Mal bitte diesen Regelknoten lösen:

  • Und zwar bitte nicht so wie der Kollege das pragmatisch gelöst hat sondern so, wie es nach Regelwerk abzuarbeiten ist.

    Situation ist hier in Hamburg genau so am letztem Wochenende wohl passiert......


    Regelfrage:


    IdF im Strafraum in sehr kurzer Distanz zum Tor. Die Abwehrmauer muss auf die Torlinie (und steht dort zunächst auch).

    Der Schütze [S] läuft an, die Abwehrmauer stürmt entgegen (verkürzt Abstand). Nachstehende, vereinfachte Darstellung stellt den Zeitpunkt der Ballberührung durch den Freistoßschützen dar.




    Der Ball prallt in der Mauer (als Kerze) im hohem Bogen ab und landet im 5m Raum wo ihn der Angreifer [A], der nach dem Abpraller die paar Schritte zurückgelaufen ist aufnimmt und in´s Tor schiesst.


    Da der Kollege die Situation sehr kurios gelöst hat spare ich mir erstmal meinen Kommentar und warte mal auf Eure Antworten.



    Ich nehme an, es ist nicht willkürlich, dass (A) auf gleicher Höhe mit dem letzten Verteidiger steht - obwohl er ja (wenn sich alle Verteidiger regelkonform und geduldig präsentieren) auf gleicher Höhe mit allen stehen müsste... also: (A) befindet sich zum Zeitpunkt des Abspiels im strafbaren Abseits.

    Ja, genau so wollte ich das darstellen.......


    Ballkontakt mit dem Torwart (auf den der Pfeil zeigt)

    Das ist jetzt etwas Dumm gelaufen: Welcher Spieler aus der Mauer den Ball tatsächlich berührt lässt sich gar nicht sagen. Ist aber für die Situationsbewertung eigentlich auch (fast) egal.

  • Ich nehme an, es ist nicht willkürlich, dass (A) auf gleicher Höhe mit dem letzten Verteidiger steht - obwohl er ja (wenn sich alle Verteidiger regelkonform und geduldig präsentieren) auf gleicher Höhe mit allen stehen müsste... also: (A) befindet sich zum Zeitpunkt des Abspiels im strafbaren Abseits.


    Ich kann das nicht „durchgehen lassen“, ich löse die Situation regeltechnisch sauber und für beide Seiten (ist ja ein „Vergehen“ von beiden vorliegend...) gleichermaßen fair und lasse den idF unter Beachtung der Torraumregelung auf der Torraumlinie an der nächsten Stelle zum Ballkontakt mit dem Torwart (auf den der Pfeil zeigt) wiederholen, VW für den Torhüter.


    Die Situation wünsche ich allerdings nichtmal meinem größten Widersacher 😉


    Bin gespannt auf den Austausch, würde meine Entscheidung allerdings auf jeden Fall so treffen und verkaufen!

  • Regeltechnisch kann es hier eigentlich nur Wiederholung und Gelb für einen aus der Mauer geben.

    Warum auch immer der Schütze direkt auf's Tor schießt, vielleicht in der Hoffnung, dass der Ball abgefälscht ins Tor geht.

  • Ich denke, dass Kaef den einfachen Knoten formal richtig gelöst hat. Gefühlt ist das aber trotzdem ungerecht. Genauso wenig, wie ein Verteider durch das Verlassen des Spielfeldes einen Angreifer ins Abseits stellen kann, sollte das sinngemäß auch durch das Verkürzen des vorgeschriebenen Abstandes nicht möglich sein.


    Man könnte die Abseitsregel ergänzen um:


    „Ein Spieler, der zum Zeitpunkt einer Freistoßausführung nicht mehr als 9,15 der gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball, steht nicht im Abseits.“

    Oder

    „Die Abseitsregel ist zum Zeitpunkt der Freistoßausführung aufgehoben, wenn nicht alle Verteider mindestens 9,15 m vom Ball enfernt sind oder auf der Torlinie stehen“


    Natürlich könnte das sehr interessante Konstellationen bei einer schnellen Ausführung ergeben...aber trotzdem gerechter :)

  • die Szene ist doch schon in der Zeitung mit den 4 Buchstaben

    Weil machee die Szene bereits gefunden hat schonmal die Aufflösung des Kollegen vorweg.


    Es war die Vermaledeite Nachspielzeit. Bei unentschiedenem Spielstand gab es den idF. Als der Ball in der Luft war pfiff der Kollege (Regelkonform) das Spiel ab.

    Aber das haben wir hier in Hamburgs Nordosten mal völlig weg gelassen es ging uns dabei nur um die Situation als solche.

    Wobei die Reale Szene deutlich unübersichtlicher war aber das spielt bei der Regelfrage keine Rolle weil sie absichtlich vereinfacht wurde.


    Folgende Vergehen bzw. Nicht vergehen sind in dieser Situation enthalten die das Ganze sehr komplex machen:


    1. (Erfolgreiche) Verkürzung des Mauerabstandes - Wichtig ist hierbei das in Klammern eingefügte Wort - wir brauchen es zu einem späterem Zeitpunkt.
    2. Abseitsposition des Stürmers am Pfosten (auf die Strafbarkeit gehen wir später nochmal ein).


    Zwei Lehrwarte kamen dabei auf zwei unterschiedliche Lösungen wobei ich jedem mal empfehle sich beide Begründungen mal genau durchzulesen bevor man mit einem Schnellschuss antwortet:


    Lösung 1. Wiederholung idf und Gelb für die Mauer (Das ist auch meine Lösung gewesen)

    Begründung: Der Angreifer zieht zwar einen Vorteil aus einer Abseitsposition, jedoch hätte diese bei regel konformen Verhalten der Mauer gar nicht erst entstehen können. Ich werte den ersten Regelverstoß (Mauerabstand) und damit ist die Abseitsposition völlig unerheblich.


    Lösung 2. Vorteil, Tor Anstoß (hat mich verblüfft aber die Begründung ist schlüssig)

    Begründung: Kein Abseits, der Ball kommt vom Verteidiger. Aus einem idF kann direkt kein Tor erzielt werden. Lassen die Abwehrspieler den Ball unberührt durch gibt es Abstoß. Mit dieser Begründung kann das Herauslaufen nur dem Zweck einer absichtlichen Ballberührung dienen weil es keine Torabwehrreaktion sein kann. (Anmerkung dazu am Ende)

    Da der Ball vom Verteidiger absichtlich berührt wurde ist das strafbare Abseits aufgehoben, die Verkürzung des Mauerabstandes fällt unter die Vorteilsauslegung.


    Ich denke Mark diese Regelauslegung passt Dir dann wohl besser ;-)


    Anmerkung aus einer anderen Regelfrage zur Notbremse: schrieb:

    Den direkt aufs Tor geschossenen idF lenkt der Abwehrspieler mit der Hand um den Pfosten und verhindert das der Ball die Torlinie überquert.

    Regelantwort: Keine Notbremsen-Situation daher kein Rot.

    Weil aus einem idF kein Tor erziel werden kann ist es auch keine Torverhinderung. Strafstoß und Gelb - ist die richtige Antwort

  • Bei Lösung 2 handelt es sich trotzdem um eine Torabwehraktion und diese geschieht auch bei normalen Abläufen während des Spiels mit Absicht. Trotzdem entsteht da keine neue Spielsituation. Deshalb ist diese Begründung für mich überhaupt nicht schlüssig und dadurch für mich auch falsch.

    Ich gehe hier ausdrücklich auf die Regelfrage ein. Beim Video ist deutlich zu sehen, dass zu keinem Zeitpunkt ein Stürmer im Abseits stand und auch die Mauer erst loslief, nachdem der Ball gespielt wurde.

  • Beim Video ist deutlich zu sehen

    Das Video ist für die Regelfrage als solches Unwichtig (deshalb habe ich es auch nicht im Eingangsbeitrag beigefügt). Wir haben die Situation nur zum Anlass genommen eine Regelfrage zu konstruieren

    Trotzdem entsteht da keine neue Spielsituation

    Diese Regelanweisung wurde vor ein paar jahren bereist abgeschafft und ist nirgeds mehr im Regelwerk zu finden. (War bei uns auch ein Ergebnis der interessanten Regeldiskussion zu dieser Frage)


    Das Regelwerk kennt nur noch absichtliche Ballberührungen und Torabwehrreaktionen. Es gibt dazu sogar ein Lehrvideo vom DFB (letzten oder vorletzten Sommer) bei dem Herbert Fandel und Deniz Aytekin genau das erklären.

    (Kann das mal jemand rausssuchen)

    Nachtrag: Steht auch im Lehrbrief des DFB zum Saisonbeginn 16/17. Habe leider nur das Zitat und die Quelle finde aber den Lehrbrief nicht

  • Ich symphatisiere mit Lösung 2 - sollte der Abwehrspieler den Ball mit der Hand spielen, gibt es ja nur ein Verwarnung, weil ja kein Tor verhindert werden kann. Ergo handelt es sich nicht um einen Torschuss und somit auch nicht um die Abwehr desselbigen. Und der Logik folgend entsteht eine neue Spielsituation --> Tor, Anstoß

  • mfs67227 Die Erklärung hinkt meines Erachtens.


    1. Dann dürfte man den handspielenden Abwehrspieler auch gar nicht verwarnen, da es ja kein Torschuss war und Dummheit keine Unsportlichkeit ist.


    2. Dann wäre auch jeder direkt in die korrekt positionierte Mauer geschossene IdF ein bewusstes Spielen des Getroffenen, denn die Motivation der Mauer ist es den Ball aufzuhalten. Und ein hinter der Mauer im Abseits stehender Angreifer dürfte den Ball spielen oder dem TW die Sicht eines abgefälschten Schuss versperren.

  • Lösung 1 kann ich immer verkaufen, zudem ist die regeltechnisch auch immer richtig. Was nach meinem Impuls für einen Pfiff noch passiert, ist diesbezüglich nicht beachtlich.


    Lösung 2 ist noch ein wenig komplizierter: Ja, es handelt sich nicht um eine Torabwehraktion, da ein gültiges Tor nicht hätte erzielt werden können. Wir müssten uns dann aber darüber verständigen, dass das reine abblocken des Balles auch ein absichtliches und zumindest wollend kontrolliertes Spiel darstellt, denn das wäre ja die Voraussetzung, damit kein Abseits vorläge. Einerseits steht es außer Frage, dass der Ball mit Absicht berührt wurde und insoweit auch die Richtungsänderung gewollt war, andererseits ist es aber ebenso zweifelsfrei, dass kein kontrolliertes Ballspiel vorlag oder beabsichtigt war, ein reiner Abpraller reicht aber nicht für eine neue Spielsituation. Verkaufen kann ich beides, aber was richtig ist?

  • und zumindest wollend kontrolliertes Spiel darstellt

    Nach Regelwerk ist bei der Abseitsbewertung kein kontrolliertes sondern nur absichtliches Spiel erforderlich.... Schau mal im Regelwerk nach

    Einerseits steht es außer Frage, dass der Ball mit Absicht berührt wurde und insoweit auch die Richtungsänderung gewollt war

    Genau. Die Absicht des Entgegenlaufens besteht darin den Ball zu berühren um diesen irgendwie abzulenken. Also absichtliche Ballberührung. Diesen Versuch kann man sogar als "Erfolgreich" bewerten, denn der Ball geht nicht dahin wo die ursprüngliche flugbahn ihn auf physikalischem Wegen hingebracht hätte.


    Wir haben als Schiedsrichter niemals zu bewerten ob bei einer Ballberührung auch der Ball tatsächlich dahin geht wohin der Ball-Berührer dies auch gewollt hat, sondern nur ob er den Ball mit Absicht berührte.

    (Zumal davon ausgehen ist, das der Spieler sich in dieser Situation sowieso keine Gedanken darüber gemacht hat wo der Ball genau hingehen soll wenn er ihn denn berührt. Hauptsache er geht NICHT Richtung Tor)


    Was anderes kann denn ein Spieler wollen als eine Ballberührung wenn er sich direkt in einen Schuss wirft

  • Ich denke, beide Lösungen sind richtig, nur ist Lösung 2 meiner Meinung nach, richtiger. Die erste Lösung kann ich, wie Manfred schon sagt, auf jeden Fall glaubhaft und ziemlich stressfrei verkaufen aber die Lösung 2 ist logisch und für mich klar die regeltechnisch richtige. Durch das Herauslaufen der Mauer gehen die Spieler von der Reaktion in die Aktion über indem sie bewusst den Ball abwehren wollen. Somit entsteht nach der Ballberührung durch die Mauer eine neue Spielsituation, wodurch der Angreifer nicht strafbar abseits steht. Unter Anwendung der Vorteilsregel wird hier auf Tor und Anstoß bzw. Abpfiff entschieden. Wenn sich die Mauer jedoch korrekt verhält und stehen bleibt, dann reagiert sie und sollte sie angeschlossen werden, dann eher zufällig.

    Diese Situation erfordert aber vom Schiedsrichter höchste Konzentration und sicheres Regelwissen und die Kunst, den Vorteil auch tatsächlich zu erkennen.

    Ich würde hier nicht auf Abseits gehen.

  • So ziemlich jede Abwehraktion, um einen Torschuss zu blocken geschieht bewußt und mit voller Absicht. Allein die Tatsache, dass man sich mit Absicht in den Weg stellt müsste demzufolge das Abseits aufheben. Trotzdem ist dies kein absichtliches spielen des Balles. Auch das herauslaufen aus der Mauer dient einzig und allein der Absicht den Torschuss zu blocken. Und das ist für mich eine astreine Torabwehraktion.

    Durch das Herauslaufen der Mauer gehen die Spieler von der Reaktion in die Aktion über indem sie bewusst den Ball abwehren wollen. Somit entsteht nach der Ballberührung durch die Mauer eine neue Spielsituation, wodurch der Angreifer nicht strafbar abseits steht.

    Nach dieser Logik müsste auch bei jeder Parade des Torhüters das Abseits aufgehoben werden, denn schließlich blockt er den Ball ja bewusst und mit voller Absicht, wenn er z.B. noch ein paar Schritte nach vorne geht, um den Ball besser halten zu können.

  • Lösung 2 ist schon ziemlich spitzfindig. Ich kann keinen Grund erkennen, warum man Torabwehraktionen nur vornehmen können soll, wenn der Treffer auch gezählt hätte? Der Begriff soll doch den Zweck und nicht (anders als die Frage, ob es für das Handspiel beim idF einen FaD gibt) den Effekt beschreiben. Und Zweck der Aktion ist, dass der Ball nicht Richtung Tor fliegt.


    Soll sonst auch keine Torabwehrreaktion vorliegen, wenn

    a) der Ball gegen den Pfosten gegangen wäre oder

    b) der Torwart den Ball (nur) abwehren kann, weil ihm ein Angreifer die Sicht nimmt?