Schnell ausgeführter Freistoß und persönliche Strafe

  • Einfach mal zu Ende gedacht:
    Eine Situation, bei der das Spiel mit Freistoß fortzusetzen wäre, bedingt auch eine persönliche Strafe. Bevor der SR den Ball sperren kann, ist der Freistoß bereits ausgeführt und führt auch zu einem aussichtsreichen Angriff - nach neuer Regel soll der SR laufen lassen und die Karte in der nächsten Unterbrechung nachzeigen. Nur: was ist eigentlich, wenn die nächste Spielunterbrechung wieder ein Freistoß ist, der schnell ausgeführt wird und zu einem aussichtsreichen Angriff führt?

  • Interessante Frage. Formell gilt wohl "Karte in der nächsten Unterbrechung nachzeigen", weil diese Aktion noch vor dem 2. Freistoß abzuarbeiten ist, der dadurch nicht schnell ausgeführt werden kann/darf.


    In der Praxis merke ich mir den Pappenheimer, und er bekommt seine persönliche Strafe eben (noch) ein paar Sekunden oder Minuten später...


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    "Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus!"
    (Gerd Rubenbauer, als der FIFA-Beauftragte am Spielfeldrand eine Minute Nachspielzeit anzeigte)

  • In der Praxis merke ich mir den Pappenheimer, und er bekommt seine persönliche Strafe eben (noch) ein paar Sekunden oder Minuten später...

    Was streng genommen ein Regelverstoß sein könnte.
    Genau wie es früher einer war die Karte nachzuzeigen, nach einer schnellen Freistoßausführung.

    Laut Regel darf halt nur in der nächsten Unterbrechung nachgezeigt werden.. nicht in der Übernächsten.

    Wobei.. witzig wird das ja erst, wenn es 5-6 schnelle Freistöße gibt, die alle mit gelb zu ahnden sind.. kann ja ansammeln und dann nach dem letzten Foul alle Spieler verwarnen.
    Die Gesichter würde ich gerne sehen :D

    Bin kein Schiedsrichter, nur ein Spieler Trainer der sich für die Regeln seines Sports interessiert :D

  • Nur: was ist eigentlich, wenn die nächste Spielunterbrechung wieder ein Freistoß ist, der schnell ausgeführt wird und zu einem aussichtsreichen Angriff führt?

    Regeltechnisch musst Du die pers. Strafe in der nächsten Spielunterbrechung zeigen, dementsprechend musst Du die nächste schnelle Spielforsetzung unterbinden. Wenn Du weiterlaufen läßt und sich daraus wieder eine klare Torchance ergibt, will eh keiner mehr die GK für eine Situation, die 2 Spielzüge vorher stattfand.

  • Schön und gut - und was, wenn wir nicht über eine Gelbe, sondern eine Rote Karte reden?


    Erste Spielminute, erster Angriff, der Angreifer wird sehr rustikal kurz vor der Strafraumgrenze abgesenst, zudem klare Torchance. Pfiff, aber der wenige Meter dahinter laufende Mitspieler erfasst die Situation und schießt den Ball, der ruhig am Tatort liegt, mit voller Wucht auf das Tor, trifft aber nur den Torwart (klarer kann der aussichtsreiche Angriff nicht sein). Der TW spielt den Ball aus Versehen direkt wieder dem Gegner in den Fuß, gleicher Vorfall wie eben: Der ballführende Spieler wird aus klarer Torchance regelwidrig vom Ball getrennt, der Mitspieler läuft durch und zieht ab, noch bevor der Schiedsrichter eine Chance hat, weiter zu intervenieren - und zu allem Überfluss geht dieser Ball auch noch ins Tor, eine Wiederholung wäre also definitiv nicht im Sinne der Regel. Gut, für das zweite rotwürdige Foul kann ich nachziehen, für das erste ebenso rotwürdige Foul aber nicht mehr (oder doch?). Und bei klaren Torchancen sollen wir bekanntlich auch bei rotwürdigen Vergehen nicht intervenieren - also was nun?


    Ja, sicher extrem, aber nur so bekommt man oft Klarheit - und bekanntlich gibt es nichts, was es nicht gibt.

  • Guten Abend,

    nach vielen Monaten bloßem "Mitlesen" habe ich mich durchgerungen aktiver Teil dieses Forums zu werden.


    Nun zu der Frage:

    Bei uns im Kreis kam ebenfalls diese Frage auf. Da sich für diese spezielle Situation keine klare Regelung besteht, nahm unser Lehrwart diese Frage mit und leitete diese weiter. Bis jetzt kam dazu noch keine Antwort. Sollte dazu etwas kommen, werde ich mich jedenfalls wieder melden.


    Bis heute hatte ich, nach einigen Ansetzungen unter neuem Regelwerk, keine Situation, in der eine Mannschaft sich aus der Regeländerung einen Vorteil verschaffte. Vielleicht liegt das an der Unkenntnis der neuen Regel oder an der Tatsache, dass Vergehen, die zu einem Freistoß führen in der Regel durch lautes Aufschreien und einigen Sekunden Bodenkontakt gekennzeichnet sind und eine schnelle Ausführung dadurch nicht praktiziert wird.

    Wie sich das entwickeln wird, halte ich für spannend. Bis jetzt überzeugt mich das noch nicht so ganz, weil ivh persönliche Strafen im Nachgang oft als verpufft ansehe und ihre Wirkung im Verhältnis zum zeitlichen Abstand einfach abschwächt. Für die Mannschaften ist die Regel ein klarer Vorteil- für den Schiedsrichter und seine Rolle als Spielleiter in Hinblick auf persönliche Strafen ein Nachteil.

  • Na ja, wenn die Verwarnung unmittelbar einer Ampelkarte gleichkommt oder es sich direkt um eine Rote Karte handelt, sehe ich kein "verpuffen" der persönlichen Strafe. Und wenn es nicht gerade die letzten Spielminuten sind, kann eine Verwarnung ein Spiel durchaus beeinflussen, da sie sich sowohl auf das Verhalten des Spielers auswirken kann (ab und an hört man tatsächlich auf dem Platz den Satz "Ich habe schon Gelb" oder ähnlich), spätestens wenn eine Ampelkarte daraus wird, ist es aus mit der Verpuffung.


    Aber nicht vergessen:
    Herzlich willkommen im Forum, neue Mitglieder mit guten Beiträgen sind immer eine Bereicherung!

  • So wird es wohl eine Tatsachenentscheidung (oder Bauchentscheidung, je nach persönlicher Einschätzung) des SR werden, ob er weiterlaufen lässt oder pfeift um die persönliche Strafe zu geben?


    Interessant ist für mich der Fall, was passieren kann, wenn ich die persönliche Strafe in der 2. (oder x-ten) Spielunterbrechung gebe. Liegt dann ein Formfehler vor, der ggf. dazu führt dass ein Spiel neu angestezt werden "muss"?


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    "Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus!"
    (Gerd Rubenbauer, als der FIFA-Beauftragte am Spielfeldrand eine Minute Nachspielzeit anzeigte)

  • Also uns ist mal gesagt worden bei einer roten Karte kein Vorteil geben und hinterher zeigen. Würde ich jetzt so auch bei einer schneller Freistoßausführung so handhaben und diese unterbinden.

    Gerade wegen diesem konstruierten Fall:


    TW verhindert durch Handspiel außerhalb des Strafraums ein Tor. SR pfeift. Noch bevor der SR am Tatort ist, schießt der Stürmer den Ball ins Tor.

    Gibts jetzt Tor und Rot? Oder Tor und Gelb?

  • TW verhindert durch Handspiel außerhalb des Strafraums ein Tor. SR pfeift. Noch bevor der SR am Tatort ist, schießt der Stürmer den Ball ins Tor.

    Gibts jetzt Tor und Rot? Oder Tor und Gelb?

    Es gibt Tor und Gelb. Dadurch, dass die Torchance durch die schnelle Ausführung wieder hergestellt wurde, bleibt's nur bei Gelb.

  • Steht sogar mal explizit in den Regeln - also keine Interpretation nötig:

    [...]

    das Team, das das Vergehen nicht begangen hat, führt den fälligen Freistoß schnell aus und kommt so zu einer klaren Torchance

    [...]

    Handelte es sich beim Vergehen um das Vereiteln einer offensichtlichen Torchance, wird der fehlbare Spieler verwarnt

    Es reicht also sogar das Entstehen einer klaren Torchance, der Ball muss nicht unbedingt ins Tor gehen damit bei einer "Notbremse" aus Rot Gelb wird.

  • Ich will auch noch mal darauf hinweisen, dass es sich mMn um eine klare Torchance handeln muss.

    Das entscheidet aber letztendlich die angreifende Mannschaft, indem sie schnell weiter spielt. Oder auch nicht. Und daran sollte sich der SR orientieren.

  • Also ist jede schnelle Spielfortsetzung als klare Torchance zu werten oder was bedeutet orientieren?

    Etwas späte Antwort... aber bei unserer SR-Sitzung hieß es, dass auch aussichtsreiche Angriffe ok sind und nicht die "klare Torchance" wortwörtlich zu nehmen ist. Nach beliebigen schnellen Fortsetzungen hat niemand bei uns gefragt. Hier würde ich persönlich aber eher zurückpfeifen und direkt die Karte zeigen.