Doping mit Schmerzmitteln

  • Dieser Bericht beschreibt einen wohl recht weit verbreiteten "präventiven" Gebrauch von Schmerzmitteln bei Spielern bis hinunter in die untersten Ligen. Nun werden wir als SR dies eher selten feststellen, dennoch stellt sich die Frage, wie wir uns verhalten müssen, wenn wir davon Wind bekommen? Meldung im Spielbericht?


    Und: Wie viele von uns SR machen das? Ich erinnere mich an Christoph Schröders Buch, in dem er selbst angibt, im Zweifelsfall vor dem Spiel zwei Ibus einzuwerfen.

  • Hallo.

    Ich denke, dass hier die Parallelen zum Alkohol greifen: Habe ich den Eindruck, dass es Einfluss auf das Spiel hat Info an den Mannschaftskapitän und Mannschaftsverantwortlichen sowie Meldung. Ansonsten können wir selbst mit medizinischen Vorkenntnissen nicht entscheiden ob und in welchem Umfang die Einnahme veranlasst ist oder nicht.

    "Kondition ist nicht alles, aber ohne Kondition ist alles nix."
    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

  • Na ja, ich sprach ja nicht umsonst davon, dass wir davon Wind bekommen - beispielsweise durch mannschaftsweise Verteilung am Spielfeldrand, durch die offene Kabinentür, womöglich auch, manche Kabinen sind ja sehr hellhörig, durch Ansprache des Trainers … Und ob bzw. welchen Einfluss das auf das Spiel hat, ja, das können wir nicht einschätzen, dennoch bin ich der Meinung, dass ich so etwas im Spielbericht melden muss - was man dann daraus macht, ist nicht mehr meine Sache.

  • Die Herausforderung dabei ist:


    Das Symptome auf dem Feld in den meisten Fällen durch uns gar nicht zu beobachten sind, da wir

    • keine Vergleichswerte haben.
    • und unsere medizinischen Kenntnisse dafür kaum ausreichend sind.

    Mit etwas Zynismus: Selbst mit dem besten Dopingmittel wird "Kalle Kölsch" oder "Wodka Willi" in der Kreisliga kaum den Traumpass 30m diagonal in den Fuss seines Kollegen spielen können wenn er es ohne Doping nicht einmal schafft den unbedrängten Querpass aus 5 m Entfernung anzubringen.


    Wir definitiv beobachten müssen (Stichwort Blick in die Kabine) wie jemand sich irgendwelche Mittelchen einwirft.

    Dabei besteht dann die Herausforderung,

    • das wir für den Einzelfall gar nicht wissen ob der Sportskamerad ein medizinisch verordnetes Präparat nimmt welches nicht auf dem Index steht.
    • ein medizinisch verordnetes Präparat nimmt, welches auf dem Index steht es sich aber um einen medizinisch erlaubten Ausnahmefall handelt.
    • der Kollege sich "völlig Harmlose "Traubenzuckerdragees" oder "Globolies" einwirft.


    Einzig wenn der Kollege "Schnee in der Kabine" entfernmt oder sich einen Schuss setzt wissen wir das hier etwas nicht stimmt.


    Es bleibt also nur die verdachtsorientierte Meldung im Spielbericht -die man möglichst vorsichtg formulieren muss (Stichwort Verleumdung)

  • Was willst du denn genau melden?
    Ibuprofen z.B. ist halt kein verbotenes Dopingmittel.


    Es ist also (im Moment) noch vollkommen legal sich vor dem Spiel eine Ibu einzuwerfen.


    Ich sehe da keinerlei Aufgabe noch Befugnis für den SR irgendwas zu machen.
    Selbst wenn der Spieler vor dir steht und sagt "Ah ich hab meine Ibu vergessen" und die dann nimmt, sehe ich nichts was den SR angeht.


    Und ja ich hab die letzten Jahre auch öfter vor dem Spiel eine Schmerztablette eingeworfen.
    Mir sind die möglichen Folgen durchaus bewusst, aber sie sind es mir wert noch ein wenig Fußball spielen zu können.

    Ist halt Risikoabwegung. Das macht man ja grundsätzlich schon wenn man den Fußballplatz betritt.

    Auch da kann man plötzlich so stark verletzt werden, dass es Auswirkungen auf das zukünftige Leben hat.
    Was mich z.B. an all den Texten die bisher zu dieser "Studie" rausgekommen sind stört ist:
    Es wird immer gesagt "X erhöht das Risiko Y zu bekommen"... aber nirgendwo steht das ursprüngliche Risiko dabei.

    Wenn mein Risiko für Y 0.00001% ist und X das Risiko verdoppelt dann sind das immer nur noch 0.0001%.
    Ohne das Grundrisiko zu nennen sind Aussagen wie "Es erhöht das Herzinfarktrisiko um X%" doch vollkommen unbrauchbar.

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Am Ende kann man nur eine Feststellung der Einnahme "habe ich gesehen, dass Pillen genommen wurden / sollten auf von mir gehörte Anweisung durch den Trainer genommen werden" festhalten. Was in welcher Dosis eingenommen wurde - Spekulation. Und sofern keine ersichtlichen Auswirkungen wie abweichendes Verhalten bzw. Ausfälle dann hierauf zurück zu führen sind ist dann auch noch mal fraglich. Daher wäre ich mit Meldungen, wenn nichts vorgefallen ist, vorsichtig, wenn ich nichts belegbares habe.

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    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

  • Was willst du denn genau melden?
    Ibuprofen z.B. ist halt kein verbotenes Dopingmittel.

    Genau das meine ich.


    Ich kann überhaupt nicht beurteilen was sich der Spieler da einwirft. Selbst wenn ich sehe was auf der Verpackung steht weis ich immer noch nicht ob das Medikament auf dem Index ist. Damit ist nahezu jede Meldung eine Verdachtsmedung, deren Überprüfung nachträglich kaum möglich ist.


    jambala bringt es dabei auf den Punkt


    Daher wäre ich mit Meldungen, wenn nichts vorgefallen ist, vorsichtig, wenn ich nichts belegbares habe.

  • Gibt auch Leute, die mehrere Medikamente in einer Verpackung transportieren.

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    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

  • Ihr beschränkt das zu sehr auf den undifferenzierten Einzelfall. Ich komme noch mal auf das Beispiel zurück, wenn ich höre, dass der Trainer in seiner Ansprache die Spieler auffordert, ihre Ibuprofen-Tablette zu nehmen: In diesem Fall würde ich genau diese Aufforderung im Spielbericht erwähnen, natürlich weiß ich nicht, wer der Aufforderung Folge leistet. Gleiches gilt, wenn man am Spielfeldrand vor meinen Augen die Dinger verteilt oder beispielsweise zum Abschluss jeder "Behandlung" auf dem Spielfeld - und sorry, niemand wird Traubenzucker in einer Ibu-Schachtel transportieren.


    Meines Erachtens gilt da immer noch: Melden befreit - was man mit diesem Eintrag dann macht, muss mich nicht interessieren.

  • Meines Erachtens gilt da immer noch: Melden befreit - was man mit diesem Eintrag dann macht, muss mich nicht interessieren.

    Zumindest hier muss man Manfred jedoch recht geben.


    Offenbar - und hier beziehe ich mich auf das, was der Artikel zwischen den Zeilen aussagt - ist das Ausmaß des "Medikamentenmissbrauchs" auf der Amateursportebene kaum im Bewusstsein der Verantwortlichen.


    Eine Meldung von Auffälligkeiten - auch wenn diesen vielleicht nicht nachgegangen wird oder nicht nachgegangen werden kann - würde zumindest etwas licht in eine bisher völlig unbekannte Dunkelziffer bringen. Auch wennich als SR nicht feststellen kann WAS da im einzelfall eingenommen wurde.


    By the way:

    In diesem Zusammenhang fällt mir gerade eine Altherrenmannschaft (Ü35) ein, die vor dem Spiel in der Kabine -quasi als Ritual- immer "einen Kurzen" trinkt, der die Trikotfarbe des Gegners hat. Ist das Doping?

    Ich empfinde das inzwischen als witziges Ritual, zumal der Betreuer in seiner Kiste ein Sammelsurium an Schnapsflaschen mit unterschiedlichen Getränkefarben hat.

    Sehr freundlich wird mir dann auch immer einer Angeboten den ich mit den ebenso freundlichen Wotrne ablehne, das ich vom Gegner gerade einen Schnaps in einer anderen Trikotfarbe bekommen habe und ich ja dann mindestens zwei trinken müsste.

  • Das ist schon ersichtlich, was Du meinst, Manfred, und da bin ich auch drauf eingegangen. Du meldest Deine Feststellung. Hast aber keine konkreten Belege bzw. wirst wahrscheinlich nicht namentlich benennen können, wer etwas und was eingenommen hat.


    Nun verliert die andere Mannschaft, legt aufgrund Deiner Meldung Einspruch ein und das Verfahren wird eingestellt, weil es eben keine Belege gibt, dass wirklich missbräuchlich und damit gegen die Spielordnung Substanzen eingenommen wurden. Das passiert zwei Mal, und anschliessend sind Meldungen wirkungslos. Von daher würde ich solche Meldungen nur dann machen, wenn ich sagen kann, wer hat angewiesen, wer hat ggf. verteilt und wer hat eingenommen. Nur wenn so konkret benannt werden kann ist aus meiner Sicht überhaupt erst eine Grundlage für das Sportgericht gegeben. Und dann stellt sich noch die Frage - ist der Gegner wirklich sauber oder waren dessen Spieler schlicht nicht richtig 'eingestellt'?

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    Gerhard Theobald, ehemaliger Bundesliga-SR, zum Thema Grundlagen des Stellungsspieles

  • Mir das sowas von egal, was Spieler zu sich nehmen. Wieso sollte man hier eine Baustelle aufmachen?


    Wenn im Amateurfußball kein Doping oder Schmerzmittel
    gewünscht ist, muss der zuständige Verband/Bezirk/Kreis eine klares Konzept inklusive der Rechte und Pflichten der SR vorlegen.

  • Schau mal in deine Strafordnung, da gibt es recht genaue Vorgaben.

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  • Intéressante Einschätzung eines Anti-Doping-Wissenschaftlers:

    Bericht Kicker

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  • Ich möchte mich auch mal melden:


    Ich war auf der anderen Seite der Geschichte. Es gab Phasen vor ein paar Jahren, da konnte ich nur mit Dosen von über 1000 mg Ibuprofen halbwegs normal pfeifen. Ich behaupte, dass es vielen Spielern so geht. Und wie einige geschrieben haben: Ibu und andere "normale" Schmerzmittel sind nicht verboten. Wir können keinem Spieler irgendwas nachweisen, daher sollte die Unschuldsvermutung gelten. Und auf Vedacht eine Meldung schreiben halte ich für falsch. Dann wird die Meldung inflationär und wir kriegen eine Junge der Wolf schrie-Situation.

  • Ich persönlich habe sowas noch nie mitbekommen und selbst wenn, fällt es nicht in meinen Zuständigkeitsbereich sowas zu ahnden. Ich kann ja auch niemandem verbieten, eine Flasche Schnaps (oder andere Substanzen) vor dem Spiel zu trinken, da das allein gegen keine Regeln verstößt.

  • Ein sicherlich interessantes Thema, wobei man IBU 400 einfach in der Apotheke kaufen kann und die Einnahme völlig legal ist. Also gibt es kein Grund irgend etwas zu melden. Wie weit willst du den gehen Manfred, den Pausentee auf Alkohol testen ?

    Was ist mit dem Spieler der in der Halbzeitpause, heimlich auf Toilette eine raucht, positives Doping ? Willst du den auch melden? A_Kappi hat das bestimmt auch eine Meinung :)

    Aber das was Matze anspricht ist sicherlich auch interessant, gerade hier im Forum gibt es sicher noch andere die Erfahrungen haben. Gerade die alten Säcke , wie ich.

    Ich habe auch eine zeitlang mit Ibu gepfiffen, gerade nach Verletzungen um schmerzfrei zu pfeifen.

    Auch als Spieler habe ich nach einer Rippenverletzung mit Schmerzmitteln gespielt, aufgrund Spielermangel und ohne Wissen des Trainers. Hier kommt auch der andere Aspekt der Einnahme zur Sprache, Erwachsende können selbst entscheiden ob sie IBU einnehmen keiner kann sie zwingen sie einzunehmen und ich glaube auch nicht das hier der Gruppenzwang als psychologischer Druck zu stark ist.

    Noch eine andere Geschichte, ich hatte mal eine starke Erkältung und hatte vom Arzt Nasentropfen verschrieben bekommen, die hatte ich dann auch vorm Spiel als Spieler dann auch genommen und bin gerannt wie eine junger Gott.

    2 Monate später ist dann ein Bundesligaspieler wegen Einnahme dieses Mittel oder Wirkstoffes 2 Monate gesperrt worden! :(

    Also tolles Thema ! Aber keine Baustelle für Schiedsrichter !

    Es gibt Leute, die denken Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist. (Bill Shankly)

  • Matze, persönliche Frage von mir, ob ich richtig liege: War es eine Muskel- oder Bandverletzung und bevorzugter Schuh Copa, egal auf welchem Untergrund?

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  • Mir ist nur aufgefallen, sowohl von den SR als auch Spielern in meinem Bekanntenkreis, dass die meisten Muskelverletzungen und Bändergeschichten, die nicht durch Zweikämpfe zustande kamen, meist mit der falschen Schuhwahl für den Untergrund zusammen hängen. Und da sind mir speziell die Copa bei SR und Nike Mercurials sowie Adidas X bei den Spielern immer wieder genannt worden. Das glaubt mir nur fast keiner, dass man da aufpassen sollte, und ist den allermeisten aktiven Fussballern nicht bewusst.

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