90 Minuten Gemecker

  • Hallo,
    hier ein kurzer Bericht zu meinem gestrigen Spiel in der Kreisliga B:
    Das Spiel war von Anfang geprägt von permanentem Gemecker der Heimmannschaft. Jeder einzelne Pfiff (egal für wen) wurde erstmal lautstark kommentiert. Hat echt keinen Spass mehr gemacht.
    Das ging schon in der 3. Minute beim ersten Pfiff los. Harmloses Stürmerfoul der Heimmannschaft zwischen Strafraum und Eckfahne, sofort Proteste. Jeder Einwurf, jede Ecke wurde kommentiert. Leider alles unterhalb der Gelb-Schwelle. Hab versucht das mit Ermahnungen in den Griff zu kriegen, leider nicht wirklich erfolgreich.
    In der 33. Minute die erste :gelbe_karte: für Heim. Spieler Nr.26 fällt vor meinen Augen über die eigenen Beine und faustet im Liegen den Ball weg. Plumper geht es kaum. In der 36. Minute werde ich wegen einem nichtigen Foul im Mittelfeld angebrüllt. :gelbe_karte: Nr. 2 für Heim. Die dritte :gelbe_karte: (wieder wegen Meckern) folgt dann in der 45. Minute. In der Halbzeitpause wechselt Heim, da ein Spieler "akut gelb-rot gefährdet" sei. Naja, wenn er sich nicht im Griff hat.
    In der 50. Minute geht Gast in Führung. Sofort Gemecker, der vorhergehende Einwurf wäre ganz klar falsch gewesen. Der Kommentar kommt übrigens immer wenn der Einwerfer weniger als 2m weit wirft.
    In der 60. Minute 0:2 für Gast nachdem Heim nach einem Eckstoß das Verteidigen eingestellt hatte.
    In der 75. Minute kommt Heim zum Anschlusstreffer. Gerangel im Strafraum nach einer Ecke, ich lasse trotz lauter Proteste weiterspielen und der Ball landet im Tor.
    In der 78. Minute stellt Gast den Abstand wieder her. 1:3. Jetzt hat Heim keine Lust mehr. Der Anstoss wird erst nach Ermahnung ordentlich durchgeführt, d.h. erst nachdem ich angepfiffen habe.
    Dann kommen 4 sehr interessante Minuten. Vor dem gegenerischen Strafraum springt Heim Nr.26 in der 83. Minute seinen Gegenspieler an, ich pfeife ab. Was kommt? Das übliche. Nr. 26 knallt den Ball auf den Boden und brüllt mich an, was das denn soll. Dann durfte er Duschen gehen :gelbe_karte: :rote_karte: . In der 87. Minute wird Heim Nr. 6 vor dem eigenen Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht. Ich unterbreche und gebe Freistoß für Heim. Nr. 6 springt auf, stößt seinen Gegenspieler zu Boden und schreit ihn an "Verpiss Dich". :rote_karte: .
    In der Nachspielzeit noch ein Strafstoß für Gast, aber da wars dann auch schon egal.


    Nach Abpfiff dann das übliche:
    Ich hätte nur für Gast gepfiffen.
    Bei Heim wären wohl zu viele Spieler mit ausländischen Namen, deshalb hätte ich gegen sie gepfiffen. Und so weiter.


    Der Gästetrainer meinte dann nur noch, dass er an meiner Stelle nicht so ruhig geblieben wäre.
    So machts echt keinen Spass.
    Buzze

  • So machts echt keinen Spass.


    So ein Spiel hab' ich auch schon vor vielen Jahren gehabt. Da gab's aber noch die Zeitstrafe, also gab es (nach ein paar Verwarnungen, die eigentlich nichts geändert hatten) bei jedem Meckern einen FaZ. Das war zwar etwas stressig, als Alleinpfeifer die FaZ zu verwalten, aber dem Spiel hatte es gut getan, es war plötzlich Ruhe, und ich bin tatsächlich ohne rote Karte (die es ja nach verwarnungswürdigem Foulspiel durch einen FaZ-belasteten Spielerhätte geben müssen) ausgekommen.


    In Deinem Fall hätte ich wahrscheinlich nach und nach Spieler mit gelb/rot entsorgt, weil aufgrund gesunkener Schwelle jedes "Meckern" eine Verwarnung bedeutet hätte, vielleicht nach einer vorherigen Ansprache an beide Mannschaftskapitäne, und wenn dann eben irgendwann zu wenig auf dem Platz stehen, ist es eben so.


    Aber ich gebe Dir Recht: Spass macht das nicht. Der Hinweis "Bei Heim wären wohl zu viele Spieler mit ausländischen Namen" wäre mir einen (weiteren) Sonderbericht wert, auf sowas reagiere ich besonders empfindlich.


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    "Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus!"
    (Gerd Rubenbauer, als der FIFA-Beauftragte am Spielfeldrand eine Minute Nachspielzeit anzeigte)

  • So ein Spiel hatte sicherlich jeder schon mal. Da gibt es nur eins, wenn man merkt, dass Er- und Verwarnungen nicht ausreichen, einen nach dem anderen runterräumen!

    Alle sagten das geht nicht.




    Und dann kam einer und hat es gemacht.

  • Hatte ich letzte Saison auch in der B-Klasse. Ein Spiel um die goldene Ananas am Saisonende, keiner konnte mehr Auf- oder Absteigen.
    Beide Mannschaften mit einigen Unsportlichen und viel Meckerei. Irgendwann holte ich beide Kapitäne in der ersten Halbzeit zu mir und erklärte ihnen, dass es jetzt zwei Möglichkeiten gibt.
    Nr.1: Die Mannschaften arbeiten mit mir, hören auf meine Worte bzw. Ermahnungen und wir kriegen das Spiel ordentlich über die Bühne. Möglichkeit 2: Die Mannschaften arbeiten gegen mich, gegen meine Entscheidungen bzw. hören nicht auf meine Ermahnungen.
    Dann ziehe ich aber auch durch; überlegt es euch.


    Während die Gastmannschaft den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden hat ( nur eine gelbe Karte wegen einem übermotivierten Foulspiel in der zweiten Halbzeit, welche aber die zweite für den Spieler war und er mit gelb/rot runterging), hat die Heimmanschaft in der zweiten Halbzeit vier gelbe, eine gelb/rote und ein glatt rote wegen Nachtreten kassiert. Heim gewann 2:1, Trainer waren zufrieden, da die harte Vorgehensweise gegen die Undizipliniertheit angekündigt war und daher nicht überraschend kam. Heim hatte ich die Saison schon gehabt ( jetzt eine SG) und haben es mittlerweile verstanden, worauf ich hinaus wollte ;)

  • Tja, solche Spiele machen keinen Spaß.


    Unabhängig davon sind mir aber ein paar Dinge aufgefallen, die ich gerne ansprechen würde:

    Das ging schon in der 3. Minute beim ersten Pfiff los.


    Das ist sehr ungewöhnlich - oder war die Entscheidung ernsthaft strittig? Wenn nicht: Was war der Grund? Hattest Du keine Körperspannung, kein Auftreten, hast Du vor dem Spiel schon irgendwelche Fehler gemacht, ... oder war das wirklich nur Pech? Missverstehe das nicht als Kritik, solltest Du da unbewusst und/oder ungewollt beteiligt gewesen sein, kannst Du vielleicht für das nächste Spiel lernen, was man besser machen kann.

    springt Heim Nr.26 in der 83. Minute seinen Gegenspieler an


    Sorry, aber da habe ich ein Bild vor Augen, welches nach :rote_karte: brüllt, irgendwie passt das auch zu

    Hab versucht das mit Ermahnungen in den Griff zu kriegen, leider nicht wirklich erfolgreich.


    Wenn das mit Ermahnungen nicht läuft - auch hier ist wieder die Frage, warum die das nicht ernst nehmen -, dann muss eben nach jedem Kommentar die :gelbe_karte: kommen, bis der Letzte kapiert hat, dass kein Live-Kommentar bestellt ist. Hier muss man dann aber sehr konsequent sein, schon tiefes Luft holen bringt einen bösen Blick und jede Kritik unnachsichtig den Karton. Spätestens nach der dritten Verwarnung oder einer Ampelkarte wird sich auf wundersame Weise Ruhe auf dem Platz einstellen. Zwar hast Du danach vielleicht eine schlechte Berichterstattung, aber das sollte uns egal sein.

    Bei Heim wären wohl zu viele Spieler mit ausländischen Namen, deshalb hätte ich gegen sie gepfiffen.


    Für solche Aussagen gebe ich durchaus noch eine Rote Karte bzw. mache eine Meldung im Spielbericht, solche Diskriminierungen müssen wir als SR uns nicht gefallen lassen.

  • Das ist sehr ungewöhnlich - oder war die Entscheidung ernsthaft strittig? Wenn nicht: Was war der Grund? Hattest Du keine Körperspannung, kein Auftreten, hast Du vor dem Spiel schon irgendwelche Fehler gemacht, ... oder war das wirklich nur Pech? Missverstehe das nicht als Kritik, solltest Du da unbewusst und/oder ungewollt beteiligt gewesen sein, kannst Du vielleicht für das nächste Spiel lernen, was man besser machen kann.

    Nein, verstehe ich nicht falsch. Ich hab mich das auch schon gefragt, ich glaube die Entscheidung kam zu spät. Ich hätte schneller pfeifen müssen. So drastisch hatte ich das noch nie. Meckerer habe ich aber öfter. Hier bin ich wahrscheinlich etwas zu "lieb" und möchte das mit Ermahnungen regeln. Klappt manchmal ganz gut. Aber hier habe ich wohl den Punkt zum Umschalten verpaßt.
    Ich weiß nicht ob Heim das noch kapiert hätte. Die haben 5x :gelbe_karte: gesehen, 4x wegen Meckern und 1x wegen Handspiel. Gast hatte das sofort kapiert. Nach der ersten Karte für Mecken gegen Heim kam von Gast fast nichts mehr.


    Sorry, aber da habe ich ein Bild vor Augen, welches nach :rote_karte: brüllt, irgendwie passt das auch zu

    So drastisch war es dann doch nicht. War eigentlich nichts Wildes, etwas übermotiviert oder gefrustet zum Kpfball gegangen. Hätte eigentlich auch keine Verwarnung gegeben, wenn er nicht so nett danach gefragt hätte.


    Insgesamt ist aber wohl was dran, dass ich im Spiel konsequenter und bestimmter auftreten muss. Was mich echt wundert ist, dass ich mit meiner Art in der Kreisliga C (unterste Spielklasse) ganz gut gefahren bin und in der Kreisliga B jetzt Probleme kriege.

  • Hake einfach mal den Liga-Gedanken im Kopf ab. Ich hatte schon Spiele in der nominell höheren Klasse, die man einfach nur als Grottenkick bezeichnen kann und in dem keine einzige vernünftige Ballannahme funktionierte und solche in der nominell unteren Klasse, die echt schon "Klasse" hatten (wenigstens für diese Gefilde) - und denke an die Bundesliga, wo man manchmal echt schöne Spiele zu sehen bekommt, während andere Spiele eigentlich nur dazu reizen, mal durch die anderen Programme zu zappen.


    Ähnlich ist es mit den Meckereien: Bei machen Mannschaften bekommt man das erst ausgerottet, wenn der erste Spieler gegangen wurde, manche fangen erst gar nicht an, die große Masse liegt dazwischen. Und ja: Es ist die Kunst zu erkennen, in welchem Moment für die Meckerei die Karte kommen muss und wo eine Ansprache genügt. Erschwert wird das durch den Umstand, dass ein Spieler auf die Ansprache reagiert, ein anderer selbst nach der Karte noch weiter grummelt - neben dem richtigen Feeling, dem Tonfall und der Wortwahl gehört auch immer ein Quäntchen Glück dazu.


    Aber generell gilt: Kleinliche Spiele machen vielleicht allen Beteiligten weniger Spaß, entgleiten aber nicht - ganz gleich ob bei Fouls oder eben Meckereien. Alle wissen schnell, worauf sie sich einstellen können, viele tun es, manche eben nicht. Die Leine anzuziehen ist dabei immer schwieriger als diese lockerer zu lassen, auch hier braucht man ein Feeling, welche Linie heute gefragt ist (kann man an der Stimmung vor dem Spiel festmachen) - meist klappt das, man kann aber auch gnadenlos daneben liegen, dann muss man eben korrigieren. Aber Du wirst merken: Je mehr Spiele Du auf dem Buckel hast, desto größer wird Deine diesbezüglicher Trefferquote werden.


    Lass Dich also von dem Spiel nicht entmutigen, ziehe Deine Konsequenzen, versuche beim nächsten Spiel anders zu agieren - und fertig.


  • In der 78. Minute stellt Gast den Abstand wieder her. 1:3. Jetzt hat Heim keine Lust mehr. Der Anstoss wird erst nach Ermahnung ordentlich durchgeführt, d.h. erst nachdem ich angepfiffen habe.


    Pfeifst Du Anstöße nicht an??

  • ..habe das so verstanden, dass Buzze den Spielern sagen musste, dass ein Anstoß erst nach Pfiff ausgeführt werden darf! ;)

  • Vielleicht konzentrieren wir uns dann mal wieder auf die Kernaussage des Beitrags von Buzze, den er so schön mit "90 Minuten Gemecker" bereits in der Überschrifft treffend zusammenfasst.


    Gestern abend philosophierte ich mit einem meiner Söhne über die Schwierigkeit von Spielleitungen. Dabei stellte er recht treffend fest, das ein Oberligaspiel oftmals einfacher zu leiten ist als eines der Kreisklasse.


    Recht treffend analysierte er hierbei zwei seiner Spiele vom Wochenende und fasste die Wirkung der Gelben karte in der Form zusammen, das in der Oberliga durch die Gelbe durchaus ein Lerneffekt entsteht, der in der Kreisklasse offenbar nicht vorhanden ist.


    Beim seinem Oberligaspiel am Samstag war ich SRA 1 als etwa nach 10 min direkt vor meiner Nase der Ballführende Spieler unsportlich vom Objekt der Begierde getrennt wurde. Der Lappen war noch nicht mal ansatzweise oben da kam von meinem Sohn schon der Pfiff Also hat er das wohl genau so gesehen wie ich und er hätte mich quasi gar nicht gebraucht.
    Wutschnaubend kam der Kampfzwerg auf mich zu und setzte zu einer Beschwerde an, wobei ich ihn rüde mit den Worten "Halt den Sabbel und geh lieber Fussball spielen" unterbrach.
    Einige Minuten später war ein anderer Spieler mit der Abseitsentscheidung meines Kollegen auf der gegenüberliegenden Seite nicht einverstanden und bekam ne ähnliche Ansage vom SRA 2. Danach war ruhe mit der Sabbelei, es gab insgesamt 3 mal Gelb (2 mal Foulspiel 1x Handspiel) und überhaupt keinen Stress.
    Am Sonntag durfte mein Sohn dann nochmal in der Kreisklasse ran. Achtmal Gelb davon sieben wegen fortdauernder Meckerei und überhaupt kein Lerneffekt. Wobei dann auch ein Trainer in der 2. HZ das Spiel "von der nicht vorhandenen Tribühne" aus beobachten durfte.


    Was lernen wir daraus?
    Bei Spielen höherer Leistungsklassen merken Spieler sehr schnell, das man sich mit dem SR oder auch dem SR Team nicht anlegen sollte und verzichten auf unnötige (vermeidbare) Karten - weil sie nämlich auch der Mannschaft weh tun. Übrigens fand der Beobachter die Ansagen der SRA gut und hat sich "köstlich darüber amüsiert, wie der Kampfzwerg an meiner Ansprache förmlich Abprallte." Offenbar hat der Kampfzwerg damit überhaupt nicht gerechnet und stand sekundenklang mit offenem Mund vor der Cochingzone des Gegners.
    In der Kreisklasse hört man dann schonmal häufiger die Worte "Dann gib mir doch Gelb, mir doch Egal...". Und Ja, das ist dem Spieler dann auch wirklich egal


    Die oft zitierte "Einstiegskarte" die den Spielern die "Rote Linie" signalisieren soll wird nur dann auch als Rote Linie von Spielern wahrgenommen, wenn diese mit dem nötigem Verstand bei der Sache sind. Aus diesem Grund ist die "Einstiegskarte" in der Betonliga beim Kreisklassentennis auch nahezu völlig wirkungslos.

    Hier bin ich wahrscheinlich etwas zu "lieb" und möchte das mit Ermahnungen regeln. Klappt manchmal ganz gut. Aber hier habe ich wohl den Punkt zum Umschalten verpaßt.

    Das mit den Ermahnungen klappt nur, wenn Du die Spieler bereits kennst - und sie Dich. Viele Spieler der Betonliga sehen die Ermahnung nur als Aufforderung zur Diskussion.
    Was bei mir hilft - aber das ist dann mein persönlicher Stil ist die restriktive Ermahnung mit den Worten: "Jetzt ist schluss, noch einmal Meckern oder ein Foulspiel gibt Gelb" Dabei notiere ich demonstrativ seine Nummer auf der Spielnotizkarte. Wenn Du den richtigen erwischst, dann kannst Du bereits in der nächsten Situation wenige Sekunden danach hinter der Nummer die Spielminute für die Gelbe eintragen.


    Leider musst Du auch das konsequent durchziehen, sodaß dies kein Patetntrezept zur Vermeidung von "House of Cards" ist. Macht es aber einfacher weil jeder weis warum es jetzt Gelb gab.


    Ansonsten halte es wie Manfred - manchmal muss man halt mit dem Aussortieren beginnen.

    Ähnlich ist es mit den Meckereien: Bei machen Mannschaften bekommt man das erst ausgerottet, wenn der erste Spieler gegangen wurde

    Muss aber den Richtigen treffen - sonst geht´s munter weiter.


    Noch ein Tipp beim Kreisklassentennis - sobal die Spieler beginnen sich gegenseitig anzumeckern dauert es nicht mehr lange bis Du das Ziel der Verbalattacken wirst. Es ist die "Kette des Anbrüllens" , die meist beim Trainer beginnt und sich dann über die Spieler zu irgendjemanden fortsetzt, der in der Hackordnung keinen mehr unter sich hat den er anbrüllen kann. Der Brüllt dann das vermeintlich schwächste Opferlamm an, weil er nicht zu den 22 Testosteronjunkies gehört und der einzige ist, der versucht dem Ball aus dem Weg zu gehen.


    Und denk dran: Mund abwischen und nächstes Spiel...

  • Deshalb mochte ich ja die Zeitstrafe so gerne - in der Betonliga ein probates Mittel zum "Abkühlen" für den betroffenen Spieler und ein deutliches Zeichen für alle Akteure (einschließlich Trainer/Betreuer/Zuschauer), kombiniert mit vertretbaren (aber dennoch spürbaren) Konsequenzen für die betroffene Mannschaft, nämlich "nur" 10 Minuten in Unterzahl spielen zu müssen, eine deutliche Warnung sozusagen.


    Übrigens merkt man auch bei Jugendspielen den Unterschied zwischen einer dritten oder vierten Mannschaft eines Vereins und der "ersten". Die 1er-Mannschaften konzentrieren sich sofort nach einem Freistoßpfiff auf dessen Ausführung, d.h. Leute/Räume abdecken, (ggf.) Mauer stellen usw. Die dritten oder vierten Mannschaften "können" gar kein ausgeprägtes Stellungsspiel, also wird dann gerne erstmal gemeckert, oder einer stellt sich (weil vom Trainer so gelehrt) erstmal vor (oder auf) den Ball...


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    "Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus!"
    (Gerd Rubenbauer, als der FIFA-Beauftragte am Spielfeldrand eine Minute Nachspielzeit anzeigte)

  • Der Gästetrainer meinte dann nur noch, dass er an meiner Stelle nicht so ruhig geblieben wäre.

    Das werte ich als Kompliment. Deine Entscheidungen waren offenbar ok (sonst wäre der Kommentar nicht so wohlwollend gewesen) und Du hast Deine ruhige Linie durchgehalten.
    Das ist doch auch schon was!

  • Was auch ganz wichtig ist: Im Laufe der Zeit wirst du gewisse Personen kennenlernen, die du getrost in den Wind blasen kannst. Beim mir relativ nah gelegenen Verein in der Nähe bin ich des öfteren für die Jugend und die unterliegt dem Nachwuchsleiter. Letzte Woche erst E-Jugend Pokal gepfiffen, völlig unaufgeregtes Spiel, ich pfeife direkt vor den Augen der zahlreichen Heimeltern einen Freistoß für Gast, keinerlei Aufregung.
    Doch der Nachwuchsleiter, der auf dem anderen Kleinfeld direkt nebem dem Gästetrainer steht, brüllt bei jeder Entscheidung rein. Die kleinen Jungs, nachdem ich in HZ 2 ein Handspiel pfeife: "Ja Finn, war Hand, nimm den Spieler da drüben!" Der Nachwuchsleiter kommentiert das so: "EY SCHIRI! DAS IST DOCH NICHT DEIN ERNST! WAS PFEIFST DU DENN HIER! LANGSAM REICHTS MAL!".


    Folge des Ganzen: Beim Stand von 3:2 für Heim kriegt Gast einen klaren Freistoß am 16er, weil einer der kleinen das Bein hinstellt und der Spieler fällt. Auf einmal kommt dann auch von den Spielern: "Na klar, das pfeifst du". Da wars mir dann genug und ich hab den versammelten Jungs erklärt, dass es ein Foulspiel war und sie die Kommentare gefälligst zu unterlassen haben. Danach hab ich den Nachwuchsleiter hinter die Bande geschickt, da mir beim Betrachten des Spielberichts aufgefallen ist, dass er gar nicht mit drauf stand. Schwups, der Rest des Spiels verlief seelenruhig.
    Mein Fehler war: Der hätte schon viel eher weggeschickt werden müssen. Nicht nur wegen der Tatsache, dass er nicht draufstand, sondern auch weil er der Meinung war, dass ich regeltechnisch falsch gelegen habe. Ich habe in der 2. Minute wegen eines hohen Beins nahe dem Gesicht ind. Freistoß für Heim gegeben. Auch mit erhobener Hand angezeigt, Ball geht direkt ins Tor, Abstoß. Der Trainer meinte bis zum bitteren Ende, es gibt keine indirekten Freistöße auf Kleinfeld und dass er sich beim Obmann beschweren wird. Ist natürlich nicht so, warum sollte es die auch nicht geben.


    Fazit: Nicht unterkriegen lassen, die Lautesten haben meistens nur wenig Ahnung.

  • Der Trainer meinte bis zum bitteren Ende, es gibt keine indirekten Freistöße auf Kleinfeld

    Bei uns gibt es in der E-Jugend nur direkte Freistöße 8)
    Indirekte Freistöße gibt es erst ab D-Jugend aufwärts, genau wie Abseits und Rückpassregel.
    Ist mal wieder verbands- bzw. kreisspezifisch


    Vorgestern hatte ich B-Jugend. Pokalspiel.
    Keine Meckereien. In der Halbzeitpause ein kurze Unterhaltung mit einem der Jugendleiter, weil er ein paar Mal anderer Meinung war. Aber alles gesittet und zivilisiert.
    Geht doch.

  • Bei uns gibt es in der E-Jugend nur direkte Freistöße

    • Das bedeutet dann aber das es bei Rückpass Strafstoß geben muss, oder ist bei Euch in der E-Jugend auch die Rückpassregel aufgehoben oder gibt es dann dF im Strafraum etwa 5m vor dem Tor?
    • Das bedeutet dann aber das es bei überschreiten der 6 sekunden Regel durch den TW auch Strafstoß geben muss oder darf der TW den Ball so lange halten wie er will?

    Kommt mir jetzt bitte nicht das man das in der E-Jugend dann auch nicht so genau nehmen muss. Es geht darum ob hier jemand auch mal nachgedacht hat als er diese "Anweisung" gegeben hat?

  • Nein, wie ich schrieb:
    Die Rückpassregel kommt nicht zur Anwendung, ebenso Abseits. Allgemein gilt: bei regelwidrigem Spiel gibt es nur direkten Freistoss, "in Tornähe: Strafstoß (8m)" (Zitat aus den Durchführungsbestimmungen E-Jugend).
    Ich sage es mal so: Die 6-Sekunden-Regel wird genauso streng ausgelegt wie bei den Senioren. :rolleyes:

  • Da klinke ich mich noch mal ein: Nachdem der Gästetrainer das vermeintliche Tor kassiert hat, was ich aufgrund der indirekten Freistoßvariante nicht gegeben habe (siehe oben), hätte er ja eigentlich froh sein müssen, nicht nach 2 Minuten in Rückstand zu geraten. Stattdessen kam ein: "Schiri! Wir sind hier inner' E-Jugend!" Grandios.. Der von Heim hat keine Ahnung und der von den Gästen anscheinend auch nicht - tolle Grundlage.


    Ich pfeife das Spiel nach den mir vorliegenden Regeln und ich habe gemerkt, dass die Spieler keine Ahnung davon hatten. Aber die Spielordnung ist für alle gleich, auch für die Trainer seit Saisonbeginn einsehbar. Bei den nächsten Freistößen im Spiel haben mich die Jungs immer wieder gefragt, ob nun direkt oder indirekt. Da durfte ich dann im Rahmen der Zeit kurze Regelkunde betreiben.


    Buzze  SixthSCTF
    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die 6 Sekunden Regel in einer E Jugend jemals zum Tragen kam. Genau so pfeife ich auch keine Einwürfe zurück in der Altersklasse... (die die Kleinen übrigens teilweise 10x besser hinbekommen als die Kicker aus dem Kreis)

  • Ich pfeife das Spiel nach den mir vorliegenden Regeln und ich habe gemerkt, dass die Spieler keine Ahnung davon hatten. Aber die Spielordnung ist für alle gleich, auch für die Trainer seit Saisonbeginn einsehbar. Bei den nächsten Freistößen im Spiel haben mich die Jungs immer wieder gefragt, ob nun direkt oder indirekt. Da durfte ich dann im Rahmen der Zeit kurze Regelkunde betreiben.


    Direkt oder indirekt habe ich ganz schnell erklärt - ich sage den Spielern einfach, dass sie auf meinen Arm gucken sollen. Arm oben = indirekt, sonst direkt. Lustiger ist eher, wenn den Spielern bisher niemand erklärt hat, dass direkte Freistöße nicht direkt geschossen werden MÜSSEN und da teilweise aussichtslos aus 40 Metern draufgeholzt wird. Wobei es auch da selbst in der höchsten Berliner U13-Spielklasse schon Tore gegeben hat, weil der Gegner einen Schlaukopf an der Linie hatte, der seine Spieler angebrüllt hat "NICHT BERÜHREN! DER ZÄHLT NICHT!!!" :hammer:

    Der Klügere gibt nach.


    Das erklärt, warum die Welt von den Dummen regiert wird.

  • Genau so pfeife ich auch keine Einwürfe zurück in der Altersklasse... (die die Kleinen übrigens teilweise 10x besser hinbekommen als die Kicker aus dem Kreis)


    Auch hier sollte man zunächst die Sonder- oder Durchführungsbestimmungen beachten. Im Kreis Darmstadt ist das wie folgt geregelt:


    F-/G-Junioren: Bei Abstoß und Abschlag darf der Torwart aus der Hand heraus spielen. Bei einem falschen Einwurf erhält der Spieler die Möglichkeit, diesen nach einer Erklärung zu wiederholen.


    Das heißt im Umkehrschluss, in der E-Jugend wird der "falsche Einwurf" definitiv gepfiffen, gelernt haben (sollten) es die Mädels/Jungs ja bereits vorher.


    Leider handhaben das viele SR unverständlicherweise "wie sie wollen", ich habe hier im Kreis schon erlebt, dass ab E-Jugend aufwärts selbst bei den "falschesten Einwürfen" gar nicht gepfiffen oder wiederholt wird. Ein klarer Nachteil für Mannschaften, die Einwürfe beherrschen!


    Aber auch hier gilt: viele Trainer sind engagierte Eltern mit Grundkenntnissen im Regelwerk. Schon bei der Rückpassregel (speziell: Einwurf zum eigenen Torwart) wird's für die schwierig...


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    "Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus!"
    (Gerd Rubenbauer, als der FIFA-Beauftragte am Spielfeldrand eine Minute Nachspielzeit anzeigte)