Regel #3 - DFB Lehrmaterial

  • Hallo Kollegen, ich raff es gerade nicht. Wir hatten beim letzten Schiedsrichterabend zwei Regelfragen, die ich zum kommenden Lehrabend als "Aufhänger" hernehmen möchte. Dazu gehe ich nun das Regelbuch durch und die offiziellen DFB Neulingsfolien.


    Die beiden Fragen wären:


    (1)Ein mit Verwarnung vorbestrafter Spieler hat das Spielfeld wegen einer Verletzung verlassen. Einige Minuten später sieht der SR, wie eben dieser Spieler auf der eigenen Torlinie einen Torschuss mit dem Kopf zur Ecke abwehrt. Entscheidung?


    (2)Ein bereits ausgewechselter Spieler läuft auf das Spielfeld und spielt den Ball absichtlich mit der Hand, wodurch er aber nicht verhindern kann, dass der Gegner den Ball erreicht und ein Tor erzielt. Entscheidung?


    Die Beantwortung ist nicht das Thema, mich stören die DFB Folien, welche ich gerne zeigen möchte.


    Im Regelbuch steht unter Regel 3.8:


    Wenn ein Spieler, der die Erlaubnis des Schiedsrichters benötigt, um das

    Spielfeld erneut betreten zu dürfen, das Spielfeld ohne die Erlaubnis des

    Schiedsrichters erneut betritt, muss der Schiedsrichter

    • das Spiel unterbrechen (nicht unmittelbar, wenn der Spieler nicht ins Spiel

    eingreift oder einen Spieloffiziellen beeinträchtigt, oder wenn Vorteil

    gespielt werden kann),

    • den Spieler wegen unerlaubten Betretens des Spielfelds verwarnen


    Wenn der Schiedsrichter das Spiel unterbricht, wird das Spiel:

    • mit einem direkten Freistoß an der Stelle fortgesetzt, an der der Spieler in

    das Spiel eingegriffen hat;

    • mit einem indirekten Freistoß an der Stelle fortgesetzt, an der sich der Ball

    zum Zeitpunkt der Unterbrechung befand, wenn der Spieler nicht in das

    Spiel eingegriffen hat.[...]


    Jetzt zur Folie:


    Meine Frage ist nun, wie zum Teufel kommen die bei einem "Eingriff in das Spiel" auf einen indirekten Freistoß? Es ist schon spät, wo hängt es ggf. bei mir? Oder sind einfach nur die Folien missverständlich?

  • Inhaltlich sind die Folien schon richtig, da steht ja "je nach Art ... des Vergehens", allerdings ist die Überschrift falsch, spricht die doch fest vom Eingriff.


    Im Regeltext wird das letztlich aufgelöst, steht da doch, dass der Schiedsrichter unterbrechen muss, auf die unmittelbare Unterbrechung aber zunächst verzichten darf, wenn der Spieler nicht in das Spiel eingreift. Letztlich ist das die Vorteilsbestimmung, nur anders formuliert.


    Um genau(er) zu sein, bräuchte man neben der Korrektur der Überschrift zwei weitere Spalten, in denen abgefragt wird, welche Mannschaft im Ballbesitz ist und ob ein Eingriff erfolgt. Ist es die Mannschaft des Spielers, der unerlaubt das Feld betritt, ist sofort zu unterbrechen, die Spielfortsetzung wäre der indirekte Freistoß. Die Notwendigkeit der Unterbrechung besteht auch, wenn der Ball zwar im Besitz der gegnerischen Mannschaft war (hier darf bei fehlendem Eingriff das Spiel zunächst weiter laufen), der Ballbesitz aber wechselt (dann ist zu unterbrechen), auch hier greift der indirekte Freistoß. Gäbe es also die zusätzichen Spalten, wäre die Tabelle zweifellos aussagefähiger.

  • Um es komplett zu machen, es gibt auch eine Folie "ohne Eingriff in das Spiel". Da ist es klar, Vorteilsbestimmung beachten.





    Bei der ersten Folie (Direkter Eingriff) hab ich immer noch meine Denkblockade, da es laut Regelbuch nur einen direkten Freistoß geben kann. Mir fehlt da ein Beispiel, wie es zu einem "indirekten" Freistoß kommen kann, obwohl die Regel was anderes besagt. Deine Ausführung mit dem Ballbesitz lese ich auch nicht aus der Regel.

  • Beim Eingriff komme ich auch nur auf Umwegen zur Lösung indirekter Freistoß - und das auch nur als Vermutung:
    Ein Eingriff in der Form, dass ein Ball abgeblockt wird, der ausschließlich von einem Spieler erreicht werden kann, welcher im Abseits steht (analog zur unmöglichen Torverhinderung im vergleichbaren Fall).


    Die Sache mit dem Ballbesitz ergibt sich aus meiner Sicht aus dem Sinn und Geist der Regel. Ist die Mannschaft des Spielers, der da unerlaubt das Feld betritt, in Ballbesitz, macht es keinen Sinn, dass das Spiel nicht unterbrochen und mit Freistoß für den Gegner fortgesetzt wird. Der Ausnahmetatbestand, dass der SR das Spiel nicht unterbrechen muss, ist doch eindeutig nur sinnhaft, wenn die regelkonform handelnde Mannschaft damit einen Vorteil hat (steht übrigens auch fast wörtlich so in der Regel).

  • Das Problem ist, dass bei allen mir bekannten Regelfragen bzw. den Antworten immer die Empfehlung gegeben wird: wenn der behandelte Spieler nicht eingreift, (bei Ballbesitz der gegnerischen Mannschaft) das Spiel nicht unterbrechen und die Gelbe Karte erste in der nächsten Unterbrechung zu zeigen.


    Was ist aber, wenn der Vorteil nicht zum Torerfolg oder einer anderen Unterbrechung führt? Angenommen der Torwart fängt den Ball auf der Linie. Muss/ darf der Schiedsrichter jetzt unterbrechen und auf idF auf der Torraumlinie entscheiden? Oder kann bei Anwendung der Vorteilsregelung dann nur noch unterbrochen werden, wenn der Spieler eingreift oder gar nicht mehr, es sei denn er ist schon verwarnt oder begeht ein weiteres Vergehen?


    Bzw. was bedeutet im Regeltext „nicht unmittelbar“? Nehmen wir an, seine Mannschaft ist in Ballbesitz. Wird jetzt gewartet bis der Spieler eingreift oder sich der Ball möglichst nahe am eigenen Tor befindet?

  • „nicht unmittelbar“?

    Unmittelbar.... dafür gibts eine Daumenregel, die aber nirgendwo niedergeschrieben steht.


    Unmittelbar ist die Zeitspanne, die ein SR üblicher weise braucht um von der Wahrnehmumg Nachzudenken, die Fox zum Mund zu führen, Luft zu holen und in´s Horn zu stossen.

    Nicht unmittelbar ist dann dementsprechend länger.


    Off Topic.

    Irgendjemand hier im Forum soll behauptet haben, das Unmittelbar Altersabhängig wäre. Naja, gemäß dieser Definition ist das zumindest nicht von der Hand zu weisen. :flieh: