom Platz, was auch von seinem - eigentlich sehr impulsiven Trainer - klaglos akzeptiert wurde

  • 1. Kein gefährliches Spiel, da kein Spieler am Spielen gehindert wurde. Die Klub-WM, Bayern vs Paris, kurz Schluss bestätigt diese Auslegung, da Müller weder berührt wurde noch dem Kopf zurückgezogen hat. .....

    Nicht jede Auslegung eines SR auf oberster Ebene ist korrekt!

  • „Bei Frage 1 ist spätestens nach dem englischen Regeltext aber klar, dass hier idF und Verwarnung fällig sind, weil ausdrücklich "someone" betroffen sein kann, also Gegenspieler wie Mitspieler und damit konsequenterweise auch der Schiri“



    Wieso Verwarnung hier? Ist doch nur gefährliches Spiel —> Ind. Freistoß Vielleicht habe ich die Situation nicht ganz im Kopf wie du.

  • Ich war immer von einem Solo-Schuh ausgegangen, vielleicht klärt uns Mathias mal auf.

  • Ich war immer von einem Solo-Schuh ausgegangen

    Ok...also ich bin bei meiner Bewertung auch von "Schuh mit Inhalt und sich noch am Körper befindlichen Bein des Spielers" ausgegangen.

    Aber ich gebe Dir Recht, wenn man das Kopfkino dabei weglässt und wirklich nur liest, das da steht, darf man eigentlich nicht auf "hohes Bein" kommen :)

  • Bilder in ein-eindeutige Sprache zu übersetzen ist nicht immer einfach.