Immer das gleiche

  • Nachdem ich letzte Woche vor rund 250 Zuschauern mein schönstes und bestes Spiel pfeifen durfte, B Junioren Promotion Platz 1 gegen Platz 2 und der Sieger steigt in den Junioren-Profifussball Coca Cola Liga auf, musste ich gestern zum letzten Spiel in dieser Runde ran. FC Srbija ZH gegen FC Engstringen; quasi ein Derby der B2 Junioren in der untersten Liga. Heim einer der letzten der Liga, wobei man nicht mehr weiter absteigen kann und Gast im oberen Mittelfeld. Es ging also um nicht mehr.


    Da ich die C Junioren von Heim bereits letzten Herbst pfeifen musste, war mir klar, dass das ein grenzwertiges Spiel werden könnte. Also war ich fit und munter und viel zu früh am Austragungsort, den ich zu Fuss erreichen kann. Rund eine Stunde vor Spielbeginn stellte sich mir eine hübsche junge Dame vor... Kaum zu glauben war sie Trainerin von Gast. Das sollte jedoch die schönste Erinnerung an den gestrigen Tag bleiben. Der Heimtrainer kam wie immer bei solchen Mannschaften erst, nachdem ich ihn selbst aufsuchte, zu mir in die Kabine. Bei der Spielerkontrolle habe ich bei zwei Spielern Mützen auf dem Kopf gesehen, die ich beim einlaufen dann direkt abnehmen liess. War das vielleicht falsch und sollte ich mit Mütze spielen lassen?


    Dann gings auch schon pünktlich um 12 los. Erster Angriff von Gast, ein satter Schuss aus dreissig Metern und es stand 0-1. Dann kam, was immer kommt: Jede Entscheidung von mir wurde durch Heim kommentiert und reklammiert, ebenso durch die rund dreissig Zuschauer im "Heimblock". Zehnte Minute: Schlechte Rückgabe von Gast zum Abstoss ausführenden Verteidiger, dieser schlägt den Ball im allerletzten Moment noch weg doch er kracht mit dem heraneilenden Stürmer von Heim zusammen und bleibt liegen. Ergebnis ist eine Platzwunde beim Auge. Der Spieler muss ausgewechselt werden und wird ins Spital gefahren. Ich ermahnte den Stürmer, da nicht so reinzugehen, wenn er sieht, dass der Ball schon gespielt wurde. Wie kann ich hier als SR besser argumentieren? Eine gelbe Karte scheint mir da zu viel zu sein...


    Gast liess sich von dem ganzen Reklammieren und Diskutieren durch Heim scheinbar anstecken also wurde es auch dort laut. Verteidiger mit der Nummer 9, Spielführer der Gäste, war mir dann nachdem ich sein drittes Faul innerhalb kurzer Zeit abpfiff doch zu laut so rief ich ihn zu mir und erklärte, dass ich heute gar nichts mehr von ihm sehen oder hören möchte. Das funktionierte bis zum Abpfiff ganz gut. Daher hat dieser Spieler meinen ehrlichen Respekt verdient. Ich hatte nicht das Gefühl, mich zu wenig zu bewegen - auch wenn mir das durch den Heimblock deutlich zu verstehen gegeben wurde. Auch dachte ich nicht, dass ich soooo unterirdisch sein würde wie behauptet.


    Kurz vor der Pause dann der Ausgleich durch die kämpfenden Serbier.


    Nach der Pause stand ich in etwa auf Höhe Mittelpunkt als ein Spieler von Gast an der Seitenlinie am Linienrichter vorbeizog. Da wurde auf einmal der Linienrichter (vermutlich jemand aus dem Gasteblock) von einem Heimzuschauert dumm gemacht... Er solle auch winken und anzeigen und nicht nur rumstehen und blöd tun. In der nächsten Unterbrechung ging ich zum Linienrichter und sagte ihm, er solle sich nicht verrückt machen oder provozieren lassen und mir deutlich anzeigen, wenn der Ball aus ist. Damit war die Sache erledigt.


    Wir schreiben Minute 64, ein vielversprechender Angriff von Heim mit fünf oder sechs Spielern im Angriff, Nummer 10 verliert jedoch den Ball, dreht sich um, und gerade als der Verteidiger den Konter einleiten will, legt er sich den Ball mit der Hand für sich vor. Ich entschied auf Unsportlichkeit, zeigte ihm gelb und schickte ihn für zehn Minuten raus. Nach einem weiteren gut vorgetragenen Angriff erzielte Heim dann in Unterzahl den Führungstreffer und markierte damit den 2-1 Endstand. In Minute 74 dann eine der vielen Nicklichkeiten von Heim, Gast sprang auf die Provokation ein und beide schubsten sich kurz leicht rum. Ich stand 5m daneben, holte die beiden zu mir und liess beide mit gelb zehn Minuten auf der Bank runterkommen. Viele knappe Abseitsentscheidungen dann gegen Heim, da immer zwei Stürmer an der Mittellinie standen. Aber wenn das Zuspiel kommt und der Stürmer hat keinen Fuss mehr auf der Mittellinie, steht er bei mir halt Abseits und fertig. Nachdem ich das nochmals erklärte, verstanden es die Stürmer - nur eben der Heimblock nicht.


    Dann noch ein Foul von Heim Nummer 8 in der 88. Minute, für welches er mit gelb bereits Feierabend machen durfte. Ich sagte dann zwar zwei Minuten Nachspielzeit an, liess aber knappe vier Minuten nachspielen, da der Ball einmal neben das Stadion gedroschen wurde und da sich der Torwart von Heim immer viel Zeit beim Abstoss liess. Nach dem Schlusspfiff gab es Shake Hands mit allen Beteiligten.


    Was mich persönlich abermals nachdenklich und auch traurig macht, ist die Tatsache, dass wohl wieder Beleidigungen ausgesprochen wurden. Ich habe dies aber wieder nicht gehört. Selbst als mir ein Spieler von Heim sagte, dass er beleidigt werden würde und ich ihm entgegnete, dass ich genauer hinhören werde, habe ich wirklich nichts gehört. Es klingt doof aber habt ihr Tipps, wie man auf dem Platz besser hören kann?

  • War das vielleicht falsch und sollte ich mit Mütze spielen lassen?


    Ja, solange die Mütze einfach nur eine Mütze ist, keinen vorstehenden Rand hat, nirgendwo festgebunden ist und auch nichts zum festzurren hat, darf so etwas getragen werden.

    Ich ermahnte den Stürmer, da nicht so reinzugehen, wenn er sieht, dass der Ball schon gespielt wurde. Wie kann ich hier als SR besser argumentieren? Eine gelbe Karte scheint mir da zu viel zu sein...


    Sorry, aber nach der Beschreibung ist das mindestens eine Verwarnung, da klar ist, dass er den Ball nicht mehr spielen kann; selbst eine Rote Karte erscheint nach der Schilderung nicht ausgeschlossen, aber dafür müsste man die Situation gesehen haben.

    legt er sich den Ball mit der Hand für sich vor. Ich entschied auf Unsportlichkeit, zeigte ihm gelb und schickte ihn für zehn Minuten raus.


    Gelb und Zeitstrafe - eine Schweizer Besonderheit? Hier gäbe es nur entweder oder.

    Aber wenn das Zuspiel kommt und der Stürmer hat keinen Fuss mehr auf der Mittellinie


    Die Kleinigkeiten, die nicht genau geregelt sind ... Reicht ein Zeh auf der Linie, um noch in der eigenen Hälfte zu stehen oder geht es hier um jedes Körperteil, mit dem der Ball regelkonform gespielt werden kann, sprich Füße im eigenen Feld und Kopf in der gegnerischen Hälfte bei Kontakt mit dem Kopf reicht für Abseits ... Wenn der Spieler aber nach Deiner Wahrnehmung in der gegnerischen Hälfte stand, dann ist das eben so - fertig.

    Es klingt doof aber habt ihr Tipps, wie man auf dem Platz besser hören kann?


    Nein, oft ist es sogar besser, weniger zu hören. Denke daran, was Du hörst musst Du deutlich hören und einem konkreten Spieler zuordnen können, sonst hilft Dir das nichts. Aber meist hilft es, wenn man genau das auch den Spielern kommuniziert: Ich achte darauf, muss es aber selbst klar hören und wissen, wer was gesagt hat - meist verstehen die das sogar.

  • Manfred ist mir zuvor gekommen. Im wesentlichen ist es das, was mir auch durch den Kopf ging. Wie man mehr und besser hören kann? Gar nicht. Mir fällt da ein Spruch von Günther Linn ( ehemaliger Bundesligaschiedsrichter und langjähriger DFB-Chefausbilder ) ein: "Weniger hören - mehr sehen..."


    Aber eine Sache müsstest du mal erklären. Gelb UND Zeitstrafe für EIN Vergehen?? Und das hast du gleich dreimal durchgezogen. Das wären drei Regelverstösse in einem Spiel -es sei denn, da war noch was anderes, z.B. Meckern nach der Verwarnung.
    Klär' uns bitte mal auf.

    35 Jahre Schiri :saufbrüder: ( und immer noch nicht genug davon )
    1981 bis 2016

  • Die Kleinigkeiten, die nicht genau geregelt sind ... Reicht ein Zeh auf der Linie, um noch in der eigenen Hälfte zu stehen oder geht es hier um jedes Körperteil, mit dem der Ball regelkonform gespielt werden kann, sprich Füße im eigenen Feld und Kopf in der gegnerischen Hälfte bei Kontakt mit dem Kopf reicht für Abseits

    ....mittlerweile geregelt:


    ..."Ein Spieler befindet sich in einer Abseitsstellung, wenn
    •  er sich mit irgendeinem Teil des Kopfs, Rumpfs oder der Füße in der
    gegnerischen Hälfte (ohne die Mittellinie) befindet und
    •  er mit irgendeinem Teil des Kopfs, des Rumpfs oder der Füße der
    gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball und der vorletzte Gegenspieler."

  • Vereinfacht gesagt kann man sagen: "Man kann mit all den Körperteilen im Abseits stehen, mit denen man auch ein regelkonformes Tor erziehlen kann"


    Auch wenn es nicht schadet den Regeltext zu kennen :)

    Geh nicht nur die glatten Straßen. Geh Wege, die noch niemand ging, damit du Spuren hinterlässt und nicht nur Staub.
    (Antoine de Saint-Exupery)

  • Vereinfacht gesagt kann man sagen: "Man kann mit all den Körperteilen im Abseits stehen, mit denen man auch ein regelkonformes Tor erziehlen kann"

    Das ist nicht nur nach neuer Regelung falsch sondern auch nach alter Regelung Unsinn - denn so stand es nie im Regelwerk.


    Neue Regel jedes Körperteil zählt für Abseits.


    Übrigens wette ich, das es möglich ist, mit der Hand ein Reguläres Tor zu erzielen. Wer hält dagegen?
    Übrigens die Wette um ein Bier hat bereits unser Lehrwart gegen mich verloren :sleeping:

  • Ja das mit dem Abseits sehe ich ein. Mit jedem Körperteil, mit dem ein Tor erzielt werden kann... Sprich einen Fuss auf der Mittellinie und den anderen in der gegnerischen Hälfte ist Abseits. Fertig.


    Und ja, im Schweizer Juniorenfussball (A, B, C Junioren) bekommt man für eine gelbe Karte zusätzlich 10 Minuten Pause auf der Bank dazu :)

  • Neue Regel jedes Körperteil zählt für Abseits.

    Auch das ist Unsinn.
    Auszug aus der Abseitsregel:
    "Die Hände und Arme aller Spieler, einschließlich der Torhüter, werden dabei nicht berücksichtigt."

  • Deshalb habe ich ja auch "vereinfacht" gesagt ;)


    Mir ist schon klar, dass das eine Umschreibung ist, die man jetzt nicht auf einem Regeltest angeben sollte.
    Aber die meisten Spieler verstehen das ;)


    Und was mir Streß auf dem Platz erspart, kann nicht schlecht sein :P

    Geh nicht nur die glatten Straßen. Geh Wege, die noch niemand ging, damit du Spuren hinterlässt und nicht nur Staub.
    (Antoine de Saint-Exupery)